Nach der Eröffnung der WikiCon startete gleich die erste Diskussion. Falko Wilms begrüßte auf dem Podium Wikimedia-Geschäftsführer Pavel Richter, Verena Parzer-Epp, Ting Chen und Professor Roland Alton.
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Freiheit des Internets nicht nur in Staaten wie dem Iran bedroht ist, sondern auch bei uns in Deutschland*. Und das nicht nur durch ACTA und vergleichbare Gesetzesvorhaben.
Wichtigste These von Pavel Richter: Viele Menschen haben Probleme mit der Freiheit, auch mit der Freiheit des Internets und – gerade auch Lehrer betreffend – mit Wikipedia.
Professor Alton wies darauf hin, dass die Gefahr der Bequemlichkeit der Unfreiheit Vorschub leistet. Bestes Beispiel: Facebook. Viele Jugendlich kennen sich nicht mehr mit eMail aus, stattdessen bittet man: „Schick’s mir doch via Facebook.” Damit ist klar, dass Zuckerbergs Netzwerk dazu beiträgt, dass die Nutzergruppen unter sich bleiben.
Parzer-Epp findet die Kommerzialisierung des Netzes nicht schlimm, findet aber die Gratisangebote der Majors gefährlich, die mit den Daten ihrer Nutzer Handel treiben.
Erster Einwurf aus dem Publikum: Das Urheberrecht ist sinnvoll, aber die Willkür bei der Verschärfung treibt ihm die Zornesröte ins Gesicht.
Zweiter Einwurf: Industriepatente laufen nach 20 Jahren ab, Erben von Urhebern, die nichts geleistet habe, sollen beschnitten werden.
Pavel Richter entgegnete, dass es nicht mit den 70 Jahren ab Entstehung des Werkes getan ist, sondern dass die Schutzfrist erst mit dem Tod des Autors beginnt.
Bei Wikipedia ist das anders: Die Medien unterliegen einer freien Lizenz, aber das Urheberrecht bleibt beim Urheber.
Nur mit vielen Freiwilligen kann die Wikipedia mit gemeinfreien Werken anwachsen. Richter dankte allen, die jetzt schon mitmachen und freute sich, dass sich Menschen aus allen Bereichen engagieren.
Aus Reihen der Zuhörer wurde kritisiert, dass es im Gegensatz zu früher vielen keinen Spaß mehr macht, Artikel zu schreiben. Früher schrieb man den Artikel und stellte den Artikel online. Heute würden viele Artikel zu schnell mit der Relevanzkeule erledigt. Grade die Schweizer und Südtiroler plädierten für mehr Freiheit im Netz.
Alton sprach davon, dass es keine wirkliche Demokratie mehr in der Wikipedia gibt. Vielmehr habe sich über die Jahre eine Aristokratie der Etablierten entwickelt, die Innovation und Artikelvielfalt verhindere und zu Edit Wars führe.
Der Wikipedia-Admin „southpark” pflichtete Pavel Richter bei, der sagte, dass es wichtig sei, dass Wikipedia-Autoren nicht frei in der Gestaltung ihrer Beiträge seien. Nur so könne eine hohe Qualität der Online-Enzyklopädie gewährleistet werden.
Weiterer Kritikpunkt aus dem Publikum: Viele Eingangskontrolleure hätten zu wenig Ahnung, wenn es um spezielle Artikel geht und würden aus dieser Unkenntnis heraus gute Artikel löschen.
Pavel Richter verteidigte das Thema: In vielen Fällen käme nach einer Diskussion ein besserer Artikel raus.
Auch der Umgangston innerhalb des Netzwerkes lasse oft zu wünschen übrig. Oder, wie es ein User sagte: „Jetzt wissen wir, warum der Wikipedianer in vielen Erdteilen Freunde hat, in seiner Nachbarschaft aber nicht.”
Viel Stoff also für die kommenden Tage in Dornbirn.
Die Wikicon versammelt über 200 Freiwillige, die für Wikipedia schreiben und bringt auch immer wieder den Trägerverein Wikimedia e.V. und die Basis zusammen.
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*Deutschland steht hier für das Gebiet der deutschsprachigen Wikipedia.
Im September ist Weltkindertag. Weltweit erinnern 145 Staaten daran, dass auch Kinder Rechte haben. Deutschland hat dafür den 20. September festgelegt. 1989 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen eingeführt. Das Kinderportal der evangelischen Kirche www.kirche-entdecken.de nimmt den Weltkindertag zum Anlass für ein Kinderrechtequiz, das vom 1. bis 30. September auf der Seite läuft.
Nicola Rössert, die in der Abteilung Vernetzte Kirche / Internet im Evangelischen Presseverband für Bayern e.V. für kirche-entdecken.de zuständig ist, erklärt, dass Kinderrechte oft missachtet werden und viele Kinder nicht mal um ihre Rechte wissen. Nicht nur in Ländern der Dritten Welt, sondern auch bei uns in Deutschland.
Hand aufs Herz: Wissen Sie auf Anhieb, ob Eltern die Briefe ihrer Kinder aufmachen dürfen? Sie dürfen es nicht.
Das Briefgeheimnis gilt auch für Kinder.

Nicola Rössert von @vernetztekirche
Daneben haben Kinder das Recht auf gesunde Ernährung, auf Spiel und Freizeit und – auf freie Meinungsäußerung. Bei kirche-entdecken.de gibt es das ganze Jahr hindurch Aktionen für Kinder. Nicht immer muss es direkt mit Kirche und Religion zu tun haben, findet Nicola Rössert.
Speziell zum Weltkindertag hat Kira, die Kirchenelster sich etwas Besonderes einfallen lassen. Ein Quiz, in dem Kinder sich spielerisch über ihre Rechte informieren können:
Wenn man eine falsche Antwort anklickt, scheidet man nicht aus aus dem Quiz. Es ist so programmiert, dass auf dem Bildschirm die richtige Antwort erscheint, bevor es mit der nächsten Frage weitergeht.
Es gibt Sachpreise zu gewinnen. Dazu muss man seine eMail-Adresse angeben. Nicola Rössert betont, dass es Kira am Herzen liegt, den Datenschutz zu beachten:
www.kirche-entdecken.de ist das erste Internet-Angebot der evangelischen Kirchen für Kinder. Unter den Fittichen der frechen Kirchenelster Kira können Mädchen und Jungen seit 2005 die unterschiedlichen Räume einer virtuellen Kirche entdecken. Sie können in Schränken wühlen, auf der Orgel spielen, dazu singen oder sich Geschichten vorlesen lassen. Die Seite vermittelt informelles Wissen über die christliche Religion und ermöglicht auch Kindern, die keinen Kontakt zu einer Kirchengemeinde haben, Erfahrungen mit dem Kirchenraum zu machen und sich gleichzeitig mit ihrem eigenen oder einem fremden Glauben auseinanderzusetzen. Ein Infoplakat für Gemeinden, Eltern und Interessierte findet sich hier.
Die Vorhut ist schon in Dornbirn zugange. Gestern wurde mir von „Gustavf” dieses Foto der Helfer zugespielt. :) Von Freitag bis Sonntag treffen sich rund 150 Wikipedianer aus der Schweiz, Österreich und Deutschland in Dornbirn (Vorarlberg), um in Workshops und Panels daran zu arbeiten, dass die Online-Enzyklopädie besser wird. In einer Podiumsdiskussion am Samstagabend wird es heiß hergehen: Ein Thema wird der Schwund an Freiwilligen sein, die für Wikipedia schreiben.
Die FH Vorarlberg sorgt für die Räume und die Infrastruktur.
Ich werde selber vor Ort sein und per Blog und Podcast berichten.
Fotos und Podcasts gibt es bei Wuala zur Verwendung gemäß CC-BY-NC-SA-Lizenz.
Gerne stehe ich auch Medienpartnern für Berichte zur Verfügung.
Hashtag auf Twitter ist #wikicon.
Fotocredit: Gustavf, Bild kann frei verwendet werden.
„Jazzer sitzen im verrauchten Keller, spielen wirres Zeug und sind lebensfremd.”
Dieses Klischee stimmt nicht. Zumindest nicht, wenn es ums Landesjugend-Jazzorchester Bayern geht. Beim 31. Bayerischen Jazzweekend in Regensburg hatte ich Gelegenheit, das Orchester einen Tag zu begleiten. Die jungen Musiker haben sich in Schloss Alteglofsheim, einem Sitz der Bayerischen Musikakademie getroffen. Zusammen erarbeiten sie das Repertoire für kommende Auftritte. Abends werden sie einen solchen haben. Zur Eröffnung des Jazzweekends in Regensburg.
Konzentriert sind die Jungs und Mädels. Dirigent Harald Rüschenbaum, einer der angesagtesten Jazzmusiker in Deutschland, kann sich auf die Arbeit von Johannes Herrlich verlassen, der das Orchester in den Probentagen immer wieder motiviert und angetrieben hat. Als ich den Probensaal betrete, spielen die jungen Musiker unter der Leitung von Johannes Herrlich. Rüschenbaum sitzt im Publikum, umringt von jungen Musikern, die am Abend noch nicht spielen sollen. Er hört zu, er geht mit. Mittendrin packt er sein Tambourin, sagt: ‘Jetzt muss ich wohl nach vorne’ – und übernimmt fließend die Probe von Herrlich.
Die Musiker sitzen in Sommerkleidung da, manche barfuß, es ist Sommer. Es ist heiß. Kein Probenwetter. Trotzdem sind die jungen Musiker bereitwillig dabei. Bis zum Mittag kümmert sich Harald Rüschenbaum um die Feinheiten. Er lässt die Nusiker die Instrumente absetzen und ihre Stimme aus der Partitur singen. Bis es ihm passt. Der Jugend passt es. Sie sind hier, um zu lernen. Und sie lernen gerne. Von Harald Rüschenbaum, von Johannes Herrlich.
Überhaupt. Das Lernen. Vor dem Mittagessen zieht sich Johannes Herrlich mit zwei Eleven zurück. Der erfahrene Jazzer und Posaunist erteilt den Jungs (6. und 7. Klasse) eine Lektion in Improvisation. Keine Spur von Lehrer und Schüler. Herrlich, wie Herrlich die Jungs in das Improvisationsspiel einführt. Die Jungs gehen bereitwillig mit. Sie haben ein Herz für Jazz. Das merkt man an jedem Ton. Hier eine Anfangsimprovisation über „Alle meine Entchen”:
Nach dem Mittagessen gibt es noch eine kurze Probe. Dann packen die Musiker zusammen. Willi Staud, gute Seele und Organisator des Landesjugend-Jazzorchesters Bayern verstaut die Instrumente im Van.
Am Abend spielt das LJJB die Eröffnung des Bayerischen Jazzweekends auf dem Bismarck-Platz in Regensburg. Zusammen mit Conrad Tribble werden sie perfekte Musik liefern.
Die Homepage des Landesjugend-Jazzorchesters: LJJB.de
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Leider darf ich aufgrund der geltenden Bestimmungen keinen Probenmitschnitt des Landesjugend-Jazzorchesters Bayern präsentieren.
Ich bedanke mich bei Sylke Merbold und Uli Schwarz vom Bayerischen Jazzinstitut, die mir den Probenbesuch ermöglichten.
Vor ein paar Wochen war ich einer Führung in Ohel Jakob, der Hauptsynagoge von München.
Ich habe im Rahmen meiner Woche für @MunichlovesU drüber berichtet. Den Bericht mit Fotos gibt es hier.
Für mich ist es nicht nur spannend, Kirchen, G”tteshäuser oder Gebetsstätten zu besuchen. Ich bin neugierig. Nicht nur auf die Gebäude, sondern auch auf die Riten.
Zum Verständnis: Ich rede nicht von Sekten.
Wer mein Blog verfolgt, weiß, dass ich mich mit religiösen Themen oder verwandten Bereichen auseinandersetze. Mit einem meiner Twitterfreunde bin ich letztens in einem durch und durch amerikanisch und freikirchlich geprägtem Event gewesen. Das Wort „G”ttesdienst” möchte ich, weil recht eindeutig besetzt, nicht verwenden.
Es war eine spirituelle Erfahrung. Und so schlecht habe ich mich beim ICF auch nicht gefühlt. Eine katholische Ordensschwester im Ornat war ebenfalls anwesend.
Doch lassen wir diesen Ausflug. Ich war doch bei Ohel Jakob.
Die Synagoge hat mich seit ihrer Entstehung interessiert, ich habe den Bau und die Einweihung verfolgt, ich war letztes Jahr bei Chanukka, dem jüdischen Lichterfest (vergleichbar mit dem christlichen Weihnachten). Mit vielen anderen stand ich auf dem Jakobsplatz und es war spannend, wie der große Leuchter entzündet wurde.
Und anschließend stand ich mit meiner „Siamesischen Zwillingsschwester” noch auf Krapfen und Punsch zusammen. Es war kalt, der Schneeregen unangenehm, und doch: Mein Herz war warm. Eines Tages würde ich auch in der Synagoge Ohel Jakob sein. Zur Besichtigung habe ich das schon erlebt.
Einige Wochen sind ins Land gezogen, ich habe viele Termine wahrgenommen, viele Leute kennengelernt.
Dabei habe ich dabei auch einen jungen Mann kennengelernt, ihn später auf der Gegendemo gegen die NPD in München wiedergesehen und mich mit ihm angefreundet. Wir chatten sehr viel. Er weiß um meine Einstellung, ich habe ihm als erstem Menschen überhaupt gestanden, dass ich mit der Beschneidung meine Probleme habe. Er ist Jude. Er hat mich ernst genommen. Er hat meinen Beitrag zur Beschneidung, der in diesem Internet doch beachtet wurde, ernst genommen. Er hat ihn für gut befunden.
Ich bin dankbar für diesen Zuspruch.
Heute hat mich Michael eingeladen, mit ihm zum Schabbes-Gebet zu gehen.
Für mich geht ein Herzenswunsch in Erfüllung.
Danke!
Ich weiß, dass ich nicht viel verstehen werde von dem, was in Originaltexten gelesen wird. Vielleicht kann ich eine Übersetzung ergattern, vielleicht wird Michael mir einflüstern, welcher Text gelesen wird. Fest steht: Ich bin glücklich, dass ich einen so offenen und tollen Menschen meinen Freund nennen darf.
Ich freue mich auf den G”ttesdienst, das Shabbes-Gebet in Ohel Jakob.
Ich fühle mich in der Liebe zu G”tt geborgen.
Ein Kommentar.
Zitat aus einer Pressemitteilung des Kultusministeriums von heute, 22.08.2012:
„5. Die Grundlage für die Lehrerversorgung stellt nicht die Schülerprognose 2011 dar, sondern die fortgeschriebene Prognose von 2012 und die Erhebung zu den realen Schülerzahlen vom Juli 2012. Diese ergab: Es besuchen mehr als 4.000 Schülerinnen und Schüler mehr, als die Prognose 2012 vorgesehen hatte, die Mittelschule. Das Kultusministerium stellt in Absprache mit den Regierungen die notwendigen Stellen zur Verfügung.
6. Entscheidend ist das entsprechend konsequente Handeln. Das Kultusministerium hatte frühzeitig auf die Steigerung der Schülerzahlen an den Mittelschulen im Vergleich zur Prognose 2012 hingewiesen und vorausschauend Maßnahmen ergriffen. Entsprechend wurden und werden zusätzliche Ressourcen für das Schuljahr 2012/2013 bereitgestellt. Diese werden im Zuge der Klassenbildung über die Regierungen und Schulämter an die Schulen zugewiesen. So wird die Unterrichtsversorgung verlässlich sichergestellt.”
Die Steigerung der Schülerzahlen an der Mittelschule kam überraschend im Ministerium an.
Worin liegt der Grund? In der Presse ist vermutet worden, dass sich das Ministerium grob verrechnet habe. Dieses Eindrucks vermag man sich nicht erwehren. Wie anders ist es zu erklären, dass es noch zu Beginn der Sommerferien eine Krisensitzung im Ministerium gab?
Frage: Wie konnte sich dieses „frühzeitig” sich bis zum Beginn der Sommerferien verzögern?
Frage 2: Warum weist das Kultusministerium auf höhere Schülerzahlen hin? Den Hinweis hätte man sich sparen können und stattdessen wirklich frühzeitig Lehrkräfte einstellen können. Denn das machen ja nicht die Schulen, die für einen Hinweis dankbar sein könnten, sondern das Ministerium.
Die zukünftigen Lehrer wären dankbar gewesen, rechtzeitig und ohne Stress eine Wohnung am Einsatzort finden können.
Die derzeitige Politik, die das Kultusministerium betreibt, darf zu Recht als „fahrlässig” beschrieben werden.
Trotz modernster Technik verzögert sich die Bekanntgabe der Staatsnote seit Jahren immer weiter Richtung Sommerferien. Die Prüfungen der Referendare und Lehramtsanwärter sind zu Pfingsten, mit moderner IT sollte es möglich sein, zwei Wochen später das Ergebnis aufbereitet zu haben und spätestens Ende Juni die Staatsnote bekannt zu geben.
Welchem Umstand ist es geschuldet, dass das nicht passiert? Sparzwänge der Staatsregierung, die andererseits Bildung als wichtigstes Gut bezeichnet? Oder Schlamperei und Unfähigkeit bei den Bezirksregierungen und im Ministerium?
Und: Welche Maßnahmen hat denn das Ministerium, wie in Punkt 6 behauptet, eigentlich ergriffen?
Faktum ist, dass Teile der Mobilen Reserve aufgelöst werden, um nächstes Jahr Regelunterricht leisten zu können. Die verspätete Bekanntgabe der Staatsnote hat zur Folge, dass junge Lehrer schnellstens umziehen müssen – oder eine Stelle ablehnen müssen, weil sie sich außerstande sehen, diese anzutreten. Das kann ein Junglehrer vielleicht einmal machen, danach wird er sicher nicht mehr ohne weiteres Zutun in den Staatsdienst genommen. Die Sommerferien, die per definitionem auch die Urlaubszeit für Lehrer sind (die restlichen Ferien sind unterrichtsfrei, man kann zu Arbeiten in die Schule kommandiert werden…), werden zerstört.
So geht der Dienstherr also mit seinen Untergebenen um.
Dass Spaenles Lieblingskind das verkorkste G8 ist, bezweifelt niemand mehr. Da nimmt es auch nicht Wunder, dass aus politischem Kalkül (das Projekt G8 darf nicht scheitern) Wiederholungsklassen an Gymnasien eingerichtet werden.
Dafür lässt man den „gesunden Mittelbau” dann einfach absterben und, Verzeihung, darben beziehungsweise verrecken.
Achso, so neu ist das gar nicht. Stimmt, in der Wirtschaft läuft es ja genauso: Der Mittelstand trägt dieses Land, entlastet werden Großkonzerne.
Gegenüber Schülern und Lehrern gleichermaßen ist diese Politik höchst fahrlässig.
Oder aber: Stroh aus dem Ministerium kann nicht in Gold verwandelt werden. Für solche Vorhaben sind Märchen zuständig.
Notabene: Dieser Artikel gibt meine persönliche Meinung wieder. Er muss nicht mit der der KEG übereinstimmen, für die ich als Pressereferent tätig bin.
Bislang habe ich geschwiegen.
Ich konnte mir keine Meinung zum „Beschneidungs-Urteil” bilden.
Einerseits, und das gebe ich gerne zu, weil ich selber ziemlich stark an diesem Stückchen Vorhaut hänge und es mich graust bei dem Gedanken, es zu verlieren. Ich habe versucht, im Verlauf der Debatte mir ein Video zur Beschneidung anzuschauen, das im Netz zu finden ist. Und es hat mich bis ins Mark erschüttert, wie der kleine Bub schrie. Mir das am eigenen Körper vorzustellen: Nicht auszudenken.
Andererseits: Religion hat mit Riten zu tun. Sei es, dass das Taufwasser über den Täufling gegossen wird oder eine Vorhaut entfernt wird.
Ich bin kein Religionswissenschaftler. Ich bin kein Theologe.
Ja, ich frage mich sogar, ob Eltern bestimmen dürfen, ob ein Kind getauft und/oder beschnitten werden darf.
Und je länger ich drüber nachdenke, sage ich JA.
Ich begründe das mit der Entscheidung der Eltern, ihrem Kind eine religiöse Erziehung angedeihen zu lassen. Im Umkehrschluss heißt das natürlich auch, dass ich von den Eltern fordere, ihre Kinder im Glaubensleben zu unterrichten und ihnen Beispiel zu sein.
Und JA, ich sehe, dass viele Eltern das nicht machen, gerade im katholischen Sektor.
Wie das bei Juden und Muslimen aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis.
Und NEIN, wenn ich Vater wäre, würde ich sehr lange zaudern, meinem Jungen die Vorhaut entfernen zu lassen.
An dieser Stelle muss ich etwas plakativer werden.
Nach meiner Geburt erlitt ich einen Leisten-Hoden-Bruch. Folge dessen ist, dass mein rechter Hoden verkrüppelt ist.
Ich bin meiner Mutter bis heute dankbar, dass sie auf den Arzt hörte, der mich in den Folgejahren bis zur Pubertät untersuchte. Ich muss so 12 Jahre alt gewesen sein, da sagte dieser Arzt in Traunstein zu mir: „Heinz, wenn jemand da unten an Dir rumschnippeln will, dann nimm ihm das Messer aus der Hand und wehre Dich.”
Aus diesem Verständnis heraus verstehe ich die Gegner der Beschneidungsdebatte.
So viele Anrisse, so viele Lemmata.
Ja und Nein, ich weiß mir keinen Rat.
Und schreien nach dem Gesetzgeber kann ich auch nicht. Ich halte die Legislative, Judikative und Exekutive in diesem Land nicht für berufen (und fähig!), das Problem einer Rechtssicherheit bei der Beschneidung herbeizuführen. Faktum.
Sicher geht Kindeswohl vor.
Aber WAS ist das Wohl eines Kindes?
Ich weiß es nicht.
Aber:
Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand Anzeige gegen einen Beschneider erstattet.
:-( RT @jbenno die Jagd auf Juden ist eröffnet. Anzeige gegen Rabbiner wegen Beschneidung: juedische-allgemeine.de/article/view/i… @juedischeonline
— Heinrich R. Bruns (@hrbruns) August 21, 2012
Die Anzeige hat nicht dazu beigetragen, die Situation zu entspannen und nach einem Konsens zu suchen.
Und ja, ich stimme in der Tendenz mit @jbenno überein: Die Hatz geht los.
Nicht, weil ein Jurist oder besorgter, unbescholtener Bürger Strafanzeige gestellt hat.
Wie viele Nazis werden sich daran ergötzen und mit weiteren Anzeigen provozieren und jüdisches Leben zu zerstören versuchen?
Abseits von dieser Beschneidungsdebatte ist das meine Befürchtung.
Und ich hoffe, dass wir alle in einem Konsens eine Lösung finden können, die dem Kindeswohl gerecht wird und moslemisches und jüdisches Leben in Deutschland schützt.
Das ist der Spagat.
Ich habe Angst, dass sich an der Vorhaut ein neues Pogrom entzündet.
Es fangt genauso an …
Leider habe ich das Original von S.T.S nicht im Netz gefunden. Aber hören Sie einfach auf den Text.
Ich werde keine Kommentare zu diesem Post veröffentlichen, um Nazis keine Chance zu geben. Aber: Ich stelle mich der Diskussion. Wo immer Sie mich finden.
Nachtrag: Rechtsanwalt Thomas Stadler hat mich auf den problematischen Verweis mit der Taufe hingewiesen.
Ich sehe diesen selbst. Unter uns Erwachsenen: So a bisserl koids Wasser schad’ ned. (Perdon für die Flapsigkeit.)
Mir ging es um den Hinweis auf religiöse Rituale.
Wenn ich einen Bund eingehe, dann hat dieser Rituale.
Sei es als Katholik mit der Taufe, sei es als Moslem oder Jude mit der Beschneidung.
Oder sei es als Soldat mit dem Gelöbnis/Eid.
Der Schienenersatzverkehr auf der Stammstrecke ist gut gelaufen. Zu diesem Ergebnis kommt Bernhard Weisser, der Chef der Münchner S-Bahn. Durch die frühe Information aller Beteiligten habe sich jeder gut auf die Behinderungen einstellen können.
Weisser zog Montag vormittag Bilanz:
Während des Schienenersatzverkehrs hat die S-Bahn München rund 1,4 Millionen Fahrgäste befördert. Sichergestellt haben das 60 Busse, die rund 10.000 Fahrten zwischen Ostbahnhof und Pasing zurücklegten. Dabei sind viele Fahrgäste in der Stadt gleich auf U-Bahn oder Tram umgestiegen. Im Vorfeld hatte die Bahn auch bei der MVG höhere Leistungen bestellt. Trotzdem: Eng wurde es, als der Christopher-Street-Day stattfand, die Busse weder Marienplatz noch Stachus anfahren konnten und die Parade der Schwulen und Lesben stattfand. Hier war Fingerspitzengefühl gefordert. Anders stellte sich die Situation an der Donnersberger Brücke dar. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hatte eine Baustelle eingerichtet, diese aber nicht als Behinderung für den SEV bedacht.
Rund 200 Hilfskräfte hatte die Bahn zusätzlich eingesetzt, diese sollten an den Stationen Hilfestellung geben. Hilfe, die nach Augenzeugen-Berichten nicht immer so gegeben wurde, wie es vielleicht wünschenswert gewesen wäre. Auf Twitter erregten sich ein paar Gemüter, dass Müttern mit Kinderwägen nicht beim Einstieg geholfen wurde oder „das Personal nur rumlungerte”:
MVV-Mitarbeiter unterhalten sichin Pasing, während Mamas die Kinderwägen alleine schleppen müssen #servicewüste #mvv
— Matthias J. Lange (@redaktion42) August 18, 2012
@stephan_rauhut @hrbruns von den faulen Säcken abgesehen, die sich lieber unterhalten haben als Müttern beim Kinderwagentragen zu helfen :-(
— Victor Fuchs (@victor5679) August 20, 2012
Bernhard Weisser entgegnete in der Pressekonferenz dazu:
Weisser bedankte sich bei allen Beteiligten, vor allem bei den Fahrgästen, die diese Behinderungen aushalten mussten und versprach, dass alle Protokolle und Erfahrungen ausgewertet werden:
Für dieses Jahr wird es das mit den Bauarbeiten bei der Bahn gewesen sein. Allerdings fordern Brandschutz und die Instandhaltung des Streckennetzes auch in den nächsten Jahren Sperrungen. Wie das aussieht, weiß derzeit noch keiner so ganz genau. Aber die S-Bahn arbeitet schon an den Einzelheiten:
Die Bahn hat rund 66 Millionen Euro in die Ertüchtigung der Stammstrecke gesteckt.
In zwei Wochen geht es los: Die WikiConvention 12 beginnt. Von Freitag bis Sonntag treffen sich Wikipedianer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieses Jahr ist Dornbirn in Österreich der Tagungsort. Rund 150 Teilnehmer haben sich angemeldet.
Das Themenspektrum reicht von Wikipedia-internen Themen bis hin zu Workshops, die den Autoren Hilfestellung geben sollen.
Dazu gehört zielgruppenorientiertes Schreiben im Web genauso wie das Digitalisieren mit einfachen Mitteln.
Interessante interne Themen dürften neben dem Wikipedia-Projekt der Uni Innsbruck auch die Regiowikis und die Team-Community-Sprechstunde sein.
Am Samstagabend gibt es eine Podiumsdiskussion, die im Zeichen eines brisanten Themas steht: Seit Jahren leidet die Online-Enzyklopädie unter Mitgliederschwund.
Heinrich graut’s wird unter der Kategorie „WikiCon12” bloggen, der Hashtag #Wikicon ist für Twitter zielführend.
Die Fachhochschule Vorarlberg stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung, die Unterkunft ist entweder in einer Turnhalle oder im Hotel möglich.
Die drei eingetragenen Vereine Wikimedia Deutschland, Schweiz und Österreich stehen hinter der deutschsprachigen Wikipedia und unterstützen die Teilnehmer zudem finanziell.
Letztes Jahr fand die Veranstaltung erstmalig unter dem Namen „WikiCon”in Nürnberg statt.
Das Programm der WikiCon12 steht hier.
Witterung und Graffiti haben die S-Bahnen in München im Laufe der Jahre unansehnlich werden lassen. Deswegen bekommen alle 238 Garnituren bis Jahresende einen neuen Schutzlack. Kein billiges Unterfangen, die Bahn nimmt rund 1,5 Millionen Euro in die Hand, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) beteiligt sich zu gut einem Drittel an den Kosten.
Mit dem neuen Lack können die Wägen leichter von Verunreinigungen wie Insekten, aber auch von Graffiti befreit werden. Früher rückten die Reinigungstrupps den Bahnen mit aggressiven Chemikalien zu Leibe, heute achtet die Bahn auch auf Umweltverträglichkeit, wie Jörg Rau vom S-Bahn-Werk Steinhausen betont:
Graffiti sind nicht nur Sachbeschädigung. Sie erzeugen beim Fahrgast auch ein Gefühl der Unsicherheit, weiß Bernd Honerkamp, Pressesprecher der S-Bahn München:
Jedes Fahrzeug schlägt dabei mit 15.000 Euro zu Buche. 131 Garnituren hat die Bahn bereits neu lackiert, die restlichen 107 folgen bis Jahresende. Um die Schäden aus Vandalismus zurückzudrängen, setzt die Bahn auf Videoüberwachung. Aber auch die Mitarbeiter von DB-Sicherheit kümmern sich darum, sowohl im Werk Steinhausen als auch an den Plätzen im Umland, an denen Garnituren abgestellt werden.
Bevor der Schutzlack aufgebracht wird, bessern die Werksmitarbeiter aber Korrosions- und Farblackschäden aus. Dafür muss das Fahrzeug für 36 Stunden aus dem Verkehr genommen werden. Abends um 19 Uhr beginnen die Arbeiten, erklärte Jörg Rau.
Stellen Sie sich vor, sie sitzen in der Trambahn und wollen einen Arzttermin vereinbaren. Mal ganz ehrlich: Wollen Sie Ihr Leiden im Beisein anderer Menschen schildern? Wohl weniger. Und auch, wenn es nur um einen Routine-Termin geht, dann ist Diskretion angesagt. Auch Ihre Mitreisenden werden es Ihnen danken. Wie nun aber den Termin ausmachen, ohne zu telefonieren?
Es geht nicht nur um die intimen Details, ist klar. Es geht auch darum, dass Ihre Mitfahrenden in Bahn und Bus dankbar sind, Ihre Telefonate nicht mithören zu müssen. Mal ganz ehrlich, das nervt jeden, sich aus fremden Gesprächen akustisch ausblenden zu müssen. Abgesehen von der Intimsphäre.
Die 34-jährige Karolin Bierbrauer hat eine gute Idee und in einem One-Woman-Unternehmen eine Lösung entwickelt:
eReserve.
Das funktioniert so:
Sie scannen mit Ihrem Smartphone den QR-Code des Anbieters und werden auf eine Seite des Dienstanbieters geleitet. Dort geben Sie Ihre Daten ein und den Tag, an dem Sie Zeit haben. Und sie kriegen eine Auswahl freier Termine angezeigt und reservieren.
Damit die Daten auch wirklich sicher sind, läuft das über einen abgesicherten Server, den Karo Bierbrauer eingerichtet hat.
Nicht nur für Arzt und Patient ist das praktikabel, jeder Bereich ist denkbar. Geschäftspartner jeglicher Art.

Die App von „@isartom”. Buchen leicht gemacht!
Der „isartom”, Netzpersönlichkeit, Moderator, WebErklärer, bekommt von Karo Bierbrauer auch so eine „native App” programmiert. Ich durfte schon in den Entwurf reinschauen (Screenshot nebenstehend).
Karolin Bierbrauer erzählt im Interview auch, dass eine Zahnarzthelferin schon um ihren Job fürchtete:
Der Chef hingegen war begeistert:
Karolin Bierbrauer hat es ohne Gründungszuschuss der Arbeitsagentur gewagt hat, sich mit einer Idee selbständig zu machen. Und diese Idee besticht. Chapeau!
Die Voraussetzungen sind denkbar einfach: Ein elektronischer Kalender, egal ob Outlook, iCal oder Thunderbird. Der Kalender von Google + wird eingebunden, sobald die Schnittstellen klar sind.
Auch ich werde eReserve bald selber nutzen, weil es sinnvoll ist. Auch wenn ich immer noch am Papierkalender hänge.
Der wird sinnvoll ergänzt.
Kein Arbeitsplatz stirbt, eReserve erleichtert Terminabsprachen.
Ich finde es sozial und genial.
Weiterführender Link:
eReserve
Noch ein Wochenende, dann ist es geschafft: Die Bauarbeiten an der Stammstrecke gehen zu Ende. Heiko Hamann mit seinem Stab zog eine positive Bilanz: Die Arbeiten sind im Plan, rein bautechnisch betrachtet kam es zu keinen Pannen oder Unglück. Über 200 Arbeitskräfte waren jedes Wochenende 56 Stunden im Einsatz. Rund 16 Kilometer Schienen samt Schotter und dazugehörigen Schwellen wurden erneuert und ausgetauscht.
Gegen das Winterwetter wurden 18 von 27 Weichen mit sogenannten Verschlussfachabdeckungen nachgerüstet. Die sorgen zusammen mit der elektrischen Heizung dafür, dass die Weichen im Winter nicht mehr einfrieren. Auch Kabelkanäle, Zugfunkanlagen und die Tunnelbauwerke wurden inspiziert und bei Bedarf saniert.
Ein weiterer Punkt war der Brandschutz in den fünf Tunnelbahnhöfen. Die alten Funkenschutzplatten an der Oberleitung wurden rausgerissen. Gute 200 Tonnen Stahlschrott fielen dabei an.
Eine neue Bahnsteigbeleuchtung wurde eingezogen, die weniger Energie verbraucht und heller strahlt, die Decke wird neu abgehängt.
Diese Arbeiten wird die Bahn auch noch in den Folgejahren fortsetzen, die unterirdischen Bahnhöfe der Stammstrecke werden also an einigen Stellen auch noch weiter einer Baustelle gleichen.
Daneben wurden die Treppenaufgänge erneuert und neu „eingehaust“, der Standard entspricht modernsten Ansprüchen und Verordnungen. Mit der Baumaßnahme wird erreicht, dass im Falle von Feuer und Rauch die Fluchtwege möglichst lang rauchfrei bleiben.
Heiko Hamann, Leiter des Bahnhofmanagements München:
Rund 66 Millionen Euro hat die Bahn in die Ertüchtigung der Stammstrecke gesteckt, davon entfielen sechs Millionen Euro auf den Gleiskörper.
Eine Bilanz des Schienenersatzverkehrs wird in der kommenden Woche gezogen.
Beinahe wäre es passiert.
Ich hätte Herman van Veen aus seinem eigenen Konzert geworfen.
Sie kennen Herman?
Großer Sänger, Clown und Vater von Alfred Jodokus Kwak. Alles klar? Alles klar!
Herbst 1997.
Ich stand zwölf Monate vor dem Abitur und verdiente mir etwas Geld dazu als Aufbauhelfer an der Festhalle Viersen.
Herman van Veen gastierte in Viersen. Nun ist Viersen nicht so groß, dass man annehmen dürfte, dass da jeder große Künstler vorbeikommt und auftritt. Meine Kollegen an der Festhalle erklärten mir: „Der van Veen tritt hier auf, weil er, damals, als er noch nicht so bekannt war, hier auftreten durfte.” Auch eine Art von Stabilitas Loci, der Beharrlichkeit, die ich neulich beschrieb.
Wir hatten ab dem Vormittag aufgebaut. Lichttraversen in den Schnürboden eingezogen, Boxen gestemmt. Was man halt als Bühnenhelfer so macht.
Am frühen Abend waren wir fertig. Einen Kollegen schickten wir zu Biggis Futterkrippe, er holte für die Mannschaft Pommes und Currywurst. Bier war in „Keller 14”, unserem Getränkelager. Nach dem Konzert würden wir auch wieder mit abbauen müssen. Eine Stärkung war angebracht.
Zusätzlich wurden wir ab Öffnung der Abendkasse noch als Saalwache eingeteilt. Meine Kollegen wachten über die Eingänge in die Festhalle, damit keiner aus der Lobby vor 19.30 Uhr in den Saal gelangte.
Ich war im Saal stationiert.
Wenig zu tun, ich hatte die Gelegenheit, dem Toningenieur von Herman zu assistieren und über die Schulter zu schauen.
Und auf einmal ging vor 19.30 Uhr eine Seitentür auf. Ich sprang elektrisiert auf und ging hurtig auf den Eindringling zu.
Gerade wollte ich schon in bester bayerischer Grantlermanier loslegen, was dieser Mensch hier suche und warum (und wie!) er in den Saal gelangt sei.
Kurz vor ihm blieb ich stehen.
Und dann sah ich dieses Gesicht, diese Halbglatze, diese Jeansjacke.
Ein kurzer Moment des Innehaltens.
Dann wechselte ich den Preset für die Stimme, von Poltern schaltete ich um auf „Guten Abend, Herr van Veen.”
Grade noch geschafft. ;)
Herman van Veen ging danach zu seinem „Toning”, kurze Besprechung, dann verschwand er via Seiteneingang hinter der Bühne.
Das Konzert selber erlebte ich je nach Einsatz aus einer Seitenloge oder aus dem Seitengang der Bühne. Oder vom Schnürboden.
Ich habe es genossen.
Auch mit Herman van Veen habe ich gelernt, dass Zuhören eine sehr wichtige Eigenschaft ist. Nicht nur für einen Journalisten.
Sondern auch für mich als Mensch.
25 Jahre nach diesem Konzert von Herman van Veen habe ich zu hören.
Auf meine Auftraggeber.
Ich will deren Vorgaben umsetzen.
Auf Menschen, die mich begleiten.
Sie sollen sich wohl fühlen und ohne das professionelle Gehabe eines Therapeuten einfach reden können und sich verstanden fühlen.
Ich lerne jeden Tag das Zuhören neu.
Und abseits des Journalisten in mir stelle ich Rückfragen.
An meine Gesprächspartner und an mich.
Herman van Veen hätte ich an diesem Abend in Viersen beinahe aus seinem eigenen Konzert geworfen.
Wenn mir der Mensch nicht vom Plakat her bekannt vorgekommen wäre.
Ich habe zuhören dürfen.
Zuhören macht fröhlich.
20 Uhr.
Eigentlich habe ich eine Pressemitteilung zu schreiben.
Ja, echt!
Morgen ist sozusagen der letzte Tag, an dem in der Geschäftsstelle der KEG Bayern vollbesetzt gearbeitet wird. Danach geht alles in den wohlverdienten Urlaub. Nur ich nicht. Aber ich sitze auch nicht in der Geschäftsstelle. Als Freier Journalist sitze ich zu Hause. Ich werde die nächsten Wochen daheim bleiben und „Stallwache” halten.
Ich bin nicht unglücklich drüber.
Ein Kollege hat mal gesagt, dass man sich als Freiberufler die ersten drei Jahre keinen Urlaub leisten kann.
Aufgrund meiner früheren Tätigkeit als Busfahrer habe ich ziemlich viel von der Welt gesehen und bin direkt froh, dass ich daheim sitze. Letztes Jahr habe ich ja meine Fortbildung als Onliner an der Journalistenakademie gemacht, war also auch nix mit Urlaub. Ich habe 2009/10 mehr von der Welt gesehen als manch anderer. Es tut einfach gut, daheim anzukommen. Insofern brauche ich keinen Urlaub. Der Bedarf ist sozusagen gedeckt. Nicht die schlechteste Ansicht. ;)
Nach diesem kleinen Exkurs nun zurück:
Ich habe eine Pressemitteilung zu schreiben.
Und ich mache es nicht heute abend. Die Gedanken formen sich über Nacht und ich weiß, dass ich morgen früh auf den Punkt formulieren werde.
Alles hat seine Zeit.
In dieser Woche war ich mit zwei Twitterfreunden in München unterwegs.
Ich habe es genossen zu sehen, wie die Beiden miteinander umgehen. So liebevoll, so selbstverständlich. So ganz normal.
Achso. Pressemitteilung.
Nein, ich habe jetzt keine Lust, ich habe eben den DLF gehört mit dem Magazin und politischen Magazin und wundervollen Reportagen. Dann WDR4 mit den Chansons, wie jeden Donnerstagabend. Gleich schalte ich auf ein Webradio um. Keine Zeit für Pressemitteilung. Die Arbeit kommt morgen ziemlich genau um 4 Uhr. Ausgeruht, nachgedacht und mit wachem Auge.
Der Urlaub und der Atmer eines Freien Journalisten. Brauche ich. :)
Bevor sich alle in die Ferien verziehen, rufe ich Euch zu:
„Schöne Ferien!”
(… und nächste Woche werde ich sicher einen tollen Beitrag im Blog haben. Dafür war ich heute auf einem Twittagessen.)
Und morgen folgt eine Pressemitteilung für die KEG. :)
Wie gestalte ich Unterricht interessant?
Wie binde ich in meinen Unterricht die Region ein?
Wie nutze ich in der Grundschule das Internet im Unterricht?
Der Grundschullehrer ist nicht mehr bloßer Wissensvermittler, sondern mehr und mehr auch Begleiter der Kinder. Und das nicht erst seit der Ganztagesschule oder dem erweiterten Angebot mit Nachmittagsunterricht. Er wird der sein, der Kinder auch durch das Internet lotsen muss. Damit muss er sich im Netz auskennen.
Ein drohendes Leistungsschutzrecht, Unklarheiten beim Urheberrecht, Gängelung der Verlage beim Kopieren und elektronischen Bereitstellen von Unterrichtsmaterial erleichtern diese Aufgabe nicht.
Warum nicht selber Unterrichtsvorlagen erstellen? Das, was früher Lehrer auf Matrize oder mit dem Kopierer machten, kann heute mit dem Internet leichter erledigt werden. Ein Webquest ist zunächst zeitintensiver, sagt Erwin Müller aus Deggendorf. Aber: In der Summe spart man Vorbereitungsarbeiten, weil im Netzwerk jeder davon profitiert.
Abgesehen davon, dass sich manchmal ein Link ändert oder neue Erkenntnisse dazu kommen, bleibt ein Webquest relativ unverändert stehen. Müller zeigte seinen KEG-Kolleginnen und -Kollegen bei der 59. Pädagogischen Ferienwoche im Kloster Niederaltaich, wie das aussieht und wie man es einrichtet. Dazu wechselten sie in den Computerraum der örtlichen Grundschule, so dass jeder Pädagoge einen Rechner hatte und selber probieren konnte.
Gut zwei Stunden dauert die erstmalige Erstellung eines solchen Web-Angebotes für die Kinder.
Zwei Stunden, die sich nach Meinung Müllers lohnen. Denn: Die Arbeitsvorlage ist schnell verfügbar und Weblinks oder Ergänzungen können schnell eingefügt werden. Erwin Müller vergleicht die Arbeit an einem Webquest mit der Arbeit an Wikipedia, der Online-Enzyklopädie. Ganz klar sieht er auch den Nachteil: „Wenn keiner was einstellt, kann auch keiner davon profitieren.”
Das Schwerste, so Müller, ist der Anfang. Hat man sich erst mal eingearbeitet, so wird die Arbeit immer leichter.
Ursula Lay nahm selber an dem Workshop teil. Die Vorsitzende der KEG Bayern ist begeistert: „Das ist eine innovative Unterrichtsform, von der Lehrer und Schüler profitieren. Zum einen wird die Lebenswirklichkeit von Schülern besser abgebildet und die Kinder lernen, richtig im Internet zu suchen und Informationen zu werten.”
Noch während des Vortrages kommt ihr eine Idee: Wie wäre es, Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter während ihrer Ausbildung, die Unterrichtsvorbereitungen zu den Themen des Lehrplans in web-basierter Form erstellen zu lassen.
Erwin Müller ist von dieser Idee angetan:
Für das Erstellen der Webquests anhand des Lehrplans bräuchte ein kleines Team rund fünf Jahre. Die Zusammenarbeit mit Studentinnen und Studenten und Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärtern bringt nach Meinung von Ursula Lay und Erwin Müller entscheidende Vorteile: Die angehenden Lehrkräfte werden intensiv den Umgang mit dem Computer üben. Dadurch steigert sich die Medienkompetenz des Lehrpersonals. Gleichzeitig sind die Anwärter noch mehr im Lehrplan drin, was der praktischen Ausbildung zugute käme.
Eine Idee, die viel für sich hat.
Weiterführender Link zum Thema Webquest: Grundschulwebquest.de. Professor Christof Schreiber betreut dieses Projekt.
Die Verführung und Gefährdung ist immer nur einen Mausklick entfernt. Davon ist Jörg Kabierske überzeugt. Er meint damit nicht nur die Pornografie, die sich im Netz leicht finden lässt, sondern auch Gewaltverherrlichung und Urheberrechtsverletzung. Das war der Tenor eines Vortrages und interaktiven Gespräches, das Kabierske bei der Pädagogischen Freizeitwoche der Katholischen Erziehegemeinschaft hielt.
Sehr praktisch führte der Dozent vor, was Jugendliche sich im Netz alles anschauen können, von Seiten mit pornografischen Inhalten bis hin zu Maze Games, die sich in zunächst harmlos daher kommenden Youtube-Filmen finden lassen.
Sehr erschreckend ist auch, so Kabierske, dass teilweise 80 Prozent der Schüler einer 6. Klasse ohne Aufsicht ins Internet dürfen.
Nicht, das man einem Jugendlichen von vorn herein negative Absichten unterstellen wolle, so der Gründer von Klicksalat.de, aber angesichts der Verrohung, die Kinder und Jugendliche im Fernsehen zu unpassenden Zeiten erleben, darf es nicht wundern, wenn immer mehr Jugendlich ethische Werte vermissen lassen. Der Held auf dem Schulhof ist nicht der, der dem anderen in der Not hilft, sondern der, der die grausamsten Filme und härtesten Pornos zeigt. Deswegen ist es wichtig, dass Lehrer sensibilisiert werden und wissen, was ihre Schüler so konsumieren.
Nicht nur Pornografie und Gewalt sind täglich im Netz präsent, sondern immer noch auch Portale zu Essstörungen. Kabierske führte aktuelle Beispiele vor, das Entsetzen war groß, als die Pädgogen sahen, wie eine 15jährige sich für alle drei Kilo belohnt, die sie abgenommen hat.
Kabierske empfahl ein paar technische Lösungen, um Kindern Internetbeschränkungen aufzuerlegen.
Anhand seines Facebook-Profiles zeigte er den Lehrern der Katholischen Erzieher Gemeinschaft, was in sozialen Netzwerken wichtig ist und wie man seine Privatsphäre schützt. Grundsätzlich empfahl Kabierske, dass die Lehrer sich bei Facebook anmelden. „Damit Sie wissen, über was Ihre Schüler reden.”
Heute ist der fünfte Tag meines Einsatzes für @MunichLovesU.
Freitag.
Wir starten ins Wochenende.
Ich bin in Niederbayern, Kloster Niederaltaich.
Dort ist eine Tagung der Katholischen Erzieher Gemeinschaft (KEG), deren Pressereferent für den bayerischen Verband ich seit Mittwoch offiziell bin.
Für die meisten von uns ist heute der letzte Arbeitstag der Woche. Einige schaffen auch am Samstag noch.
Für rund 10.000 Münchner und Oberbayern ist morgen Ruhetag.
Bei den Juden ist morgen Schabbes, Schabbat.
Sozusagen der Sonntag in der jüdischen Gemeinde. Waren Sie schon mal in einer Synagoge?
Nicht?
Ich habe mich im Vorfeld meiner Woche für MunichLovesU aufgemacht und die Hauptsynagoge am Jakobsplatz besucht.
Der Grundstein für Ohel Jakob wurde 2003 gelegt und am 9. November 2006 wurde das Gebetshaus unserer jüdischen Mitbürger eröffnet.
Die „alte” Hauptsynagoge in München wurde auf Anordnung der Stadt München ab dem 9. Juni 1938 niedergerissen. Sie war seit 1887 Kultuszentrum unserer jüdischen Mitbürger. Ein zu schaffender Parkplatz in der Herzog-Max-Straße diente den Nationalsozialisten als Vorwand, das Gebäude zu zerstören. Weitere Informationen finden sich in der Wikipedia.
In Ohel Jakob gibt es eine Ansicht dieses Gebäudes, eingemeißelt in Stein.
In München findet sich noch ein ‘Schwester-Gebäude’ der Synagoge, die Kirche St. Lukas. Beide Gebäude hatten den gleichen Architekten. Mehr zu St. Lukas morgen bei @MunichLovesU und später im Blog.
Im Rahmen einer Führung gelangt man unterirdisch vom Kultuszentrum in die Synagoge, durch den Gang der Erinnerung.
Auf der linken Seite befinden sich in mehreren Schichten Tafeln mit den Namen der im Dritten Reich ermordeten Juden. Rechts ziert ein großer Davidsstern die Mauer, daneben sind die Namen der größten Konzentrationslager zu finden. Worte finden sich, deren wichtigstes „Erinnerung” ist.
Der Versammlungsraum selber, also das Herzstück von Ohel Jakob, ist schlicht in Holz gehalten, hell und freundlich. Durch das Dach gelangt viel Licht in den Raum.
Er ist multifunktional ausgelegt. Neben den Sitzen und dem Lesepult vorne samt siebenarmigem Leuchter findet sich in der Mitte ein Tisch, zu dem die Thora-Rollen getragen werden, um daraus vorzulesen. Dieses Podest kann für Hochzeiten auch mit einem Baldachin überspannt werden, so dass Braut, Bräutigam, die Eltern, Zeugen und der Rabbiner darunter Platz finden.
Eine Orgel hat diese Synagoge nicht, auch wird die Sprache im G”ttesdienst nicht durch Mikrofon und Lautsprecher verstärkt.
Weitere Bilder:
Auf diese Formel lässt sich die Ansprache bringen, die gestern abend Siegfried Schneider anlässlich der Eröffnung der 59. Ferienwoche der Katholischen Erzieher Gemeinschaft hielt. Der gelernte Lehrer und jetzige Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) betonte, dass es wichtig sei, nicht nur die Risiken, sondern gerade die Chancen des Internets zu sehen:
Die Pädagogen der KEG widmen sich in dieser Freizeit dem Thema „Hightech in Schule und Alltag – können wir noch mithalten?”.
Enstprechende Erfahrungen brachte jeder Redner mit ein. Der Vorsitzende der KEG Niederbayern, Robert Drexler, über eigene Medienerfahrungen und Reaktionen seiner Schüler:
Ursula Lay, die Vorsitzende der KEG Bayern berichtete in ihrer Rede von einer Tagung in Tutzing:
Ihrer Heimatzeitung entnahm sie, dass das Chiemgau Gymnasium Traunstein an einem Modellprojekt „Tablet in der Schule” teilnimmt:
Gastgeber der KEG ist die Abtei Niederaltaich. Abt des Klosters ist Dr. Marianus Bieber. Er mahnte, angesichts des medialen Hypes den Mensch nicht zu vergessen und fragte, ob der Mensch nicht Störfaktor in der Technik sei:
Seit 44 Jahren ist die Hanns-Seidel-Stiftung Partner der Katholischen Erzieher Gemeinschaft beim Ausrichten der Pädagogischen Ferienwoche. Dr. Franz Guber, der Leiter des Instituts für politische Bildung, betonte, dass diese Partnerschaft der Stiftung wichtig sei und überbrachte Grüße vom Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung, dem ehemaligen Kultusminister Dr. Hans Zenetmair. Guber ging in seiner Rede auf den sich wandelnden Umgang von Medien und Politik ein:
Am Donnerstag finden Exkursionen des Verbandes statt. Eine Gruppe fährt zum Bayerischen Rundfunk, die andere zum Schloß Nymphenburg.
Der Freitagmorgen steht ganz im Zeichen von Workshops zur Einbindung des Internets in den Unterricht. Nachmittags erhalten die Pädagogen Anleitungen zu Körperübungen, Trommeln mit Kindern und Gestalten mit dem Seifenstein.
Nach einem Gottesdienst mit Abt Dr. Marianus Bieber bildet eine Podiumsdiskussion zu Fluch und Segen der medialen Welt den Abschluss der Tagung am Samstag.
Tatort:
· Münchner Osten, „upside east”, neunter Stock.
Tatzeit:
·19 Uhr
Tatbeteiligte:
· Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU
· Edmund Stoiber, Ehrenvorsitzender der CSU, ehedem Ministerpräsident
· Volker Klüpfel, Autor
· Michael Kobr, ebenfalls Autor und Kompagnon des Vorgenannten
Tatvorwurf:
· Zusammenschluss zu einer Bespaßungseinheit der Besucher.
Alexander Dobrindt konnte beim CSU-Talk hochkarätige Gäste begrüßen: Die Krimiautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr, die die Figur des Kommissar Kluftinger erschaffen haben und den ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber. Allen drei Gästen gemeinsam: Sie unterhalten angenehm und kurzweilig. Wenn der Moderator es versteht, die richtigen Fragen zu stellen. Dobrindt schaffte es.
Die „Kluftinger”-Krimis bestehen aus einer Mischung zwischen Kriminalliteratur und Comedy, feiner Beobachtung und Überzeichnung der Charaktere und einer Portion Lokalkolorit.
Dazu kommt, dass die Klüpfel und Kobr auch bei Lesungen höchst komödiantisch vortragen können:
Edmund Stoiber als dritter Gast dieses Talks lüftete ein Geheimnis: Er wird im Herbst ein Buch veröffentlichen. Titel: „Weil die Welt sich ändert”. Untertitel: „Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven”. In der Talkrunde fragte Dobrindt den ehemaligen Ministerpräsidenten und jetzigen EU-Berater: