Die Freien Wähler haben ihr Volksbegehren zur Wahlfreiheit G8/G9 gestartet. Seit heute können die Formulare im Internet heruntergeladen werden. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks wollen die Freien Wähler ab Juni mit Infoständen noch mehr in die Öffentlichkeit. Die BR-Kollegin Beate Posch hat dazu einen Beitrag gemacht – mit einer Reaktion von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Im Landtag haben unterdessen heute SPD und Grüne ihre Meinung zum Volksbegehren kundgetan. Eines ist klar: Was schon bei der von den Freien Wählern beantragten Aktuellen Stunde im Landtag deutlich wurde, hat sich heute einmal mehr gezeigt: Die Landtagsopposition aus Freien Wählern, SPD und Grünen ist sich im Thema Bildung uneins. Ob das einer Regierungsbildung im Herbst zuträglich sein wird, darf bezweifelt werden. Thomas Gehring, bildungspolitischer Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen:
Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Martin Güll, kritisierte das Volksbegehren der Freien Wähler und den Kurs des Kultusministeriums. Er fordert einen radikalen Umbau:
Der Sprecher des Kultusministeriums, Dr. Ludwig Unger, betonte nochmals, dass das Herumschrauben am System nicht die Lösung des Problems sei, man aber sehr wohl über Inhalte reden könne und müsse. Er forderte auch in Richtung der Grünen, dass diese benennen sollten, was denn aus dem Lehrplan gestrichen werden sollte:
Als Frau Lehrerin werden? Im ausgehenden Kaiserreich fast unmöglich. In der Zeit des Nationalsozialismus, zumal als Jüdin, ein Unding. Hilde Schramm, ehedem alternative Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses und Tochter von Albert Speer, hat ein Buch über eine bemerkenswerte Lehrerin geschrieben, über ihre Lehrerin. Dr. Dora Lux. Bei einer Lesung im Evangelischen Bildungswerk München stellte sie die bemerkenswerte Persönlichkeit vor. Die Lesung war eine Kooperationsveranstaltung zwischen Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e.V., dem Evangelischen Bildungswerk München e.V. und der Evangelischen Stadtakademie München.
Dora Lux war rebellisch und klug. Auf diese beiden Eigenschaften kann man sie reduzieren, wenn man sie reduzieren muss. Man sollte sie aber nicht reduzieren, sondern lieber das Buch von Hilde Schramm lesen, um die ganze Person zu erfassen. Man kann die Vielschichtigkeit nicht in einem Artikel wiedergeben, den Versuch unternehme ich auch gar nicht. Einige Ausschnitte aus der Veranstaltung, Lesung, Diskussion sollen Ansporn sein, dieses Buch zu kaufen. Hilde Schramm zu ihrer Faszination an der Person Dora Lux, die sie selber als Lehrerin im Nachkriegsdeutschland hatte:
Hilde Schramm lernte Dora Lux im Nachkriegsdeutschland kennen, sie hat sie als alte Frau in Erinnerung, die noch weit bis ins siebte Lebensjahrzehnt unterrichtete. Lux hatte als eine der ersten Frauen auf Lehramt studiert, sie promovierte in München, das damals schon progressiver war als der Rest der Republik, war verheiratet mit Dr. Heinrich Lux, einem Physiker und Publizisten, Patentanwalt und Freimaurer. Schramm hat akribisch zusammengetragen, was sie von Zeitzeugen bekam.
Wie subtil die Diskriminierung von Juden schon in Kaisers und Preußens Zeiten war, verdeutlicht Schramm bei ihrer Lesung, wenn sie von der Gestaltung der Zeugnisse berichtet. Als erstes kam Religion …
Dr. Dora Lux hat die Nazizeit in Deutschland nahezu unbehelligt überlebt. Grund hierfür war der seltsam anmutende Widerstand, den Lux übte. In der Gesetzgebung des Dritten Reiches, so Schramm, stand in den Paragraphen, die Juden betrafen, oft das Wort „unaufgefordert”. Vielleicht ist das einer der Gründe, dass Dora Lux die Nazizeit überlebte: Sie meldete sich nicht, hatte anfangs schon Kennkarten unwahr ausgefüllt – und: Sie hatte wohl sehr viel Glück, dass keiner der Nachbarn sie denunzierte. Zum privilegierten Judentum gehörte Lux nicht:
Auch die Ehe von Dora Lux mit Heinrich berücksichtigt Hilde Schramm. Sie lässt aus den Erinnerungen von Heinrich in das Buch einfließen:
Wie gesagt, in diesem Blog das Buch und die Lesung umfassend darzustellen, würde den Rahmen sprengen. Die Audiobeispiele sollen aber Lust machen, das Buch zu kaufen und zu lesen.
Bibliographische Angaben:
Hilde Schramm. Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux
gebundene Ausgabe, 432 Seiten, 19,95 Euro, erschienen bei Rowohlt.
Die Buchhandlung Avicenna in der Amalienstraße 91, München, hat das Buch in größeren Stückzahlen vorrätig.
Disclaimer: Ich danke Hilde Schramm und dem Evangelischen Bildungswerk München, dass ich die Lesung mitschneiden durfte.
Ich habe weder ein Rezensionsexemplar erhalten noch stehe ich in geschäftlichen Beziehungen zur genannten Buchhandlung.
… aber wir wollen allen Fischen die Schönheit und Vielfalt der Meere, Flüsse, Seen zeigen. Mit diesem Zitat von Albert Einstein überschrieb Kultusstaatssekretär Bernd Sibler sein Impulsreferat, das er auf einer Tagung in Kochel am See hielt. Lehrer, Ministerialbeamte, Menschen, die mit Bildung und vor allem Inklusion zu tun haben, treffen sich zwei Tage in der Georg-von-Vollmar-Akademie, um Erfahrungen über das Thema auszutauschen.
Für Sibler, selbst Lehrer, ist Lehrer immer noch der schönste Beruf der Welt. Die Inklusion, so machte Sibler deutlich, ist ein evolutionärer Prozess, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht nur Schulen vorbehalten ist, sondern in der Gesellschaft verankert werden muss. Aber Schulen leisten den wichtigsten Teil dazu.
Die Begleitung in der beruflichen Bildung ist wichtig. Sibler erinnerte vor allem an das Subsidiaritätsprinzip. Soviel Hilfe wie nötig, soviel Hilfe, wie möglich. Er bekräftigte, dass Bayern weiter am differenzierten Schulsystem festhalten werde, um jedem Schüler die bestmögliche Förderung zuteil werden zu lassen. Inklusion ist für den Kultussstaatssekretär eine Herzensangelegenheit. Er gab zu bedenken, dass das duale Ausbildungssystem, dass Deutschland habe, auch von anderen Ländern mittlerweile übernommen werde, weil es gut sei. Auch, wenn Deutschland in den Studien der OECD schlechter abschneide, da hier nur das schulische Wissen gewertet werde.
Für Sibler ist wichtig, „dass wir ganz genau anschauen, was wir machen. Schulisch und menschlich.” Kompetenzzentren seien wichtig. Und: „Der bayerische Weg ist gut: Nicht von heute auf morgen auflösen und zusammenlegen, das scheitert wie in anderen Bundesländern.”
Die vornehmste Aufgabe der Schule sei die Qualifizierung der Schüler. Gleichzeitig müsse die Diagnosefähigkeit der Lehrer gestärkt werden. Es sei nicht Sinn der Schule, Ausbildungsplätze zu akquirieren, aufgrund der demografischen Entwicklung sei das auch nicht mehr nötig. „Wir müssen beim Einstieg helfen. Junge Menschen an die Hand nehmen, ihnen in den kognitiven und emotionalen Defiziten helfen. Klar kostet das Geld, so Sibler. Doch langfristig müsse man sich auch überlegen, dass man eine 1:1 Betreuung schaffe. Dabei müssten die Sorgen und Ängste der Eltern Ernst genommen werden. Die Wahl des Förderortes spiele eine wichtige Rolle. Insofern sei der bayerische Weg der richtige, langsam aufzubauen und nicht Schulen zu schließen und Kinder wahllos zusammen zu würfeln. Das Kultusministerium unternehme vieles, damit sich die Situation an allen Schulen verbessere:
Sibler machte den Pädagogen Mut: „Auch der Misserfolg hat erfolgreiche Erkenntnisse. Ein Schulversuch muss nicht den 100prozentigen Erfolg haben. Wichtig ist: Erkennen, was geht und nicht geht.” Dazu wollte der Staatssekretär auch im Sinne seines Ministers Dr. Ludwig Spaenle ermutigen. Für das Kultusministerium steht im Vordergrund: Die Steigerung der Unterrichtsqualität, die Qualität der Ausbildung der Lehrer. Das Ziel müsse sein, so Bernd Sibler, die Ausbildung auf den Weg zu bringen, die dem jungen Menschen dient und ihn voranbringt.
Im weiteren Verlauf der Tagung schilderten unter anderem auch Vertreter aus Österreich und Sachsen ihre Erfahrungen mit Inklusion.
„Essenfassen” – diesen Ruf hörte man heute nicht im Ministerium. Was man aber hörte und sah: Viele Kinder kochten und servierten Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, Ministeriumsangehörigen und auch Pressevertretern ein leckeres Drei-Gänge-Menue. Kressesuppe, Risotto mit einer Semerrolle und Bayrisch Creme. Die Idee dazu hatten Sternekoch Joachim Kaiser und der Nördlinger Texter Peter Urban. Er kocht zusammen mit Mittelschülern und möchte damit die Wertigkeit von Essen vermitteln – und auch den Genuß, das Zubereitete im angemessenen Rahmen zu verzehren.
Für Kultusminister Spaenle ist das der richtige Weg, Kinder mit regionaler Küche und der Zubereitung vertraut zu machen:
Ein Ziel des Projektes ist es, Kindern auch Einblick in die Gastronomie zu vermitteln. Neben dem gemeinsamen Kochen ist es den Initiatoren auch wichtig, dass hier Kinder mit und ohne Migrationshintergrund zusammenarbeiten und damit der Integrationsgedanke gefördert wird. Probe aufs Exempel mit meinem Tischnachbarn Sebastian:
Joachim Kaiser setzt das Konzept in Nördlingen bereits erfolgreich um und konnte weitere Spitzenköche der Jeunes Restaurateurs d’Europe für das Projekt gewinnen, so dass die Idee nach der Auftaktveranstaltung auch an anderen Mittelschulen in Bayern realisiert wird. Erst am Montag hatte Spaenle in München zusammen mit den Landfrauen die neuen Eckpunkte für die Ausgestaltung des Lehrplanes hinsichtlich Lebensökonomie und Alltagskompetenz vorgestellt:
Das Gymnasium scheint zum Zankapfel im Wahlkampf zu werden. Die Freien Wähler haben im Landtag einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, der die Wahlfreiheit für Schüler sicherstellen sollte: Die Wahlfreiheit zwischen 8jährigem Gymnasium (G8) und 9jährigem Gymnasium (G9). Günther Felbinger, MdL der Freien Wähler, begründet diesen Antrag so:
Felbingers Beweggründe:
Was sich in der Debatte zeigte: Die Opposition, die sich immerhin anschickt, im Herbst die Regierung in Bayern zu stellen, ist sich zwar eins in Sachen Verbesserung des Gymnasiums, aber das auf unterschiedlichen Wegen. Martin Güll, MdL der SPD, war einer der Redner, der in der Debatte Kernthemen zur Sprache brachte:
Martin Güll hält die Debatte um das Flexibilisierungsjahr für verfehlt. Es sei nicht ausreichend, das in den Jahrgangsstufen 8,9 und 10 zur Verfügung zu stellen:
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle ist bekannt dafür, dass er weder G8 noch G9 als Begriff verwendet. Er redet vom bayerischen Gymnasium, also damit auch vom Sonderweg, den Bayern seiner Meinung nach beschreiten muss. Sein Credo lautet:
Der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Thomas Gering, fordert eine Reform des G8. Er hält wenig von der Debatte „zurück zum G9” und will lieber, dass das G8 neu ausgerichtet wird:
Im Landtag erntete er vom Kultusminister dafür auch Lob, die Grünen seien am nächsten an seinen Vorstellungen. Wie geht er mit dem Lob um?
Und was meint der stellvertretende Sprecher der CSU im Bildungsausschuss, Berthold Rüth dazu? Er war auch auf der Versammlung der Landeselternvereinigung bayerischer Gymnasien und hat das ganz anders als Felbinger erlebt:
Bleibt noch die FDP. Deren bildungspolitische Sprecherin Renate Will sagt, die FDP habe das Gymnasium in Bayern gerettet.
Zitat Pressemitteilung:
Richtig ist hingegen, dass bei Eintritt der FDP in die Staatsregierung Einiges im Argen lag. Deshalb hatten wir damals unverzüglich die Lehrpläne überarbeiten und kürzen lassen sowie ein gezieltes Monitoring installiert, alle Vorschläge zur Weiterentwicklung des Gymnasiums mit allen Beteiligten der Schulfamilie erörtert und zielgerichtet Maßnahmen auf den Weg gebracht. Zur Optimierung des G8 sind vielfältige liberale Vorschläge eingeflossen. Die beschlossenen Maßnahmen wie die maßvolle Reduzierung der Lehrpläne bei gleichzeitiger Sicherung der Studierfähigkeit, die Etablierung einer integrierten Lehrerreserve und das Frühwarnsystem werden wir über ein Monitoring intensiv begleiten. Zudem wird die individuelle Förderung über zeitgemäße Lehr- und Lernformen ausgebaut, und es werden mehr gebundene Ganztagszüge geschaffen. Eine Rückkehr zum G9 oder der alten Oberstufe lehnen wir entschieden ab.
Und weiter: Die FDP will den Weg der Optimierung des achtjährigen Gymnasiums konsequent weitergehen und die Eigenverantwortung der Gymnasien weiter voranzutreiben. Rückwärts gewandte Anträge, die nicht einmal eigene Vorstellungen enthalten, helfen uns hier nicht weiter.
Der Antrag der Freien Wähler und der anderen wurde mit Regierungsmehrheit abgelehnt.
Vor wenigen Wochen brachte die Staatsregierung im Landtag das Bildungsfinanzierungsgesetz ein. Was Finanzminister Markus Söder, unterstützt von Fraktion und FDP als den großen Wurf pries, geißelt die Opposition um so heftiger als Nachtragshaushalt. Claudia Stamm von den Grünen ging gestern im Rahmen einer Pressekonferenz hart mit der Regierung ins Gericht.
Generalvorwurf: Die CSU finanziert sich den Wahlkampf aus der Haushaltskasse, indem sie rechtzeitig vor der Wahl Geschenke verteilt. Sie senke Steuern ohne Gegenfinanzierung, sagt die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen.
Stamm betonte, dass die Grünen keinen Nachtragshaushalt gebraucht hätten. Ob Studiengebühren oder Bildungsfinanzierungsgesetz, die Regierungskoalition versuche aus dem Weg zu räumen, was der Macht hinderlich sein könne. Und dabei, so Stamm, sei fatal, dass sich in der Koalition diejenigen durchgesetzt hätten, die von der Materie keine Ahnung hätten. Das zeige sich besonders an dem Umstand, dass alleine beim Bayerischen Kinder- und Bildungs- und Erziehungsgesetz (BayKiBiG) nicht genügend Geld in die Hand genommen würde.
Die Berufsgruppe: Die Heilerziehungspfleger. Das Kultusministerium konterte gleich mittags mit einer Pressemitteilung, dass diese vom Staat sehr wohl unterstützt würden: Mit 1000 Euro Zuschuss für die circa 3-5.000 Euro teure Ausbildung. Die Notwendigkeit, so Stamm, sei gegeben:
Nicht ohne Süffisanz hielt die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen der Regierungskoalition vor, dass sie die Definition von Inklusion nicht kenne:
Grüne Haushaltspolitik, so Claudia Stamm, sei solide und ehrlich und – setze Prioritäten, besonders auch in der Bildungspolitik:
Stamm bezeichnete die Schuldentilgungspolitik der Regierung als PR, der Freistaat müsse endlich die verdeckte Verschuldung angehen. Die Grünen stellen den Antrag, eine Sonderzahlung in Höhe von 480 Millionen Euro an den Pensionsfond zu leisten. In Richtung der Regierung schoss Stamm noch eine Spitze ab:
Die Qualität der Ganztagsklassen an Grundschulen soll steigen, die Sprachförderung soll ausgeweitet werden. Auf diesen Nenner bringt Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle das, was Regierungskoalition, Kultusministerium und Sozialministerium mit dem Bildungsfinanzierungsgesetz bezwecken wollen. Der Gesetzentwurf ist letzte Woche in erster Lesung im Plenum beraten worden, er wird in den Ausschüssen weiter beraten. Wie Spaenle betonte, soll das Förderprogramm für Deutsch auch deutschstämmigen Kindern offen stehen, bei denen Bedarf herrscht. Das soll im Verbund mit den Kommunen passieren. Der Minister betonte: „Wir wollen allen Schülerinnen und Schülern und deren Eltern, sofern sie das wünschen, eine flexible und individuelle ganztägige schulische Betreuung und Förderung ermöglichen”. Mit Blick auf die Chancengerechtigkeit meinte Minister Spaenle: „Mit schulischen Ganztagsangeboten können wir Schülerinnen und Schüler – unabhängig vom Elternhaus – zusätzlich fördern.” Dabei sei Bayern auch schon ein gutes Stück vorangekommen. Schon im Oktober hatten Haderthauer und Spaenle die neuen Bildungsleitlinien vorgestellt. Insofern könne die Institutionengrenze zwischen Hort und Schule überwunden werden:
Im Haushalt 2013 sind für offene und gebundene Ganztagsschulen an allen Schularten sowie die Mittagsbetreuung an Grund- und Förderschulen knapp 163 Millionen Euro sowie rund 2000 Lehrerstellen vorgesehen. Laut Spaenle können damit, wenn die Kommunen die entsprechenden Anträge stellen, zum Schuljahr 2013/2014 an 90 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen Ganztagsangebote einrichtet werden. Der Minister appellierte an die Kommunen, das Angebot zu nutzen:
Die vollständige Presseerklärung von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle im Wortlaut:
Eigentlich war das Pressegespräch am Freitag im Verbund mit dem Sozialministerium angekündigt worden, Haderthauer fehlte allerdings, sie war nach Aussage eines Sprechers des Kultusministeriums im Bundesrat unabkömmlich.
Die archäologische Landesausstellung Alexander der Große öffnet ihre Pforten für die Besucher. Auf rund 1500 m² werden Ausstellungsobjekte aus über 40 Museen und Sammlungen präsentiert. Selten, so die Kuratoren der Ausstellung, hat man so viel Platz wie im Lokschuppen Rosenheim.
Rund 2,3 Millionen Euro kostet die Ausstellung, die Betreiber kalkulieren mit 177.000 Besuchern. Eine stolze Zahl, die aber als realistisch anzusehen ist, die Ausstellungen im Lokschuppen haben bislang immer ihre Zahlen eingespielt. Ein besonderer Schwerpunkt ist im Lokschuppen Rosenheim auch das museumspädagogische Angebot, das neben sportlicher und kulinarischer Ausrichtung dieses Mal auch ganz besonders auf Schüler gerichtet ist. Wie Peter Miesbeck vom Lokschuppen erläutert, wurde die Ausstellung auch mit dem Lehrplan abgestimmt.
Alle Informationen zu Eintrittspreisen und Spezialangeboten gibt es auf der Website des Lokschuppen Rosenheim.
Auch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus befürwortet die Ausstellung. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle hat ein Grußwort verfasst. Ein Artikel des StMUK findet sich hier.
Wer vorab noch hören will, was es zu sehen gibt und wie die Ausstellung konzipiert wurde, kann hier in Ausschnitte aus der Pressekonferenz in München hineinhören.
Wie die Ausstellung noch vor vier Wochen aussah, habe ich in einer kleinen Slideshow festgehalten.
Einige Impressionen aus der Ausstellung, kurz vor Eröffnung:
Es war harter Tobak, den Ursula Walther, die Sprecherin des Elternverbandes Bayern, dem Vertreter des Kultusministeriums in die bildungspolitische Pfeife stopfte. Sein Minister habe erfolgreich Eltern in Bayern vermittelt, dass sie eine Mitsprache beim Übertritt ihres Kindes an eine andere Schule hätten. Doch dem sei nicht so:
Ein Vorwurf, den das Ministerium nicht unkommentiert stehen ließ. Der Sprecher erklärte im Anschluss an die Konferenz in einer Pressemitteilung: „Offensichtlich herrscht beim BEV Unkenntnis über die Bedingungen zum Übertritt. Das Ministerium hatte den Eltern 2009 eine erhöhte Verantwortung bei der Schulartwahl übertragen. Auf der Basis der Schulartempfehlung durch die Grundschullehrkräfte und – wo erforderlich – nach dem Probeunterricht mit mindestens einer “vier” in Deutsch und Mathematik treffen die Eltern die Letztentscheidung hinsichtlich der Schulwahl. Wer, wie die Vertreterin des BEV, heute die Meinung vertritt, dass eine Entscheidung der Eltern ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Schüler sinnvoll ist, der nimmt bewusst eine Gefährdung des Kindes bei seiner Schullaufbahn in Kauf.”
So geschehen heute bei der Vorstellung des Projektes „bildungsflash”. Und sonst? Die Geschäftsführerin von „Gesellschaft macht Schule”, Julia Pollert, machte in ihrer Eingangsrede die Bayerische Schule als pädagogische Notfallambulanz aus und zitierte damit einen Artikel der Süddeutschen Zeitung:
Zehn weitere Redner neben den zwei gehörten gaben knappe Positionen ab und mancher Gedanke ist gut und muss weiter gedacht werden. Auch der Punkt, den Landesschülersprecher Fabian Geyer anführte. Der Beruf des Pädagogen muss attraktiver werden und frühkindliche Bildung ist wichtig:
Die Forderungen der Initiative sind vielfach deckungsgleich mit den erklärten Zielen des Kultusministeriums. Der Dialog ist wichtig. Und auch die Forderung von Sascha Schneider (Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen), dass sich die inklusive Schule nicht am behinderten Kind, sondern an jedem einzelnen Kind auszurichten habe, verdient Beachtung. Die Beteiligten wollen mit ihrer Initiative dafür sorgen.
Beim Kollegen Benjamin Neudeck (Stadtneurotikr) findet sich ein ausführlicher Beitrag zu den weiteren Positionen.
Sicher, das Ministerium tut sich schwer, Stroh in Gold zu verwandeln. Die Forderung nach besserer Bildung erhebt heute auch schon jeder, es ist schon fast Volkssport geworden. Dass die Sachzwänge im Ministerium hoch sind, dass Bildungsbürokratie nicht einfach beweglich ist, ist kein Geheimnis. Bessere Bildung fordern viele, auch Lehrerverbände, deren Mitglieder Bildungsmittler sein sollen. Bezeichnend an der Veranstaltung im Presseclub war heute, dass der Präsident eines großen Lehrerverbandes die Grundschule als gut lobte.
Dieser Präsident, der noch vor Weihnachten dem Bildungssystem in Bayern attestierte, es fördere rechtsradikale Tendenzen. Der Präsident, der vor ein paar Wochen noch der Grundschule attestierte, sie erzeuge Druck, Kinder bekämen Angst und fühlten sich komplett überfordert. Und jetzt ist die Grundschule wieder gut?
Dass sich viele mit Bildung befasste Menschen vor den Karren spannen lassen, bleibt nicht aus. Bildung kann immer noch besser sein als der Status quo, den wir haben. Bildung ist in den letzten Jahren gewandelt worden. Bayern und seine Lehrer tun gut daran, den Bildungsstandard in Bayern hoch zu halten und dafür zu sorgen, dass neben manch berechtigten Forderungen der Initiatoren, Bildung das bleibt, was sie ist: Der Ausgangspunkt für lebenslanges Weiterlernen.
Ob das mit (plattem) Draufhauen gelingt, darf bezweifelt werden.
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle hat in München das Modell der Eigenverantwortlichen Schule vorgestellt. Damit soll die Entscheidungs- und Handlungskompetenz vor Ort gestärkt werden. Das diene aber nicht dem Selbstzweck, betonte Spaenle, sondern habe ein ganz klares Ziel:
Die Kooperation zwischen Kultusministerium, Bayerischem Landes-Sportverband und der Krankenkasse Barmer-GEK wird beim Sportabzeichen fortgesetzt. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, der BLSV-Präsident Günter Lommer und der Landesgeschäftsführer der Barmer-GEK, Gerhard Potuschek, unterzeichneten einen weiteren Vertrag. Rund 2 Millionen Schülerinnen und Schüler haben seit 1990 das Sportabzeichen erworben. Einziger Wertmutstropfen, der am Rande deutlich wurde: Das Bayerische Sportabzeichen geht im Deutschen Sportabzeichen auf. Dem Umstand, dass viele Schulen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten können, ist geschuldet, dass das Schwimmen nicht mehr als Wettbewerbsdisziplin gilt, sondern nur noch der Nachweis erbracht werden muss.
Dennoch ermuntert Kultusminister Spaenle die bayerischen Schülerinnen und Schüler, das Sportabzeichen zu erwerben und immer wieder zu erneuern: “Hier steht nicht die einzelne Disziplin im Vordergrund, sondern die Vielseitigkeit und auch der Teamgeist in den Klassen.”
Die Barmer-GEK unterstützt übrigens jedes abgelegte Sportabzeichen mit 50 Cent, die den Schulen zur Ausstattung ihrer Sportgeräte überwiesen werden.
Zum 100-jährigen Jubiläum des Deutschen Sportabzeichens wurden die Anforderungen unter wissenschaftlicher Begleitung umfassend überarbeitet. Um das Sportabzeichen zu erhalten, absolvieren die Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination je eine Disziplin. Hierbei können sie sich zwischen verschiedenen Disziplinen aus den Sportarten Leichtathletik, Gerätturnen, Schwimmen und Radfahren entscheiden: beispielsweise vom Radfahren (Ausdauer) über den Standweitsprung (Kraft) bis hin zum Sprint (Schnelligkeit) und Turnen am Reck, Boden, Schwebebalken oder an den Ringen (Koordination). Je nach Leistung kann dem Schüler anschließend das Abzeichen in Bronze, Silber oder Gold verliehen werden.
(Audio-Beitrag mit Originaltönen folgt.)
Der FDP-Fraktionschef Thomas Hacker hat im Landtag die Bilanz der Fraktion vorgestellt, bevor nächste Woche das Wahlprogramm für die Landtagswahl und der Spitzenkandidat aufgestellt werden. Ein vor Kraft strotzender und selbstbewusster Thomas Hacker präsentierte eine Bilanz, die den Schluss nahelegt, dass Bayern ohne die FDP schon lange untergegangen sei.
Das Pressestatement von Thomas Hacker findet sich zum Nachhören am Ende des Artikels.
Schon gestern abend hatte die FDP separat ihre Ansichten zum Digitalen Lernen vorgestellt, das meiste aus diesem Thesenpapier ist in Bayern verwirklicht, große neue Erkenntnisse brachte der Abend nicht. Dafür betonte Thomas Hacker heute, gerechte Bildungsinvestitionen seien das Verdienst der FDP. Dabei grenzt sich die FDP von der SPD ab, die Liberalen stehen für das mehrgliedrige Schulsystem:
Für die FDP ist es auch ihr Verdienst, Schule und Wirtschaft zusammengebracht zu haben und für den Ausbau der Krippenplätze Sorge getragen zu haben.
Die FDP steht auch dafür, dass die gemeinsame Grundschulzeit auf 6 Jahre ausgedehnt wird. Sie hält weiter daran fest, dass es als zusätzliches Angebot einen Wirtschaftsschulzweig geben soll. Ein Modellversuch läuft gerade:
Nach Vorstellung von Thomas Hacker wird es noch viele Legislaturperioden mit der FDP auf der Regierungsbank geben. Der Wähler habe von der Alleinregierung der CSU genug. Die FDP sei die treibende Kraft in Bayern gewesen. Eine Haltung, die CSU-Fraktionschef Georg Schmid per Pressemitteilung mit dem Satz kommentierte: „Bayern wurde nicht erst im Jahre 2008 erfunden.” Die größere Regierungspartei will bis zum letzten Tag weiterarbeiten.
Hier gibt es das ganze Statement von Thomas Hacker:
…nur offensichtlich merkt es kaum einer und es wird auch nicht gezielt danach gesucht. Auf diese einfache Formel lässt sich das Ergebnis einer Pressekonferenz bringen, die am Montag Ulrike Gote, MdL B90/Grüne, und Dr. Petra Barchfeld von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München abhielten.
Was jetzt „flapsig” formuliert daherkommen mag, ist an den Zahlen, die das Kultusministerium auf Anfrage von Gote lieferte, nachzuvollziehen. In jedem Regierungsbezirk in Bayern gibt es ein Gymnasium, dass sich speziell für die Förderung Hochbegabter einsetzt und dafür konzipiert ist. In München gibt es derer zwei. An sieben dieser 8 Gymnasium ist bei Betrachtung der Zahlen auffällig, dass fast doppelt so viele Jungen wie Mädchen gefördert werden. (473 Jungen, 237 Mädchen). Einzige Ausnahme: Das Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting. Dort sind sowohl 63 Mädchen als auch 63 Jungen, die Hochbegabtenförderung bekommen.
Derzeit schaut bei der Förderung der Schüler alles ans andere Ende, dahin, wo die stehen, die Förderung brauchen, damit sie im Lernstoff mitkommen, Defizite ausgeglichen werden und ein Abschluss ermöglicht wird. An das obere Ende, da wo die Hochbegabten sind, schaut hingegen kaum jemand.
Ulrike Gote erklärt, wie die Hochbegabtenförderung in Bayern aussieht:
Bleibt zunächst einmal die Frage, warum mehr Jungen als Mädchen gefördert werden. Aus ihrer Forschungs- und Beratungstätigkeit an der LMU München weiß Petra Barchfeld, dass die Intelligenz gendergerecht verteilt wurde. Zwischen 20 und 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind hochbegabt, der IQ-Mittelwert liegt mit 120 beziehungsweise 119 Zählern bei Mädchen und Jungen gleich hoch. Das Problem ist laut Barchfeld nicht, dass die Kinder hochbegabt sind, sondern, dass sie sich langweilen. Während Jungen dann eher auffällig werden, mit dem Nachbarn quatschen, den Unterricht stören oder gar offensiv ihre Langeweile kundtun und den Lehrer vielleicht auffordern, er solle was dagegen machen, sind Mädchen anders:
Barchfelder betont auch, dass hochbegabte Kinder genauso wenig aggressiv, depressiv oder allgemein verhaltensauffällig sind wie andere Kinder. Diese Untersuchungspunkte können also nicht der Hinweis auf eine Hochbegabung sein:
Ihre Kritik am derzeitigen System der Hochbegabtenförderung fasst Ulrike Gote so zusammen: „Hochbegabte Jungen oder Jungen, die mit dem wenig „jungengerechten“ Schulsystem nicht zurecht kommen, fallen häufiger als Mädchen durch Verhaltensauffälligkeiten auf. Hochbegabte Mädchen scheinen auch im bestehenden System ganz gut zurecht zu kommen. Sie sind vielmehr häufig eine gern gesehene Stütze im Klassenverband. Bei den Jungen ist der Handlungsdruck groß, weil sie stören oder keinen Lernerfolg zeigen. Bei Mädchen hingegen wird nur selten eine zusätzliche Förderung von den Lehrpersonen empfohlen bzw. von den Eltern nachgefragt.
Ein grundlegender Fehler beim Modell der Hochbegabtenklassen liegt darin, dass keine gezielte Begabungssuche erfolgt. Zudem wird die Auswahl der hochbegabten Kinder nicht evaluiert. Es bleibt den Gymnasien überlassen, bei den Grundschulen und in der Öffentlichkeit für ihr Modell zu werben. Hierfür gibt es keine Unterstützung seitens des Kultusministeriums bzw. keine Personal- oder Sachressourcen in den einzelnen Bezirken.”
Bleibt die Frage, ob das LMU-Institut von Barchfelder genügend bekannt ist:
Diese Kritik will das Kultusministerium so nicht ganz stehen lassen. Die Lehrer kennen das Institut, gerade Mädchen und ihre Eltern würden nicht allein gelassen. Die Grundschullehrer seien sensibilisiert für die Thematik, Beratungslehrer, Schulpsychologen und Schulberatungsstellen helfen.
Bildung ist mit das Thema, das die Gesellschaft bewegt. Wohl auch aus diesem Grunde hat die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag einen Bildungskongress veranstaltet. Die Artikelüberschrift ist ein Zitat von Schulleiterin Claudia Langer. Es fiel im Wortwechsel mit Martin Güll (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Jugend und Sport im Landtag. Und er erscheint mir treffend für die Diskussion um Unterricht und Schule. Hier der Ausschnitt im Kontext:
Soviel vorab: Es war gut, dass die SPD diesen Kongress veranstaltet hat. Viele Formulierungen auf viel Papier bleiben Formulierungen und Phrasen. Hier wurden Inhalte vermittelt. Und in den Foren und Vorträgen wurden Visionen vermittelt. Visionen, die es braucht, damit Bildung attraktiv und der Wunsch der zu Bildenden nach Bildung geweckt wird. Nicht alles wird sich umsetzen lassen, von einer SPD ohne Regierungsbeteiligung in Bayern schon gar nicht. Aber gedacht werden darf es. Noch mehr: Es muss gedacht werden. Der Kongress zeigte: Die SPD ist ernsthaft daran interessiert, der Bildung und der Schule wenn nicht ganz andere Anstriche, so doch neue Nuancen zu geben. Allein der Gedanke, dass ein Schulhaus als pädagogisches Element wirken kann, ist bestechend. Ich habe diesen Vortrag von Karin Doberer (Planungsgesellschaft LernLandSchaft) besucht, in dem sie aufzeigte, dass Neu- oder Umbauten von Schulhäusern mit gleichem oder nur wenig mehr Aufwand pädagogisch orientiert gestaltet werden können. Mehr zu diesen Foren-Vorträgen findet sich auf dieser Website.
Die Vorträge und Visionen sind das eine. Das andere ist: Wie sieht es in der Praxis aus und was wollen Politiker, was wünschen sich Pädagogen? Dazu trafen sich auf dem Podium im Ludwig-Thoma-Haus Martin Güll, Reto Ammann, Christian Ude und Claudia Langer. Moderiert hat die aus dem Radio bekannte Susanne Rohrer.
Die Diskussion dauerte samt Publikumsfragen eine Stunde und sieben Minuten.
Bewusst enthalte ich mich jeglicher Wertung*.
Das Audio-File können Sie herunterladen (rechte Maustaste/”Speichern unter”):
als mp3 (ca. 80 MB)
als ogg-vorbis-Datei (ca 50 MB).
Investieren Sie diese Stunde des Zuhörens, es lohnt sich.
________
*Disclaimer: Ich bin Mitglied im netzpolitischen Arbeitskreis der CSU und Pressereferent (Lehrer) der Katholischen Erziehergemeinschaft Bayern. Ungeachtet dieser Verbindungen sehe ich mich in der Verpflichtung, so neutral wie möglich zu berichten.
Ich danke der SPD, dass ich die Diskussion mitschneiden durfte und publizieren darf.
Die Schulwelt verändert sich. Seit heute sogar noch ein Stückchen mehr. Denn „mebis” ist gestartet. „Mebis” ist eine Plattform, auf der Lehrer und Schüler sich einloggen können. Hier finden sie Medien, die den Unterricht bereichern können und gleichzeitig in ansprechender Form das digitale Lernen unterstützen.
Das St.-Anna-Gymnasium in Augsburg ist eine Modellschule. Modellschule insoweit, als dass dort alle Schüler über einen Internetzugang zu Hause verfügen. Und: das alle Lehrer sich einbringen in das Projekt Digitales Lernen. Jeder mit seinen Fähigkeiten. Denn, so Schulleiter Peter Schwertschlager:
„mebis” zeichnet sich durch mehrere Aspekte aus. Erst einmal ist es unerheblich, mit welchem Betriebssystem sich Schüler und Lehrer einloggen. Da das System webbasiert arbeitet, sind kaum Zugangsbeschränkungen vorhanden. Egal ob mit Tablet, Netbook, PC, ob mit Windows, Linux oder Apple-Betriebssystem: „mebis” ist verfügbar. Kultusstaatssekretär Bernd Sibler ist es wichtig, dass Rechtssicherheit besteht. Alle Filme, Unterlagen und Videos beachten das geltende Urheberrecht. Wichtig ist für Sibler in dieser Pilotphase, dass Lehrer online in „mebis” Rückmeldungen über Qualität und Nutzen der digitalen Inhalte abgeben können:
Das St.-Anna-Gymnasium lässt derzeit auf eigene Kosten die Pulte für den digitalen Unterricht bauen. Neben einem Tablet ist eingebaut ein Verstärker, CD/DVD-Player und als Transportmittel für visuelle Inhalte eine Datenkamera. Auf das Whiteboard will Schwertberge bewusst verzichten. Denn das würde seiner Meinung nach einen Rückschritt bedeuten. Hier würde der Lehrer wieder wie an der klassischen grünen Tafel mit dem Rücken zu den Schülern unterrichten. Herzstück ist die Datenkamera, die das Tablet, aber auch das klassische Schulheft zur Leinwand hin abbildet:
Für Schwertschlager ist entscheidend, dass digitales Lernen da eingesetzt wird, wo Lehrer und Schüler sich in der Lage dazu sehen. Der Schulleiter aus Augsburg geht sogar noch einen Schritt weiter. Dass er beim Projekt „mebis” mitmacht, ist dem Umstand geschuldet, dass das System offen ist. Offen, weil es kein bestimmtes Produkt und keine bestimmte Software braucht, um einzusteigen. Im Gegenteil, so Schwertberger, an seiner Schule würden Arbeiten mit Open Office, einer freien „Büro”-Software erstellt. So seien Texte und Präsentationen, die die Schüler anfertigten, auf allen Systemen zu verarbeiten. Und wieder einmal stellt die Kamera die Schnittstelle dar: Sie verbindet alte und neue Medien und hilft, von bekannten Unterrichtsformen zu neuen Formen des Lernens zu gelangen.
Für Schwertberger ist „mebis” ein Gewinn. Alle Inhalte sind zertifiziert, alles ist innerhalb einer anbieterunabhängigen Cloud gespeichert, man liefert sich keinem Hersteller von Soft- oder Hardware aus. Den Unterschied bisheriger digitaler Lernversuche zu „mebis” sieht er im fächerübergreifenden und begleitenden Ansatz.
Wenn dieses Modell Schule macht und auch die Schulbuchverlage mitziehen, dann wird tatsächlich einmal der Traum vieler Schülerrücken Wirklichkeit: Keine Schulbücher mehr, die schwer im Schulranzen liegen, keine vergessenen Bücher und Arbeitsunterlagen mehr. Sondern alles (fast) überall reproduzier- und abrufbar. Insofern ist „mebis” ein engagiertes Projekt. Wissenschaftlich begleitet wird es von der Ludwig-Maximilian-Universität in München, die bis April die Rückmeldungen sammeln und bearbeiten will und so zum nächsten Schuljahr notwendige Änderungen, aus den Erkenntnissen der Praxis gewonnen, in das System einbringen will. Derzeit haben 90 Schulen in Bayern den Zugriff auf rund 64.000 Filme, interaktive Karten und Simulationen. Der Umfang wird kontinuierlich erweitert.
Rund 300 Schüler besuchen die Grund- und Mittelschule am Winthirplatz. Gut 260 davon haben das, was man Migrationshintergrund nennt. Sie kommen aus 40 verschiedenen Nationen. Und: sie sehen, wie ihre Lehrer, diese Vielfalt als Bereicherung an.
Bayern hat einen Integrationsbeauftragten. Das ist Martin Neumeyer, MdL. Zusammen mit Kultusstaatssekretär Bernd Sibler besuchte er diese Schule zum Integrationstag. Mit dabei war Hassan Ali Djan. Mit 12 Jahren trat er seine Flucht an. Auf abenteuerlichen Wegen kam er schließlich in Deutschland an. Einen Teil des Fluchtweges legte er versteckt im Reservereifen eines Lastkraftwagen zurück. Hassan erzählte anschaulich seinen Weg. Die Mühen, Deutsch zu lernen, ja, sogar Schreiben und Mathematik. Er war Analphabet. Aber er hatte den Willen, was aus seinem Leben zu machen. Noch in der Flüchtlingsunterkunft bemühte er sich, einen Deutschkurs zu bekommen. Und er wollte Lesen und Schreiben lernen. Kein leichtes Unterfangen. Mit 16 ist man nicht mehr schulpflichtig. Von daher musste sich Hassan sehr bemühen. Aber es hat sich gelohnt. Er machte in gut drei Jahren seine Mittlere Reife (Schnitt: 2,0) und freut sich, dass er nächstes Jahr seine Lehre als Energieanlagen-Elektroniker abschliessen wird.
Vielleicht ist das, was Hassan Ali Djan immer und immer wieder betonte, das Entscheidende: Der Wille, zu lernen. Die Schüler am Winthirplatz, Bernd Sibler und Martin Neumeyer lauschten jedenfalls gespannt. Mag sein, dass das, was Hassan den Schülern mitgeben wollte, auch in den Köpfen und Herzen der Kinder ankam:
Noch ein paar Statements: Der Schulleiter Thomas Hens fing vor Jahren an der Schule mit einem Kulturprojekt an:
Kultusstaatssekretär Bernd Sibler zeigte sich von der Flucht und Motivation Ali Djans beeindruckt:
Und der Integrationsbeauftrage Martin Neumeyer sah das Bemerkenswerte:
Wichtig ist aber der Satz von Hassan Ali Djan. Deswegen nochmal:
„Ihr müsst diese Chance nutzen, denn Bildung ist ein Privileg. Das solltet Ihr auch ausnutzen.”
Christan Ude, Münchner Oberbürgermeister und SPD-Kandidat für das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten, sieht die bayerische Regierung ausgebrannt und inhaltlich am Ende. Das war der Tenor einer Pressekonferenz am Freitag, in der es um die Studiengebühren ging. Er will aber keine Neuwahlen beschleunigen. Vielleicht auch deshalb, weil es ihm klar ist, dass er es nicht kann. An diesem Samstag also sollte sich das Schicksal der Bayerischen Staatsregierung entscheiden.
Der Piraten-Chef in Bayern, Stefan ‘Sekor’ Körner, twitterte:
Gibt es eigentlich die bayerische Landesregierung noch? #Studiengebühren
— Stefan Körner (@sekor) November 10, 2012
Eigentlich müsste es ja Staatsregierung heißen. Aber das nur am Rande. Die aktuellen Ereignisse der letzten Tage sind für Christian Ude spürbarer Rückenwind für einen Machtwechsel in Bayern. Dies betonte der designierte Ministerpräsidentenkandidat der SPD am Rande einer Pressekonferenz zur Bildungspolitik.
Mit höchst vergnügtem Gesichtsausdruck kommentierte Ude das „Kasperltheater”, das die bayerische Regierungskoalition derzeit aufführe:
Eine Abschaffung der Studiengebühren ist laut Ude nur der erste Schritt. Im zweiten Schritt soll die berufliche Weiterbildung entlastet werden. Sprich: Der Freistaat würde unter sozialdemokratischer Führung die Gebühren für die Fachschulen abschaffen. Dazu hat sich Ude der (naheliegenden) Gefolgschaft des Münchner Bildungsreferenten versichert. Und dann sollen Meister auch entlastet werden, das, was der Freistaat erstatten kann, ohne den Bund (derzeit CDU/CSU/FDP-regiert) zu entlasten, soll abgeschafft werden.
Insgesamt geht es um nur schlappe 33 Millionen Euro, die der Staat den Universitäten, Schulen und z.B. den Meistern erstatten soll. Das ist ein gehöriger Batzen Geld. Und die SPD kann sicher überzeugen, wenn dafür ein Finanzierungskonzept vorgelegt wird.
So, wie es aussieht, wird es wohl auf einen Volksentscheid hinauslaufen. (Stand 20:30 Uhr)
Sebastian Kraft vom BR twitterte dazu:
Koalitionskreise: #fdp hat sich bei #Studiengebühren durchgesetzt, es kommt wohl zum #Volksbegehren - evtl. gegen 20.30h Pressestatement
— Sebastian Kraft (@BR_skraft) November 10, 2012
In Bayern herrscht Wahlkampf. Das war bei einer Veranstaltung der CSU München-Harlaching und dem Bund der Selbständigen (BdS) zu spüren. In der Menterschwaige sprach Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle zur bayerischen Bildungspolitik. Durchaus mit Witz verteidigte Spaenle das bayerische Gymnasium. Hier muss man wissen, dass Spaenle den Ausdruck „G8” konsequent vermeidet. Für ihn ist das „das bayerische Gymnasium”. In seiner freien Rede arbeitete er die Punkte ab, die jede seiner Reden zum Thema enthält. Ein Beispiel findet sich hier.
Aktuell wurde der Vortrag des Kultusministers durch die Bildungsstudie von Bertelsmann. Die bescheinigt Bayern mehr Schulaufsteiger als -absteiger, legt aber auch den Finger in die Wunde des schleppenden Ganztagsangebotes. Was Spaenle nicht müde wurde zu betonen, ist das Erlernen der vier Kulturtechniken. Ja, richtig. Vier Kulturtechniken. Für ihn gehört neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch der Umgang mit den Digitalen Medien dazu. In der Diskussion wurde es lebhaft, als die eine Seite anprangerte, dass das Gymnasium mittlerweile zu wirtschafts-orientiert ausgeprägt sei, was die Seite des Bundes der Selbständigen natürlich zurückwies: Die Schule und nachfolgend auch die Hochschule müssten sich noch viel mehr am Bedarf der Wirtschaft ausrichten. Nach Ansicht des BdS könne da der Wettbewerb unter den Schulen helfen. Ein Vorschlag, der so gar nicht den Gefallen des Ministers fand. Mit der vergleichsweisen Ruhe im Schulbetrieb wäre es dann vermutlich dahin, so Spaenle. Unüberhörbar ist aber vor allem ein Kritikpunkt: Das G8, also Spaenles „bayerisches Gymnasium”, stellt Eltern vor ein gewaltiges Problem: Wie sollen sie noch ihren Kindern helfen?
Ein Punkt, der auch Ludwig Spaenle etwas stumm erscheinen ließ. Das wird zum Ende des folgenden Audio-Beitrages deutlich.
Und weil Wahlkampf ist, durfte auch ein kleiner Seitenhieb auf Christian Ude und die SPD nicht fehlen. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle im O-Ton, acht Minuten. Vom Grundschulabitur, das er 1967 ablegte, über sein Selbstbildnis als Mutter aller Lehrerverbände bis hin zur familieninternen Nachhilfe im Hause Spaenle, die er mit der Familie bespricht:
Jedes Jahr im November bekommt Kira Besuch von Hanna. Kira ist keine Geringere als die Kirchen-Elster, die das Angebot der evangelischen Kirche für Kinder begleitet.
Und Hanna ist ein kleines Mächen, das im Berlin der 30er Jahre lebt. Hanna ist Jüdin. Sie erlebt als Kind das Grauen, dass die Nationalsozialisten anrichten. Irgendwann darf Hanna nicht mehr zur Schule gehen. Und dann verschwindet sie auf einmal:
Wie die Geschichte ausgeht, soll hier nicht verraten werden. ;)
Aber die Lehre.
Und die lautet: Nie die Hoffnung aufgeben.
Die Geschichte von Hanna findet sich auf dem Portal Kirche entdecken.
Am Donnerstag präsentierte sich das Wertebündnis im Bayerischen Landtag. 99 Organisationen, Verbände und Institutionen haben sich bis dato zu diesem Projekt zusammengeschlossen. Auch die Katholische Erziehergemeinschaft Bayern (KEG) engagiert sich im Wertebündnis. Hier können Sie nachlesen und -hören, wie im Schullandheim Riedenburg Werte vermittelt werden sollen. Landtagspräsidentin Barbara Stamm begrüßte alle Beteiligten und machte deutlich, dass trotz mancher gegensätzlichen Ansichten alle in einem geeint seien: den Jugendlichen Werte zu vermitteln:
Zu diesen Werten gehört auch gesundes Essen. Diesem hat sich die Aktion „So schmeckt Bayern” verschrieben. Die jungen Köche zeigten beim Mittagsbuffet auch, wie einheimische Kost schmeckt. Statt Weißbrot oder Kanapees gab es Schnittchen auf Graubrot, Fleischpflanzerl und Kartoffelsalat. Die KEG befürwortet die Teilnahme von „So schmeckt Kochen” am Wertebündnis. Die Vorsitzende Ursula Lay wies darauf hin, dass das Kochen im Lehrplan der Mittelschule verankert sei und deswegen eine Kooperation sinnvoll sei.
Barbara Stamm machte in ihrer Rede noch eines deutlich: Das Wertebündnis sei ein Ort, an dem Inklusion gelebt werde:
Am Nachmittag stellten einige Gruppen ihr Engagement im Wertebündnis vor. Dabei war auch die Jugendfeuerwehr Riedenburg, die sich im Schullandheim einbringt, um Jugendlichen auch ganz praktisch die Arbeit der Feuerwehr, die Ausrüstung und den Umgang mit den Geräten. Der Tag wurde von Kinderreportern des Bayerischen Rundfunks begleitet, die mit Hilfe von Geli Schmaus und ihren KollegInnen Beiträge erstellten. Eine Übersicht finden Sie hier. Und auch Barbara Stamm fand die Kinder ganz gewitzt, wie sie erzählte:
Die komplette Rede von Landtagspräsidentin Barbara Stamm können Sie herunterladen: Klicken sie hier für die mp3-Version (15 MB), die ogg-Vorbis-Version (9 MB) finden Sie hier.