„Nichts ohne Leidenschaft”

Für über 3.700 Azubis hat heute die Ausbildung bei der Deutschen Bahn (DB) begonnen. In Bayern kommen rund 600 junge Menschen in den Konzern. Aus diesem Grund begrüßte die Bahn im Mathäser-Filmpalast ihre neuen Mitarbeiter. Kurz nach 11 Uhr geht ein Raunen durch den Saal, dann wird es ruhiger. Bahnchef Dr. Rüdiger Grube gibt sich die Ehre, persönlich an der Veranstaltung teilzunehmen. Aus diesem Grund gab es dieses Jahr einmal keinen eigenen Empfang für Nordbayern.

Rund 60.000 Bewerbungen gab es bundesweit für das aktuelle Ausbildungsjahr. Die Ausbildungssparten reichen vom Lokführer über den Mechatroniker bis hin zur Servicekraft in der Systemgastronomie. Mit einem Video wurden die Azubis auf die großen Konzernziele vorbereitet: Bis 2020 will die Bahn der weltweit größte Logistik-Dienstleister sein. Dabei soll der Energieverbrauch bis zu diesem Jahr zu 35 Prozent aus regenerativen Quellen kommen, bis 2050 will die Bahn vollkommen auf „grünen” Strom umgestellt haben.

Locker kam Konzernchef Grube in den Saal und setzte sich einfach zwischen die jungen Kollegen. Abgesehen von den Dingen, die ein Konzernchef bei solch offiziellen Anlässen sagen muss, war auch seine Rede von Freundlichkeit gegenüber den Mitarbeitern geprägt. Die Bahn, so Grube, bietet Qualität in der Ausbildung, eine Perspektive bei einer Übernahmequote von 95 Prozent, Stabilität auch in der Wirtschaftskrise, Sicherheit als Arbeitgeber und Flexibilität.

Grube verzichtete auf den Zeigefinger vergangener Zeiten, er erzählte lieber aus der Praxis. Wie er, aus den einfachen Verhältnissen eines Bauernhofes stammend seinen Weg bis zum Konzernchef der Bahn gegangen sei.
Auch wenn da vorne einer in Sakko und Krawatte stand, man merkte den Worten Grubes den Pragmatismus und eine gewissen Hemdsärmligkeit an. Das war auch die Kernaussage: Seine Mitarbeiter sollen wissen, dass die Konzernspitze für sie da ist. Kein Schröder-Wort vom Fordern und Fördern, sondern der Appell, mit gutem Beispiel voranzugehen, die Bahn zu repräsentieren und rechtzeitig auf Fehlentwicklungen hinzuweisen:

Leidenschaft als Motivation – und auch die Bereitschaft, wo nötig, den Rahmen zu sprengen. Die älteren Azubis präsentierten ihre Ausbildungssparten in kleinen Videos und warben auch für das Beispiel der „Bahn-Azubis gegen Hass und Gewalt”. Von dieser teils szenisch gestalteten Vorführung war Rüdiger Grube so angetan, dass er die Ausführenden spontan einlud, bei der nächsten großen Sitzung in Berlin ihre Präsentation der Konzernspitze nochmals vorzuführen. Diesen Entschluss kommentierte der Ausbildungsleiter der Bahn, Dietmar Bauer, mit einem Lächeln und einem Seufzer: „Da kommt der Ausbildungsplan etwas durcheinander.” Sei’s drum. Bei allen technischen und betriebsbedingten Abläufen, denen ein Konzern wie die Bahn unterworfen ist, wurde hier eines deutlich: Grube hebt sich sehr deutlich von seinem Vorgänger ab. Positiv.
Bleibt die Hoffnung, dass diese Haltung nicht nur auf die neue Generation von Eisenbahnern durchschlägt, sondern den ganzen Konzern durchdringt.

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In der Kategorie Bahn am 03.09.12 um 16:36 Uhr veröffentlicht.
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