Max, Du Versager!

Kennen Sie moderne Oper? Nicht? Mei, haben Sie des guad. Zugegeben: Ich bin nicht der Opernfreak, aber wenn in BR Klassik im Sommer aus Bayreuth übertragen wird, schalt ich gerne an. Und wenn ich eine romantische Oper wie ‘Der Freischütz’ erwische, dann mag das Herz übergehen.

 

Ich habe diese Oper sogar als mp3 auf meinem iPod (Opern-Nerds schüttelts jetzt). Aber sie wissen schon, dieses ‘Wir winden Dir den Jungfernkranz’ oder der Jägerchor ‘Was gleicht wohl auf Erden / dem Jägervergnügen’ sind durchaus volksbekannt. Ihr heimischer Männergesangsverein mag das Letztere auch schon mal gesungen haben. Und so war ich angetan, als ein Freund mich einlud, den Freischütz in der Komischen Oper in Berlin anzuschauen.

 

Die Kritiken in Bayern2 und einigen Printmedien stimmten mich ja schon drauf ein, dass die Inszenierung von Calixto Bieito nicht so ganz gängig werde. In Fachkreisen ist der spanische Regisseur bekannt für gewagte Inszenierungen. In der aktuellen Inszenierung an der Komischen Oper hat man gleich in den ersten 15 Minuten, nachdem eine echte Sau den Wald abgegrast hat, eine nackerte Frauenleich’, bis zur Pause zwischen Aufzug 2 und 3 sans scho zwoa und der Max hupft nackert durch den Wald.

Ehrlich gesagt, mich hat das alles etwas sehr verwirrt. Was vielleicht daran liegt, dass ich Oper selten als Aufführung im Theater oder TV sehe, sondern eher im Radio höre. Und da fehlt die bildliche Komponente. Für mich als Musikinteressierten Glück, für den ‘auchmalindieOpergeh-Heinrich’ eine Katastrophe. So mag es nicht Wunder nehmen, dass ich heute als erste Reaktion auf Twitter schrieb: ‘Inszenierung #Freischütz war wie #Müller: A bisserl zvui Baatz und Dreck. #Calixto #Oper.’

 

Verzeihung, lieber Herr Calixto, liebe Opernintendanten. Es muass ja ned die Maschkera der Entstehungszeit sein, die auf der Bühne gezeigt wird, es darf (und soll) modernisiert werden. Aber muss ich so ganz bis aufs Blut (wahlweise Messer) nur noch Vergewaltigung, Schlüppa-ausziehen, Koitus und Sonstiges zeigen?

Ich bin Modernem durchaus aufgeschlossen, aber Calixto lässt mich heute abend ratlos zurück. Musikalisch war es gut, saugut, eine Offenbarung, wenn auch der angeschlagene Max aus der zweiten Garde schauspielerisch nicht so toll war. Aber es war seine Premiere. Gegeben!

Das Gewirr der Baumstämme, die angedeuteten Sexszenen, das alberne Gekicher der Brautjungfern … alles nicht so das meine. Zumindest, was den Junggesellinnen-Abschied angeht, den Calixto drin hatte: Den sollte er sich am Wochenende mal in einem Zug zwischen München und Salzburg anschauen. Da würde er noch was lernen.

Oder bin ich selber Max, weil ich irgendwas nicht erkenne und versage?

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In der Kategorie Oper am 07.02.12 um 23:25 Uhr veröffentlicht.
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