Horsti und die starken Männer – Heute: Die Begabtenförderung

In Ingolstadt wurde heute die Profilschule vorgestellt.

„Kein Talent verlieren“, das ist das Motto der Profilschule Ingolstadt, eines Kooperationsmodells des Freistaats Bayern, der Stadt Ingolstadt, der AUDI AG und der Roland Berger Stiftung. Nicht die soziale Herkunft soll über den Bildungserfolg eines Kindes entscheiden, sondern ausschließlich sein Können. Hier setzt das Konzept der öffentlichen Schule an: Die Schülerinnen und Schüler lernen im rhythmisierten Ganztagesunterricht, der Unterrichtsstoff wird in kleinen Lerngruppen am Nachmittag wiederholt. Die Klassenstärke beträgt maximal 18 Schülerinnen und Schüler und eine Sozialpädagogin fördert die Kinder zusätzlich.

So lobt das Kultusministerium in einer gemeinsamen Pressemitteilung aller Beteiligten (Audi, Stadt Ingolstadt, Kultusministerium und Roland-Berger-Stiftung) das Projekt, Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die dennoch begabt sind, zu fördern. Dass wir uns richtig verstehen: Dagegen ist nichts, aber auch gar nichts einzuwenden, außer, dass einen, von außen betrachtet, das Gefühl beschleicht, hier handele es sich um ein weiteres Leuchtturmprojekt der Staatsregierung. In der breiten Fläche hingegen würde weiter an der Bildung gespart. Die ernüchternden Zahlen, die Kultusminister Spaenle letzte Woche vorgestellt hat, mögen ein Zeichen sein.
Ein sichtlich gut gelaunter Ministerpräsident Horst Seehofer betonte in seiner Eröffnungsrede: „Beste Bildung für jeden einzelnen Schüler und das unabhängig von der sozialen Herkunft – das ist Ziel unserer Bildungspolitik in Bayern und das garantiert in besonderem Maße auch die Profilschule Ingolstadt. Das bundesweit einzigartige Modellprojekt ist ein leuchtendes Beispiel für eine gerechtere Verteilung der Chancen in unserer Gesellschaft. Herzlichen Glückwunsch den Buben und Mädchen der Grundschule Auf der Schanz und des Christoph-Scheiner-Gymnasiums, die in den Genuss einer Top-Förderung ihrer Talente kommen. Und natürlich freue ich mich, dass es nach den Profilklassen in Nürnberg und Würzburg in meiner Heimatstadt Ingolstadt eine Roland-Berger-Profilschule gibt.“

Keine Spur mehr von den gestrigen Streitereien im Landtag. Am Rande des Plenums hatte der Ministerpräsident die Zusammenarbeit mit der Opposition in Sachen Bildung aufgekündigt. Eine Zusammenarbeit, von der freilich die Opposition sagt, es hätte sie nie gegeben.

Zurück nach Ingolstadt. Natürlich ist der Unternehmer Roland Berger zu loben, der sich mit seiner Stiftung um hochbegabte Kinder kümmert. In der Veranstaltung wie auch in der Pressemitteilung liest sich das so: „Das heißt, dass für jedes Kind in Absprache mit der Lehrkraft ein individueller Förderplan erstellt wird. Die Förderung ist exakt auf die Talente und Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes ausgerichtet und wird aus den zehn Lernbereichen kombiniert. Ehrenamtliche Mentoren begleiten die Schülerinnen und Schüler und stehen ihnen als Ratgeber zur Seite. Der Schulbesuch und alle Förderangebote der Stiftung sind für die Eltern kostenlos.”

Kultusminister Ludwig Spaenle sieht denn auch den Vorbild-Charakter dieser Profilschulen, damit auch im Regelbetrieb Modelle entwickelt werden können, Förderung individueller zu gestalten:

Spaenle zeigt sich, ganz wie letzten Sommer, begeistert davon, dass sich Roland Berger mit seiner Stiftung engagiert:

Was anderenorts als Scheitern der Schulpolitik eingestanden werden müsste, erhält in Bayern die höheren Weihen:

Richtigerweise müsste es heißen: Der Staat müsste sich engagieren, um für 100 Prozent der Schülerinnen und Schüler Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Macht er aber nicht. Nun, weiter im Text. Und der heißt: Begabtenförderung ist Bildungsgerechtigkeit. Schulminister Spaenle drückt das so aus:

Dass es wichtig ist, Talente zu erkennen und zu fördern, bestreitet keiner. Dass dies letztlich am Gymnasium und im Vorfeld Grundschule geschieht, auch nicht. Ob dieses Vorgehen aber den Facharbeitermangel beheben wird, darf bezweifelt werden. Die breite Masse der Schülerinnen und Schüler wird nicht in den Genuss kommen, sondern sich mit vielen Fächern und weitgehend ohne individuelle Förderung zum Abschluss quälen müssen. Und bevor man Leuchtturmprojekte am oberen Ende einrichtet, sollte sich das Kultusministerium lieber um die fast 100% der bayerischen Schülerinnen und Schüler kümmern.

In der Kategorie Bayern, Bildung, Gymnasium, Kultusministerium, Schule am 17.09.14 um 16:16 Uhr veröffentlicht.
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Wahl in Thüringen und Brandenburg

Vielleicht ist es aber auch erschreckend, was ich vor einigen Tagen auf Twitter postete:

Erschreckend, dass es mehr wurden. Prozente.

In der Kategorie Politik, Zwischenruf am 14.09.14 um 19:02 Uhr veröffentlicht.
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Vae victis! Oder: Wehe den Besiegten (der Bildungspolitik)!

Dass die Pläne von Kultusminister Ludwig Spaenle bei den Grünen meist auf wenig Gegenliebe stoßen, ist hinlänglich bekannt. Heute prallten in zwei Pressekonferenzen hintereinander die Meinung von Spaenle und die Meinung von Thomas Gehring und Claudia Stamm aufeinander. Kultusminister Spaenle stellte die Pläne seines Hauses vor. Für ihn sind wichtige Punkte der Schulentwicklung der Ganztag, die Inklusion und … ja, wieder mal, das Volk will es so, die Weiterentwicklung des Gymnasiums. Die Kennzahlen des Kultusministeriums, präsentiert von Dr. Ludwig Spaenle:

Zu den in der kommenden Woche anstehenden Gesprächen mit allen bildungspolitischen Sprechern der Fraktionen im Bayerischen Landtag betonte Spaenle, dass er offen sei für die Weiterentwicklung, allerdings schon wisse, wohin er wolle. Auf dem Weg möchte er aber möglichst viele mitnehmen.

Kernelement der Schulbildung sei, so Spaenle, der LehrplanPlus, der ab diesem Schuljahr an den Grundschulen eingeführt wird und in drei Jahren für alle weiterführenden Schulen stehen soll. Dieser LehrplanPlus zielt darauf ab, dass Schüler vermehrt Kernkompetenzen vermittelt bekommen sollen. Der Stoffumfang am Gymnasium wird daran ausgerichtet, er soll acht Jahre betragen.

Es wird in Bayern vermutlich beim G8 bleiben, aber neunjährige Züge geben. Dabei setzt Spaenle zuerst auf eine Verlängerung der Mittelstufe. Ein Vorhaben, das bei den Grünen auf Unverständnis stößt. Thomas Gehring meldete Zweifel an:

Der bildungspolitische Sprecher der Grünen ist zwar grundsätzlich dialogbereit, wird aber Widerstand leisten, wenn er diesen als notwendig ansieht:

Gehring forderte ebenfalls die Entrümpelung des Lehrplans. 14 Fächer in der zehnten Klasse seien ein Unding. Eine Lösung sieht er in fächerübergreifendem Lernen.
Claudia Stamm, haushaltspolitische Sprecherin der Grünen, warf dem Kultusministerium vor, dass sie seit letztem Herbst eine klare Aussage des Ministeriums zur demografischen Rendite vermisse. Es geht um den Stellenplan und dessen Finanzierung:

Claudia Stamm meinte, die Haushaltspolitik sei vorhersehbar gewesen. Schon in der zweiten Lesung zum Bildungsfinanzierungsgesetz (2013/14) habe sie prophezeit, dass die Staatsregierung ihre Versprechungen zum Ganztag brechen würde. Dass dies in Bereich der Frühkindlichen Bildung passieren würde, findet sie um so bedauerlicher. Vor der Sommerpause war aufgekommen, dass die Mittel dort um fast die Hälfte zurückgefahren werden würden:

Und Kultusminister Ludwig Spaenle? Der „praeceptor bavariae” konzentriert sich weiter aufs Gymnasium:

Die Bildungsschlacht wird sich aber auch an der Mittelschule entscheiden. Da fehlte jegliche Eingebung.
Vae victis!

Mehr zum Thema:
Die SPD konkretisiert die Forderungen an ein Bayerisches Gymnasium
Die Freien Wähler zur Bildungspolitik in Bayern

In der Kategorie Bayern, Bildung, CSU, Grüne, Gymnasium, Kultusministerium, Landtag, Landtags-CSU, Landtags-Grüne, Mittelschule, Politik, Schule am 12.09.14 um 17:12 Uhr veröffentlicht.
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Vorsicht Baustelle – Düstere Aussichten der Freien Wähler für Bildung in Bayern

Nach der SPD gestern haben heute die Freien Wähler ihre Forderungen für die Bildungspolitik in Bayern vorgestellt. Im Wesentlichen decken sich die Positionen der drei Oppositionsparteien im Bayerischen Landtag, allerdings betonte Günter Felbinger besonders den Erhalt des mehrgliedrigen Schulsystems und die Stärkung der Mittelschulen. Dass bayerische Schüler aus Unterjoch seit ein paar Tagen nach Österreich in die Schule gehen, warf er der Staatsregierung ebenso vor wie deren zögerlichen Ausbau des Ganztags. Die Freien Wähler fordern den Erhalt wohnortnaher Schulen, vor allem im Grundschulbereich:

Die demografische Rendite müsse vor allem auf dem Land eingesetzt werden, um kleinere Schulstandorte zu erhalten. Und damit meint Felbinger nicht nur die rechtlich selbständigen, sondern auch die Schulen, die Außenstellen einer anderen Schule sind. Nur so lasse sich wohnortnahe Bildung realisieren.

Besonderes Augenmerk sei, so der bildungspolitische Sprecher der Freien Wähler, dabei auf die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems zu legen. Gerade Mittelschulen müssten gestärkt werden, leerstehende Schulhäuser dürfe es nicht mehr geben.

Auch wenn das Volksbegehren der Freien Wähler gescheitert ist, haben diese ganz klare Vorstellungen für ein bayerisches Gymnasium. Neun Jahre, sofortige Einführung des LehrplanPlus, Beginn der zweiten Fremdsprache erst in der 7. Klasse:

Vor allem müsse aber der Ganztag in Bayern ausgebaut werden, betonte Felbinger:

Felbinger betonte auch, dass die Staatsregierung im zurückliegenden parlamentarischen Jahr mehr mit sich beschäftigt war, statt die Inklusion zu verankern. Großen Worten seien kaum Taten gefolgt. Er forderte für Ganztag und Inklusion sofort 1000 Lehrerstellen. Die Finanzierung stellte er als machbar dar:

Am Freitag lädt das Kultusministerium zur Pressekonferenz, anschließend die Grünen. Heinrich graut’s berichtet.

In der Kategorie Bayern, Bildung, Fraktion Freie Wähler, Freie Wähler, Gymnasium, Mittelschule, Politik, Schule am 11.09.14 um 13:03 Uhr veröffentlicht.
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SPD konkretisiert Forderungen für ein G9

Nach Ansicht der Landtags-SPD muss das bayerische Gymnasium dringend reformiert werden. Martin Güll, bildungspolitischer Sprecher der SPD, fordert ein modernes, neunjähriges Gymnasium als Regelform. Dabei muss seiner Ansicht nach für leistungsfähigere Schüler die Möglichkeit geschaffen werden, das Gymnasium schneller zu durchlaufen.
Das achtjährige Gymnasium sei 2004 konzeptionslos und überstürzt eingeführt worden, betonte Güll. Die Gründe seien in der Wirtschaft zu suchen. Schüler seien zu sehr belastet, das G8 entwickele sich zum Familienprojekt, ohne Eltern und Nachhilfe sei es kaum zu schaffen, so der ehemalige Schulleiter. Die vier wichtigsten Punkte benannte Güll in einer Pressekonferenz: Einer sei, moderne Pädagogik mit selbstbestimmtem Lernen zu verwirklichen. Denn jeder Schüler habe nun mal sein eigenes Tempo:

Der Lehrplan gehöre der Lebenswirklichkeit angepasst und entrümpelt. Es müsse, so Güll, mehr vernetzt gelernt werden:

Neben der Vernetzung der Fächer müssten die Schulen in die Lage versetzt werden, flexible Stundentafeln anzubieten. Aus didaktischen Gründen sei das Wissen in einzelne Fächer zerlegt, es dürfe aber nicht dabei bleiben, zitiert Güll Dr. Horst Siebert, es brauche eine Sythese, die das flexible Querdenken trainiere:

Und als viertes müsse über das Ziel des Gymnasiums nachgedacht werden. Schüler seien oft unselbständig, wenn sie mit 17 Jahren aus dem G8 kämen. Güll will, dass sich Schüler in der Oberstufe wieder mehr in Fächer eingraben können.

Das Fazit, so Güll: Ein neunjähriges Gymnasium schaffe mehr Lern- und Bildungszeit. Nur so könnten sich Schüler auch neben dem Lernen zum Beispiel musisch und sportlich betätigen. Eine Alternative sieht der bildungspolitische Sprecher der SPD in achtjährigen Ganztagsgymnasien, die klug getaktet Unterricht, Pausen und Freizeitangebote miteinander vernetzen:

In der kommenden Woche werden sich auf Einladung des Kultusministeriums die bildungspolitischen Sprecher aller Fraktionen zu Beratungen zusammensetzen. Martin Güll benennt weitere Punkte, die über das Gymnasium hinaus an allen Schulen verbessert werden müssten: Der Ganztag und die Inklusion seien nur zwei davon.

In der Woche vor Schulbeginn halten traditionell die Oppositionsfraktionen und das Kultusministerium ihre Pressekonferenzen zur Bildungspolitik ab. Donnerstag folgen die Freien Wähler, Freitag Kultusministerium und voraussichtlich Grüne.

Der Wortlaut der Presseerklärung von Martin Güll findet sich hier.

In der Kategorie Bayern, Bildung, Gymnasium, Inklusion, Landtags-SPD, Schule, SPD am 10.09.14 um 16:25 Uhr veröffentlicht.
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Herbststimmung an der Isar. Oder: Eine kleine, sperrige Organisation …

Gelegentlich unternimmt der Autor dieses Blogs Ausflüge in die Netzpolitik. Oder das Urheberrecht. Heute ist es wohl was mit Urheber. Zur Netzpolitik ist ja alles gesagt. Von allen anderen. Dass Deutschland sich da kein Ruhmesblatt anheftet, sollte mittlerweile der letzte Dorfbewohner mitbekommen haben. Mir ist diese Woche aber was anderes untergekommen. Stichwort „Spiel mich“. Und darum geht es: In einem Millionendorf werden Klaviere, Flügel aufgestellt, auf dass, wer will, darauf spiele. Das Herz und das Ohr, die Sinne der Hörenden zu erfreuen. Was eine schöne Sache. Einfach im Herbst durch das Millionendorf schlendern und sich erfreuen. Erfreuen, ganz einfach erfreuen.

Woasst eh, so einfach freuen, wenn eine Melodei an Dei Ohr glangt und der ganze Tag dann wie ein „Heut schaun die Madln wie Äpfel aus“ den ganzen Tag in Dir umanand spinnt.
München, Du Perle an der Isar, du vom Herbst geküsstes Millionendorf, noch nicht ganz aus dem Sommer raus und noch nicht im Oktoberfestirrsinn ganz drin. München, das Dorf, in dem Meister Eder und sein Pumuc … doch, was ist das?
Eine kleine, sperrige Organisation droben über dem Isarufer, am gachen Steig, die des Bettelns unverdächtig und dem gelegentlich Zahlungspflichtigen eher suspekt bis verhasst ist, hält auch bei den Klavieren die Hand auf. Als seinerzeit „Spiel mich” das erste Mal durchgeführt werden sollte, hat diese kleine, sperrige Organisation 5.000 Euro haben wollen. Mit etwas Verhandlungsgeschick und kleinem Protest der Öffentlichkeit verzichtete die kleine, sperrige Organisation dann auf etwas Geld und wollte nur noch 2.300 Euro Tantiemen.

Nicht, dass ich Urhebern, Rechteinhabern und Begünstigten die Tantiemen nicht gönne! Das will ich an dieser Stelle ganz klar sagen: Wer etwas schafft, soll entlohnt werden und vom Ertrag seines Schaffens leben können. Aber die Begründung einer kleinen, sperrigen Organisation, die „Spiel mich” – Klaviere mit Abgaben belegen will, ist doch etwas sehr weit begründet: „Es könnten ja urheberrechtlich geschützte Werke gespielt werden.”
Dass es bis jetzt noch keine Antwort der kleinen, sperrigen Organisation gibt, wieviel sie dieses Jahr verlangt, ist nur ein kleiner Tropfen in der Isar, die durch das Millionendorf fließt. Viel interessanter ist da doch, dass die kleine, sperrige Organisation im Jahr 2012 keine Angaben machen wollte, ob die NPD ihr abgespieltes Liedgut bei einer Demo am Rotkreuzplatz angemeldet hat. Und wenn ja, in welcher Höhe Tantiemen fällig wurden.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich halte eine Urheber-Honorierung für richtig. Dann aber offen, transparent und nachvollziehbar. Und nicht einfach auf den Verdacht hin, dass etwas gespielt werden könnte, was tantiemenberechtigt ist. Interessant in diesem Zusammenhang kann auch sein, dass sich die kleine, sperrige Organisation als Wohltäter darstellt. Und nicht erklären kann/will, was an Kosten fällig wird. Auf die Mitteilung warte ich.

Heut schaun die Madln wie Äpfel aus.

In der Kategorie Abseits, Musik, Zwischenruf am 07.09.14 um 13:11 Uhr veröffentlicht.
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#Haderthauer – Eine persönliche Erklärung.

Die Staatsministerin ist zurückgetreten. Christine Haderthauer ist nicht mehr Chefin der Staatskanzlei.Ich zolle Christine Haderthauer, MdL und Staatsministerin auch für besondere Aufgaben in der Staatskanzlei, meinen Respekt. Sie hat ihre Aufgaben zwar nicht zu meinem Wohlgefallen gelöst. Als Pressereferent eines Lehrer- und Erzieherverbandes muss ich immer in Fundamentalopposition sein. Aber Christine Haderthauer hat die ihr gestellten Aufgaben durchaus zur Zufriedenheit der CSU gelöst. Was der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung sagt, darf ja abweichen.

Ich erkläre hier im vollen Wortlaut:

Und dass eine Staatsministerin als Leiterin der Staatskanzlei durchaus polarisieren darf, gegeben.
Ihre harte Haltung gegenüber Asylbewerbern? Ich habe das nur über BR_quer und andere Medien mitbekommen. Ich war im Asylbewerberheim nicht dabei. Wo ich dabei war: Martin Neumeyer hat in einem Asylbewerberheim übernachtet. Hier laufen zwei Linien gegeneinander. Die Linie von Martin Neumeyer, der als Integrationsbeauftragter sauguade (so sagt man in Oberbayern!) Arbeit leistet. Und ihre Haltung, die sogar ein CSU-Mitglied mir gegenüber als „Eisprinzessin” klassifiziert hat.

Nein, Fraa Haderthauer.
Ich mache Ihnen Ihre Zeit als Sozialministerin nicht zum Vorwurf.
Regeln und Leitlinien muss man durchsetzen.
Herz?
Ist überfragt.
Deswegen waren Sie als Sozialministerin vielleicht nicht die glücklichste Wahl. Egal.
Ihre Arbeit als Staatsministerin beurteile ich nicht. PUNKT.
Wie gesagt, was ich ankreide:
Sie haben versucht, die Presse zu behindern. Ich habe gemault und die Grünen im Landtag haben mich unterstützt.
Sie sind nun nicht mehr Staatsministerin.

In der Kategorie Allgemein am 01.09.14 um 21:08 Uhr veröffentlicht.
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Landtagswahl Sachsen. Ein Gstanzl.

In einer ersten Reaktion auf das Wahlergebnis in Sachsen twitterte ich, dass die Parteien durchaus Eigenverschulden am Ergebnis haben, weil sie sich zu weit vom Wähler entfernt haben. Das ist auf die demokratischen Parteien bezogen, sonst würden Linke, NPD und AfD nicht einen solchen Zulauf bekommen.
Es bedarf unserer aller Anstrengung, dieses Land wieder zu dem zu machen, was wir nach dem Zweiten Weltkrieg wurden. Ein Land, in dem Freiheit, Demokratie und die Achtung vor dem Anderen in Kultur und Lebensauffassung wieder Grundwerte sind. Ich sehe vor allem die Parteien des demokratischen Spektrums in der Pflicht.

Erste Reaktion, kurz nach Schließung der Wahllokale:

Nach etwas mehr als vier Stunden ausführlicher:

Wahl in Sachsen und die Rechten
san im Landtag wieder drin.
Wenns der Demokratie was brächten,
fänd ich es ja gar nicht schlimm.

Aber AfD und Nazis
sind doch viel zu destruktiv.
‘s Land nach vorne ohne Bazis.
In Sachsen geht das grade schief.

Versteht mich bitte einfach richtig:
Ich respektiere diese Wahl.
Doch Freiheit ist für uns so wichtig.
Die nächsten Jahre werden Qual.

Heinrich grauts wird sich in Zukunft auch der Tradition des Gstanzls verpflichtet sehen, da diese musikalisch-sprachliche Gattung auszusterben droht. Sie ist erhaltens- und liebenswert. Der Autor wird keine Rücksicht auf Befindlichkeiten von politischen Parteien oder irgendwelchen Personen nehmen.

In der Kategorie Gstanzl am 31.08.14 um 22:29 Uhr veröffentlicht.
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Leserreise – und dann wird es ganz anders.

Nein, den Mund habe ich nicht zu voll genommen, als ich sagte, ich ginge auf Leserreise. Auch, wenn kurzfristig kein Blogbeitrag entstanden ist oder entstehen wird. Dafür habe ich tolle Menschen kennengelernt, die ich in meiner Timeline nicht missen möchte. Gekrönt wurde die Woche von einem Besuch in der Kirche von Peter Fahr. Er bezeichnet sich selber als „Oberschaf”. Ich war einigermaßen überrascht, dass er den Altardienst mit Rücken zur Gemeinde versieht. Ihm ist es wichtig, dass sich die Gemeinde auf das im Bild zu sehende Kreuz konzentriert, also auf Christus.

Aber der Reihe nach: Schon donnerstags besuchte ich „deltasig”. Wir plauschten in Bonn bei einem Kaffee unter anderem über ihr Hobby Improtheater, das sie auch teils beruflich anwendet. Alleine das ist es wert, dass ich sicher nochmal vorbeischaue und nach dem gegenseitigen Beschnuppern mal drüber blogge. Das lange Wochenende mit Feiertag (Bayern!) verbrachte ich daheim. Kofferpacken und Ausruhen.

Montags ging es dann nach Siegen. Zu Gast beim „Admiral”. Eine sehr interessante Stadtführung erwartete mich. Oberes Schloss katholisch, unteres Schloss evangelisch. Im Innenhof des Oberen Schlosses im Sommer Freiluftkino. Irgendwie erinnert mich Siegen von oben an manches langgestreckte Tal, so, wie zum Beispiel Salurn in Südtirol. Wie der Admiral sagte, könnte man mit fünf Sperren Siegen dicht machen.

Klar gibt es in Siegen noch mehr zu begutachten. Alleine deswegen müsste ich einen Tag alleine nach Siegen. :) Nach der Stadtführung lecker Essen, dann Männergespräche in einer Kneipe. Es ist ja nicht so, dass ich das nicht auch zu Hause haben könnte, aber in dem Fall war es sehr, sehr schön, fernab der Heimat zu reden.
Dienstag ging es weiter nach Paderborn. Sabine hatte mich eingeladen. Und was soll ich Euch sagen? Wir hatten viele Gespräche, auch diese müssten in eigenen Podcasts aufgearbeitet werden. Abends hatte ich ein Highlight. Ich durfte an einem „privaten” Lionstreffen in Paderborn teilnehmen. Ich lernte einen türkischen Schützenkönig kennen. Nicht der aktuelle aus Werl, der Schlagzeilen macht, sondern der von 2007. Alleine das wären drei bis vier Beiträge wert.
Lutz, der Ehemann von Sabine, beschäftigt sich mit Industrie 4.0. Auch das ist einen Podcast wert. Klingt sehr interessant und ist angesichts des Wandels, den unsere Gesellschaft durchmacht, geradezu notwendig.

Mittwoch fuhr ich dann nach Stuttgart. Carmen holte mich am Bahnhof ab, wir gingen lecker essen und ratschten. Privates.
Die Heimfahrt trat ich dann mit Sam an, der zufälligerweise in der Gegend war. Ich breite den Mantel des Schweigens über das Geschehen. Nur soviel: Meine Fahrt nach Potsdam am Donnerstag verschlief ich. Zu allem Unglück hatten wir dann noch einen Personenunfall mit unserem ICE. Das folgende Arbeitstreffen war dennoch intensiv. Und am Freitag dann, wie gesagt, der Besuch in Hamburg.

Und dann wie gesagt der Freitag. Und auch der ist zwei bis drei Beiträge wert. Nicht zuletzt wegen des Buches, das ich von Peter Fahr geschenkt bekam.
Abgesehen davon, dass ich das lesen will, ist es sicher wert, sich damit journalistisch auseinanderzusetzen.
Es war eine ereignisreiche Woche.
Ich sage an dieser Stelle DANKE für all die Einladungen, Beherbungen. Ich habe Dinge erlebt, die ich sonst nie erlebt hätte und ich werde das im kommenden Jahr einbinden. Denn immerhin habe ich auch ab 1. Oktober wieder eine Bahncard 100. Dafür danke ich auch herzlichst. Selbstverständlich ist es nicht.
Wie so vieles im Leben.

In der Kategorie Abseits, Social Media am 24.08.14 um 14:33 Uhr veröffentlicht.
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Bayern – Ein proaktives Sommerloch.

Ich gebe zu, diese Woche habe ich mich fast gar nicht um die bayerische Landespolitik gekümmert. Und ich habe auch nicht vor, das in der kommenden Woche proaktiv zu tun. Auch ich brauche mal Urlaub. Ich gebe zu, dass dieser Urlaub etwas anders sein wird, weil ich mich auf Leserreise befinde. Aber auch ich habe ein recht auf Urlaub und deswegen kommt hier ein Post zur Sprache. Das ist etwas, mit dem ich mich immer auseinandersetze.

Damit sind wir schon beim Kern dieses Artikels. Mir ist mit Abstand zum Formulieren aufgefallen, dass eben genau diese Formulierungen immer mehr verwaschen. Ein Problem, dessen sich nicht nur die @Floskelwolke annimmt. „Gut”, mag der eine oder andere sagen, „gut, das sind Feinheiten, die im Zeitalter von Social Media eher zu vernachlässigen sind. Die Botschaft ist wichtig.” Nein. Die Botschaft ist wichtig, aber sie sollte korrekt vermittelt werden. In Print, in Radio, in Pressemitteilungen, egal wo.

Ja, die Botschaft ist wichtig. Aber: Ungeachtet der Botschaft stehe ich halt auch drauf, dass diese sprachlich adäquat vermittelt wird. So, wie im nebenstehenden Bildschirmausschnitt (Screenshot) der Genitiv misshandelt wird, bekomme ich das Grausen. Und wenn ich in der Bildunterschrift einen bekannten Buchtitel eines jungen Sprachwahrers persifliert habe, mögen Sie erkennen, dass ich mir des Problems um den Genitiv durchaus bewusst bin. Mit permanenter Regelmäßigkeit lesen Abonnenten des MVG-Accounts den Dativ statt des Genitiv_e_s. Ich überlege mir schon, einen Duden zur MVG zu liefern, aber nur, wenn ein Metzger das Hirn dazu gibt, den Duden auch zu nutzen.

Gefällte Bäume sind gefällte Bäume, oder?
Jahaaaa, aber bei den Freien Wählern im Bayerischen Landtag werden gefällte Bäume dann zum Bollwerk. Bäume tragen zum Ortsbild bei, bereichern die Landschaft. Aber, machen diese Bäume das auch noch, wenn sie gefällt sind? Sie sind dann nicht mehr da. Also bereichern, so die Freien Wähler, gefällte Bäume das Ortsbild und die Landschaft um Feldkirchen. Alles klar?

Von den Bäumen zu Urteilen

Und schliesslich, liebe CSU: Urteile fallen nicht. Weder von Bäumen noch aus morschen Wänden einer Staatskanzlei oder eines bayerischen Gerichtes. Urteile werden gesprochen. Oder auch gefällt, um in der Bildsprache zu bleiben. Urteile werden gefällt, wie mit einem Fallbeil, einer Axt, einem Beil. Sie fallen nicht einfach, so, wie Bäume nach einem Sturm fallen oder umknicken.

Zugegeben, ich berichte derzeit nicht aus der bayerischen Landespolitik. Ich brauche einfach auch mal Urlaub. Der Ticker läuft dennoch gnadenlos weiter. Moment!
Ticker, die weiterlaufen? Ich ertappe mich dabei, dass ich meine eigene Sprache überprüfe. Proaktiv. Das ist ein ebenso häufiger wie auch irrsinnig verwendeter Begriff. Wenn ich Handlungen nicht dulde, sondern selbst vornehme, dann bin ich? Richtig: aktiv. Was soll dann proaktiv sein?

Schönen Urlaub!

In der Kategorie Abseits am 15.08.14 um 12:33 Uhr veröffentlicht.
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