Wie muss sich Lokalradio in der Prime-Time positionieren? Dieser Frage ging eine Veranstaltung in der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) nach. Eines wurde bei der Vorstellung der 114 (!) Seiten starken Studie der ifak klar: 42 ist nicht die Antwort auf alle Fragen.
Über 3.000 Interviews hat das Meinungsforschungsinstitut durchgeführt und daraus eine Studie präsentiert, welche Themen dem Hörer von Lokalradios wichtig sind und was für Anforderungen an den Moderator gestellt werden.
Wichtigster Punkt ist immer noch die Musik: 90 Prozent der Hörer entscheiden daran, ob sie bei einem Sender bleiben oder nicht.
Weitere wichtige Merkmale: Lokale/regionale Nachrichten (75%), Wetter (73%), (Inter-)nationale Nachrichten (70%) und Verkehrsmeldungen (62%). Blitzermeldungen sind nur für 46% der Hörer ein Einschaltkriterium.
Abschaltgründe sind laut ifak Comedy zu 24 Prozent, Gewinnspiele in der Prime-Time (10%) und Hörerbeteiligung (ebenfalls 10%). Besonders die Comedy, eines der Elemente, das ich bei Gesprächen über Radio als immer entscheidend erlebe (Antenne Bayern! – Landesweiter Sender!) überraschte mich.
Festzuhalten bleibt: Hauptumschaltfaktoren sind die Musik, die übertriebene Werbung (Sponspring von Wetter, Verkehr etc.) und – der Empfang des Lokalsenders.
Hauptanforderung an den Moderator einer Morgensendung: Der Moderator einer Morgensendung soll journalistische Kompetenz haben und gut gelaunt (nicht übertrieben!) sein. Dem Punkt ‘journalistische Kompetenz’ widersprach die Programmdirektorin von Antenne Bayern, Valerie Weber, übrigens heftig. Sie sah lieber, dass der Morninghost authentisch sein soll. Ein Punkt, dem ich mich als Konsument von (öffentlich-rechtlichen) Morgensendungen gerne anschließe.
Die ideale Nachrichtensendung im Lokalradio soll übrigens so aussehen:
Schlagzeile und kurze Meldung vom Nachrichtensprecher. Nur zu 25% sind Korrespondentenberichte gewünscht, Original-Töne von Politiker und Hörer in den Nachrichten liegen um die 10 Prozent.
Die bekannte Hörfunkerin Inge Seibel gab mir eine sehr treffende Einschätzung der Studie:
Den Link zum Artikel von Inge Seibel reiche ich nach Veröffentlichung gerne nach.
Übrigens: Am Sport, so fand die Studie heraus, scheiden sich die Geister. Frauen mögen ihn weniger und lokal von Bedeutung ist er weniger. die breite Masse interessiert das große Fußball-Geschehen. Regionale Highlights wie Eishockey in der Oberpfalz oder Basketball mal ausgeschlossen.
Nachzulesen ist die Studie hier, die Pressemitteilung der BLM gibt es hier.
Anmerkung des Autors: Als ich vor 20 Jahren selber Radio machte, hatten wir – ohne Erfahrung und ohne Studien – beschlossen, bei Radio Alpenwelle lokal zu berichten und – Überraschung! – wir haben uns bemüht, bundesweite Themen auf das Lokale runterzubrechen.
Insofern stimme ich mit der Einschätzung von Inge Seibel überein.
Gut, dass wir es jetzt auch mit einer Studie der BLM wissen.
Update: Inge Seibel hat bei den Hörfunkern der Bundeszentrale für politische Bildung auch Videos von der Veranstaltung eingestellt.