Die Wüste ist gelb. Und DHL auch.

2012.
Alle Firmen sind kundenorientiert.
Alle Firmen?
Nein.
Ein früheres Staatsunternehmen hat Jahre nach der Privatisierung noch viel Beton in den Köpfen.
Kundenorientierung ist im Erscheinungsbild verankert.
Die Umsetzung hakt allerdings gewaltig, wenn man sich so manchen Tweet bei „@DHLPaket“ anschaut.

Kunde D. berichtet, dass er am Wochenende ein Mobil-Telefon im Internet bestellt hat. Für die Zustellung des Paketes braucht DHL drei Tage.
Und statt wie gewohnt das Paket in eine Packstation zu legen, wird der Kunde benachrichtigt, dass seine Lieferung in der Arnulfstraße (München) abzuholen sei.

Als D. sich telefonisch nach den Abholzeiten erkundigen will, erlebt er seine nächste Überraschung:

Die Filiale hat von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Kundenfreundliche Zeiten, so dass man eigentlich eine Abholung schaffen sollte.

Nach 20 Minuten in der Warteschleife (zu je 9 Ct/min) mit „englischem Geschwafel“ und „Wir sind gleich für Sie da“ sowie „Einen Moment bitte“ im Telefonhörer erfährt D., dass die Paketausgabe nur von 11 Uhr bis 18.45 Uhr geöffnet hat.

Screenshot der DHL-Website

D. ist Freiberufler, das ist sein Glück.
Anders wäre die Abholung seines Paketes schwierig. Ersatzweise könne er jemanden zur Abholung vorbeischicken, meint die Dame am Telefon. Eine Zustellung zu ihm, wahlweise eine Auslieferung zu einer Packstation sei nicht möglich, da sein Wohnort weniger als drei Kilometer von der Filiale entfernt sei.

Übrigens: Die Auskunft, dass die Ausgabe nur von 11 bis 18 Uhr 45 möglich ist, erhielt D. erst bei der dritten Nachfrage.
Er wäre also wahrscheinlich umsonst rausgefahren, wenn er abends gegen 19 Uhr das Büro verlässt.

Eine Zustellung in die Packstation in der Arcisstraße, seiner Wohnung nahe gelegen, war nicht möglich, weil die Packstation gestört ist.

Via Twitter hat DHL seine „neue“ Packstation beworben. Die liegt in der Unsöldstraße.
DHL hat diese vor Jahresfrist geschlossen. Und nun wieder neu aufgemacht. Einziges Problem: Noch nicht einsatzbereit.

Übrigens: Und da wird die Geschichte so richtig pikant: D. ist seit Jahren registrierter Kunde für die Packstation und wurde bislang immer darüber beliefert.

Einen ähnlichen Vorfall gibt es aktuell aus Düsseldorf zu verzeichnen. Ein DHL-Kunde hatte eine Sendung an eine Paketstation bestellt. DHL war nicht in der Lage, das Paket dort zu deponieren. Die nächste Poststation anzufahren, fällt den Logistikern der Post aber nicht ein. Nein: Das Paket wird in einer zehn Kilometer entfernten Filiale deponiert. Die Filiale in der Nähe des Kunden wäre nur 500 Meter entfernt gewesen.
Auch hier: Unnötiger Einsatz des Autos, unmögliche Öffnungszeiten der Postfiliale und keine Erklärung, warum so am Kunden vorbei gehandelt wird.
Besonders betrüblich: An Weihnachten hatte der Düsseldorfer erst den Verlust eines Päckchens beklagen müssen. Es war das Weihnachtsgeschenk seines Freundes.

Das Gelb der DHL-Lieferwagen scheint ein Hinweis auf die Servicewüste zu sein, die dieser Konzern bietet.

Notabene: Beide Kundennamen sind mir bekannt.

flattr this!

In der Kategorie Bericht, Kommunikation, Service am 13.07.12 um 20:39 Uhr veröffentlicht.
Es wurden folgende Tags vergeben: , , , ,
Keine Kommentare

MVG-Logik. Auf dem Kopf stehend.

Auf dem 10. Verkehrspodium der Hanns-Seidel-Stiftung war unter anderem Gunnar Heipp von der MVG zu Gast. Ich nutzte bei einem sehr interessanten Vortrag zur Mobilität der Zukunft die Gelegenheit, ihn zu einem Semester-Ticket für Münchner Studenten zu befragen. Eher nebenher fiel mir ein, dass ich als MVV-Kunde im Umland gefühlt den Stadtverkehr mitfinanziere:

Meine zweiteilige Frage:

Die Antwort von Gunnar Heipp auf die Tarifstruktur:

Gunnar Heipp von der MVG

Also nochmal zum langsamen Nachlesen:
Die Stadtkunden der MVG finanzieren das Umland (MVV) mit.
Weil: Ich habe auf dem Land weniger Angebot und darf mehr Kilometer fahren.
Oder so.
Eine IsarCard Ring 1 bis 8 kostet mich 107,30 €. Nicht falsch verstehen, das ist ein Preis, den ich gerne zahle. Und in Markt Schwaben bin ich recht gut angebunden.
In Wolfratshausen, wie Gunnar Heipp es anführte, sieht es anders aus. Klar, ich kriege zum Beispiel mit der Kurzstrecke (1,20 €) mehr Kilometer, die ich mit dem Bus fahren darf, als ein Stadtbewohner, der darf nur maximal 4 Stationen fahren (ca. 1,6 Buskilometer im Normalfall). Auf dem Land habe ich ein eingeschränktes Mobilitätsangebot. Aber ich bin glücklicher, weil ich mehr Kilometer fahren darf. Ist ja Wurscht, dass ich am Wochenende oder abends nimmer weiterkomme.

So, wer sich jetzt noch nicht aufgeregt hat, darf sich die Antwort auf die Frage nach einem Semesterticket für München noch geben:

Gut, dass die meisten Studenten mit dem Radl an die Uni fahren, weil sie ja auch in Radlnähe wohnen.
Dann sind die Öffentlichen Verkehrsnittel in München wenigstens nicht so voll.

Andererseits: Der Student zahlt ja nur eine geringfügig höhere Miete in Uni-Nähe und erarbeitet sich das Geld für sein Leben mit Nebenjobs, die seine Regelstudienzeit nicht beeinträchtigen.

Vielleicht verstehen Sie jetzt, dass ich das Logo der MVG auf den Kopf gedreht habe.

(Entschuldigung: Ich habe in diesem Artikel satirische Elemente versteckt.)

Der Bericht über das Verkehrspodium der Hanns-Seidel-Stiftung folgt noch.

flattr this!

In der Kategorie Bahn, Bericht, Zwischenruf am um 20:21 Uhr veröffentlicht.
Es wurden folgende Tags vergeben: , , , , ,
Keine Kommentare

Nächste Preiserhöhung für Speichermedien?

Die ZPÜ, vertreten durch die GEMA, will offensichtlich schon wieder mehr Geld.
Dieses Mal für Externe Speicherplatten.
Bis ein Terrabyte Kapazität sollen es 7 Euro sein, darüber 9 Euro pro Platte.
Das geht aus einer Pressemitteilung des Informationskreises Aufnahmemedien und Bitkom hervor.

Dieser Zusammenschluß von Herstellern von Speichermedien eine Studie in Auftrag gegeben, nach der die externe Festplatte nur zu gut drei Prozent für Privatkopien genutzt werden. Im Klartext: 97 Prozent der Festplatten werden für Sicherungskopien eigener Fotos und Dokumente genutzt.
Schon im Mai war die Verwertungsgesellschaft für die geplante Erhöhung der Abgabe auf USB-Sticks heftig kritisiert worden.

Die Pressemitteilung finden Sie hier.

Unterdessen zitert der Kollege Peter Viebig von der Nürnberger Zeitung GEMA-Sprecher Peter Hempel, der die GEMA einer Kampagne ausgesetzt sieht:
“Wir sind momentan für jedes Sommerloch gut”, klagt Hempel. (Zitat mit freundlicher Genehmigung der NZ)

flattr this!

In der Kategorie Computer, IT, Medien, Musik am um 12:12 Uhr veröffentlicht.
Es wurden folgende Tags vergeben: , , , , , ,
Keine Kommentare

„Überzeugen statt Petzen“ – Die Schülerbegleiter der S-Bahn München

Das Bild ist aus vielen Reportagen im Fernsehen bekannt: Horden von Schülern, die ungeduldig in die S-Bahn drängeln, sich auf Sitzen flätzen, in der Gruppe mutig werden, andere Fahrgäste, meistens schwächere Schüler, werden belästigt oder drangsaliert, manche vergreifen sich gar an der Inneneinrichtung. Oft überschreiten Schüler auch einfach die Bahngleise. Die Gefahr ist groß, der materielle Schaden immens, das Verhalten der Schüler unsozial.
Es muss aber nicht so sein. Die Deutsche Bahn bildet seit mehreren Jahren auch im Bereich der S-Bahn München Schülerbegleiter aus.

Lokführer Michael Siegel bildet mit Kollegen die Schülerbegleiter aus

Dabei ist das Konzept denkbar einfach: Statt Erwachsene einzusetzen, die bei Jugendlichen eher Kopfschütteln oder Ignoranz ernten, setzt die Bahn auf Schüler. Wie Klaus Figur und Michael Siegel betonen, ist es viel wirksamer, dass Schüler die Gleichaltrigen auf Fehlverhalten hinweisen oder deeskalierend eingreifen.

Damit die Schüler das machen können (und dürfen!), werden sie von den beiden Lokführern geschult. Rund 60.000 Euro nimmt die S-Bahn München pro Jahr in die Hand, um den Schülerbegleitern den richtigen Umgang mit Krisensituationen beizubringen.
Die Schüler der 8. Jahrgangsstufe sollen dabei nicht Helden spielen, sondern dürfen nach Abschluss der Ausbildung selber entscheiden, ob sie in der S-Bahn eingreifen. „Wichtig“, so die Trainer, „ist, dass sich die Begleiter nicht selbst in Gefahr bringen.“

Für ihren Einsatz sind die Schülerbegleiter nun geehrt worden. Neben Norbert Klimt von der Deutschen Bahn und dem Präsidenten der Bundespolizeidirektion München, Hubert Steiger, war auch der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil auf der Bühne, um den Schülerbegleitern zu danken. Moderator Tim Wilhelm fragte den Minister:

Viel Lob für die Schülerbegleiter von Bundespolizei, Bahn und Minister

Eine Schülerin schilderte im Interview auf der Bühne das Vorgehen als Begleiterin. Sie sparte nicht mit Kritik an anderen Fahrgäste, die in Konfliktsituationen nur zuschauen:

Die Idee zu Schülerbegleitern entstand in den 90er Jahren im Ruhrgebiet. Die Schäden, die randalierende Schüler an Fahrzeugen anrichteten, die Sicherheit, die während der Fahrt nicht gewährleistet war, hat die Verkehrsgesellschaft auf den Plan gebracht, neue Wege zu gehen:

Für besonders Mutige: Der Salto Rückwärts

700 Schüler haben bei der S-Bahn München die dreimonatige „Ausbildung“ bisher durchlaufen. Teilnehmen können grundsätzlich alle Schulen aus dem Einzugsgebiet der S-Bahn. Den Lohn für Ihren Einsatz bekamen die Schülerbegleiter nun mit einem Sommerfest vergolten. Die Bahn hatte neben Aktions- und Geschicklichkeitsspielen auch kreative Workshops im Angebot: Schminken wie ein Maskenbildner oder T-Shirts bemalen. Die Mittel für dieses Fest wurden übrigens nicht aus dem Ausbildungsetat genommen.

flattr this!

In der Kategorie Bahn, Kommunikation, Reise am um 11:25 Uhr veröffentlicht.
Es wurden folgende Tags vergeben: , , , , , , ,
Keine Kommentare

Rimons twitter widget by Rimon Habib