Der Flughafen München und seine dritte Startbahn sind immer noch Gegenstand von Auseinandersetzungen, der Bürgerentscheid blockiert die Ausbaupläne für ein Jahr, mehrere Gerichtsverfahren sind beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anhängig. Und die Landtagsgrünen hegen mittlerweile größere Zweifel, ob der Ausbau des Münchner Flughafens noch vertretbar ist. Dazu haben sie eine ökonomische Studie anfertigen lassen, die Dr. Christian Magerl und Jasper Faber von CE Delft im Landtag vorstellten.
Die Zahl der Flugbewegungen ist am Flughafen München um 2,9 Prozent im Jahr 2012 zurückgegangen. Damit wurde das Niveau des Jahres 2005, als die Planungen für die dritte Startbahn begannen, leicht unterschritten, erklärte Magerl:
Nebenstehende Grafik verdeutlicht die Zahl der Flugbewegungen. Für das Jahr 2013 rechnet Christian Magerl dabei mit einem weiteren Rückgang um drei bis vier Prozent. Damit würden die Flugbewegungen auf das Jahr 2004 zurückfallen. Das Jahr, bevor mit der Planung der dritten Startbahn begonnen wurde.
Eine der Ursachen ist der Ölpreis, der in die Berechnungen seitens des Flughafens mit einer falschen Annahme einfloss. Er wurde permanent zu niedrig kalkuliert.
Jasper Faber von CE Delft, die eine Studie zum Flughafen angefertigt haben, hat Einwände gegen die Methodik, die beim Wirtschaftsgutachten seitens Betreibern angewandt wurde. Er befürchtetm, dass der Steuerzahler letztlich die Investition leisten müsse. Die Wertschöpfung liege weit unter den prognostizierten 0,4 Milliarden Euro. Und auch für die Arbeitsplätze (6.000 in München, 11.000 in Bayern) sieht er schwarz.
Hier der englische Originalton:
Faber stellt aufgrund der vorliegenden Zahlen vier Mängel fest: Der Bruttonutzen der Flughafenerweiterung wurde zu hoch eingeschätzt, externe Kosten, die der Region entstehen, wurden unzureichend eingearbeitet, die Budgetierung für die dritte Startbahn wurde nicht ausreichend kalkuliert, wenn es zu Überschreitungen kommen sollte und Alternativen zur dritten Startbahn seien kaum oder gar nicht durchgerechnet worden.
Sowohl Magerl als auch Faber betonten, dass die Ticketpreise steigen würden, da der Ölpreis steige und die Folge sei, dass immer weniger Menschen fliegen würden. Schlichtweg, weil sie sich die Preise nicht mehr leisten könnten. Außerdem, so sind sich beide einig, könne man anhand der schon vorhandenen Flugbewegungen sagen, dass eine dritte Startbahn nur an wenigen Tagen wirklich dringend gebraucht werde.
Magerls Fazit: „Wer heute noch behauptet, der Bau der 3. Start- und Landebahn sei dringend erforderlich, leidet offensichtlich an zunehmendem Realitätsverlust. Die FMG und die beiden Gesellschafter Bund und Land sollten sich der Realität stellen und die notwendigen Konsequenzen ziehen und versuchen, wieder Frieden mit dem Umland zu schließen.“
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Am Sonntag entscheiden die Bürger der Landeshauptstadt München in einem Bürgerentscheid über den Bau einer dritten Startbahn für den Flughafen München. Mit im Aktionsbündnis “AufgeMUCkt” ist auch die Katholische Landjugendbewegung Bayern (KLJB).
Dr. Heiko Tammena betreut die Öffentlichkeitsarbeit der Landjugend. Er erklärte mir im Interview drei der wichtigsten Gründe, warum aus Sicht des Katholischen Verbandes eine dritte Startbahn in München verhindert werden muss:
Deswegen werden Aktivisten von AufgeMUCkt und der KLJB ab Donnerstagabend in der Nähe der Bayerischen Staatskanzlei ein Camp aufschlagen und mit Kulturveranstaltungen und Aktionen für ihr Anliegen werben. Die Aktion hat den sinnigen Namen “Occupy Staatskanzlei”:
Die eigentlich Betroffenen, die Bewohner um den Flughafen München, dürfen beim Bürgerentscheid um die dritte Startbahn nicht teilnehmen. Es gibt aber eine Solidaritätsaktion im Internet: Meine Münchner Stimme. Heiko Tammena erklärt, was hinter der Aktion steckt:
Der Bürgerentscheid in München findet am Sonntag, den 17. Juni 2012 statt. Die Wahllokale sind ab 8 Uhr geöffnet, auch die Briefwahl ist möglich.