Krampfakt oder Kraftakt?

Der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen ist voll entbrannt. Amüsiert bis entsetzt nehme ich die Bemühungen – ja von wem eigentlich? – zur Kenntnis, originell zu wirken. Weiterer Wertungen enthalte ich mich. Lesen Sie selber im Pottblog.

Nur soviel: Die Urheberschaft ist wohl noch nicht sicher. Aber selbst, wenn rauskäme, dass das die SPD erdacht hätte – wundern würde es mich nicht. ;)

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In der Kategorie Politik, Zwischenruf am 27.03.12 um 20:23 Uhr veröffentlicht.
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Die Kirche im (Welt-)Dorf

Früher ließ man, so ein altes Sprichwort, die Kirche im Dorf. Heute stehen angesichts fortschreitender Verweltlichung und Priestermangel viele Kirchen leer. Der sonntägliche Kirchgang ist schon lange nicht mehr die Regel. Die Kirche steht vor der Frage, wie sie die Menschen erreichen kann. Das hat auch Erzbischof Robert Zollitsch unlängst zum Abschluss der Deutschen Bischofskonferenz in Regensburg thematisiert.

Auf der einen Seite geht es um Medienkompetenz, die sowohl die Kirche an den Tag legen muss als auch vermitteln will und soll. Die andere Seite: Kirche nutzt das Internet, um Menschen zu erreichen. Wie zum Beispiel die Presse- und Medienabteilung des Bistum Regensburg. Seit gut drei Monaten tummelt sich die Mitarbeiter der Pressestelle auf Facebook und Twitter. Sie verstehen sich auch als Ansprechpartner:

Clemens Neck, 56, Leiter der Presseabteilung im Bistum Regensburg

Christina Glaser, 30, Crossmedia-Volontärin des Bistum Regensburg

Eva Djakowski, 28, Crossmedia-Volontärin, twittert als @BistumReg

Social Media ist im Bistum Regensburg also nicht wie bei vielen anderen Unternehmen Einbahnstraßen-Kommunikation.
In der nächsten Folge porträtiere ich den Generalvikar des Bistum Regensburg, Prälat Michael Fuchs.

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In der Kategorie Computer, Kirche, Medien, Social Media am um 15:19 Uhr veröffentlicht.
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Der Lokschuppen Rosenheim twittert

Der Lokschuppen Rosenheim zeigt in diesem Jahr die Ausstellung ‘TIEFSEE‘. Rosi Raab betreut die Social-Media-Aktivitäten des Ausstellungszentrums im Herzen von Rosenheim und berichtet mir, wie gut Twitter ihr beim Marketing hilft. Auch hier gilt: Vernetzung ist alles. Rosi Rabb freut sich über die Kontakte und pflegt sie von Hand.

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In der Kategorie Bericht, Kommunikation, Kultur, Social Media am 26.03.12 um 22:45 Uhr veröffentlicht.
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Wenn die GEMA dem Sven das Netz nicht erklärt …

Die Rant- und Wutrede von Sven Regener im Zündfunk bei Bayern2 hat Ende letzter Woche Wellen geschlagen. Eine sehr gute Antwort des “Urhebers” und Piraten Fritz Effenberger findet sich bei Sven Regener, du erzählst Unsinn und ich erkläre Dir, warum.

Sven Regener ist kein Einzelfall. Dieses Internet haben viele der ‘etablierten’ Musiker noch nicht begriffen. Warum auch? Die GEMA als Wahrnehmerin und Verwalterin der Rechte weiß ja selber nichts mit dem Internet anzufangen, wie die kürzlich vorgestellten Bilanzzahlen deutlich zeigen. Und wenn die GEMA, an deren Tropf auch so Künstler wie Regener hängen, irgendwo kein Erlösmodell sieht, dann kann das ja nix sein. Das Netz ist böse, weil die ‘Netzgemeinde’ zu Raubzügen in die digitalen Weiten des Netzes aufbricht.

Klar ist, dass es diese Auswüchse mit dem Aufkommen von Kopiermöglichkeiten begünstigt hat und es diese Auswüchse auch immer geben wird. Der nächste Filehoster steht sicher schon in den Startlöchern. Wie immer, hat jedwedes Ding zwei Seiten, auch dieses Internet. Ich kann Diebstähle begehen, aber ich kann meine Schaffenskraft auch zum Wohle aller einsetzen – und: Ich kann damit Geld verdienen. Die richtigen Erlösmodelle gibt es in weiten Teilen noch nicht, jeder Autor ist seines eigenen Glückes Schmied und mancher wird mit diesem Internet kein Geld verdienen. Die Verlage versuchen unterdessen, mit dem Leistungsschutzrecht ihre Pfründe zu sichern. Ist das Internet deswegen böse, weil es mich nicht ernährt? Die Leistungsschutzrecht-Verfechter sagen uns das. Diese Position wird von den Regeners einfach unkritisch übernommen. Vielleicht ist aber die Polarisierung zwischen GEMA und den Regeners auf der einen Seite und den Piraten und Urhebern, die das Netz zu schätzen wissen und davon leben, ganz gut. Sie beschleunigt den Niedergang – aber den von Leistungsschutzrecht und Wahrnehmungsverträgen. Die Verwertungsgesellschaften und ihre Nutznießer können dem nur entgehen, wenn sie zu Internet-Verstehern werden und dieses Verständnis manch einem ihrer Musiker weitergeben.

Nicht nur Musiker und GEMA müssen lernen, das Internet zu verstehen, auch die Politik muss das. Das hat der gestrige Wahlabend gezeigt. Ziemlich hilflos wurde gegen das Netz, die Netzgemeinde, für den Klarnamen und so weiter gepoltert. Wer das macht, muss sich nicht wundern, wenn Wähler sich Alternativen suchen.

Aber zurück zu Regener und seinem Aufschrei: Ich habe im ‘The European’ einen sehr guten Artikel von Gunnar Sohn gelesen: Sven Regener und das Copyright. Meine Empfehlung!

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In der Kategorie Musik, Politik am um 09:23 Uhr veröffentlicht.
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Vom Staube befreit

Cameron Carpenter fordert die Orgel im Gasteig heraus

 

Nachfolgenden Artikel habe ich letztes Jahr geschrieben. Er entstand als Übungskritik im Rahmen meiner Fortbildung an der Journalistenakademie München. Heute, am 26. März 2012 tritt der amerikanische Organist wieder im Gasteig München auf. Sollten Sie nach Lektüre dieser Kritik Lust auf den in Berlin lebenden Künstler bekommen haben, dann sichern Sie sich am besten gleich noch eine Karte.

Als Cameron Carpenter sein revolutionäres Orgelspiel in München präsentierte, war die Philharmonie am Gasteig ausverkauft. Seit seiner ersten CD-Veröffentlichung vor fünf Jahren hat der 30jährige sein Credo untermauert, das Spiel auf der Königin der Instrumente auf den Kopf zu stellen. Der amerikanische Organist tritt bescheiden auf, so recht mag ihm das Etikett des ‚Weltstars‘ nicht behagen.
Vor dem Konzert schlendert er durch den vollbesetzten Konzertsaal und begrüßt vereinzelt Gäste. Kurz vor Beginn des Konzertes geht er in die Garderobe, der elektrische Spieltisch auf der Bühne steht einsam im Lichtkegel.
Carpenter betritt die Bühne in pailetten- und strassbesetzem Hemd und enganliegender Jeans, die in Schuhen mit hohen Absätzen enden. Diese braucht er für seine berüchtigt schnellen Pedalläufe. Er zelebriert eine große Verneigung vor dem Publikum, die in der Gestik an den Dalai Lama erinnert.
Konzentriert schwingt er sich an den Spieltisch und die ersten Töne der Toccata und Fuge in F-Dur von Johann Sebastian Bach erklingen. Carpenter spielt sie schneller, als der Komponist das notierte. Denn der Organist will natürlich beweisen, dass er ein Ausnahmetalent ist, und diesem Ruf gerecht werden. Der Purist mag erschaudern: Zu Bachs Zeiten war es nicht üblich, die Registrierung während des Spiels zu ändern. Carpenter revoltiert und benutzt die Walze zum Zu- bzw. Abschalten der Register sehr exzessiv. Ebenso hält er es mit dem Schwellwerk, das ständig auf und zuklappt. Es unterstreicht Carpenters Eigenwilligkeit.
‚CC’ führt selber durch den Abend, er moderiert in verständlichem Englisch, verspricht aber, dass er diesen Sommer nutzen wird, um Deutsch zu lernen. Das Publikum dankt dem mittlerweile in Berlin wohnenden Carpenter immer wieder mit großem Applaus.
Musikalisch wandert er von einer eigenen Variation über das Thema ‚b-a-c-h‘ zu Liszt und Franck. Er endet mit dem Schlusssatz der 5. Sinfonie von Gustav Mahler, bevor er noch zwei Zugaben geben wird, um begeisterte Menschen zurückzulassen. Angenehm war übrigens, dass er auf die durch das Internet bekannten Klassiker wie die Revolutionsetüde (Chopin) verzichtete, auch wenn mancher vielleicht deswegen gekommen war. So unterstrich er den künstlerischen Aspekt des Abends abseits der Akrobatik: Orgelmusik, die die Bandbreite des Instruments darstellt, in leisen wie in lauten Passagen.
Die Orgel im Gasteig ist nun gut 25 Jahre alt. Mit seinem Spiel hat Carpenter dafür gesorgt, dass dieses Instrument richtig durchgepustet wurde und vom Staub befreit erklang.

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In der Kategorie Musik am um 07:25 Uhr veröffentlicht.
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Nachtgedanken

Donnerstag war ich in Regensburg. Nun gut, da bin ich ja öfters. Und ich bin gerne da. An diesem Donnerstag hatte ich ein wunderbares Interview mit Clemens Neck von der Pressestelle des Bistum Regensburg. Und seine Mitarbeiter waren mit dabei. Volontäre und Praktikanten. Völlig frei haben sie mir Rede und Antwort gestanden.

Ich habe beim Fotografieren und den Interviews vor allem eines gemerkt: Hier geht es um ein Miteinander für die Sache. Da stehen Menschen vor Dir. Und sie stehen für ihre Sache ein. Glaube, Kirche, Social Media. Das ist nicht jedermanns Sache, ich akzeptiere das. Und auch ich habe so manches Mal meine Probleme mit der Kirche. Gebe ich offen und ehrlich zu. Aber: Mich stimmt es froh, wenn ich sehe, wie in Regensburg unter der Führung von Bischof Gerhard Ludwig Müller Biotope entstehen.

Zwei Tage habe ich überlegt, ob ich diese Interview-Ausschnitte schon veröffentlichen soll. Und ich habe mich dagegen entschieden. Am Donnerstag bin ich mit dem Generalvikar Michael Fuchs verabredet. Mein Gefühl sagt mir, ich sollte da eine Geschichte draus machen. Für mich wird es dann eine runde Geschichte. Ich denke, dass das eine Slideshow wird. ;)

Jedenfalls bedanke ich mich schon jetzt bei der Pressestelle des Bistum Regensburg für die Einblicke, die ich bekommen durfte. Und ein ganz besonderer Dank geht an Christoph Kühnl, der das mehr oder weniger eingefädelt hat. :)

An dieser Stelle noch die Anmerkung: Ich will mich nicht nur auf Regensburg beschränken, ein gesamtdeutscher Blick ist sicher interessant. Von daher würde es mich freuen, wenn auch andere Bistümer sich melden. Und, ach ja: Dass ich München-Freising nicht als erstes nahm, ist dem Umstand geschuldet, dass ich am richtigen Tag zur richtigen Stelle in Regensburg war und eine Idee geboren ward. Regensburg ist für mich nicht nur in Sachen Jazz ein lohnenswerter Punkt auf Deutschlands Karte.

 

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In der Kategorie Allgemein, Kirche, Medien, Social Media am 25.03.12 um 03:41 Uhr veröffentlicht.
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TIEFSEE – Ausstellung im Lokschuppen Rosenheim

 

Erinnern Sie sich noch an Jules Verne? 20.000 Meilen unter dem Meer? Seit rund einem Jahrhundert haben Forscher begonnen, die Tiefsee zu ergründen. In diesem Jahr widmet der Lokschuppen Rosenheim dem Leben am Meeresgrund seine diesjährige Ausstellung. Ich war auf der Präsentation der Ausstellung und habe eine kleine Slideshow gemacht:

Slideshow Tiefsee

 

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In der Kategorie Kultur am 21.03.12 um 20:13 Uhr veröffentlicht.
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Ein Leben ohne Apple … II

Ich möchte zu meinem gestrigen Post noch ergänzend hinzufügen, was mich an Apple, seinen Produkten und seiner (Geschäfts-) Politik stört.

Wenn man ein Produkt haben will, ist man bereit, die saftigen Preise zu zahlen. Klar, das habe ich auch getan und ich habe es gern getan. Gut gestylte Computer, sinnvoll durchdacht. Soweit.

Das Erste, was ich mir nach Erhalt meines iPods kaufte, waren vernünftige Kopfhörer. Mag sein, dass ich komische Ohren habe, aber bei mir hingen die mitgelieferten Ohrhörer immer nur locker drin, fielen gern raus und taten mir aufgrund der Hartplastik-Schale auch oft weh, wenn ich versuchte, die Kapseln etwas besser im Ohr zu verankern. Der Akku lässt bei mir nach zwei Jahren im Dauerbetrieb nun schon merklich nach, vielleicht sollte sich Apple da überlegen, dass nicht automatisch bei jeder Synchronisation via Kabel geladen wird. Nun gut, man kann jetzt auch drahtlos syncen, sicher schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Mein größter Kritikpunkt am iPad ist, dass ich ohne Jailbreak keine Audiostücke einspielen kann, die ich mit einem anderen Gerät aufgenommen habe. Die Abschottung via iTunes hat ihre Berechtigung, das kreide ich nicht an. Aber das iPad bietet mir nicht das, was ich bei meiner Arbeit brauche. Und die Aufnahmequalität ist nicht das, was ich haben möchte, da ich oft mit unterschiedlichen Einstellungen arbeite.

Mein MacBook Pro ist kein Tragegerät. Als solches war es auch nie richtig geplant. Es steht auf meinem Schreibtisch, zeichnet mittels eyeTV Radio und Fernsehen auf und sollte am heimischen Arbeitsplatz mir vernünftiges Arbeiten an einem für Medien besonders geeigneten Gerät ermöglichen. Tut es soweit auch, bis auf iMovie, das eben nicht mehr das macht, was es soll. Und wenn ich mir zurückliegend anschaue, wie viele Programme anfangs nach dem Update auf OS Lion Probleme bereiteten, dann war das auch nicht gerade glücklich und fehlerfrei.

Dieser Satz von ‘fehlerfreier Software’, die Apple ausliefere, hat mir den Kamm schwellen lassen. Daher die Frage an die Leserschaft: Ist jemandem mit iMovie auch etwas Seltsames passiert? Ich kann keine Standbilder mehr zeitlich angleichen, dann haut es mir die Audiospur an den Anfang. Eine Slideshow kann ich so nicht machen. Gut nur, dass es den Pinguin gibt. :) Hier kann ich mir unter Umständen sogar noch selber helfen.

 

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In der Kategorie Computer, IT am 20.03.12 um 18:00 Uhr veröffentlicht.
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Ein Leben ohne Apple ist möglich …

… aber ist es auch sinnvoll?

 

Irgendwann musste das kommen: Ich bin unglücklich mit Apple.

 

Samstag wollte ich eine Slideshow machen. O-Töne auf dem Linuxrechner geschnitten, getextet, eingesprochen und montiert. Bilder ausgesucht, vermaßt und Storyboard geschrieben. iMovie auf dem MacBook Pro gestartet. Bilder in der richtigen Reihenfolge eingespielt, Tonspur darunter gelegt. Dann folgt die Feinarbeit: Standzeit der Bilder angleichen, damit keine Text-Bild-Schere entsteht. Zuletzt habe ich das im Dezember gemacht. Die große Überraschung: Als ich das erste Bild angleichen will, verschiebt sich die Tonspur ganz an den Anfang und lässt sich auch nicht mehr unter die Bilder bewegen. Programm geschlossen, Rechner runtergefahren, neuer Versuch. Wieder das gleiche Bild. Auf der Website von Apple geschaut, ob der Fehler schon bei anderen aufgetreten ist. Nichts gefunden, dafür aber zwei Updates, die ich mir ziehe.

 

‘Wir liefern keine fehlerhafte Software aus.’

 

Ich klicke das erste Update an und bekomme die Meldung, dass ich im App-Store nachschauen soll, ob ein Update vorliegt. Ich gucke nach, es gibt keins. Appstore zu, ‘Ok’ in der Meldung geklickt. Programm schliesst sich. Nichts passiert. Gut, denke ich: Zweites Update. Genau das gleiche Spiel. Ich rufe den Apple-Support an. Und muss mich drüber belehren lassen, dass ich ein Support-Ticket erwerben muss, da ich das Gerät länger als 90 Tage habe. Stimmt, ich habe mein MacBook seit November 2010 und habe noch nicht einmal bei Apple etwas in Anspruch nehmen müssen, keinen Support, keinen Workshop, keinen Expertentipp.

Ich möchte nicht zahlen. Ich habe noch nie Support von Apple in Anspruch genommen, aber teures Geld für geil ausschauende Geräte gezahlt. Dafür bekomme ich allerdings zu hören, dass ich das Programm falsch bediene. Und den bemerkenswerten Satz des Apfelmitarbeiters:‘Wir liefern keine fehlerhafte Software aus.’ Achso, ja. Ich erinnere mich: Ich bin ein dummer Computerquäler, der alles kaputtmacht. Die Gottgleichheit Apples darf nicht in Zweifel gezogen werden. Hallo, Apple? Ich habe unter Windows gelitten, mit Linux Lösungen gebastelt. Ich habe nicht die erste Slideshow mit iMovie gemacht. Mit dem Programm kenne ich mich aus. Ich habe mir für meine Abschlussarbeit an der Journalistenakademie die App gekauft. Ich bin oft als Apple-Fanboy angesehen worden, den Spott ertrug ich gern. Lassen wir mal die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern und die Umgangsform mit Mitarbeitern im Store außen vor. Alleine die Arroganz, wie mit einem Kunden umgegangen wird, langt schon. Service geht anders.

Vor Weihnachten habe ich übrigens mein iPad verkauft, weil ich damit keinen Audiobeitrag schneiden kann, den ich nicht mit ihm aufgenommen habe. Stattdessen habe ich mir ein Notebook zugelegt, Ubuntu-Linux draufgespielt und sitze nun also mit ‘vonStolzing’ und meinem MacBook am Schreibtisch. Ein iPhone habe ich nie als notwendig erachtet, ich habe mir letzten Herbst einen Androiden gekauft. Bei meinem zwei Jahre alten iPod lässt seit letztem Sommer die Batterie merklich nach. Das nächste Abspielgerät wird vor allem eines können: Abspielen. Nicht nur mp3, sondern auch ogg-vorbis. Video brauche ich nicht, da ich unterwegs keine Bewegtbilder schaue.

Bis jetzt habe ich nichts gefunden, das ich ohne Apple nicht erledigen könnte. Und die eingangs gestellte Frage beantworte ich mit:

JA!

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In der Kategorie Computer, IT, Service am 19.03.12 um 15:25 Uhr veröffentlicht.
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Einblick, Rückblick und Ausblick

Die vergangene Woche war vollgepackt mit Terminen. Die einen freudig, die anderen traurig. So wia im richtigen Leben. Aber jeder einzelne Termin war es wert, ihn wahr genommen zu haben. Am Montag war Joachim Gauck in München und stellte sich bei den Wahlfrauen und -männern der CSU und deren Freunden vor. Nachzulesen ist das hier. Anschließend traf er sich mit den Fraktionen im Landtag. Ich hingegen ging in meine Kirchenchorprobe in St. Johann von Capistran.

Dienstag war Bilanzpressekonferenz der GEMA. Wichtigste Erkenntnis: Die Verwertungsgesellschaft hat die Bedeutung des Internets noch nicht erkannt. Stattdessen steht zu befürchten, dass die Bezirksdirektionen personell verstärkt mehr und mehr ausschwärmen, um Veranstaltungen zu kontrollieren. Und ACTA wollen sie auch. Pfründesicherung nennt man das wohl. Die Erkenntnis, dass Musik im Internet stattfindet, haben die Herrschaften wohl schon bekommen, allein: adäquate Umsetzung für Erlös-Sicherung ist nicht ihr Fachgebiet. Stattdessen wird restriktiv gehandelt, abgemahnt und prozessiert. Der Gedanke, dass sich hier eine Gesellschaft selber ins Abseits stellt und die besten Argumente für ihre Beerdigung liefert, drängt sich auf.

Beerdigungen der einen und anderen Art

Eine Beerdigung der ‘normalen Art’ erlebte ich am Mittwoch. Die Frau eines Chorkollegen wurde zu Grab getragen. Ich habe mich als Fotograf betätigt. Beerdigung und dann das ständige Klicken des Auslösers? Das stört doch die Feier, denkt ihr? Dachte ich genauso. Ich habe es aber dennoch gemacht. Für Wolfgang. Er hatte zwar Zeit, sich auf den Abschied seiner Frau vorzubereiten, sie war lange im Pflegeheim. Aber ich habe diesen Mann gesehen und gewusst: Es stärkt ihn, wenn er sich die Fotos dereinst anschauen kann. Das war mir Ansporn und Genehmigung genug. Und er hat es verstanden. Alles andere zählt nicht.

Der Jazz nimmt seit ein paar Jahren immer mehr Raum in meinem Leben ein. Es gab Hardcore-Zeiten, wo ich jeden Abend auf BR Klassik die Stunde Jazz aufzeichnete und am Samstag die radioJazznacht bei Bayern2. Da ich aber mehr und mehr Podcasts und andere Sendungen hören muss (beruflich und so), habe ich das aufgegeben. Aber am Donnerstag war wieder Jurysitzung fürs Jazzweekend in Regensburg. Und die Mitjuroren haben sich auch wieder über meinen Auflauf gefreut.

Das Netz, die Apple-Politik und eine Ausstellung

Am Freitag war der Netzpolitische Kongress der CSU in München. Hier habe ich eine Slideshow gemacht. Ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass große Teile der CSU so progressiv sein können. Als ich vor gut zehn Jahren mal kurz Mitglied war, war ich zu fortschrittlich. Aber das regelt sich. :) Mein Dank der Woche geht an @Fran_Muc, die mich eingeladen hat. Und unter uns gesagt: Ich bin von ihr begeistert. Sie folgt mir seit langer Zeit auf Twitter und sie hat nen sehr klaren Blick. Ich wünsche mir mehr solche Menschen. :)

Das Wochenende habe ich mir freigenommen. Naja, nicht so ganz. Ich wollte am Samstag eine Slideshow zum #csunk2 machen. Ich habe die O-Töne gewichtet, die Foto gesichtet, geschnitten, geschrieben, eingesprochen. Und dann: iMovie von Apple funktioniert nicht mehr. Ich hatte das Programm im Dezember das letzte Mal hergenommen, nichts geändert und nichts installiert – und: es machte nicht mehr, was ich wollte. Ich habe dann beim Apple-Support angerufen, den ich noch nie brauchte. Ich habe einige Apple-Produkte. Denkste, dass du dann Hilfe kriegst. Nur gegen Zahlung eines Support-Tickets. Die Entscheidung, mein iPad an Weihnachten verkauft zu haben, bereue ich nicht. Der iPod wird, wenn er nicht mehr funktioniert, ausgetauscht gegen einen Player, der auch ogg-vorbis kann. Das Macbook ist auch ersetzbar, momentan dient es nur noch zum Aufzeichen von Radio und Fernsehen, daneben zum Twittern. Die Slideshow habe ich dann Sonntag früh mit ‘vonStolzing’ gemacht. Das ist mein Linux-Notebook. Apple hat mich mit seiner Geschäftspolitik sehr enttäuscht und ich gelobe, dass mir nie mehr ein Produkt dieser Firma ins Haus kommt.

Was kommt

Die nächste Woche wird ruhiger. Montagabend Chorprobe, Mittwoch Pressekonferenz im Lokschuppen Rosenheim. Neben der Vorstellung der neuen Ausstellung Tiefsee will ich ein Interview mit der Frau machen, die Social Media betreut. SocMed ist ja mein Thema, so, wie für Joachim Gauck die Freiheit. Am Donnerstag habe ich dann ein Interview mit Mitarbeitern des Bistum Regensburg, auch hier geht es um Social Media. Am Sonntag singen wir dann mit Chor und Schola in Johann von Capistran.

Stay tuned! ;)

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In der Kategorie Allgemein, Medien, Social Media am 18.03.12 um 21:00 Uhr veröffentlicht.
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Jedem Schüler ein Tablet PC – #csunk2

Dorothee Bär, Vorsitzende des CSU-Netzrates, hatte geladen und viele kamen zum 2. Netzpolitschen Kongress der CSU in die Hanns-Seidel-Stiftung nach München. Drei Stunden ging es um Internet, Bildung und Sicherheit.

Überraschend: Netzsperren sind nicht das, was der CSU-Netzrat will. Und gegen ACTA ist er auch. Ein großes Thema war aber auch der Bildungssektor. Hier meine Slideshow.

Dagmar Wöhrl, MdB, im Gespräch auf dem #csunk2

 

 

 

 

 

 

 

(Nachbemerkung: Eigentlich sollte schon gestern meine Slideshow hier zu sehen sein, aber leider lässt mich mein Mac mit iMovie grade hängen. Und der Support von Apple auch. Heute früh bin ich ausgeruht unter Linux ans Werk gegangen und siehe da, es klappt. Guter Pinguin!)

 

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In der Kategorie Medien, Politik am 17.03.12 um 15:27 Uhr veröffentlicht.
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Die GEMA, die Bilanz und das Internet.

Über 825 Millionen Euro Erlöse, eine Ausschüttung an die Mitglieder von 702 Millionen Euro, das sind beeindruckende Zahlen, die die GEMA heute auf der Bilanzpressekonferenz vorlegte. Der Vorsitzende Dr. Harald Heker sprach von Kontinuität und einem soliden Geschäftsjahr 2011. Gegenüber dem Vorjahr (863 Millionen Euro) ist das zwar ein leichter Rückgang, aber die Geschäftsfelder haben sich verändert, so Heker weiter.

Bei den Tonträgern gab es leichte Rückgänge, immerhin wurden aber noch 66,4 Millionen Ton- und Datenträger verkauft. Starke Zuwächse erfuhr das Online-Geschäft. 2010 betrug der Erlös noch 13,3 Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es schon über 21 Millionen Euro. Heker machte deutlich, dass angemessene Lizenzerlöse notwendig seien und forderte Lösungen der Politik gegen die Internet-Piraterie. Positive Erfolge sieht er in einer neuen Einigung mit dem Verband Bitkom, hier hat man sich auf neue Lizenzbeträge für Music on Demand (Musik auf Abruf) geeinigt. Ebenso unterstützt die GEMA das ACTA-Abkommen als Bestandsschutz der Urheber- und Leistungsschutzrechte auf Europäischer Ebene. Entsprechend enttäuscht zeigte er sich, dass die Bundesregierung dem Abkommen noch nicht zugestimmt habe.

Die GEMA und das Live-Konzert

Das Inkasso der GEMA für Live-Veranstaltungen schlug 2011 mit 312 Millionen Euro zu Buche, das beste Ergebnis der letzten 5 Jahre. Für den Vorstandsvorsitzenden Harald Heker der Markt der Zukunft. Das bedeutet, die GEMA wird zwangsläufig auch mehr Veranstaltungen kontrollieren, um die Erlöse zu sichern. Und sicher wird man auch hier nachdenken, die Tarife ‘marktgerecht’ anzupassen. Wie die Auswirkungen dann zum Beispiel für das Jahreskonzert einer Dorf-Blasmusik sein werden, bleibt dahingestellt. Werden Konzerte künftig unbezahlbar? Schon jetzt fällt auf, dass aufgrund der GEMA-Struktur auch große Künstler Tourpläne ausdünnen, um so weniger im Griff der einzelnen Bezirksdirektionen zu sein, die für das Inkasso des Live-Geschäftes zuständig sind. Jeder Veranstalter legt schon heute diese Kosten auf Eintrittskarten um.

Die GEMA und das Internet

Heker machte deutlich, dass das Online-Geschäft noch ausbaufähig sei, die Erlöse stehen seiner Ansicht nach in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung von Musik im Internet. Er widersprach noch einmal mit Nachdruck dem Anschein, dass die GEMA bei Youtube Videos sperre. Dies sei eine geschickte Formulierung des Anbieters, die GEMA habe nichts damit zu tun, vielmehr würden Tonträgerfirmen ihrerseits Sperrungen veranlassen. Ein Urteil im Musterprozess GEMA vs. YouTube vor dem Landgericht in Hamburg steht noch aus.

Heute ist der Tag, an dem der Musik-Streaming-Dienst Spotify in Deutschland startet. In den vergangenen Monaten war zu hören, dass die noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen zwischen Spotify und GEMA zur Verzögerung des Streaming-Starts geführt hätten. Umso mehr verwundert dann das Statement, das Dr. Heker abgab: Spotify streamt ohne Vereinbarung mit der GEMA, einer Einigung sieht die Verwertungsgesellschaft noch entgegen:

Man darf gespannt sein.
Zum Schluss noch ein Blick auf die Erlöszahlen aus dem Bereich Radio: 262 Millionen Euro, wobei die privaten Sender für ein Umsatzplus von 4,5 Prozent sorgten, die öffentlich-rechtlichen Sender hingegen ein Prozent weniger an die GEMA abführten. Böse Zungen sprechen von Dudelsendern und den Talksendern, weniger böse darf das durchaus als Begründung für die Umverteilung herhalten.

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In der Kategorie Musik, Politik am 13.03.12 um 17:00 Uhr veröffentlicht.
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Gauck und die CSU – Empfang mit offenen Armen

Joachim Gauck, designierter Bundespräsident, besuchte gestern die Wahlmänner und -frauen der CSU. Unspektakulärer Einzug, kein Defiliermarsch im Franz-Josef-Strauß-Saal der Hanns-Seidel-Stiftung. Blitzlichtgewitter der Presse, die anschließend von Ministerpräsident Seehofer aus dem Saal gebeten wurde. Das derzeit amtierende Staatsoberhaupt betonte den eher privaten Charakter der Veranstaltung. Joachim Gauck riss die Anwesenden mit, er begeisterte mit seinem unpräsidialen Stil.

Dr. Joachim Gauck spricht zu den Wahlmännern und -frauen der CSU

 

Eine junge CSU-Frau twitterte neben mir und gab sogar offen zu, dass sie Gauck beim letzten Mal schon gewählt hätte, wenn sie gekonnt hätte. Aber dieses Mal scheint ja alles klar zu sein mit den Stimmen der Christsozialen für diesen “laizierten Pastor”, wie Gauck seinen Status selber präzisierte. CSU-Chef Seehofer begrüßte Gauck mit durchaus launigen Worten und wies ihn darauf hin, dass er demnächst viel Schreibarbeit habe. Er erlebe das bei seinen Tagen in Bellevue gerade am eigenen Leib.

Dann naht des ehemaligen Pastors große Stunde. Vor zwei Jahren in München hatten ihn die Abgeordneten der CSU im Landtag noch eher brüskiert, heute unterbricht ihn die Basis immer wieder mit heftigem Applaus in seiner Rede. Rede? Gauck gibt es selber nach gut 40 Minuten zu, dass er jetzt wohl besser aufhöre zu predigen. Und das, als er in einem großen Bogen von seinen Anfängen in der DRR bis hin zur Wiedervereinigung, die Alt-Kanzler Helmut Kohl vorangetrieben hatte, geendet hatte.

Nachfolgend ein paar Auszüge aus der Rede von Joachim Gauck:

“Als ich 2010 in der Kandidatenphase nach Themen suchte, dachte ich: Bloß nicht das, was Sie alle so gerne lesen: vom Angsthaben. Denn ich hatte mir die Angstwelle angeschaut: [...] BSE – ich war ganz stolz auf mich, ich konnte Rindfleisch kaufen beim Metzger in Berlin. Meine Enkelin sagte: BSE heißt ‘Bei Senioren egal’.” (Gelächter im Saal)

“Vorher habe ich immer über Ossi/Wessi gesprochen, [...] und da ging ich zu einem alten Thema von mir, zur Freiheit. Ich bin geboren in einem Land der Schande und Unfreiheit, im Deutschen Reich 1940. Ich war fünf, als dies zerbrach und kam in ein weiteres Land von Unehrlichkeit und Ungerechtigkeit. [...] Ich konnte in all diesen Jahren die Freiheit nur in meiner Sehnsucht pflegen, aber nicht gestalterisch umsetzen in meinem Lebensalltag. [...] Wer sich lange gennug nach ihr sehnt, wird für die Freiheit immer einen besonderen Platz in seinem Herzen haben.”

Über Familie und Ehe: “Den Anfängen, das wissen sie sicher, wohnt immer ein Zauber inne. Dieser Zauber verliert sich, wenn die Freiheit erwachsen ist. Wenn sie jung ist, heißt sie Befreiung und sie ist schön, wie in einer jungen Beziehung das Hochzeitsfest einfach schön ist. Und dann kann es immer noch schön sein, aber dann heißt es Ehe.”

Als er nach der Wende in Bremen im eher linken und grünen Spektrum über die Freiheit sprach, so erzählt Joachim Gauck, nahm ihn ein Freund beiseite und meinte: “Das mit der Freiheit kommt bei uns nicht so gut, das ist bei uns die CSU.” (Großes Gelächter in der HSS)

“Für mich war CSU Franz Josef Strauß, ich hatte nicht so die intensive Beziehung zu ihm. Ich konnte ihn als politisches Kraftpaket von Ferne durchaus erkennen, aber es gab da doch einige Sachen, die dafür gesorgt haben, dass ich mich nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen ließ.”

Zu seinem Freund meinte er: “Ach, Freiheit ist kein Thema für Linke? Wie merkwürdig. Denn die Geschichte der Linken, jedenfalls der demokratischen Bewegungen in Europa ist eine Geschichte des Freiheitskampfes und der Freiheitssuche.”

“Bei mir war das mit dem christlichen Glauben nicht so doll. Und plötzlich weht mich aus irgendeinem Winkel meiner evangelischen Jugend ein Wort der heiligen Schrift an und plötzlich wird der Glaube in meinem Leben zu einer gestaltenden Kraft, die mir wichtiger wird als alles andere und dann gehe ich einen merkwürdigen Weg und werde Pfarrer.”

“… und deshalb hat die zentrale Rolle des Freiheitsbegriffes bei mir überhaupt nichts, aber nun wirklich gar nichts mit einer Abwendung von anderen Themen wie soziale Gerechtigkeit oder Bewahrung der Natur zu tun. Es sind eben andere Schwerpunkte, die ich gesetzt habe. Das Thema ‘Soziale Gerechtigkeit ist in Deutschland ganz gut besetzt.”

“Ich glaube, dass das Sinnangebot der Demokratie nicht heißen kann: Jedem möglichst viel und den Stärksten das Meiste. Das Sinnangebot einer Demokratie besteht darin, möglichst vielen Menschen bewusst zu machen, dass sie es sind, die diese Gesellschaft stärken.”

“Ich habe erlebt in langen Jahren, dass Angst kleine Augen und ein enges Herz macht. [...] Ich habe erlebt, was mit Menschen geschieht, die ihre Angst ablegen: [...] Sie können ihr die Herrschaft über ihr Handeln streitig machen.”

Soweit ein paar Auszüge aus der gestrigen Rede von Joachim Gauck.

Lesetipp: @Teresa_ohne_H hat einen schönen Blogpost aus der Sicht als Zuschauerin verfasst.

 

Nachbemerkung:

Mit Respekt nahm ich zur Kenntnis, dass Horst Seehofer die Presse aus dem Raum bat. Ich selber durfte als Begleiter eines geladenen Gastes sitzen bleiben, und habe mich beim Twittern zurückgehalten. Dennoch habe ich mich entschlossen, dass ich ein paar Sätze aus Joachim Gaucks Rede hier wiedergebe. Zum einen war ein Korrespondent des Deutschlandfunks in dieser Veranstaltung und hat einen treffenden Bericht abgegeben. Zum anderen ist es mir wichtig, ein paar Facetten unseres künftigen Bundespräsidenten zu zeigen, die mich davon überzeugt haben, dass Joachim Gauck das Potential hat, ein großartiger Bundespräsident mit einer guten Innenwirkung werden zu können.

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In der Kategorie Politik am um 15:26 Uhr veröffentlicht.
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Nachgelegt – Die Musik im “Dudelradio Kultur”

Wie in meinem Post ‘Dudelradio Kultur – Eine Replik’ schon angekündigt, will ich mich in dieser Woche mal mit der Musik der Ortszeit von Deutschlandradio Kultur auseinandersetzen. Alan Posener hatte sich in der Online-Ausgabe der Welt über das langweilige Programm des Frühmagazins beklagt. Zu Unrecht, wie ich meine. Meine generellen Einschätzungen habe ich schon niedergeschrieben, hier nun exemplarisch eine Kurzfassung der Sendestunde von Montag, 12.03.2012, 7 – 8 Uhr:

Nachrichten

Moderation: Themenübersicht

Musik:  R.E.M. – ÜBerlin

Korrespondentenbericht: Angela Merkel besucht die deutschen Soldaten in Afghanistan (nach dem Amoklauf eines US-Soldaten),

anschliessend Schaltung nach Washington (Reaktionen der Präsidentschaftskandidaten auf den Amoklauf)

Musik: Emeli Sandé – Lifetime

Rubrik: Kulturtipp

Jingle/Anmoderation zum Politischen Feuilleton

Musik: Sergio Cammariere – Cantautore Piccolino

Programmtipp, dann Kulturnachrichten

Kurze Moderation, dann ein Korrespondentenbericht zu Westerwelle und Syrien

Tahiti 80 – Easy

Korrespondentenbericht von Klaus Kastan zu Mitt Romney (parteiinterner Wahlkampf)

Orpheus Chamber Orchestra New York – aus: Symphonie Nr.63 C-dur Hob.I Nr.63

Moderation über den Newcomer Michael Kiwanuka (?) – Verweis auf CD der Woche

Michael Kiwanuka – Tell me a tale

Treffen der Finanzminister zu Griechenland / Interview mit Markus Ferber, CSU-MdEP

Muriel Zoe – Stop

Die Musik empfinde ich als unaufgeregt, abwechslungsreich und wenn ich nicht fürs Protokoll mitgeschrieben hätte, dann wäre sie für mich das gewesen, was sie sein soll: Die Möglichkeit, über das Gehörte noch einmal nachzudenken. ‘Neuere’ Musik würde mich (abgesehen vom Tipp zur CD der Woche) davon abhalten und erscheint kontraproduktiv. Wenn ich sowas haben will, dann bediene ich mich gerne eines Verleger-Radios.

Es war so ziemlich aus allen Musikfarben etwas dabei, ein Gemischtwarenladen, der sicher auch im Blick hat, niemanden zu verschrecken oder zum Abschalten zu verleiten. Ich finde das legitim. Ob ich diese Bandbreite an Musik jemals in einem Verleger-Radio hören werde? Wer sich über meine Auflistung hinaus einen Überblick über die Musik in der Ortszeit verschaffen will, kann das hier tun. Die Playlists sind recht aktuell gehalten. Die sachliche, ruhige Art der Ortszeit, die Unaufgeregtheit in der Berichterstattung ist eine Insel am Morgen, ähnlich wie auf bayerischer Ebene Bayern2. Ich jedenfalls fühle mich nach einer Stunde informiert und gut unterhalten.

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In der Kategorie Medien, Musik am 12.03.12 um 08:37 Uhr veröffentlicht.
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Wochenausblick

Am Montag treffe ich den wohl künftigen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Ich bin gespannt, was er sagen wird und ob ich ein kleines Interview mit ihm bekomme.

Anschliessend gehts in die Kirchenchorprobe in St. Johann von Capistran. Wir üben Motetten, Gregorianik und Liturgiegesänge für Ostern und die Messe in G-Dur von Franz Schubert.

Dienstag ist Bilanzpressekonferenz der GEMA. Interessant wird der Termin wahrscheinlich dadurch, dass am selben Tag der Musik-Streaming-Dienst Spotify startet.

Der Freitag wird durch den Netzpolitischen Kongress der CSU in München geprägt.

Was an den anderen Tagen passiert? Sicher Schreibarbeit – was sonst passiert, vielleicht kann ich nächste Woche zurückblickend berichten.

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In der Kategorie Allgemein am 11.03.12 um 21:19 Uhr veröffentlicht.
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Fundstück

Ein nettes Zitat aus der Süddeutschen Zeitung zur Twitter- und Blog-Begleitung des Nockherberg-Elends in diesem Jahr:

“Nimmt man die harsche Kritik in den Internetforen zum Maßstab, dann darf man daran zweifeln. Andererseits sollte man die Online-Motzerei nicht zu ernst nehmen, sie trifft jeden, ob er’s verdient hat oder nicht. Das jüngste Singspiel lässt sich mit diesem Einwand jedoch nicht retten.”

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In der Kategorie Medien am um 07:55 Uhr veröffentlicht.
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“Dudelradio Kultur” – Eine Replik.

Die Online-Ausgabe der “Welt” hat in Gestalt ihres Autors Alan Posener einen Angriff auf Deutschlandradio Kultur gestartet. Ich frage mich nur, warum? Cui bono? Da die Rechtslage ob des von Verlegerseite bei der Bundesregierung durchzudrückenden Leistungsschutzrechts unklar ist, verlinke ich hier auf den entsprechenden Artikel. Weiters werde ich mir das Recht nehmen, zu zitieren. Die Zitate stammen, soweit nicht explizit anders angegeben, aus dem WELT-Artikel.

Gehen wir in die Details. Ich zitiere:

“Die BBC hat ein weltweites Netz von Korrespondenten, die live berichten, ob aus dem belagerten Homs oder von den Vorwahlen in Ohio. Wenn Whitney Houston stirbt, spricht die BBC mit ihrem Arzt; wenn ein Roman den Pulitzerpreis bekommt, ist der Autor am Telefon. Bei Deutschlandradio Kultur (DRK) sind die Berichte vorproduziert und klingen so, als ob einer mal kurz gegoogelt hat. Die BBC hat morgens ein Nonstop-Nachrichtenprogramm, bei dem die Moderatoren ständig auf die sich entfaltenden Ereignisse reagieren.”

Die ARD (und Deutschlandradio -Kultur- gehört dazu) hat ein weltweites Korrespondenten-Netz, im Rahmen der Möglichkeiten, die eine gebührenfinanzierte Anstalt haben kann. Dass in Hinterwieselharing und hinterm Hindukusch vielleicht kein Reporter sitzt, halte ich nicht für den General-Malus. Hier steht die ARD auch in der Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in Deutschland hat sicher einen anderen Charakter als die BBC. Das ist für mich nicht nur zu vernachlässigen, ich schätze im Gegenteil diese Berichterstattung: Nicht mitten drin, sondern eben nahe dran, aber distanziert und mit dem nötigen Weitblick, der eine unabhängige Berichterstattung garantiert. Ich glaube, wenn die ARD ein solches Netz wie die BBC unterhielte, würde Springers Presse den Feldzug gegen gebührenfinanziertes Radio anführen. Wir haben in Deutschland einige Infowellen, die dem geneigten Hörer im Takt Nachrichten, Korrespondentenberichte und Wetter/Verkehr bieten. Nach meinem Empfinden ist Deutschlandradio Kultur eher eine Welle, die mit Hintergründen und Magazinbeiträgen aufwarten soll. Ähnlich wie Bayern2, und dabei, eben mit teils anderen Schwerpunkten als der Deutschlandfunk.

“Apropos Hörer: Etwa 450.000 hat der Sender, der in Berlin 330 Planstellen hat, also eine Planstelle auf 1300 Hörer. An Personalmangel liegt es also nicht, wenn das Programm langweilt. Im Gegenteil. Neben der Moderatorin und dem Toningenieur sitzt meistens die Redakteurin im Studio, außerdem zuweilen der Musikredakteur, damit die Kollegen nicht aus Versehen nach einer traurigen Nachricht ein lustiges Lied von Suzanne Vega auflegen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Über der Redakteurin und dem Musikredakteur sitzt laut Organigramm je ein Abteilungsleiter, über dem Abteilungsleiter ein Hauptabteilungsleiter, über dem Hauptabteilungsleiter ein Programmdirektor, darüber ein Direktor und über allen der Intendant. Mit Häuptlingen ist der Staatsfunk gut versorgt.”

Man mag über die Hierarchien in deutschen Rundfunkanstalten streiten. Gegeben! Jedoch darf man eines nicht vergessen: Nach dem Krieg starteten die Radioanstalten in Deutschland nicht als Selbstfahrer-Studios, sondern eben genau in dieser Aufteilung: Moderator, Redakteur, Techniker etc. Und der Überbau? Darüber lasse ich sogar mit mir streiten, aber ex principiis halte ich die Aufteilung in Abteilungsleiter, Hauptabteilungsleiter, Programmdirektor und Intendant nicht verkehrt. Sie kann aber, und hier gebe ich dem Autor durchaus Recht, überdacht werden. Flache Hierarchien können sich auf das Programm auswirken. Nur: Öffentlich-Rechtliches Radio in Deutschland ist kein Staatsfunk, wie der Autor hier unterstellt. Öffentlich-Rechtliches Radio in Deutschland ist gebührenfinanziert , aber unabhängig. Mir wird in diesem Zusammenhang auch nicht klar, wie der Verwaltungsüberbau zu einem langweiligen Programm beitragen soll. Wird hier nicht eher mal wieder auf den Wasserkopf gedroschen, um den Esel zu treffen?

“Und dann kommt noch der Rundfunkrat, in dem Vertreter allerlei Interessengruppen sitzen und Sitzungsgelder kassieren, angeblich um Ausgewogenheit zu garantieren, in Wirklichkeit eben um ihre Interessen zu vertreten. Kirchenvertreter achten darauf, dass “Das Wort zum Tage” mal evangelisch, mal katholisch, aber immer salbungsvoll daherkommt, mitfinanziert von der Zwangsabgabe, die auch Muslime, Juden, Buddhisten und Atheisten leisten müssen.”

Es gibt einen Rundfunkrat, in dem die gesellschaftlich relevanten Gruppen vertreten sind. Ich lasse auch mit mir darüber diskutieren, inwieweit die Zusammensetzung verändert werden muss. Aber das ist nicht das Problem von Deutschlandradio Kultur, das ist ein generelles Problem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Wie gerade schon geschrieben, ich stelle zur Diskussion, ob das so sein muss. Aber ich halte es prinzipiell für wichtig, dass sich die gesellschaftlich relevanten Gruppen in einem Gremium beraten. Sie üben darüber hinaus eine Kontrollfunktion aus, etwas, was manchem Verleger-Radio angesichts dümmlicher Gewinnspiele sicher auch gut tun würde. Erinnert sei hier an Antenne-Bayern-Gewinnspiele, bei denen Rechnungen bezahlt werden oder Sender, die zum Nacktrodeln aufrufen. Katholische und Evangelische Kirche sind in Deutschland die beiden großen Religionen, die laut Rundfunkstaatsvertrag Anspruch darauf haben, dass sie Sendezeit eingeräumt bekommen. Auch die jüdischen Kultusgemeinden haben ihre Sendezeit. Ja, man kann drüber nachdenken, ob man nicht anderen Religionsgemeinschaften auch Sendezeit einräumen kann und muss. Übrigens zum Vergleich: In Bayern2 wird der Sonntagmorgen auch regelmäßig von Altkatholiken und anderen Anschauungsgemeinschaften bestückt. (Ergänzung von 14:30 Uhr Der Twitterkollege @henrikMSL hat mich gerade auf Folgendes aufmerksam gemacht: Die Buddhisten hatten heute einen Impuls. Also liegt der Autor hier auch falsch.)

Screenshot des Sonntagmorgen-Programms von DRadio Kultur (11.03.2012)

Zum Schluss noch ein kleines Zitat des Autors:

“… die liebevoll den deutschen Humor der 50er-Jahre konservieren, als die DRK-Hörerschaft ihre große Zeit hatte.”

Soweit ich weiß, gab es 1950 noch kein Deutschlandradio Kultur. Aber ich kann das nicht beurteilen, ich bin erst 1967 geboren und habe das aktive Radiohören (sprich: Das Nicht-Bedudeln-Lassen) erst in den 80ern begonnen. Und Deutschlandradio Kultur höre ich erst seit Mitte der 2000er Jahre. Inwiefern die Hörerschaft also ihre große Zeit in den 50ern hatte, sei dahingestellt. Ich für mein Teil halte DRadio Kultur für einen aktuellen Sender. Er hilft mir, das Geschehen einzuordnen. Apropos einordnen: Ordnen wir Alan Posener also da ein, wo er hingehört: In den Abfallkübel von Springer. Der Verlag hat so vieles nicht begriffen. Von Leistungsschutzrecht über die Tagesschau-App bis hin zu unabhängigem, verlegerfreien Radio.

Und übrigens: Vom Intendanten des Deutschlandfunks, Dr. Willi Steul, stammt der Satz: “Sterben die Zeitungen, stirbt auch bald der öffentlich-rechtliche Rundfunk”. Vielleicht für den Springer Verlag mal ein kleiner Denkanstoß?

Über die Musik von DRadio Kultur werde ich mich in den nächsten Tagen auslassen – ich höre das Programm die nächste Woche ganz bewusst. Hier der Montagmorgen als Sendestunde.

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In der Kategorie Medien am 10.03.12 um 19:51 Uhr veröffentlicht.
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Wer sich zu spät vernetzt, der bleibt im Kellerlokal sitzen

oder: Vernetzung ist wichtig

Ein Zitat aus einem Artikel von Sylke Merbold (Bayerisches Jazzinstitut, Regensburg) vorangestellt:

Das stempelt den Jazz prompt zu einer Randerscheinung ab, einem Genre, das im Zweifel von den gesellschaftlichen Fliehkräften ins Aus katapultiert werden kann. Es ist in unserem eigenen Interesse, zu erkennen, dass die Musikwelt keine Scheibe ist. Wir sind mit dem Jazz Teil einer globalen Entwicklung, in der jeder Musikschaffende vor der Herausforderung steht, im Überangebot des Marktes überhaupt noch vom Publikum wahrgenommen zu werden.

Ein sehr guter Artikel, der gleichwohl Chancen, Versäumtes und Risiken aufzeigt.

Nehmen Sie sich die Zeit, diesen zu lesen. Kehren Sie dann wieder hierher zurück. :)

Um die deutsche Jazz-Szene steht es nicht schlecht, wir haben altgediente, erfahrene Musiker und neue, frische Talente. Ich weiß, dass ich hier jetzt ein Klischee bediene, aber sei’s drum.
Mir scheint, dass die Musiker zu oft nur Musiker sind und (von den Jüngeren mal abgesehen) noch viel zu oft gedanklich in ihren rauchigen Clubs hängen, anstatt auf veränderte Darstellungsmöglichkeiten einzugehen.
Sprich: das, was Sylke Merbold sehr richtig mit der Vernetzung umschrieb, muss noch mehr forciert werden. Aber – und das ist der Unterschied, von innen. Ich verweise ungern auf ‘Die Staaten’, aber hier leben einige Jazzer ganz vorbildlich Vernetzung vor: Trombone Shorty ist auf Facebook präsent (über 57.000 Menschen gefällt das), er hat auf Twitter knapp 15.000 Follower. Diese Zahlen auf die breite Masse der deutschen Jazzer zu übertragen, halte ich allerdings für gefährlich. Aber es zeigt: Wer sich auch als Musiker und Jazzer mit den neuen Möglichkeiten des Internets auseinandersetzt, der gewinnt.

 

Vernetzung ist alles, aber das Netz ist nicht alles

Vernetzung ist heute mehr denn je wichtiger. Und sind wir mal ehrlich, so hat es die Vernetzung ja auch schon im Mittelalter gegeben. Handwerkerbünde und Gilden sprechen eine eindeutige Sprache. Das hat nicht nur mit Protektion oder Seilschaften zu tun, sondern ist Ausdruck dessen, dass die Erfahrenen den weniger Erfahrenen etwas weitergeben: Ihr Wissen. Musikalisch passiert das in Workshops, Unterricht, Sessions, es passiert sozial beim Bier nach dem Auftritt. Alles gut und recht. Aber Vernetzung muss heute weiter gehen.
Es reicht nicht aus, auf die Plattenlabels zu schimpfen, dass diese weniger Tonträger finanzieren und ihr Engagement zurückfahren. Das ist ein bedauerliches Phänomen, aber wie soll ein kleines Label das stemmen, wenn die großen Firmen schon jammern? Ich habe dieser Tage in der kulturWelt in Bayern2 das Portrait eines Studio- und Labelbesitzers gehört, der einen Silberstreif am Horizont sieht, wenn sich die Zahl der legalen Downloads erhöht. Aber gleichzeitig sieht er die Musiker in der Pflicht, die sich unter Umständen finanziell beteiligen müssen. Mit anderen Worten: Wenn ich eine Idee habe, muss ich bereit sein, Opfer zu bringen und eine Anschubfinanzierung zu leisten. Die Frage, welcher (Klischee!) Jazzer sich das leisten kann, muss ich unbeantwortet lassen.
Es reicht nicht aus, auf die Politik zu schimpfen oder zu hoffen. Die gestrige Anhörung im Bundestag macht zwar Hoffnung, aber in Zeiten knapper Kassen wird ganz gerne da gespart, wo es nach Meinung der Politiker am ehesten geht: Bei der Kunst und Kultur. Sei es Theater (Schwerin!), sei es Kulturförderung, sei es Zuschüsse zu Veranstaltungen oder eben auch – beim Jazz. In den Köpfen der meisten Entscheidungsträger ist nicht richtig verankert, dass der Jazz Weltmusik ist. Eher ist die Angst in den Köpfen, dass Jazz Revolutionen begünstige. Dem ist nicht so, aber das wird befördert aus dem Klischeebild des verrauchten Kellerlokals.

 

Raus aus dem Keller!

Nutzt die erschwingliche Technik zum Home-Recording. Seid aber so lieb und stellt das Aufnahmegerät nicht vor die Basedrum. Es gibt auch hier Freunde und Könner, die gegen einen geringen Betrag bereit sind, Euch das Aufnehmen abzunehmen, wenn ihr selber der Technik abhold seid. Überlegt Euch, wie Ihr diese Aufnahmen nutzen könnt, um Euch und Euer Anliegen bekannt zu machen.
Liebe Jazzmusiker und deren Freunde, es ist nicht einfach, aber es ist machbar: Vernetzt Euch! Nutzt dieses neue Internet, pflegt Kontakte, sammelt Fans ein. Nutzt Multiplikatoren! Ich kann hier keinen Seminar-Leitfaden anbieten, aber ein paar Tipps sollen es allemale sein:
Pflegt Eure Websites, es gibt Tools, mit denen sich ganz leicht Social-Media-Aktivitäten einbinden lassen. Sprecht Eure Fans direkt an, tretet mit ihnen in eine Kommunikation. Postet mal ein kleines Video, mal einen (vielleicht sogar lustigen) Ausschnitt aus einem Stück, steht auch zu Euren Schwächen, was einen Patzer angeht. Wenn er lustig ist, nimmt Euch das keiner übel. Ihr werdet nur begreifbarer für den, der Eure Leistung schätzt oder Eure Musik noch kennenlernen soll.

Social Media ist alles, aber Social Media ist nicht alles!

Pflegt Eure Facebook-Accounts, seid bei Google Plus. Und: Vor allem: Twittert! Hängt an Eure Botschaften ein Bild aus dem Konzert an, verweist auf Eure Auftritte, Websites oder sonstigen Präsenzen. Nirgends ist es leichter, Fans, Freunde, Multiplikatoren zu erreichen. Nirgends ist es leichter, an Informationen, Inspirationen und Input zu gelangen. Baut Euch Euer Netz auf. Sucht Euch gleich- und gutgesinnte Menschen, im Bereich Jazz empfiehlt sich @Bayernjazz, sorgt für Vervielfältigung Eurer Ideen.
Social Media ist heute teilweise das, was früher Handwerkerbünde und Musikergewerkschaften waren. Zusammen sind wir stark, erinnert Ihr Euch?
Ich wünsche mir, dass ich nie mehr Ohrenzeuge eines Telefonates werden muss, in dem einem am Telefon gesagt werden muss: Ja, dann musst Du twittern, da poste ich sehr viel zu dem Thema. Begreift, dass das Mobiltelefon in seinen neuesten Ausführungen viel mehr als Telefon und SMS ist. Setzt von unterwegs einen Tweet ab, wohin ihr grade fahrt, setzt vor den Ort ein ‘#’ (hashtag). Glaubt mir, ihr werdet gefunden – und vielleicht findet Ihr einen neuen Fan.

Jazz ist nicht tot, Jazz liegt nicht im Keller und darbt vor sich hin. Deswegen:
Vernetzt Euch! Wer sich zu spät vernetzt, bleibt im Kellerlokal sitzen. Glaubt mir: Da kommt sehr schnell einer und macht das Licht aus.

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In der Kategorie Medien, Musik, Social Media am 09.03.12 um 22:09 Uhr veröffentlicht.
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Nockherberg – Ein bairisches Drama

Der Starkbieranstich in München, auch als ‘Nockherberg’ benannt (nach der Spielstätte), ist ein Kult-Ritual in Bayern. Walter Sedlmayr als Bruder Barnabas, später Bruno Jonas, Django Asül und Michael Lerchenberg lesen den Politikern die Leviten. Das übernimmt seit letztem Jahr Luise Kinseher als ‘Mama Bavaria’. Viel war in den zurückliegenden Wochen spekuliert worden, wie das Singspiel wohl dieses Jahr gestaltet werden würde. Dass Luise Kinseher in ihrer Salvatorrede weniger scharf werden würde, sickerte schon im Vorfeld durch, es war auch ein Wunsch der ausrichtenden Paulaner-Brauerei.

 

Die Zeiten ändern sich und auch wir uns mit ihnen. Das wussten schon die alten Lateiner. Besonders gut war das am diesjährigen Nockherberg zu sehen. In weiten Teilen war die Veranstaltung fad, Luise Kinseher fasste die Politiker mit extra samtigen Handschuhen an – als Stammseher ist man gerade von Django Asül und auch Michael Lerchenberg anderes gewohnt. Gut, Lerchenberg musste nach seiner Rede gehen, in der er Guido Westerwelle Lager-Überwachungsmentalitäten unterstellte. Das war sehr unglücklich. Leider.

Das Singspiel fand früher in einer aufwändigen Theaterkulisse statt- seit ein paar Jahren zollt man hier aber der Moderne Tribut. Letztes Jahr war es angelehnt an Casting-Shows. Dieses Jahr aber war es nur noch schlimm. Der Twitter-User @schreyegg fasste es kurz vor Ende der Ausstrahlung so zusammen: ‘Steril, billig produziert, lasch. Bühnenbild: nicht vorhanden. Auf diesen #Nockherberg kann Bayern verzichten.

Das Singspiel war wirklich nicht gut. Die Kulisse war eine Mischung zwischen “Starparade” und “Der große Preis” mit 70er Jahre-Charme. Der Austausch der Merkel-Darstellerin mag zwar ein musikalischer Gewinn gewesen sein, aber wenn man schon austauscht, dann wäre Maria Grund-Scholer erste Wahl gewesen. Sie beweist in Stimme und Gestus seit Jahren bei WDR und NDR, dass sie die Bundeskanzlerin besser drauf hat. Was ein Karl Theodor von und zu Guttenberg in diesem Jahr auf dem Nockherberg zu suchen hat, ist mir auch nicht ganz klar. Er ist nicht mehr aktiver Politiker, also kann man ihn getrost weglassen. Die Pausenclown-Nummern waren auch nicht wirklich lustig.

Die Bundespolitik spielte immer schon in den Nockherberg rein, das ist auch in Ordnung so. Es soll ja beileibe nicht eine bayerische Nabelschau sein und Bayern spielt eine gewichtige Rolle in Deutschland. Ich kann mich auch noch damit anfreunden, dass man Wilfried Kretschmann, dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg eine Rolle ins Spiel geschrieben hat. So richtig bissig war das schwarz-grüne Aufeinandertreffen dann aber auch nicht. Und den Text, den der Kretschmann-Darsteller sang, hat mich abgestoßen. Ein Jahr nach Fukushima auf der Bühne singen zu lassen, dass jemand dankbar ist, dass er wegen Fukushima ins Amt kam, ist hochnotpeinlich. Ich habe mich hingesetzt und den Anfang abgetippt. Bitte:

Fast mein halbes Leben / wartete ich brav

auf das große Beben, / das Fukushima traf.

Mein Handeln war von Anfang an / ganz darauf bedacht

dass eines Tages, irgendwann / ein Kernreaktor kracht.

Zum Glück war das weit weg von hier und die Wirkung war sehr gut

die Strahlung kam nicht bis zu mir, gegen Mappus stieg die Wut.

Ein Jahr ist Fukushima nun her, das Leid in Japan ist immer noch unendlich, gottlob hat die Politik wenigstens bei uns das Umdenken begonnen. Und dann geht man am Nockherberg hin und schreibt eine solche Nummer?

Mir fehlen die Worte. Wirklich.

Vielleicht wäre den Verantwortlichen geraten, einfach mal ein paar Jahre off zu gehen und uns Peinlichkeiten zu ersparen. Und einen solchen Text wie den oben zitierten.
Kein Ruhmesblatt.
Ein bairisches Drama.

Update vom 08.03.2012: Hier finden Sie übrigens einen schönen Live-Blog vom @stadtneurotikr und @Patschbella zu München 7 und dem Nockherberg, beide Sendungen wurden gestern abend teilweise parallel übertragen.

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In der Kategorie Medien am 07.03.12 um 22:08 Uhr veröffentlicht.
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Die Woche, wo war

Ihr wundert Euch über den Kolumnentitel? Ich auch. Fast. Aber den Titel habe ich mir geborgt. Von der taz – Die Woche, die war. Ich muss einfach mal aus dem Nähkästchen plaudern.
Das war die Woche, die war. Eine wunderbare Woche. Fast 1500 Abrufe meines Blogpost zu Dagmar Wöhrl, eine geniale Chorprobe, und dann war ich noch in Regensburg. Da war ich als Pressevertreter bei der Deutschen Bischofskonferenz akkreditiert. Als freier Journalist ist das nicht so einfach, glaubt mir.

Würdet Ihr eigentlich den Erzbischof Zollitsch fragen, wann er seinen Twitter-Account mal benutzt? Ich hab lang überlegt, aber @Zollitsch hatte vorher gesagt, dass wir alles fragen dürfen. Ich habs gemacht. Das könnt ihr hier nachlesen und -hören. Und ehrlich – hört mal auf meine Stimme – ich hab gezittert. Und dass die begleitenden Kollegen der klassischen Medien gelacht haben, war ja klar. Mittlerweile hat es Kommentare zum Blogpost gegeben, im Blog des Bistums Freiburg bin ich auch schon erwähnt, das Bistum Trier hat auch schon gesagt, dass sie mich gerne empfangen. Finde ich toll, ich bleib an der Sache dran, wann immer Geldbeutel und Zeit das erlauben.

An diesem Donnerstag in Regensburg hatte ich neben der Bischofskonferenz noch ein tolles Erlebnis: Ich war Jury-Mitglied beim Bayerischen Jazzinstitut. @Bayernjazz richtet jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Stadt Regensburg ein Festival aus. Drei Tage lang spielen 90 Bands durch die Altstadt verteilt auf. Und sehr fein: Das Ganze ist für Zuhörer kostenlos. Übrigens twittern wir manchmal auch unter dem Hashtag #Jazzweekend aus den Sitzungen. Ergebnisse und sowas gibts nicht. Aber zumindest Stimmungsberichte und -eindrücke, wenn Tweeps in der Jury sitzen. Ehrlich gesagt: Das ist schon überwältigend, wenn man da sitzt und sich einen Abend lang Stücke um die Ohren haut und dann entscheiden darf/soll, wer fürs #Jazzweekend eine Chance hat. Ich bin sehr stolz drauf, dass ich dabei sein darf!

Ich sehe nach wie vor in der Vernetzung via Social Media ein großes Potential – ich selber nutze journalistisch hauptsächlich Twitter und Google+, Facebook ist für mich eher privat. Zu diesem Thema möchte ich in den nächsten Wochen auch mal was machen, vielleicht mit Audio, vielleicht aber auch mal Video. Ich habe schon bei interessanten Kolleginnen und Kollegen angefragt – lasst Euch überraschen.

Und das sind die Projekte, die ich so als nächstes vorhabe: Ich will den ‘twitternden General(vikar)’ Michael Fuchs vom Bistum Regensburg interviewen, später auch Mitarbeiter der Pressestelle des Bistums zur praktischen Umsetzung. Dann kommt der künftige Bundespräsident Joachim Gauck nach München, die GEMA wird die Bilanzpressekonferenz halten und die CSU hält ihren ‘Netzpolitischen Kongress’ ab. Drückt mir die Daumen, dass ich interessante Dinge finde. :) Und am Monatsende gehts wieder in Regensburg auf: Die neue Baseball-Saison startet und ich will bei den Legionären dabei sein. Und so oft, wie es mir möglich ist.

Stay tuned!

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In der Kategorie Medien, Social Media am 03.03.12 um 15:53 Uhr veröffentlicht.
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