Ein Kommentar.
Zitat aus einer Pressemitteilung des Kultusministeriums von heute, 22.08.2012:
„5. Die Grundlage für die Lehrerversorgung stellt nicht die Schülerprognose 2011 dar, sondern die fortgeschriebene Prognose von 2012 und die Erhebung zu den realen Schülerzahlen vom Juli 2012. Diese ergab: Es besuchen mehr als 4.000 Schülerinnen und Schüler mehr, als die Prognose 2012 vorgesehen hatte, die Mittelschule. Das Kultusministerium stellt in Absprache mit den Regierungen die notwendigen Stellen zur Verfügung.
6. Entscheidend ist das entsprechend konsequente Handeln. Das Kultusministerium hatte frühzeitig auf die Steigerung der Schülerzahlen an den Mittelschulen im Vergleich zur Prognose 2012 hingewiesen und vorausschauend Maßnahmen ergriffen. Entsprechend wurden und werden zusätzliche Ressourcen für das Schuljahr 2012/2013 bereitgestellt. Diese werden im Zuge der Klassenbildung über die Regierungen und Schulämter an die Schulen zugewiesen. So wird die Unterrichtsversorgung verlässlich sichergestellt.”
Die Steigerung der Schülerzahlen an der Mittelschule kam überraschend im Ministerium an.
Worin liegt der Grund? In der Presse ist vermutet worden, dass sich das Ministerium grob verrechnet habe. Dieses Eindrucks vermag man sich nicht erwehren. Wie anders ist es zu erklären, dass es noch zu Beginn der Sommerferien eine Krisensitzung im Ministerium gab?
Frage: Wie konnte sich dieses „frühzeitig” sich bis zum Beginn der Sommerferien verzögern?
Frage 2: Warum weist das Kultusministerium auf höhere Schülerzahlen hin? Den Hinweis hätte man sich sparen können und stattdessen wirklich frühzeitig Lehrkräfte einstellen können. Denn das machen ja nicht die Schulen, die für einen Hinweis dankbar sein könnten, sondern das Ministerium.
Die zukünftigen Lehrer wären dankbar gewesen, rechtzeitig und ohne Stress eine Wohnung am Einsatzort finden können.
Die derzeitige Politik, die das Kultusministerium betreibt, darf zu Recht als „fahrlässig” beschrieben werden.
Trotz modernster Technik verzögert sich die Bekanntgabe der Staatsnote seit Jahren immer weiter Richtung Sommerferien. Die Prüfungen der Referendare und Lehramtsanwärter sind zu Pfingsten, mit moderner IT sollte es möglich sein, zwei Wochen später das Ergebnis aufbereitet zu haben und spätestens Ende Juni die Staatsnote bekannt zu geben.
Welchem Umstand ist es geschuldet, dass das nicht passiert? Sparzwänge der Staatsregierung, die andererseits Bildung als wichtigstes Gut bezeichnet? Oder Schlamperei und Unfähigkeit bei den Bezirksregierungen und im Ministerium?
Und: Welche Maßnahmen hat denn das Ministerium, wie in Punkt 6 behauptet, eigentlich ergriffen?
Faktum ist, dass Teile der Mobilen Reserve aufgelöst werden, um nächstes Jahr Regelunterricht leisten zu können. Die verspätete Bekanntgabe der Staatsnote hat zur Folge, dass junge Lehrer schnellstens umziehen müssen – oder eine Stelle ablehnen müssen, weil sie sich außerstande sehen, diese anzutreten. Das kann ein Junglehrer vielleicht einmal machen, danach wird er sicher nicht mehr ohne weiteres Zutun in den Staatsdienst genommen. Die Sommerferien, die per definitionem auch die Urlaubszeit für Lehrer sind (die restlichen Ferien sind unterrichtsfrei, man kann zu Arbeiten in die Schule kommandiert werden…), werden zerstört.
So geht der Dienstherr also mit seinen Untergebenen um.
Dass Spaenles Lieblingskind das verkorkste G8 ist, bezweifelt niemand mehr. Da nimmt es auch nicht Wunder, dass aus politischem Kalkül (das Projekt G8 darf nicht scheitern) Wiederholungsklassen an Gymnasien eingerichtet werden.
Dafür lässt man den „gesunden Mittelbau” dann einfach absterben und, Verzeihung, darben beziehungsweise verrecken.
Achso, so neu ist das gar nicht. Stimmt, in der Wirtschaft läuft es ja genauso: Der Mittelstand trägt dieses Land, entlastet werden Großkonzerne.
Gegenüber Schülern und Lehrern gleichermaßen ist diese Politik höchst fahrlässig.
Oder aber: Stroh aus dem Ministerium kann nicht in Gold verwandelt werden. Für solche Vorhaben sind Märchen zuständig.
Notabene: Dieser Artikel gibt meine persönliche Meinung wieder. Er muss nicht mit der der KEG übereinstimmen, für die ich als Pressereferent tätig bin.