Am Samstag, 29.September 2012 wurde ein Traditionsblatt eingestellt: Nach 93 Jahren erschien die letzte Ausgabe der Abendzeitung Nürnberg. Die Gründe: Mangelnde Wirtschaftlichkeit und dramatisch gesunkene Käuferzahlen.
Diese Gründe waren bekannt, seit der Trennung der AZ Nürnberg von der AZ München wurden die Leser weniger. Dass das Ende so abrupt kam, war indes eine bittere Überraschung. Der Verlag zog nach der Absage eines potentiellen Investors die Reißleine.
Klaus Schrage ist Sprecher der Journalistinnen und Journalisten in der dju in Mittelfranken. Er ist mit der Abendzeitung Nürnberg aufgewachsen und schätzte ihren guten Boulevard-Journalismus mit den Kompetenzen in Wirtschaft und Kultur. Das ist eine Mischung, die man im Boulevard eher selten antrifft und es war fast ein Alleinstellungsmerkmal der Abendzeitung Nürnberg. Ein über sechsminütiger Ausschnitt aus einem Gespräch, das ich mit ihm führte:
Hinter einer Zeitung stecken ja nicht nur Köpfe, die sie lesen, es stehen Menschen dahinter. Neben den Vertrieblern und Austrägern sind das Redakteure und Journalisten. Wie geht es für diese weiter?
Die letzte Ausgabe der AZ Nürnberg ist voll von Leser-Reaktionen. Die Redakteure haben damit die Verbundenheit mit ihrer Leserschaft zum Ausdruck gebracht.
Die Krise am Zeitungsmarkt ist immer noch nicht überwunden, aber vielleicht gibt es ja ein Comeback der Abendzeitung Nürnberg. Klaus Schrage sieht durchaus Potential:
Hoffen wir das Beste.
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Hinweis: Das Gespräch führten wir in einer Hotellobby. Ich bitte die Hintergrundmusik zu entschuldigen.
Wie muss sich Lokalradio in der Prime-Time positionieren? Dieser Frage ging eine Veranstaltung in der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) nach. Eines wurde bei der Vorstellung der 114 (!) Seiten starken Studie der ifak klar: 42 ist nicht die Antwort auf alle Fragen.
Über 3.000 Interviews hat das Meinungsforschungsinstitut durchgeführt und daraus eine Studie präsentiert, welche Themen dem Hörer von Lokalradios wichtig sind und was für Anforderungen an den Moderator gestellt werden.
Wichtigster Punkt ist immer noch die Musik: 90 Prozent der Hörer entscheiden daran, ob sie bei einem Sender bleiben oder nicht.
Weitere wichtige Merkmale: Lokale/regionale Nachrichten (75%), Wetter (73%), (Inter-)nationale Nachrichten (70%) und Verkehrsmeldungen (62%). Blitzermeldungen sind nur für 46% der Hörer ein Einschaltkriterium.
Abschaltgründe sind laut ifak Comedy zu 24 Prozent, Gewinnspiele in der Prime-Time (10%) und Hörerbeteiligung (ebenfalls 10%). Besonders die Comedy, eines der Elemente, das ich bei Gesprächen über Radio als immer entscheidend erlebe (Antenne Bayern! – Landesweiter Sender!) überraschte mich.
Festzuhalten bleibt: Hauptumschaltfaktoren sind die Musik, die übertriebene Werbung (Sponspring von Wetter, Verkehr etc.) und – der Empfang des Lokalsenders.
Hauptanforderung an den Moderator einer Morgensendung: Der Moderator einer Morgensendung soll journalistische Kompetenz haben und gut gelaunt (nicht übertrieben!) sein. Dem Punkt ‘journalistische Kompetenz’ widersprach die Programmdirektorin von Antenne Bayern, Valerie Weber, übrigens heftig. Sie sah lieber, dass der Morninghost authentisch sein soll. Ein Punkt, dem ich mich als Konsument von (öffentlich-rechtlichen) Morgensendungen gerne anschließe.
Die ideale Nachrichtensendung im Lokalradio soll übrigens so aussehen:
Schlagzeile und kurze Meldung vom Nachrichtensprecher. Nur zu 25% sind Korrespondentenberichte gewünscht, Original-Töne von Politiker und Hörer in den Nachrichten liegen um die 10 Prozent.
Die bekannte Hörfunkerin Inge Seibel gab mir eine sehr treffende Einschätzung der Studie:
Den Link zum Artikel von Inge Seibel reiche ich nach Veröffentlichung gerne nach.
Übrigens: Am Sport, so fand die Studie heraus, scheiden sich die Geister. Frauen mögen ihn weniger und lokal von Bedeutung ist er weniger. die breite Masse interessiert das große Fußball-Geschehen. Regionale Highlights wie Eishockey in der Oberpfalz oder Basketball mal ausgeschlossen.
Nachzulesen ist die Studie hier, die Pressemitteilung der BLM gibt es hier.
Anmerkung des Autors: Als ich vor 20 Jahren selber Radio machte, hatten wir – ohne Erfahrung und ohne Studien – beschlossen, bei Radio Alpenwelle lokal zu berichten und – Überraschung! – wir haben uns bemüht, bundesweite Themen auf das Lokale runterzubrechen.
Insofern stimme ich mit der Einschätzung von Inge Seibel überein.
Gut, dass wir es jetzt auch mit einer Studie der BLM wissen.
Update: Inge Seibel hat bei den Hörfunkern der Bundeszentrale für politische Bildung auch Videos von der Veranstaltung eingestellt.
Die Energiewende ist auf den Weg gebracht, in Zukunft sollen Solar-, Wasser- und Windkraft hauptsächliche Stromlieferanten sein. Die Problematik dabei: Wie kann Energie besser ausgenutzt werden? Stromspeicher im herkömmlichen Sinn, quasi überdimensionierte Batterien, sind keine praktikable Lösung, auch wenn einer der großen Energieversorger das in einem Werbespot derzeit glauben machen mag.
Die Lösung ist so einfach wie kompliziert: Die Geräte müssen sich ändern, das Nutzungsverhalten von Energie muss ein anderes werden. In der Praxis kann das bedeuten: Ich wasche nicht mehr morgens um 7 Uhr meine Wäsche, wenn gerade viel Energie benötigt wird. Solche Tätigkeiten schiebt der Verbraucher in die Zeiten, wo viel Energie verfügbar ist. Nachmittags oder nachts ist das der Fall. Das können Geräte teils heute schon erledigen, bei Bosch und Siemens Hausgeräte (B/S/H/) will man aber noch einen Schritt weitergehen, wie Dr. Claudia Häpp vom Gerätehersteller erläutert:
Zu diesem Thema hielt die Projektleiterin von B/S/H/ in der Hanns-Seidel-Stiftung einen Vortrag. Viele Komponenten dieser vernetzten Technologie sind noch Zukunftsmusik. Und die Herausforderung für einen Hersteller, der bis vor wenigen Jahrzehnten eher „Blechbieger” war, sind nicht gerade wenige. Standards fehlen, was sich sehr gut daran sehen lässt, dass fast jeder Stromanbieter sein eigenes Smart-Meter hat. Smart-Meter sind Strom-Messgeräte, die den Verbrauch selbständig an den Energieversorger melden. Und überhaupt Smart-Meter: Aus Reihen des Publikums kamen starke Einwände dagegen. Ob Strahlenbelastung oder Abhör-Sicherheit. All das sind Punkte, die sicher noch diskutiert werden müssen. Claudia Häpp:
Europa nimmt eine führende Stellung ein, was stromsparende Geräte angeht. Dieser Führungsanspruch muss laut Hepp auch auf intelligente Netze ausgedehnt werden. Es wird noch dauern, bis wir unseren Haushalt komplett per App so steuern können, dass die Waschmaschine zur Zeit des billigsten Stroms das Waschen anfängt. Aber einen Anfang kann jeder schon heute bei sich machen. Claudia Häpp hat ganz naheliegende Tipps parat:
Ein Video mit den Vorstellungen von B/S/H/ zum vernetzten Haus findet sich hier. Dabei ist auch der Kühlschrank, dessen Inhalt man zumindest schon mal sehen kann. Bestellen geht noch nicht.
Ich selber habe seit drei Wochen meine komplette Wohnungsbeleuchtung auf LED umgestellt. Und ich habe keine Einbuße an Lebensqualität, aber spürbar mehr Geld zur Verfügung. Schon mit den großen Umrüstungen im letzten Jahr habe ich über 50 Euro an Vorauszahlungen an meinen Stromanbieter zurückbekommen. Bei einer Investition in neue Leuchtmittel von gut 100 Euro. Der Schritt lohnt sich durchaus.
In München ist Wiesn. Das heißt für die Bahn: Erhöhte Bereitschaft, mehr Personal. Alleine in den zwei Wochen des Oktoberfestes muss die Deutsche Bahn, vor allem die S-Bahn München die doppelte Kapazität an Fahrgästen verkraften.
Dieses Jahr hat die S-Bahn München deswegen nicht nur in Zusammenarbeit mit Deutscher Bahn und Bundespolizei ein verbessertes Sicherheitskonzept erarbeitet, sondern auch eine Aktion mit den Azubis gestartet: 20 Auszubildende weisen den Wiesn-Besuchern ab dem Hauptbahnhof den Weg zum Oktoberfest. Heiko Hamann, Chef des Münchner Bahnhofes, erläutert:
Vor die Aufgabe gestellt, sich eine fahrgastfreundliche Aktion zu überlegen, kamen die Azubis schnell auf eine Idee. Rund 20 Auszubildende sind im Bahnhofsmanagement beschäftigt. Sie haben die Aufgabe, die mit den Regional- und Fernzügen der Bahn ankommenden Gäste zu Fuß auf das Oktoberfest zu lotsen. Mit ihren grünen T-Shirts fallen sie im Gewirr von Reisenden und Wiesn-Besuchern auf. Pia Pflüger fasst zusammen:
Christoph Holbinger weiß zu ergänzen:
Die normale Arbeit muss aber auch noch gemacht werden, sagt Miriam Bunk:
Aber die Azubis werden von den Gästen angenommen. Michael Kuhn beschreibt das Feeling:
Darüber hinaus hat die Deutsche Bahn versucht, das Durcheinander der letzten Jahre auch vor dem Bahnhof in den Griff zu kriegen. Allzu störend waren die Fahrrad-Rikschas, die sich am Ausgang Bayerstraße aufhielten. Verbieten will und kann die Bahn das nicht, schließlich ist eine Rikschafahrt zur Wiesn ja nicht nur Vergnügen, sondern auch Entlastung der öffentlichen Verkehrsmittel. Deswegen hat man Parkplätze für die Radl-Transporteure ausgewiesen, sagt Heiko Hamann:
Landleben ist romantisch, Landleben ist schön. Morgens von Vogelgezwitscher wach werden, eins sein mit der Natur. Aktuelle Pressetitel, die mit „Land” zu tun haben, verkaufen sich wie geschnitten Brot. Machen wir uns aber nichts vor: Landleben hat so seine Tücken. Schlechte Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr, niedrige Übertragungsraten beim Internet, um nur mal zwei Positionen zu nennen, die Jugendliche betreffen.
Auf dem Zentralen Landwirtschaftsfest in München, neben der Wies’n gelegen, ist die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) mit einem Stand vertreten. Das Anliegen der Katholischen Landjugendbewegung: Junge Menschen sollen auf dem Land gehalten werden, nicht in die Stadt ziehen und in ihrem Ort Maßnahmen anstoßen, die das Landleben attraktiver machen. Vroni Hallmeier ist Vorsitzende des Arbeitskreises LÖVE (Landwirtschaft, Ökologie, Verbraucherschutz und Energie) wirbt dafür mit einem Jenga-Turm:
In diesem Jenga-Turm sind Schlagworte verarbeitet, die die (Un-)Annehmlichkeiten des Landlebens beschreiben. Perfide, wie im echten Jenga: Man nimmt Komponenten raus und irgendwann bricht der Turm zusammen. Anschaulicher geht es kaum.
Auch Stephan Barthelme, einer der beiden Vorsitzenden der KLJB Bayern, sieht im Landleben Vorteile. Er appelliert an Politik und Kirche, das Landleben zu verbessern. Politik mag auf den ersten Blick erklärbar sein, Aber Kirche? Ja doch, so Barthelme, auch die Kirche sei gefordert. Es brauche wieder mehr Pfarrer auf dem Land. Kirche müsse sich verändern, um in der heutigen Welt bestehen zu können. Harter Tobak, aber sicher nicht unberechtigt. Gerade auf dem Land wird die Vernetzung Kirche und Jugend deutlich.
Die KLJB Bayern ist auf dem Zentralen Landwirtschaftsfest (ZLF) am Rande des Oktoberfestes vertreten. Sie finden Sie in Halle 9. Am Stand können Sie selber den Jenga-Turm ausprobieren und mit Mitgliedern der Katholischen Landjugend Bayern diskutieren.
Mehr Infos zur Kampagne HEIMVORTEIL finden Sie auf der Website.
Der Journalismus unterliegt einem Paradigmenwechsel. Sehr gut lässt sich das an der Hilflosigkeit der Verlage ablesen, die für ein Leistungsschutzrecht plädieren, weil sie bislang kein Erlös-Modell gefunden haben, mit dem sie im Internet Geld verdienen können.
Medien produzieren ist die eine Seite, Medien zu konsumieren ist die andere. Denn auch Leser, Hörer, Zuschauer stehen vor dem Problem, dass sich die Parameter ändern. Für beide gleichermaßen, aber besonders für junge Medienschaffende, ist der Band „Medien verstehen” aus der Reihe „Wegweiser Journalismus” geeignet.
Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner ist Professorin für Print- und Online-Journalismus an der Universität der Bundeswehr in München. Sie hat Journalismus von der Pike auf gelernt, von der Volontärin in Landshut bis hin zur Chefin vom Dienst. Über Würzburg und Chemnitz führte ihr Weg nach München.
In dem Band „Medien verstehen” vermittelt Goderbauer-Marchner wichtige Merkmale der Medienwelt. In zehn Kapiteln geht sie auf die Faszination der Branche ein, zeichnet den Weg von der Zeitung zum Internet, beleuchtet den journalistischen Alltag und vermittelt Hintergrundwissen zum Bereich Medien. Dieses Kapitel ist besonders interessant, da die Autorin viele Hinweise auf Anlaufstellen für die unterschiedlichsten Arbeitsbereiche von Medien gibt.
Das letzte Kapitel, „Journalismus 2.0” zeigt in einer kleinen Zusammenfassung die Positionen auf, für die auch Goderbauer-Marchner steht: Qualitätsjournalismus hat es schwer. Aber er ist notwendiger denn je. Daran wird auch die derzeit oft anzutreffende Kostenlos-Mentalität nichts ändern, die durch die Anfangsjahre der Verlage im Internet gefördert wurde. Machen wir uns nichts vor: Der Weg dahin ist lang. Aber Gabriele Goderbauer-Marchner plädiert leidenschaftlich und mit starken Argumenten dafür, diesen Weg zu gehen:
„Wenn alle schlecht reden über den Journalismus, wird das nichts mit dem Journalismus. Die Zeit des Sich-selbst-Bemitleidens muss vorbei sein. Auf zu mutigen Taten und kreativen Ufern!” (Zitat aus Medien verstehen)
Das Buch ist jedem Medienschaffenden ans Herz zu legen, besonders Neu- oder Wiedereinsteigern.
Wegweiser Journalismus, Band 10, UVK Verlagsgesellschaft mbH, 154 Seiten, broschiert, 14,99 € (in Deutschland, in Österreich: 15,50 €)
ISBN 978-3-86764-229-3.
Der Markt an Kochbüchern ist schier unerschöpflich. Ob italienisch, vegetarisch, deftig oder Haute Cuisine – für jeden Geschmack und Anlass haben die Lafers, Schuhbecks und Wieners dieser Welt Rezepte bereit. Mag sein, dass das den Massengeschmack befriedigt. Kochen ist aber auch immer eine sinnliche Erfahrung. Wer erinnert sich nicht, wie früher Mama oder Oma am Herd standen und liebevoll in manchmal stundenlanger Kleinarbeit das Mittagsmahl für die Familie zubereit haben?
Reinhard Michl hat bei Literatur Moths nun sein Kochbuch vorgestellt. Ein „Bayrisches Kochbuch”. Michl ist Illustrator, hat auch schon für den Bayerischen Rundfunk gezeichnet. Neben seiner Arbeit hat er eine Leidenschaft für das Kochen entwickelt. In seinem Kochbuch taucht er in seine Kindheit ab:
Michls Bayrisches Kochbuch ist kein Kochbuch – im klassischen Sinn. Es ist Sinneserfahrung. Was die Schuhbecks und Wieners dieser Welt mit tollen Variationen über Essen schaffen wollen, das macht Reinhard Michl anders. Bodenständig, wie man das von echten Bayern erwarten darf.
Fische habens Reinhard Michl angetan. Er hat in seiner Kindheit selber gefischt, abseits von Anglerschein und Verordungen. In seiner Lesung streift er auch diese Kindheitserinnerungen zwischen Altmühl und Donau.
Längst hat sich der Illustrator davon verabschiedet. Seine Kocherfahrung beschreibt er so:
Und doch: Immer wieder merkt man in seinem Buch, dass es nicht nur um die Nahrungsaufnahme geht, sondern um das Entstehen guten Essens. Und das hat er schon als Kind einüben dürfen. Wenn der schwere Stuhl, der dem Gewicht des örtlichen Metzgers angemessen war, ihm als Zeichenpult und als Kochplatte diente:
Reinhard Michl hat Wurzeln, die im Egerland liegen. Das mag nicht nur als Hinweis dienen, sondern auch als Zeichen.
Lesens- und erkochenswert!
Das Bayerische Kochbuch umfasst 160 Seiten mit Illustrationen vom Autor Reinhard Michl. Es ist erschienen im Gerstenberg Verlag und kostet 19,95 Euro.
Besonderer Tipp: bei Literatur Moths in der Rumfordstraße München sind in den nächsten Tagen noch einige der Illustrationen im Original zu sehen.
Der bayerische Film boomt. Und das nicht erst seit „Wer früher stirbt, ist länger tot”. Bei der Definition indes mag man ins Stocken geraten: Ist „Bayerischer Film” nur mit Bildern aus Bayern und dem (vermeintlichen) Herumreiten auf Klischees in Verbindung zu bringen? Die Antwort lautet: Nein. Denn auch Michael Herbig hatte schon mit den durchaus bayerisch zu nennenden Werken „Der Schuh des Manitu” oder der Parodie auf das Raumschiff Enterprise nicht nur sprachlich gesehen bayerische Elemente im Film, viele Teile des Werkes wurden in Bayern gedreht. Bei der Bavaria Filmtour in Geiselgasteig kann man Teile des Raumschiffes besichtigen.
Grund genug, dass sich ein Seminar der Hanns-Seidel-Stiftung mit dem „Filmland Bayern” beschäftigt. Gabriele Goderbauer-Marchner ist Professorin für Print- und Online-Journalismus an der Universität der Bundeswehr München. Sie ist als eine der Referentinnen für das Seminar der Stiftung engagiert. Rosenmüller, so Goderbauer-Marchner, sei nur einer von ganz vielen, die am Standort Bayern produzieren:
Für das Filmland Bayern ist ihrer Meinung nach entscheidend, dass die Produktionen gefördert werden. Film ist Kultur und Kultur ist Ländersache. Deswegen hat Bayern auch eine eigene Filmförderung, den FilmFernsehFonds Bayern (FFF), der qualitativ hochwertige Produktionen sicherstellen soll. Denn Kultur macht nicht nur Mühe, um Karl Valentin zu zitieren, sondern scheitert oft genug am Geld:
Im Seminar werden nicht nur Filme (unter anderem „Schwabenkinder”) gezeigt, über die anschließend mit den Autoren diskutiert werden kann. In spannenden Vorträgen erhalten die Teilnehmer Einblick in das Studium an der Filmhochschule oder das Leben einer freischaffenden Autorin.
Gabriele Goderbauer-Marchner zur Zielgruppe des Seminars:
Das Programm des Filmseminars ist hier herunter zu laden.
Zur Online-Anmeldung geht es hier.
Die Bahn zeigt sich zehn Tage vor der Wiesn gut aufgestellt. Das machten Bahn, S-Bahn und Bundespolizei heute auf einer Pressekonferenz deutlich. Dazu kommt dieses Jahr erstmals der Versuch, Besucher der Wiesn vom Hauptbahnhof und der Hackerbrücke aus auf getrennten Wegen zu lotsen.
Zusätzlich werden die Streifen des Bahnsicherheitsdienstes (SOD) und der Bundespolizei verstärkt. 26 Mitarbeiter werden den Zustieg an der S-Bahn-Station Hackerbrücke regeln. In den Abendstunden werden durchgehend Vollzüge statt Kurzzügen verkehren. Der 20-Minuten-Takt wird in den Abendstunden bis nach Mitternacht aufrecht erhalten.
„Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Fahrgäste abends nur noch eins wollen. Schnell nach Hause”, so Bernhard Weiser. Allein für die Bahn sind das mehr als 12.000 zusätzliche Personalstunden.
Die S-Bahn München erhöht mit über 600 zusätzlichen Zügen im Spätverkehr an den Wochenenden und unter der Woche ihr Angebot. Dadurch entstehen bis weit nach Mitternacht ein Zwei-bis-fünf-Minuten-Takt auf der Stammstrecke. Die Fahrpläne zum Oktoberfest werden auf Plakaten veröffentlicht und sind im Internet abrufbar.
Auch personell verstärkt die Bahn ihre Präsenz:
Auch die Bahnpolizei rüstet sich personell auf: Weniger Urlaub für Beamte während der Wiesnzeit, zusätzlich kommen 100 Bundespolizisten aus anderen Ländern nach München. Schwerpunkt auch hier: Die Hackerbrücke und der Hauptbahnhof.
Es geht um gut zwei Millionen Fahrgäste, mit denen die Bahn zum Oktoberfest rechnet. Und um deren Sicherheit. Zusätzliche Brisanz erhält die Wiesn dieses Jahr durch die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit, die dieses Jahr Bayern ausrichtet.
Jürgen Vanselow, Chef der Bundespolizei-Inspektion München:
Die Bundespolizei ist gebührenfrei unter +498006888000 erreichbar.
Und Raimund Paul, Sicherheitsbeauftragter bei der Bahn, betont, dass auch im Ansagezentrum und bei „3S” das Personal bis Betriebsschluss verstärkt wird. „3S” steht für Sicherheit, Sauberkeit und Service.
Die Mitarbeiter von „3S” können schnell koordinieren. Die Nummer lautet: +49 89 13081055. (Tipp: Telefonnummern im Mobiltelefon abspeichern.)
Im letzten Jahr, so Bernhard Weiser, Chef der Münchner S-Bahn, summierten sich die Verspätungen zur Wiesn auf 18.000 Minuten, acht Stammstreckensperrungen gab es, gut 200 Mal konnte die S-Bahn nicht an der Hackerbrücke halten, weil die Sicherheit nicht mehr gegeben war. Die Pünktlichkeitsrate sank während des Oktoberfestes auf unter 90 Prozent.
Neu ist in diesem Jahr, dass Bahn, S-Bahn und Bundespolizei in Zusammenarbeit mit MVG und Kreisverwaltungsreferat versuchen, die Wiesn-Besucher vom Hauptbahnhof und der Hackerbrücke auf getrennten Wegen zur Theresien-Wiese zu lotsen. Nebenstehende Grafik zeigt die Wege.
In diesem Jahr werden auch DB-Regio und Südostbayernbahn ihr Zugangebot verstärken.
Nach Freilassing, Augsburg, Kempten und Mühldorf werden mehr Garnituren eingesetzt.
Im vergangenen Jahr führte das Verhalten von Wiesn-Besuchern zu zahlreichen Polizeieinsätzen bei der S-Bahn. Insgesamt gab es 17 Streckensperrungen wegen Betrunkener im Gleis und neun unerlaubte Notbremsungen. Folglich sank die Pünktlichkeit erheblich auf unter 90 Prozent. Bernhard Weiser appelliert an die Wiesn-Besucher sich der Gefahren des Eisenbahnverkehrs bewusst zu sein und den Anweisungen des Sicherheitspersonals Folge zu leisten:
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Bildhinweis: Die Grafik der Fußwege wurde mit freundlicher Genehmigung seitens Bahn und MVG eingestellt.
… sondern vor allem das Denken lehren.
Unter dieses Motto stellte Seminarleiter Jörg Meier seine Einführungsveranstaltung für Lehramtsanwärter und Referendare, die heute (12.09.2012) ihren Dienst an den Schulen beginnen. Meier ist langjähriges Mitglied der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) und im Landkreis Ebersberg für die Lehramtsanwärter zuständig.
Die KEG bietet jedes Jahr vor Schulbeginn solche Vortragsabende für Berufsanfänger an.
Die Zäsur von der Uni in die Schule soll so leichter gestaltet werden.
Jörg Meier hatte gleich zum Anfang einen gewaltigen Tipp: „Gehen Sie im ersten Jahr nach der Eingewöhnungsphase mit zu ihren erfahrenen Kollegen in den Unterricht. Gehen sie in alle Fächer rein, gehen sie in alle Altersstufen. Und: genießen Sie dieses erste Jahr. Unterstützen Sie Kollegen, sie profitieren davon.”
Er machte die jungen Kolleginnen und Kollegen mit dem ersten Schultag vertraut. „Ihre Schüler werden sie austesten und ausprobieren.” Meier rät dazu, den Schülern zu zeigen, dass der Lehrer Grenzen hat. Sein Tipp: Austausch mit Kollegen, Absprachen treffen, wie die älteren Kollegen vorgehen. Das merken die Schüler und eine einheitliche Linie ist immer hilfreich.
Der erste Schultag ist entscheidend für das weitere Gedeihen des schulischen Wirkens, da ist sich Meier sicher. „Den” ultimativen Tipp für den Einstieg in den ersten Schultag gibt es nicht. Aber wichtig ist, so Meier, dass jeder Lehramtsanwärter sich seiner Stärken bewusst ist und diese methodisch im Unterricht einsetzt. Ebenso wichtig: Kinder lernen durch Ausprobieren. Dabei testen sie Grenzen aus.
Die jungen Kolleginnen und Kollegen mahnte er, sich nicht verheizen zu lassen, Seminarleiter und Betreuungslehrer informieren, wenn gegen Richtlinien verstoßen wird. Dazu zählt auch, dass die Anwärter nicht mehr als 3 verschiedene Klassen unterrichten und keine schwierigen Klassen bekommen.
Vor allem aber sei wichtig, andere Wege zu gehen, neues Denken auszuprobieren. Ganz unvermittelt stellte er den Anwesenden eine Denksportaufgabe: Eine Schnecke fällt in einen 21 Meter tiefen Brunnen. Sie beschließt wieder hoch zu kriechen. Am Tag schafft sie sieben Meter, in der Nacht, während des Schlafes rutscht wieder vier Meter runter. Wann ist die Schnecke oben?
Das Vergnügen des Nachrechnens möchte ich keinem Leser vorenthalten. Nur soviel: Sieben Tage, was wir alle irgendwie spontan tippten, ist falsch.
Zusammengefasst hier aus dem Munde von Jörg Meier seine Tipps an Junglehrer:
Bei der WikiCon in Dornbirn (Vorarlberg, Österreich) standen wir natürlich auch zusammen, rauchten und ratschten. Klar, dass das Gespräch auch irgendwann auf die Geschichte mit den USB-Sticks kommen musste, deren Verteuerung ich aufgedeckt hatte. Einer der Teilnehmer meinte lachendes Auges zu mir: „Naja, dann kauf ich die Sticks halt im Ausland …” Gar keine schlechte Idee, mag man meinen. Wer, wie ich, seine Sticks nicht auf (GEMA-)Pressekonferenzen bekommt, scheint damit gut bedient zu sein.
Weit gefehlt, auch wenn die Stiftung Warentest das als Tipp „verkauft”.
Der Informationskreis Aufnahmemedien, mit dem ich seit der USB-Stick-Geschichte Kontakt habe, informierte mich eben über einen sehr interessanten Aspekt:
Zitat: Rein rechtlich übersieht Stiftung Warentest nämlich, dass auch der Online-Bezug von Speichermedien aus dem Ausland vergütungspflichtig ist – also Urheberabgabe an die ZPÜ gezahlt werden muss. Der private Verbraucher muss nicht selbst an die ZPÜ zahlen, wohl aber schon der im Ausland sitzende Online-Händler (Schricker/Löwenheim, UrhG § 54b Rn. 4; BR-Drs. 218/94 S. 20). Er muss die Preise also genauso kalkulieren wie der inländische Händler, sodass es eigentlich keinen Preisvorteil geben kann, im Ausland zu kaufen! Und schon gar nicht kann man so die Forderungen der ZPÜ umgehen! Es mag ja sein, dass viele Händler im Ausland dies nicht tun. Sie handeln jedoch rechtswidrig und es ist höchst befremdlich, dass eine staatlich geförderte Organisation dazu aufruft, derartige Hinterziehungspraktiken durch den Erwerb der angebotenen Produkte zu belohnen.
Richtig nett finde ich den Satz in der Pressemitteilung des Informationskreises Aufnahmemedien, dass es skurril sei, „dass ausgerechnet diese Organisation, deren Stifterin und Gründerin die Bundesregierung ist, zum Boykott des deutschen Handels aufruft und die Nichtachtung der Gesetze unterstützt.”
Also, beim nächsten Besuch im befreundeten Ausland: Augen auf beim KaffeeUSB-Stick-Kauf.
Es sind nicht nur die jungen Menschen, die sich bei Wikipedia engagieren. Das war auf der WikiCon12 in Dornbirn Anfang September zu sehen. Über 200 Mitmachende und Interessierte kamen zur Fachhochschule Vorarlberg, um über die Online-Enzyklopädie zu reden. Workshops rundeten das Angebot ab.
Ein Workshop richtete sich speziell an ältere Schreibwillige.
Der erfahrene Wikipedianer „Ra Boe” ist viel in Deutschland unterwegs, um das Seniorenwissen in die Wikipedia einzubringen. Eine thematische Beschränkung gibt es nicht, im Gegenteil, so „Ra Boe”: Das könne beim Dorf anfangen, in dem sie leben und aus dessen Vergangenheit sie Bilder und Dokumente hätten. „Und das hört nicht erst bei der Arbeit auf, bei Berufen, die sie vielleicht damals ausübten und die heute nicht mehr existieren.” Hier zeigt sich auch eine der Problematiken der Wikipedia: Bei den älteren Autoren gibt es zwar viele, die Fachwissen haben und dieses einbringen, aber die Dokumentation vergangener Zeiten anhand von Zeitzeugen und deren Dokumenten ist sehr dünn besetzt.
Dabei sind gerade diese User sehr wertvoll für die Wikipedia, sagt „Ra Boe”:
Derzeit betreut er gut zehn Senioren, die wiederum ihrerseits auch Kontakte zu Gleichaltrigen pflegen und sich bei diesen über die Darstellungen ihrer Artikel rückversichern. „Ra Boe” ist in sehr regem Austausch mit „seinen” Schreibern und voll des Lobes für sie.
Dennoch: weitere Mitschreiber sind gesucht. Dazu gibt er auch gleich einen Tipp ab:
Wer sich für Silberwissen in der Wikipedia interessiert, findet hier alle weiteren Informationen.
Heute war es soweit: Ich durfte Gast beim Shabbes-Gebet in Ohel Jakob sein. Mein Freund Michael hat mich eingeladen.
Schon das Innere der Synagoge erinnert in gewisser Weise an das Interieur einer Kirche. Kein Wunder, da sich die beiden christlichen Kirchen ja aus dem Judentum ableiten. Vorne ein Vorhang, hinter dem der Tora-Schrein ist, vergleichbar mit dem Hochaltar/Tabernakel in der katholischen Kirche. Links und rechts vom Tora-Schrein die Siebenarmigen Leuchter.
Davor ein Pult, eingerahmt von zwei Kerzen, an dem sich im ersten Teil des G”ttesdienstes ein Vorbeter, der Kantor und eine Schola aufhielten. Links und rechts die Sedilen für die „Kultusbeamten”, also Rabbinat und Kantor. In der Mitte von Ohel Jakob ist eine Erhebung, die sowohl für das Lesen aus der Tora verwendet wird als auch bei der Hochzeit das Brautpaar, die Angehörigen und den Rabbiner beherbergt. Die Gemeindemitglieder sitzen auf bequemen Klappsitzen, eine Kniebank wie in der katholischen Kirche gibt es nicht.
Das Judentum ist eine Religion des Wortes. Nach dem ersten Teil des G”ttesdienstes wird die Tora-Rolle aus den Schrein geholt und in einer feierlichen Prozession zur Mitte des Raumes getragen. Dort wird dann der Wochenabschnitt vorgetragen. Bei meinem Besuch wurde auch eine Bar Mizwa gefeiert. Die (religiöse) Bedeutung ist bei Wikipedia erklärt. Ein Junge ist hier zum vollwertigen Mitglied seiner Gemeinde berufen worden. Und er durfte aus der Tora vorlesen.
Praktischerweise hat die Jüdische Kultusgemeinde an diesem Wochenende neue Bücher bekommen, in denen rechts der Originaltext in Hebräisch steht und links die deutsche Übersetzung. Übrigens war das eine Spende von Gemeindemitgliedern.
Bei der Bar Mizwa ist es üblich, dass in Richtung des Jungen, der die Bar Mizwa feiert, Süßigkeiten geworfen werden. Die werden dann aber auch von den anderen Kindern, die in der Synagoge sind, auf- und abgefangen.
Zum Schluss des G”ttesdienstes wird die Tora-Rolle wieder zurückgetragen. Wie schon bei der Öffnung des Schreins erhebt sich die Gemeinde.
Dann hält der Rabbiner am vorderen Lesepult eine Exegese.
Bei meinem Besuch in Ohel Jakob habe ich eine Schola erlebt, die ihresgleichen lange suchen muss. Fünf Männer haben einen sauberen Satzgesang abgeliefert, den Kantor der Gemeinde unterstützt und im G”ttesdienst habe ich zu Michael mal gesagt, dass sich da sogar die Wise Guys ein Beispiel nehmen können. Sie waren nicht nur harmonisch, sondern auch rhythmisch eine Erweckung. So ganz ohne Mouthbox.
Nach dem G”ttesdienst fand im Gemeindezentrum noch die Bar-Mizwa-Feier statt. Die Schola aus dem Schabbes-Gebet sang auch wieder, im Hubert-Burda-Saal gab es eine Polonaise und eine sehr ausgelassene Feier. Mit bestem israelischen Rotwein.
Ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt.
Ich bin angenommen worden und hatte zu keiner Zeit das Gefühl, Fremdkörper zu sein.
Ein „Shabbat” oder „Shabbat Shalom” oder ein jiddisches „Gid Shabbes” öffnet Welten.
Danke an die Israelitische Kultusgemeinde München für die Gastfreundschaft und das sehr gute Essen zur Bar Mizwa.
Danke an meinen Freund Michael, das ich Teil des G”ttesdienstes sein durfte.
Ich wurde integriert.
Es war nicht mein letztes Mal im Zelt Jakobs.
Schabbat Schalom!
… und kommuniziert wieder falsch.
Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte, kurz GEMA, steht seit Monaten in der Kritik. Ursache ist hauptsächlich die geplante Tarifreform für Veranstaltungen mit Tanzmusik. Betroffen sind vor allem Discotheken- und Clubbetreiber, aber auch Schützenvereine, Karnevalisten und alle Veranstalter, die Musikdarbietungen bei ihren Veranstaltungen dabei haben. Heute sind Proteste unter anderem in München, Nürnberg, Berlin und weiteren Standorten der GEMA-Bezirksdirektionen geplant. Aus diesem Grund hat die GEMA heute vormittag eilig eine Pressekonferenz einberufen, um aus ihrer Sicht nochmals darzustellen, warum die Proteste der Gegner überzogen sind.
Im April waren die neuen Tarife veröffentlicht worden. Seitdem rechneten DEHOGA und Clubbetreiber, was da an Kosten auf sie zukommen würde. Vor allem via Internet, befeuert von Piraten und GEMA-Kritikern, formierte sich Widerstand in der Bevölkerung.
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte der Bund der Karnevalisten eine Vereinbarung mit der GEMA ausgehandelt, die einen gemäßigten Anstieg der Lizenzgebühren beinhaltet und zudem erst nach der laufenden Session zum 1. April 2013 in Kraft tritt.
Überraschendster Punkt: Das, was die Karnevalisten ausgehandelt haben, soll laut Jürgen Baier von der GEMA auch für alle anderen gelten. Die Tarife steigen mit einer Staffelung an. Zudem werden Zuschläge nicht, wie ursprünglich veröffentlicht, nach fünf, sondern erst nach acht Stunden erhoben. Und auch in der Höhe der Zuschläge hat die GEMA mit sich reden lassen: Von einstmals 50% für jede ab der sechsten Musikstunde sind nur noch 25% je zwei Stunden ab der achten Stunde geblieben.
Jürgen Baier, zuständig für die Tarifentwicklung, dazu im O-Ton:
Bezeichnenderweise wusste von diesen Tarifänderungen kaum ein Kollege der Presse. Die GEMA hatte diesen Punkt kommuniziert. Und zwar in einer Pressemitteilung betreffend die Einigung mit dem Bund der Karnevalisten.
Zitat:
Die Vereinbarung mit dem BDK sieht gegenüber den seit April 2012 veröffentlichten Tarifen U-V und M-V im Wesentlichen folgende Anpassungen vor:
· Die GEMA gewährt Einführungsnachlässe über die Dauer von fünf Jahren. Der bisher im Tarif vorgesehene Zeitzuschlag ab fünf Stunden Veranstaltungsdauer wird auf acht Stunden erhöht und steigt danach linear um 25 % je weitere zwei Stunden.
· Die GEMA gewährt in ihren Tarifen einen Nachlass in Höhe von 15 % für soziale, religiöse und kulturelle Veranstaltungen, die keine wirtschaftlichen Ziele verfolgen.
· Die Härtefallnachlassregelung wird als Angemessenheitsregelung konkretisiert: Die Obergrenze für die Vergütung der GEMA-Rechte beträgt außerhalb der Mindestvergütung maximal 10 % der Eintrittsgelder.
· Der neue Tarif gilt ab 1.4.2013 und nicht wie bisher vorgesehen ab 1.1.2013.
Zitat Ende. (Pressemitteilung vom 24.7.2012)
Aus der Pressemitteilung geht nicht zwangsläufig hervor, dass dieses Angebot für alle Vertragspartner gelten soll. Denkbar wäre ein Gleichbehandlungsgrundsatz. Aber die GEMA muss sich den Vorwurf wohl gefallen lassen, dass sie hier unsauber kommuniziert hat.
In der damaligen Einladung zur Pressekonferenz hieß es nur:
Zitat: Gerne möchten wir Sie ausführlich über die Inhalte des neuen Gesamtvertrages zwischen der GEMA und dem BDK und die damit einhergehende Modifizierung der neuen Tarife für den Veranstaltungsbereich informieren. Zitat Ende.
Die Zusammenfassung von Jürgen Baier zu den Tarifänderungen nochmals im Wortlaut:
Kommentar:
Gemessen an dem, was bislang im Raum stand, mögen die Nachlässe ein Entgegenkommen der GEMA sein.
Dass das unzureichend kommuniziert wurde, scheint der Fall zu sein.
Dass die bisherigen Proteste der Clubbetreiber und die Berichterstattung der Presse die Bevölkerung (zurecht) gegen die GEMA in Stellung gebracht haben, ist aber ebenso unbestritten. Denn letztlich – ohne den monatelangen Aufschrei derer, die die Erhöhung zahlen werden müssen (die Clubbesucher also), wäre die Verwertungsgesellschaft nicht kompromissbereit gewesen.
Für den juristischen Laien stellt sich der Hintergrund so dar: Die GEMA darf eine Veranstaltung nicht bestreiken, sprich, sie darf das Abspielen von Musik nicht verbieten. Somit ist die Lösung, dass die Verwerter einen Schritt entgegenkommen, nicht die schlechteste Entwicklung. Einen Gleichbehandlungsgrundsatz anzustreben, scheint mir geboten. Aber bitte, da sollen die Juristen urteilen.
Die Proteste halte ich für gerechtfertigt und notwendig. Und sie sollen bitte stattfinden und weitergehen.
Dazu sollen DEHOGA und andere Verbände neue Berechnungen anstellen. Aufgrund der Rahmendaten, die die GEMA heute bekannt gegeben hat.
Festzustellen bleibt:
Die GEMA hat sich im ersten Halbjahr ungeschickt angestellt. Und dafür, liebe Verwerter, geht das Volk auf die Straße. Mit Krumen gibt sich das Volk nicht zufrieden, es will Torte.
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Trinken für die GEMA
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GEMA-frei und doch nicht frei
Der Bahnhof in Markt Schwaben. Letztes Jahr wurde die Unterführung erweitert. Leider tritt seitdem mit schönster Regelmäßigkeit Wasser an den Nahtstellen zwischen Alt- und Neubau aus. Auch am Aufgang zu Gleis 3/4 tritt Wasser aus. Aus der Treppe. Die Treppe ist alt, Stufen sind abgebrochen und notdürftig mit geriffeltem Blech repariert.
Der Wasseraustritt am Fuß der Treppe ist nachgebessert worden, richtig trocken ist es aber auch nicht. Dafür strömt das Wasser nun aus dem Abfluss in der Unterführung in den Abfluss an der neuen Treppe.
Bei den Baumaßnahmen hat die Bahn auch Aufzüge einbauen lassen. Aufzüge, die zwischen Unterführung und Oberfläche pendeln. Wie man als Gehbehinderter aus der Unterführung zum Gleis kommt? Na, über die alten Treppen. Der Winter kann mit diesen Wasserschäden „lustig” werden. Eis in der Unterführung und auf den Treppen.
Nicht weiter ins Gewicht fällt da der Schaukasten am Aufgang Nord, der von Station & Service regelmäßig vergessen wird, wenn es um die Aktualisierung der Aushänge geht.
Für über 3.700 Azubis hat heute die Ausbildung bei der Deutschen Bahn (DB) begonnen. In Bayern kommen rund 600 junge Menschen in den Konzern. Aus diesem Grund begrüßte die Bahn im Mathäser-Filmpalast ihre neuen Mitarbeiter. Kurz nach 11 Uhr geht ein Raunen durch den Saal, dann wird es ruhiger. Bahnchef Dr. Rüdiger Grube gibt sich die Ehre, persönlich an der Veranstaltung teilzunehmen. Aus diesem Grund gab es dieses Jahr einmal keinen eigenen Empfang für Nordbayern.
Rund 60.000 Bewerbungen gab es bundesweit für das aktuelle Ausbildungsjahr. Die Ausbildungssparten reichen vom Lokführer über den Mechatroniker bis hin zur Servicekraft in der Systemgastronomie. Mit einem Video wurden die Azubis auf die großen Konzernziele vorbereitet: Bis 2020 will die Bahn der weltweit größte Logistik-Dienstleister sein. Dabei soll der Energieverbrauch bis zu diesem Jahr zu 35 Prozent aus regenerativen Quellen kommen, bis 2050 will die Bahn vollkommen auf „grünen” Strom umgestellt haben.
Locker kam Konzernchef Grube in den Saal und setzte sich einfach zwischen die jungen Kollegen. Abgesehen von den Dingen, die ein Konzernchef bei solch offiziellen Anlässen sagen muss, war auch seine Rede von Freundlichkeit gegenüber den Mitarbeitern geprägt. Die Bahn, so Grube, bietet Qualität in der Ausbildung, eine Perspektive bei einer Übernahmequote von 95 Prozent, Stabilität auch in der Wirtschaftskrise, Sicherheit als Arbeitgeber und Flexibilität.
Grube verzichtete auf den Zeigefinger vergangener Zeiten, er erzählte lieber aus der Praxis. Wie er, aus den einfachen Verhältnissen eines Bauernhofes stammend seinen Weg bis zum Konzernchef der Bahn gegangen sei.
Auch wenn da vorne einer in Sakko und Krawatte stand, man merkte den Worten Grubes den Pragmatismus und eine gewissen Hemdsärmligkeit an. Das war auch die Kernaussage: Seine Mitarbeiter sollen wissen, dass die Konzernspitze für sie da ist. Kein Schröder-Wort vom Fordern und Fördern, sondern der Appell, mit gutem Beispiel voranzugehen, die Bahn zu repräsentieren und rechtzeitig auf Fehlentwicklungen hinzuweisen:
Leidenschaft als Motivation – und auch die Bereitschaft, wo nötig, den Rahmen zu sprengen. Die älteren Azubis präsentierten ihre Ausbildungssparten in kleinen Videos und warben auch für das Beispiel der „Bahn-Azubis gegen Hass und Gewalt”. Von dieser teils szenisch gestalteten Vorführung war Rüdiger Grube so angetan, dass er die Ausführenden spontan einlud, bei der nächsten großen Sitzung in Berlin ihre Präsentation der Konzernspitze nochmals vorzuführen. Diesen Entschluss kommentierte der Ausbildungsleiter der Bahn, Dietmar Bauer, mit einem Lächeln und einem Seufzer: „Da kommt der Ausbildungsplan etwas durcheinander.” Sei’s drum. Bei allen technischen und betriebsbedingten Abläufen, denen ein Konzern wie die Bahn unterworfen ist, wurde hier eines deutlich: Grube hebt sich sehr deutlich von seinem Vorgänger ab. Positiv.
Bleibt die Hoffnung, dass diese Haltung nicht nur auf die neue Generation von Eisenbahnern durchschlägt, sondern den ganzen Konzern durchdringt.
Darf Wikipedia als Referenz für wissenschaftliche Arbeiten herhalten?
Soll es im wissenschaftlichen Umfeld verboten sein, aus Wikipedia zu zitieren?
Dieser Frage gingen Falko Wilms und Frank Weber in einem Vortrag nach.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit, so berichtet ein Angehöriger von der Uni Innsbruck, darf Wikipedia nicht zitiert werden. Das liegt aber nicht daran, dass Wikipedia nicht ausreichende Standards hätte, sondern, dass vornehmlich gewünscht ist, aus Primärquellen zu zitieren.
Primärquellen sind Artikel, die etwas originär behandeln. Wikipedia als Online-Enzyklopädie fasst hingegen Standpunkte, Meinungen und Erkenntnisse zusammen, die allesamt schon vorher diskutiert wurden. Allerdings kann man Wikipedia als Einstieg in ein Thema nutzen. Hier wird gute Vorarbeit geleistet und in den Quellen unterm Artikel Relevantes zum Thema ausgezeichnet und verlinkt.
Andere Hochschulen haben es aufgegeben, gegen das Zitieren aus Wikipedia vorzugehen.
Ziko van Dijk forderte das Wikipedia-Abschreibverbot nicht nur für die Universität, sondern auch für Journalisten. Diese sollten, wie Wissenschaftler auch, in der Lage sein, Sachverhalte selber zu erklären.
Ein Soziologe führte an, dass er seine Studenten zu Forschern und Wissenschaftlern erziehen will. Insofern könne man Wikipedia sicher zitieren, um einen Ansatz-und Ausgangspunkt des eigenen Diskurses zu finden.
Die Bandbreite des Einsatzes ist sehr weit, sagte Frank Weber. Von Totalverweigerern bis zu Enthusiasten gäbe es an der FH Vorarlberg alles.
Vielleicht ist der goldene Mittelweg hier, wie so oft, das Richtige.
Die grüne Europaabgeordnete Eva Lichtenberger stieg in ihre Keynote mit der Bemerkung ein, dass ein Projekt wie Wikipedia es heute viel schwerer hätte, wen es starten würde. Lobbying, der Streit ums Urheberrecht, Versuche, die Gemeinfreiheit zu beschneiden, wären ein Hindernis für die freie Entwicklung. Viele Projekte, die einst als freie Software starteten, seien heute proprietär.
Einer der ersten Lobbyisten, der an Lichtenberger herangetreten sei, war Warner. Die Bitte, ihr etwas schriftliches zukommen lassen, ist bis heute nicht erfüllt worden.
Lichtenberger betonte, dass die Ablehnung von ACTA im Europa-Parlament nur möglich gewesen sei, weil die Zivilbevölkerung auf die Straße ging und protestierte. Die Informationen der Bürgerbewegung sei entscheidend gewesen, dass viele, die ACTA positiv gegenüber standen, das Umdenken begonnen hätten.
Aber die Gefahr von ACTA sei nicht gebannt, warnte Lichtenberger. Der Kampf ums Internet und die Freiheit sei nicht zu Ende, die Nachfolgevorhaben stehen zur Debatte.
Auch die Verträge und Gesetzesvorhaben von Ländern wie Kanada müssen dabei im Parlament beraten werden. Dank dem Vertrag von Lissabon könne das Parlament aber auch solche Vorhaben ablehnen.
Im Herbst wird das Parlament über die Reform der Urheberrechtsgesellschaften beraten. Ein großes Projekt, von dem auch Wikipedia berührt werden wird.
Ein Besipiel: Sie habe Kollegen, die das Verfassen eines Schriftstücks mit dem Erwerb eines Autos gleichsetzen. Aber genau diese Kollegen würden ihrerseits sich andererseits auch aus den Texten und Dokumenten der Wikipedia bedienen. Sagen will sie damit wohl, dass die Wertschätzung gegenüber Immaterialgütern wohl fehlt oder schwach ausgeprägt ist.
Oder deutlicher gesagt: Die Hardliner des Urheberrechts sind so frei, sich gerne bei Wikipedia und frei zugänglichen Dokumenten zu bedienen.
Mehrere deutsche Politiker sind dabei ja aufgefallen, dass sie es mit Quellenangaben nicht so genau nehmen.
Ein weiteres Problem sind die Werke, deren Verfasser unbekannt sind und die wegen möglicher Urheberrechtsansprüche nicht veröffentlicht werden. (Orphan Works) – Eine ambitionierte Regelung würde wiederum durch Verlage und Rechtelobbyisten verhindert.
Lichtenberg malte das Bild einer harten Auseinandersetzung um den Begriff des Eigentums.
Interessanter Tweet von Pavel Richter von Wikimedia Deutschland dazu:
Ein Hilferuf aus dem EU-Parlament von Eva Lichtenberger: Lasst uns nicht allein mit den Verwertungs-Lobbyisten #wikicon
— Pavel Richter (@pavel) September 1, 2012
Zum Schluß der Diskussion bat Eva Lichtenberger darum, dass die Wikipedianer und alle Interessierten Vorschläge machen, die die Abgeordneten berücksichtigen können.