Fährst Du noch oder sharst Du schon?

Früher war alles einfacher: Man hatte ein Auto, der Sprit war billig, öffentliche Verkehrsmittel waren das Statussymbol von Schulkindern oder weniger Begüterten. Wer freiwillig auf das Auto verzichtete, wurde scheel angeguckt.
Angesichts knapper Ölreserven und fehlendem Platz in Städten, um ein Auto zu parken, ist das Auto heute nicht mehr das erste Mittel der Wahl.
Deswegen gibt es Überlegungen, wie man öffentliche und individuelle Mobilität miteinander kombinieren kann. Wie kann das aussehen, wenn Münchner nach Garmisch fahren möchte? Muss er das Auto nehmen oder kommt er als Bahnreisender beispielsweise auch über Garmisch hinaus und tiefer ins Oberland?

Karl Heinz Keil, Markus Schildhauer, Martin Keil, Prof. Klaus Bogenberger, Gunnar Heipp (v.l.n.r.)

Dieser Frage ging letzte Woche das 10. Verkehrspodium der Hanns-Seidel-Stiftung nach. Martin Keil von BMW, Gunnar Heipp von der MVG, Markus Schildhauer vom ADFC, Professor Klaus Bogenberger von der Bundeswehr-Uni und Dr. Christoph Ebert von eGAP diskutierten unter der Leitung von Karl Heinz Keil (HSS).
Die Frage: Wie sieht die urbane Mobilität der Zukunft aus?

Rund 90 Besucher waren auf alle erdenklichen Arten, zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto, den Öffentlichen gekommen, um sich in einer exzellenten Veranstaltung zu informieren.
Vorweg: Auch Automobilkonzerne haben erkannt, dass Benzinschleudern nicht mehr zeitgemäß sind und entwickeln schon seit geraumer Zeit erfolgreich Autos mit Hybrid- oder Elektroantrieb.
Mehr noch: BMW als Beispiel investiert auch in Apps, also Applikationen für Mobilgeräte, die Vernetzung ermöglichen sollen. Der Gedanke ist reizvoll, kein eigenes Auto mehr zu haben und unterhalten, sondern am Endpunkt der Reise vom Zug auf das Leihauto umsteigen kann. Auch die Bahn bietet diesen Service bereits an. Bei BMW ist zumindest soviel klar, dass der Konzern die Autos maximal ein halbes Jahr im Leihpool lässt, dann werden sie ausgetauscht.

Rund 90 Besucher interessierten sich für das Thema und diskutierten mit.

Martin Keil meinte dazu auf Nachfragen aus dem Publikum, dass das mit eine Garantie dafür sei, dass der Kunde gewartete Fahrzeuge übernehmen könne.
Eine andere Fortbewegungsart empfiehlt Markus Schildhauer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Zusammen mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bietet man ein Klappfahrrad an, das zusammengefaltet nicht größer als ein Reisetrolley ist und so praktisch beim Umstieg in den Zug oder die S-Bahn mitgenommen werden kann.
Seine Kernaussage: Es braucht nicht mal ein eigenes Fahrrad, man wird sich bald auch Lastenfahrräder für den Einkauf ausleihen können.

Einen umfassenderen Ansatz will die Modellregion eGAP gehen. „Wie machen wir das“, fragte Dr. Christoph Ebert das Publikum, „wenn sich jemand in ländlicher Region ein Auto leihen will und wie kriegen wir das wieder an den Verleihpunkt zurück?“
Diese Fragen sollen in Forschungsprojekten wie eGAP geklärt werden. Die Modellregion Garmisch-Partenkirchen wurde mit Bedacht gewählt. Einerseits ländliche Struktur, gebirgige Region und andererseits touristisch attraktiv.
Ebert erläuterte, dass es darum geht, bestehende Verkehrsangebote wie Bus und Bahn im Konzept zu verknüpfen:

Zweieinhalb Jahre wird nun dieses Konzept, unter anderem mit Elektro-Fahrrädern und -Autos ausprobiert.

Bleibt zu hoffen, dass auch die Deutsche Bahn eine solche Universalfahrkarte auf die Reihe kriegt. Bei allen anderen Beteiligten besteht die Sicherheit, dass sie ihren Teil zum Gelingen beitragen werden.

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In der Kategorie Bericht, Hanns Seidel Stiftung, Reise, Service am 18.07.12 um 16:41 Uhr veröffentlicht.
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