Shabbat in Ohel Jakob

Heute war es soweit: Ich durfte Gast beim Shabbes-Gebet in Ohel Jakob sein. Mein Freund Michael hat mich eingeladen.

Schon das Innere der Synagoge erinnert in gewisser Weise an das Interieur einer Kirche. Kein Wunder, da sich die beiden christlichen Kirchen ja aus dem Judentum ableiten. Vorne ein Vorhang, hinter dem der Tora-Schrein ist, vergleichbar mit dem Hochaltar/Tabernakel in der katholischen Kirche. Links und rechts vom Tora-Schrein die Siebenarmigen Leuchter.

Davor ein Pult, eingerahmt von zwei Kerzen, an dem sich im ersten Teil des G”ttesdienstes ein Vorbeter, der Kantor und eine Schola aufhielten. Links und rechts die Sedilen für die „Kultusbeamten”, also Rabbinat und Kantor. In der Mitte von Ohel Jakob ist eine Erhebung, die sowohl für das Lesen aus der Tora verwendet wird als auch bei der Hochzeit das Brautpaar, die Angehörigen und den Rabbiner beherbergt. Die Gemeindemitglieder sitzen auf bequemen Klappsitzen, eine Kniebank wie in der katholischen Kirche gibt es nicht.

Das Judentum ist eine Religion des Wortes. Nach dem ersten Teil des G”ttesdienstes wird die Tora-Rolle aus den Schrein geholt und in einer feierlichen Prozession zur Mitte des Raumes getragen. Dort wird dann der Wochenabschnitt vorgetragen. Bei meinem Besuch wurde auch eine Bar Mizwa gefeiert. Die (religiöse) Bedeutung ist bei Wikipedia erklärt. Ein Junge ist hier zum vollwertigen Mitglied seiner Gemeinde berufen worden. Und er durfte aus der Tora vorlesen.
Praktischerweise hat die Jüdische Kultusgemeinde an diesem Wochenende neue Bücher bekommen, in denen rechts der Originaltext in Hebräisch steht und links die deutsche Übersetzung. Übrigens war das eine Spende von Gemeindemitgliedern.
Bei der Bar Mizwa ist es üblich, dass in Richtung des Jungen, der die Bar Mizwa feiert, Süßigkeiten geworfen werden. Die werden dann aber auch von den anderen Kindern, die in der Synagoge sind, auf- und abgefangen.
Zum Schluss des G”ttesdienstes wird die Tora-Rolle wieder zurückgetragen. Wie schon bei der Öffnung des Schreins erhebt sich die Gemeinde.
Dann hält der Rabbiner am vorderen Lesepult eine Exegese.

Bei meinem Besuch in Ohel Jakob habe ich eine Schola erlebt, die ihresgleichen lange suchen muss. Fünf Männer haben einen sauberen Satzgesang abgeliefert, den Kantor der Gemeinde unterstützt und im G”ttesdienst habe ich zu Michael mal gesagt, dass sich da sogar die Wise Guys ein Beispiel nehmen können. Sie waren nicht nur harmonisch, sondern auch rhythmisch eine Erweckung. So ganz ohne Mouthbox.

Nach dem G”ttesdienst fand im Gemeindezentrum noch die Bar-Mizwa-Feier statt. Die Schola aus dem Schabbes-Gebet sang auch wieder, im Hubert-Burda-Saal gab es eine Polonaise und eine sehr ausgelassene Feier. Mit bestem israelischen Rotwein.

Ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt.
Ich bin angenommen worden und hatte zu keiner Zeit das Gefühl, Fremdkörper zu sein.
Ein „Shabbat” oder „Shabbat Shalom” oder ein jiddisches „Gid Shabbes” öffnet Welten.

Danke an die Israelitische Kultusgemeinde München für die Gastfreundschaft und das sehr gute Essen zur Bar Mizwa.
Danke an meinen Freund Michael, das ich Teil des G”ttesdienstes sein durfte.
Ich wurde integriert.
Es war nicht mein letztes Mal im Zelt Jakobs.
Schabbat Schalom!

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In der Kategorie Kultur, Religion am 08.09.12 um 19:43 Uhr veröffentlicht.
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1 Kommentar

Ein Kommentar zu “Shabbat in Ohel Jakob”

  1. Würde ich auch mal gerne mitmachen, auch wenn ich Atheist bin.

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