Weil das Labyrinth die Befriedigung selbst ist

„Was wäre wenn …” – Eine Lesung zu „Führung – Macht – Verführung”

Salon Littéraire beim österreichischen Generalkonsul Dr. Helmut Koller. Wie schon im Mai ist auch dieses Mal Andrea Riemer zu Gast. Die Schriftstellerin liest wegen der großen Nachfrage zum zweiten Mal aus ihrem Buch „Was wäre wenn …”. Die Stimmung in der Residenz des österreichischen Generalkonsuls ist heiter und gelassen, ganz dem Sommerwetter angemessen. Der Generalkonsul führt ebenso locker in den Abend ein, seine Gäste quittieren es mit Lachen und Ausgelassenheit. Ein guter Rahmen, um sich auf literarisch-lockerer Ebene mit dem Thema Frauen – Führung – Macht – Verführung auseinanderzusetzen.

Andrea Riemer stellte in ihrer Einführung zur Lesung heraus, dass dieser Komplex von Verführung und Führung auch sehr viel mit Sucht zu tun haben kann. Es ist die Suche nach Anerkennung, die sich manchmal in Statussymbolen äußert.

„Was wäre wenn …” ist ein Buch mit 11 Briefen an Persönlichkeiten der Geschichte. Eine Mischung aus Fiktion und Realität, fein ziseliert beobachtet. Andrea Riemer hat sich dem Thema Führung, dass sie aus ihrer eigenen Lebensgeschichte kennt, auf poetische Art genähert. In ersten Ausschnitt der Lesung nähert sie sich an Lillith an. Die Unangepasste.

Meine liebe Freundin, mein lieber Freund …”

Allein aus ihrer Lebensgeschichte heraus kann Andrea Riemer Erfahrungen weitergeben. Sie stammt aus einer Unternehmerfamilie und hatte auch die Mutter als Vorbild der Führungspersönlichkeit.
Im zweiten Ausschnitt aus ihren Briefen schreibt sie indes, ganz dem Motto des Abends folgend, an die Frau, die als die Verführte gelten darf.

Zum Abschluss der Lesung mit Diskussion berührt Andrea Riemer die Verführerin. Fest gemacht hat sie ihren Brief an Alma Mahler-Werfel, der Gattin von Gustav Mahler:

Bibliophile Angaben:
Andrea Riemer: Was wäre wenn…? Ich bin …
192 Seiten, Hardcover, Verlag Holzhausen GmbH, Wien
ISBN: 978-902868-95-4, EUR 19,80

In der Kategorie Literatur am 27.07.14 um 18:42 Uhr veröffentlicht.
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Grüne legen Rechtsgutachten zur Berichterstattung #SAPOR vor

Die Grünen im Bayerischen Landtag haben ein Rechtsgutachten zum Informationsschreiben einer Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben. Die Kanzlei vertritt sowohl Staatsministerin Christine Haderthauer als auch ihren Mann. Hintergrund ist, dass die Kanzlei Journalisten darauf hinwies, dass ihrer Meinung nach über den Gatten der Ministerin nicht namentlich berichtet werden dürfe.. Das Rechtsgutachten, das in Baden-Württemberg angefertigt wurde, kommt zu einem anderen Schluss. Ulrike Gote, medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, stellt die wichtigsten Punkte in Zusammenfassung vor:

Um zu dieser Beurteilung zu kommen, muss unter anderem auch das Auftreten des Ehepaares Haderthauer in der Öffentlichkeit berücksichtigt werden, so Gote weiter:

Ulrike Gote mit einer politischen Beurteilung des Vorganges:

Die medienpolitische Sprecherin der Grünen wertete das Schreiben des Anwalts als eine „Einschüchterung, die man nicht hinnehmen darf.“ Die Grünen hatten das Gutachten vor allem deswegen in Auftrag gegeben, da unter Umständen die Berichterstattung unter anderem durch freie Journalisten und Blogger gefährdet sein könnte. Das Gutachten der Kanzlei Löffler, Wenzel, Sedelmeier findet sich auf der Website der Grünen. Interessantes am Rande der Pressekonferenz: Die Kanzlei spielt wohl Journalisten und Medienhäuser gegeneinander aus und „füttert” sie mit Falschinformationen. Es geht um das Unterschreiben von Unterlassungserklärungen und das Depublizieren von Beiträgen.
„Heinrich graut’s” war auch vom Schreiben des Anwaltes des Mannes der Staatsministerin betroffen.

In der Kategorie Bayern, CSU, Grüne, Landtags-Grüne, Medien, Politik, Staatsregierung am 21.07.14 um 13:14 Uhr veröffentlicht.
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Von Gänseblümchen und Kartoffeln

Zwischenruf

Die WM ist gegessen, der letzte Gaucho hat empört, das Bayerische Landesparlament ist in Sommerferien und sonst? Ein Anwalt, netterweise auch CSU-MdB, versucht die Arbeit des Landtags zu behindern, in dem er wegen eines nicht näher zu bezeichnenden Laborarztes Verfassungsklage erhebt. Ein anderer Anwalt versucht unterdessen, Journalisten, die sich mit Kartoffeln befassen, von ihrem schändlichen Tun abzuhalten.

Ein Ferienidyll

Die vor Kraft strotzende und deswegen nicht im Besitz der Grundfortbewegungsart „Gehen” befindliche Mehrheitspartei kann sich locker in die Sommerpause verabschieden. Mehrheiten sind gemacht, wenn auch nicht immer und überall, aber Hauptsach’, sie können bei Hammelsprüngen das parlamentarische Stimmvieh rechtzeitig zusammentrommeln. Ja, wo kamert’n mia hi, wenn ma dera Obbosizjon im Barlamend aa no an Sieg vergunna daad’n? Im Bildungsausschuss hamma mia de gspinnerten Idään vo dera Obbosizjon weitgehend abgschmettert. Ja guad, des eine oder andere Zuckerl hamma eahna scho geh’m. Dass a weida mit uns spuin dean. Aber die Regeln machn mia und mia san aa de, de wo sag’n, wann des Spui aus is.

Unterdessen wird die Opposition fleißig arbeiten. Das ist das Schicksal der Wahlverlierer. Im Südbau des Landtages werden Köpfe rauchen. Sie werden Rezepte suchen, wie man Gänseblümchen und Kartoffeln schmackhaft mit Schmackes zubereitet, um im Herbst leckere Mahlzeiten kredenzen zu können. Die innerparteiliche Opposition eines Niederbayern wird ihnen allerdings nicht helfen, weil im Zweifelsfall drüben alle zusammenstehen, ganz eng zusammenstehen, wenn es um die Macht und deren Erhalt geht.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Bayerische Verfassungsgerichtshof die eine oder andere Maulfaulheit der „mehran” heilen wird. Ich glaube, wir können da durchaus guter Hoffnung sein.
Anders in der Bildungspolitik.
Das Volksbegehren der Freien Wähler ist klar gescheitert. Ich habe in den letzten Wochen oft geunkt, dass ein Scheitern weitergehende Reformen ausschliessen wird. Die Tendenzen deuten drauf hin. Auch wenn der Häuptling des größten gallischen Dorfes unzufrieden mit der Berichterstattung ist, es ändert nichts daran, dass es wieder mal keinen großen Wurf beim Bayerischen Gymnasium geben wird. Die Schuld daran tragen viele. Auch die, die das Volksbegehren nicht genügend unterstützt haben (u.a. der Autor, ich klage mich an, aber auch die Philologen haben zu sehr gezögert).
Die fehlende Drohkulisse eines erfolgreichen Volksbegehrens wird das Kultusministerium nicht in Wallung versetzen.

Warum auch?
Mia san die Mehran und mia miassn nix ändern, weil ois so guad laaft und koaner richtig mault.

Bleibt die Frage, in welcher Spielhälfte der Ball zu Beginn der nächsten Sitzungsperiode des Landtages liegt.

Advantage … ja wer eigentlich?

In der Kategorie Abseits, Bürgerbeteiligung, CSU, Freie Wähler, Grüne, Landtags-CSU, Landtags-Grüne, Landtags-SPD, SPD am 17.07.14 um 07:14 Uhr veröffentlicht.
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Rinderspacher sieht Maut als schädlich für Bayern an

Die Maut und der Breitbandausbau waren die Themen einer Pressekonferenz von SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Er hinterfragte die Mautregelung, nach der jeder auf allen Straßen die Infrastrukturabgabe zahlen müsse und bezeichnete die Pläne von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) als schädlich für Bayern. Die Maut wird nächste Woche als Dringlichkeitsantrag ins Plenum eingebracht, so Rinderspacher:

Zweites Thema: Der Breitbandausbau. Rinderspacher zweifelt an der Wirkung der jetzt von Heimatminister Söder
verkündeten Genehmigung des Breitband-Ausbauprogramms der Staatsregierung. Schon 1000 Tage sei der Minister im Verzug:

Der Bayerische Landtag kommt in der nächsten Woche zu seinen letzten Sitzungen vor der Sommerpause zusammen.

In der Kategorie Bayern, Landtag, Landtags-SPD, Netzpolitik, Politik, SPD am 11.07.14 um 18:34 Uhr veröffentlicht.
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Pronold: Weiter gegen Fracking

Hintergrundgespräch mit Florian Pronold. Der Staatssekretär und Vorsitzende der Bayern-SPD erläutert die wichtigsten Punkte, die aus seiner Sicht für Deutschland auf der Agenda stehen. Dazu gehören die Maut und die Energiewende. Breiten Raum nahm das Fracking ein, also die Gewinnung von Gasen oder Flüssigkeiten aus dem tiefen Gesteinsuntergrund. Dazu wird durch eine Bohrung mit chemischen Zusätzen versehenes Wasser ins Gestein gepresst und die Rohstoffe derart hochgespült. In Deutschland ist diese Methode umstritten. Und auch Florian Pronold lehnt diese Art der Rohstoffgewinnung für Deutschland vehement ab.
Wissenschaftliche Probebohrungen sollen jedoch nach wie vor – unter großen Auflagen – davon ausgenommen sein:

In der Kategorie Bayern, Politik, SPD am 10.07.14 um 01:27 Uhr veröffentlicht.
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Schule: In Bayern muss nichts geändert werden. Fast nichts.

Die Fraktionsvorsitzenden-Konferenz der CDU/CSU hat eine Schulstudie in Auftrag gegeben. Darin kommen 51% der Befragten zum Schluss, dass Bayern das beste Schulsystem hat. Jüngere Befragte wünschen sich trotz Föderalismus ein einheitliches, mehrgliedriges Schulsystem nach dem Vorbild Bayerns. Das Leistungsprinzip und das Sitzenbleiben sollen erhalten bleiben. Die Mehrheit der Befragten möchte zudem einen offenen Ganztag, nur 20 Prozent plädieren für den gebundenen Ganztag. Auch würde eine Mehrheit auf Steuersenkungen verzichten, wenn dieses Geld in Bildung gesteckt würde. Dr. Thomas Kreuzer, Fraktionsvorsitzender der CSU, in der Pressekonferenz:

Kreuzer widersprach auch der Darstellung des Kultusministeriums, dass den Lehrermangel permanent und fast flächendeckend leugnet. Zwar sei es in Bayern nicht so schlimm wie anderswo, aber „Betriebsunfälle” seien systemimmanent.

Kjell Eberhardt stellte die wichtigsten Grundzüge der Schulstudie 2014 vor:

Dass die CSU mit der Debatte um das bayerische Gymnasium nicht glücklich ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Auf Nachfragen von Journalisten führte der Fraktionschef aus, dass er nicht an das Volksbegehren der Freien Wähler glaubt, sondern auf die Bayerische Bevölkerung setzt, die das bayerische Gymnasium in 8 Jahren haben will.

Naturgemäß rief die Auslegung Kreuzers bei der Opposition Widerspruch hervor. Thomas Gering von den Grünen: „Es handelt sich hier um einen untauglichen Versuch, die begonnene und inzwischen intensiv geführte Debatte über die Schulsituation in Bayern zu ersticken. Das werden die Betroffenen – Lehrende, Schülerinnen und Schüler, Eltern und Verbände – nicht  mit sich machen lassen. Die CSU wäre gut beraten, ihre Blockadehaltung aufzugeben und sich mit einem eigenen Konzept an der Diskussion auch um die Zukunft des bayerischen Gymnasiums zu beteiligen.”

Günther Felbinger (Freie Wähler):„Herr Kreuzer lehnt sich schon sehr weit aus dem Fenster und sollte lieber erst einmal die Bevölkerung im Freistaat abstimmen lassen, bevor er das bayerische Schulsystem derart verherrlicht.”

Die Studie in Schaubildern ist hier einsehbar (pdf).

In der Kategorie Bildung, CSU, Inklusion, Landtags-CSU, Politik am 09.07.14 um 18:10 Uhr veröffentlicht.
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Ewig unruhig, wandernd, und immer ein wenig Punk

… Morgen brennt auf meinem Kuchen wieder eine Kerze mehr, langsam muss ich überlegen, wie lang ist das denn schon her, dass da noch keine brannte …

Mit das Witzigste, Sinnigste und Kurzweiligste, das ich in den letzten Wochen las, war „Der 40-Jährige, der aus dem Golf stieg und verschwand” von Christian Jakubetz. Besprochen habe ich das Buch hier. An vielen, aber nicht allen Stellen des Buches habe ich mich wiedergefunden. Zugegeben, einige Dinge waren mir verschlossen und sie werden es auch bleiben, wenn nichts Ungewöhnliches passiert.
Dafür habe ich aber Freiheiten, die die Dinge, die ich nicht erleben werde, wieder aufwiegen.

Als ich mit gut 16 Jahren von daheim wegging, lernte ich im Nikolauskloster neben Ernst Mosch auch Reinhard Mey kennen. In dieser Phase meines Lebens hat mich Reinhard Mey mit diesem sicher ungewöhnlichen Geburtstagslied begleitet. Später, ich gestehe das mit einem gewissen Schmunzeln, faszinierte mich diese Pop-Versuchstruppe aus dem Südwesten. Ihr Vorteil: Sie besangen ein seit meinem 15. Lebensjahr nicht unwichtiges Detail meines Körpers.
*räusper*
Nein.
Ich meine schon das erste graue Haar, dass mir als (noch eben 15-jähriger) der Dirigent der Fidelen Musikanten ausriss. Umgerechnet kenne ich mich also gar nicht als mit grauen – oder zumindest melierten Haaren. In diesem Lebensabschnitt lernte ich musikalisch Klaus Hoffmann kennen. „Westend” war die erste LP, die ich mir kaufte. Die erste überhaupt. Sie wurde prägend, zwischen Salambo, kalten Kaffeetassen, King Lear und „Weil Du nicht bist wie alle andern”.
Jahre später, ein großes Interview mit Klaus lag hinter mir, die Abkehr von Liedermachern und Songpoeten, die zugegeben nicht lang dauerte, hat Klaus mir mit einem Song wieder mein Leben vorgezeichnet. Obwohl ich das damals nicht so sah – und auch nicht sehen konnte:

(Der Konzertmitschnitt, den ich eigentlich zeigen wollte, wurde kurz nach Erstellung des Beitrages am 22.Juni leider gelöscht).

Hannes Wader hat in meiner Jugend das Lied „Heute hier, morgen dort” eingesungen. Es ist aus späterer Sicht, als ich es kennenlernte, die beste Beschreibung für mein Leben. Ich entsinne mich, dass es in meinen Viersener Jahren auch mal diese Punkrocktruppe aus einem Dorf an der Düssel gab, die mich prägte. Im Zusammenspiel mit Herrn Wader zeichnet das mein Leben sehr schön nach. Ewig unruhig, wandernd, und immer ein wenig Punk:

Ich sage Danke für diese tollen Jahre und möchte, dass noch einige dazukommen. Mit Ente, Fohlen, Frau Frau (kein Tippfehler!), Briederchen und dieser ganzen Twitter-Crowd, die seit ein paar Jahren mein Leben umkrempelt. <3

Schlaft gut, seid bekappt!

Der 46-Jährige, der jetzt schlafen geht, wird auch morgen wieder üben, zuzuhören.
Aber heute musste das mal gesagt werden.

Damit zurück in die Twittertimeline. Mit allem Sinn, Unsinn, mit aller Information und Spaß!

Und vergesst nie, ihr jungen Freunde in meiner Timeline: Macht, was ihr wollt, was ihr wirklich wollt. Lasst Euch nicht biegen. Macht das, zu dem ihr Euch berufen fühlt.
Scheitern inbegriffen.

Schenkt mir diese Nacht.

In der Kategorie Abseits am 03.07.14 um 23:00 Uhr veröffentlicht.
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Kartoffeln und Anwaltsschreiben.

Satire

Für die einen ist es nur eine Kartoffel-Geschichte, für die anderen ist es eine Hilfsmaßnahme, die einem Kartoffelverweigerer zugute kommt. Im Kartoffelausschuss des Bayerischen Landtages war es heute das Thema, das das meiste mediale Interesse auf sich zog. Kollegen der dpa, des ZDF, des Bayerischen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung waren zugegen. Und auch ich bin schnell mal aus dem Bildungsausschuss rüber, um twittergerecht die Debatte um Anträge auf Aufklärung zur Herkunft der Kartoffel, gestellt von Freien Wählern und Grünen, ins Netz zu bringen. Zu beachten: Die langen Redebeiträge auf 140 Zeichen einzufrittieren, heißt, dass man nie wörtlich wiedergeben kann – und das erwartet auch keiner vom Medium. Also keiner, der sich ernsthaft damit auseinandersetzt.
Zur Debatte um die Kartoffel schrieb ich heute:

Keine zwei Stunden später bekam ich ein Schreiben eines Anwaltes. Modern. Per Mail.
Fünf Seiten, die an alle berichtenden Kollegen aus dem Ausschuss gingen. Also, ich als Versender hätte den Druck wegen womöglich zu befürchtender unbotmäßiger Berichterstattung über einen Kartoffelverweigerer auf die Kollegen erhöht, indem ich jeden einzelnen angeschrieben hätte, einen BCC/LCC-Eintrag gewählt hätte oder das sogar personalisiert abgesetzt hätte. Aber nun gut, nicht jeder ist Anwalt UND IT-vertraut.

Im Schreiben ging der Anwalt auf Geschäftsbeziehungen, Geschäftsführerposten und Verantwortlichkeiten in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts ein. Wie das Verhältnis von Kartoffeln, Erzeugern und Verweigeren so sei. Und das der Kritiker.
Jedoch berührte mich das Fazit des Schreibens, das ich hier zitiere. Es dürfte nicht identifizierend sein.

„III. Fazit
Zusammenfassend sei bemerkt, dass eine Berichterstattung über [Kartoffeln,
Anm.d.Autors] nicht zulässig ist.
Soweit im Zusammenhang mit parlamentarischen Anfragen oder Anträgen im Bayerischen Landtag über das o.g. Thema berichtet werden sollte, bitte ich Sie, hierbei die in diesem Schreiben enthaltenen Fakten zu beachten.”

Ich hoffe, dass ich das hiermit gemacht habe und nur aus einer Debatte um Kartoffeln des Bayerischen Landtages berichtet habe.
Nun viel Spaß bei der Weltmeisterschaft 2014.
Oder was Sie sonst so machen.
Gebratene Kartoffeln ergeben übrigens wunderbare Bratkartoffeln. Mit einiger Übung können Sie das perfektionieren und Chips aus den Kartoffelscheiben machen. Zusammen mit Smalltalk und kleinen Erfrischungsgetränken können Sie damit auch längere Unterredungen

In der Kategorie Bayern, CSU, Landtag, Staatsregierung, Twitter am um 17:17 Uhr veröffentlicht.
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Bayerische Flüchtlingspolitik: Martin Neumeyer setzt sich ein

CSU und Ausländerpolitik? Da denkt man schnell an Abschiebung, an Verhinderung, an Schikanen. Aber: Die CSU „leistet” sich auch einen Integrationsbeauftragten. Martin Neumeyer bekleidet dieses Amt seit der Schaffung durch Horst Seehofer, Bayerischer Ministerpräsident. Schon seit letztem Sommer geisterte in Neumeyers Kopf die Idee, selber mal eine Nacht unter Echtzeitbedingungen in einer Flüchtlingsunterkunft zu verbringen. Natürlich kann man grade der CSU immer wieder unterstellen, dass sie es nicht ernsthaft will, dass Flüchtlinge lange und dauerhaft in Bayern aufgenommen werden. Man kann ihr auch unterstellen, dass sie es nicht ernst meint. Man kann aber auch einfach mal den Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer, CSU-MdL, bei seiner Arbeit begleiten. Ich habe mich dazu entschlossen, auch wenn ich um die Vorbehalte der Opposition in Bayern weiß – und teilweise sogar zustimme.
Neumeyer sitzt beim Pressegespräch mit Weißwurst und Brezn (das erklärt die Hintergrundgeräusche), ist unrasiert, aber ausgeschlafen. Man merkt ihm an, dass er sein (Ehren-)Amt gerne wahrnimmt.

In der Ottostraße in Augsburg sind gut 140 Flüchtlinge untergebracht.
Die einen sind Kontingentflüchtlinge, die anderen Asylbewerber. Das führt zu Reibereien zwischen den Statusgruppen. Die einen sind mehr oder weniger willkommen, die anderen mehr oder weniger nur geduldet. Einen Gemeinschaftsraum, in dem Fernsehen geschaut werden kann, findet man in der Ottostraße nicht. Die Gemeinschaftsräume werden für Sprachunterricht genutzt.

Auf dem „Land” sieht das etwas anders aus. Neumeyer hat am Sonntag auch Unterkünfte im Augsburger Land besucht. Er fordert vernünftige Ausstattungen für die Unterkünfte, sieht aber auch den Integrationswillen seitens der Einheimischen.

Zurückgehen? Natürlich. Nach Meinung von Martin Neumeyer. Es muss das Ziel sein. Nicht, weil man die Flüchtlinge nicht haben will, sondern, weil diese Menschen mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten im Heimatland Aufbau leisten können. Da darf man schon mal fragen, ob es nur ein Kosmetikkurs ist, den Neumeyer absolviert. Nein, Martin Neumeyer betreibt keine Kosmetik. Neumeyer ist mit Leib und Seele dabei. Oft angefeindet in seinem Wahlkreis und der Partei. Neumeyer ist vielschichtiger, vorausschauend. Er differenziert, will Menschen, die nach Deutschland kommen, qualifizieren. Vielleicht auch, dass sie eines Tages zurückgehen können in ihr Heimatland. Der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung sieht auch, dass die Bevölkerung mitmacht:

Was ist der Antrieb für Martin Neumeyer, dass er sich für Integration verausgabt? Warum nimmt ein CSU-Politiker diese Strapazen auf sich? Ein Grund ist, dass er letzte Woche mit Horst Seehofer nach Rom reisen durfte. „Flüchtlinge, Flüchtlinge.” Es ist sein Motiv:

In der Kategorie Allgemein am 30.06.14 um 20:14 Uhr veröffentlicht.
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Ribiseln

Mi’m Boarisch is des ja so a Sach. Und mit dera Vaschriftung aa. I bin oaner, der ganz gern aa amoi im Dialekt zwitschat, oiso neideitsch: twittat. Und wann Eahna des itzad ned ois sprachlich so ganz leicht foit, dann hob i was erreicht. Für meine des Bairischen nicht mächtigen Leser übersetze ich den Lead auch gerne: „Mit dem Bayerischen ist es ja so eine Sache. Und mit der Verschriftung desselben auch. Ich bin jemand, der ganz gerne mal im Dialekt zwitschert, also auf neudeutsch: twittert. Und wenn Ihnen das nun sprachlich nicht alles so ganz leicht fällt, dann habe ich was erreicht.”

Der Verständlichkeit halber befleißige ich mich nun des Hochdeutschen. Ich spiele gerne mit Sprache und deren Erscheinungsformen. Wer mir auf Twitter folgt, kann das mehr oder weniger schmerzhaft verfolgen.

Dabei liegt mir der Dialekt immer besonders am Herzen. Sei es, dass ich norddeutsche Follower alleine deswegen mag (@Luthertroll, nein, ich mag Dich auch wegen anderer Dinge!), so mag ich den heimischen Dialekt doch um einiges mehr.

Umso mehr war ich neulich erstaunt, dass ein niederbayerischer/oberpfälzer Koch Schülern erklärte, der Ausdruck „Ribiseln” käme von der Hinterlassenschaft der Rehe, weil diese in der Form und Konsistenz dem Kot der Tiere ähneln. Wie nebenstehendes Foto beweist, ist dem nicht so. In einem „Billa” in Prag steht in einem Regal Sirup von Ribisel, also Johannisbeeren, einträchtig neben dem tschechischen Sirup. Und der heißt „rybíz”. Das Foto dazu ist mir leider verloren gegangen. Sollten Sie je in Prag sein, so gehens einfach in einen Supermarkt, schauen sich die Getränkeabteilung an (was man ja auch wegen des Biers machen kann!) und entdecken die Herrlichkeit der k.u.k.-Vergangenheit. Und deren Auswirkungen bis ins Bairische hinein.

Auslöser für diesen Artikel war übrigens ein Crosspost meines Freundes Joachim Heistinger auf Twitter: Der Standard konstatiert eine Verwässerung des Österreichischen.

Umso wichtiger, dass unseren Kindern der Dialekt wieder näher gebracht wird. Das versucht unter anderem das Projekt „mundart Wertvoll” im Wertebündnis Bayern, das sich grade konstituiert.

In der Kategorie Abseits, Bayern am 29.06.14 um 06:46 Uhr veröffentlicht.
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