… aber wir wollen allen Fischen die Schönheit und Vielfalt der Meere, Flüsse, Seen zeigen. Mit diesem Zitat von Albert Einstein überschrieb Kultusstaatssekretär Bernd Sibler sein Impulsreferat, das er auf einer Tagung in Kochel am See hielt. Lehrer, Ministerialbeamte, Menschen, die mit Bildung und vor allem Inklusion zu tun haben, treffen sich zwei Tage in der Georg-von-Vollmar-Akademie, um Erfahrungen über das Thema auszutauschen.
Für Sibler, selbst Lehrer, ist Lehrer immer noch der schönste Beruf der Welt. Die Inklusion, so machte Sibler deutlich, ist ein evolutionärer Prozess, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht nur Schulen vorbehalten ist, sondern in der Gesellschaft verankert werden muss. Aber Schulen leisten den wichtigsten Teil dazu.
Die Begleitung in der beruflichen Bildung ist wichtig. Sibler erinnerte vor allem an das Subsidiaritätsprinzip. Soviel Hilfe wie nötig, soviel Hilfe, wie möglich. Er bekräftigte, dass Bayern weiter am differenzierten Schulsystem festhalten werde, um jedem Schüler die bestmögliche Förderung zuteil werden zu lassen. Inklusion ist für den Kultussstaatssekretär eine Herzensangelegenheit. Er gab zu bedenken, dass das duale Ausbildungssystem, dass Deutschland habe, auch von anderen Ländern mittlerweile übernommen werde, weil es gut sei. Auch, wenn Deutschland in den Studien der OECD schlechter abschneide, da hier nur das schulische Wissen gewertet werde.
Für Sibler ist wichtig, „dass wir ganz genau anschauen, was wir machen. Schulisch und menschlich.” Kompetenzzentren seien wichtig. Und: „Der bayerische Weg ist gut: Nicht von heute auf morgen auflösen und zusammenlegen, das scheitert wie in anderen Bundesländern.”
Die vornehmste Aufgabe der Schule sei die Qualifizierung der Schüler. Gleichzeitig müsse die Diagnosefähigkeit der Lehrer gestärkt werden. Es sei nicht Sinn der Schule, Ausbildungsplätze zu akquirieren, aufgrund der demografischen Entwicklung sei das auch nicht mehr nötig. „Wir müssen beim Einstieg helfen. Junge Menschen an die Hand nehmen, ihnen in den kognitiven und emotionalen Defiziten helfen. Klar kostet das Geld, so Sibler. Doch langfristig müsse man sich auch überlegen, dass man eine 1:1 Betreuung schaffe. Dabei müssten die Sorgen und Ängste der Eltern Ernst genommen werden. Die Wahl des Förderortes spiele eine wichtige Rolle. Insofern sei der bayerische Weg der richtige, langsam aufzubauen und nicht Schulen zu schließen und Kinder wahllos zusammen zu würfeln. Das Kultusministerium unternehme vieles, damit sich die Situation an allen Schulen verbessere:
Sibler machte den Pädagogen Mut: „Auch der Misserfolg hat erfolgreiche Erkenntnisse. Ein Schulversuch muss nicht den 100prozentigen Erfolg haben. Wichtig ist: Erkennen, was geht und nicht geht.” Dazu wollte der Staatssekretär auch im Sinne seines Ministers Dr. Ludwig Spaenle ermutigen. Für das Kultusministerium steht im Vordergrund: Die Steigerung der Unterrichtsqualität, die Qualität der Ausbildung der Lehrer. Das Ziel müsse sein, so Bernd Sibler, die Ausbildung auf den Weg zu bringen, die dem jungen Menschen dient und ihn voranbringt.
Im weiteren Verlauf der Tagung schilderten unter anderem auch Vertreter aus Österreich und Sachsen ihre Erfahrungen mit Inklusion.
Die CSU hat heute in der Messe München ihre Liste für die Bundestagswahl aufgestellt. Wer es nicht verfolgen konnte, hier einige Bildereindrücke und Ausschnitte aus den Rede von Horst Seehofer und Gerda Hasselfeldt, die als Spitzenkandidatin der CSU in den Bundestagswahlkampf einzieht.
Parteichef Horst Seehofer sprach ein Grußwort (Mitschnitt in Auszügen):
Er schlug Gerda Hasselfeldt als Spitzenkandidatin für die CSU-Liste vor.
Die Rede von Gerda Hasselfeldt aus technischen Gründen hier als mp3 und ogg-Vorbis-Datei.
Einige Fotos:
Die individuelle Lernzeit wird nun an Bayerns Gymnasien umgesetzt – das ist das Ergebnis eines runden Tisches, dessen Beschluss heute im Kultusministerium in München vorgestellt wurde. Gleichzeitig wurde klar, dass dem gestern noch dem per Dringlichkeitsantrag von Freien Wählern, SPD und Grünen im Landtag eingebrachten Antrag, das neunstufige Gymnasium wieder zur Wahl zu stellen, eine klare Absage erteilt wird. „Künftig wird jede Schülerin und jeder Schüler der staatlichen Gymnasien in Bayern nach einer pädagogischen Beratung wählen können, ob sie am Gymnasium acht oder neun Schuljahre in Anspruch nehmen“, betonte heute Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Vertretern von Direktoren, Eltern und Lehrkräften in München. „Wir setzen die Beschlüsse des Runden Tischs zur Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums konsequent um und geben den jungen Menschen die Zeit, die sie für die Mittelstufe benötigen.“ Der Dreiklang wird – je nach Situation vor Ort – von flexiblen Intensivierungsstunden und Blockseminaren bis zu einem Flexibilisierungsjahr reichen, das von den Gymnasien bei Bedarf angeboten wird.
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle fasst es zusammen:
Minister Spaenle, Susanne Arndt, die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern, Karl-Heinz Bruckner, der Vorsitzende der
Direktorenvereinigung der bayerischen Gymnasien, und Max Schmidt, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, machten deutlich, dass die Schulfamilie am Gymnasium die gemeinsamen Beschlüsse des Runden Tischs miteinander realisieren werde. Susanne Arndt von der LEV sieht es praktisch:
Karl-Heinz Bruckner aus Nürnberg, Direktor des Neuen Gymnasiums und Vorsitzender der Direktorenvereinigung der bayerischen Gymnasien, ist froh, dass er nicht G8 und G9 anbieten muss, sondern mit den flexiblen Lernzeiten des bayerischen Gymnasiums alle Schüler gleichermaßen bedienen kann:
Und auch Max Schmidt vom Bayerischen Philologenverband, dem viele Gymnasiallehrer angehören, gewinnt der Individuellen Lernzeit nur positive Aspekte ab:
Erste Erfahrungen mit den neuen Instrumenten der individuellen Förderung wurden an zwölf Gymnasien gesammelt, die haushaltstechnischen Voraussetzungen wie zusätzliche Lehrerstellen ab dem kommenden Schuljahr und flächendeckend ab dem Schuljahr 2014/2015 werden bereitgestellt. Derzeit werden die Gymnasien in entsprechenden Tagungen für die Direktoren sowie Informationsschreiben und Broschüren darauf vorbereitet.
Auch die Lehrerreserve soll zum Schuljahr 2013/14 aufgestockt werden.
Das Gymnasium scheint zum Zankapfel im Wahlkampf zu werden. Die Freien Wähler haben im Landtag einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, der die Wahlfreiheit für Schüler sicherstellen sollte: Die Wahlfreiheit zwischen 8jährigem Gymnasium (G8) und 9jährigem Gymnasium (G9). Günther Felbinger, MdL der Freien Wähler, begründet diesen Antrag so:
Felbingers Beweggründe:
Was sich in der Debatte zeigte: Die Opposition, die sich immerhin anschickt, im Herbst die Regierung in Bayern zu stellen, ist sich zwar eins in Sachen Verbesserung des Gymnasiums, aber das auf unterschiedlichen Wegen. Martin Güll, MdL der SPD, war einer der Redner, der in der Debatte Kernthemen zur Sprache brachte:
Martin Güll hält die Debatte um das Flexibilisierungsjahr für verfehlt. Es sei nicht ausreichend, das in den Jahrgangsstufen 8,9 und 10 zur Verfügung zu stellen:
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle ist bekannt dafür, dass er weder G8 noch G9 als Begriff verwendet. Er redet vom bayerischen Gymnasium, also damit auch vom Sonderweg, den Bayern seiner Meinung nach beschreiten muss. Sein Credo lautet:
Der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Thomas Gering, fordert eine Reform des G8. Er hält wenig von der Debatte „zurück zum G9” und will lieber, dass das G8 neu ausgerichtet wird:
Im Landtag erntete er vom Kultusminister dafür auch Lob, die Grünen seien am nächsten an seinen Vorstellungen. Wie geht er mit dem Lob um?
Und was meint der stellvertretende Sprecher der CSU im Bildungsausschuss, Berthold Rüth dazu? Er war auch auf der Versammlung der Landeselternvereinigung bayerischer Gymnasien und hat das ganz anders als Felbinger erlebt:
Bleibt noch die FDP. Deren bildungspolitische Sprecherin Renate Will sagt, die FDP habe das Gymnasium in Bayern gerettet.
Zitat Pressemitteilung:
Richtig ist hingegen, dass bei Eintritt der FDP in die Staatsregierung Einiges im Argen lag. Deshalb hatten wir damals unverzüglich die Lehrpläne überarbeiten und kürzen lassen sowie ein gezieltes Monitoring installiert, alle Vorschläge zur Weiterentwicklung des Gymnasiums mit allen Beteiligten der Schulfamilie erörtert und zielgerichtet Maßnahmen auf den Weg gebracht. Zur Optimierung des G8 sind vielfältige liberale Vorschläge eingeflossen. Die beschlossenen Maßnahmen wie die maßvolle Reduzierung der Lehrpläne bei gleichzeitiger Sicherung der Studierfähigkeit, die Etablierung einer integrierten Lehrerreserve und das Frühwarnsystem werden wir über ein Monitoring intensiv begleiten. Zudem wird die individuelle Förderung über zeitgemäße Lehr- und Lernformen ausgebaut, und es werden mehr gebundene Ganztagszüge geschaffen. Eine Rückkehr zum G9 oder der alten Oberstufe lehnen wir entschieden ab.
Und weiter: Die FDP will den Weg der Optimierung des achtjährigen Gymnasiums konsequent weitergehen und die Eigenverantwortung der Gymnasien weiter voranzutreiben. Rückwärts gewandte Anträge, die nicht einmal eigene Vorstellungen enthalten, helfen uns hier nicht weiter.
Der Antrag der Freien Wähler und der anderen wurde mit Regierungsmehrheit abgelehnt.
Heute morgen sah ich ein Buch in der Buchhandlung im Hauptbahnhof. Rainer Ostermann hat es geschrieben und es soll den Weg von Christian Ude, SPD, vom Münchner Rathaus in die Staatskanzlei begleiten. Ich habe ja meine Zweifel, ob es Ude schafft. Aus diesem Zweifel heraus war ich heute etwas keck und twitterte:
„Ich find das Buch doch in der Märchenabteilung, oder? Oder?”
Die netzpolitische Sprecherin der BayernSPD, Doris Aschenbrenner, fand das nicht so ganz witzig wie ich und meinte:
„Tss. Können ja um was lustiges wetten…”
Daraufhin habe ich meinen Wetteinsatz angeboten:
Ich werde, wenn Christian Ude Bayerischer Ministerpräsident wird, einen Tag in der SPD-Zentrale am Oberanger Kaffee kochen und jede/jeden mit Kaffee am Arbeitsplatz versorgen. Das ganze sogar, wenn die SPD mir das stellt, in einem Partei-T-Shirt oder Sweatshirt. Doris, XXL, bitte!
Mit Hilfe von Victor Fuchs kam auch Doris Aschenbrenner auf ihren Wetteinsatz: Sie wird, wenn Christian Ude es nicht schafft, einen Tag Praktikantin beim netzpolitischen Arbeitskreis der CSU, dem @CSU_net, sein.
Ich bin gespannt, wer arbeiten muss.
Schaun mer mal, um mit einem anderen Münchner zu sprechen.
Der FDP-Fraktionschef Thomas Hacker hat im Landtag die Bilanz der Fraktion vorgestellt, bevor nächste Woche das Wahlprogramm für die Landtagswahl und der Spitzenkandidat aufgestellt werden. Ein vor Kraft strotzender und selbstbewusster Thomas Hacker präsentierte eine Bilanz, die den Schluss nahelegt, dass Bayern ohne die FDP schon lange untergegangen sei.
Das Pressestatement von Thomas Hacker findet sich zum Nachhören am Ende des Artikels.
Schon gestern abend hatte die FDP separat ihre Ansichten zum Digitalen Lernen vorgestellt, das meiste aus diesem Thesenpapier ist in Bayern verwirklicht, große neue Erkenntnisse brachte der Abend nicht. Dafür betonte Thomas Hacker heute, gerechte Bildungsinvestitionen seien das Verdienst der FDP. Dabei grenzt sich die FDP von der SPD ab, die Liberalen stehen für das mehrgliedrige Schulsystem:
Für die FDP ist es auch ihr Verdienst, Schule und Wirtschaft zusammengebracht zu haben und für den Ausbau der Krippenplätze Sorge getragen zu haben.
Die FDP steht auch dafür, dass die gemeinsame Grundschulzeit auf 6 Jahre ausgedehnt wird. Sie hält weiter daran fest, dass es als zusätzliches Angebot einen Wirtschaftsschulzweig geben soll. Ein Modellversuch läuft gerade:
Nach Vorstellung von Thomas Hacker wird es noch viele Legislaturperioden mit der FDP auf der Regierungsbank geben. Der Wähler habe von der Alleinregierung der CSU genug. Die FDP sei die treibende Kraft in Bayern gewesen. Eine Haltung, die CSU-Fraktionschef Georg Schmid per Pressemitteilung mit dem Satz kommentierte: „Bayern wurde nicht erst im Jahre 2008 erfunden.” Die größere Regierungspartei will bis zum letzten Tag weiterarbeiten.
Hier gibt es das ganze Statement von Thomas Hacker:
Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB und die Arbeiterwohlfahrt Landesverband Bayern AWO sehen die Wohnsituation und die Bildungschancen als die Verursacher der Armut in Bayern und haben den Freistaat Bayern aufgefordert, mehr in diese Bereiche zu investieren. Matthias Jena vom DGB und Dr. Thomas Beyer von der AWO haben entsprechende Analysen und Forderungen bei einem Gespräch im Presseclub München aufgestellt.
Hauptursache, so Matthias Jena, seien die Lücken im Erwerbslebenslauf und prekäre Arbeitsverhältnisse.
Frauen sind bei der Teilzeit mit 85 Prozent führend. Einer der Hauptgründe, dass Frauen nicht Vollzeit arbeiten: Die mangelnden Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Der Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse ist auf 373.000 angestiegen,. Über 500.000 Beschäftigte arbeiten im Niedriglohnsektor und brauchen staatliche Aufstockung. Die Ursache dafür: schlechte Ausbildung, schlechte Wohnverhältnisse und teilweise daraus resultierende Lücken im Erwerbslebenslauf. Die prekäre Situation, so Matthias Jena vom DGB, wird vom Freistaat selber auch noch gefördert, zum Beispiel bei der Bauauftragsvergabe.
Der DGB fordert von daher einen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro und eine Neuordnung auf dem Arbeitsmarkt. Jena: „Der Freistaat muss die Empfehlungen der Expertenkommission endlich umsetzen, um prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Niedriglöhne einzudämmen.”
Er warf der CSU vor, in Wildbad Kreuth allenfalls ein Placebo beschlossen zu haben. Für Jena sind diese Eckpunkte wichtig:
· gleicher Lohn für gleiche Arbeit (Equal Pay) in der Leiharbeit
· zeitliche Befristung in der Leiharbeit
· Abschaffung der sachgrundlosen Befristung und
· die Abschaffung des Synchronisationsverbotes, die einer Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber zum Opfer fiel.
Um letztlich auch Altersarmut zu verhindern, soll unter anderem die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze voran getrieben werden.
Das Fazit von Matthias Jena:
MdL Thomas Beyer stellte die Zahlen vom Wohnungsmarkt vor. Erschreckende Bilanz: Es fehlt an allen Ecken und Kanten. Die Staatsregierung, so AWO-Vorsitzender Beyer, gebe den Mangel an Wohnungen durchaus zu. Im Sozialbericht vermerkt die Regierung: „Damit sich die Wohnungsmarktanspannungen nicht noch weiter verstärken”, gebe es einen Neubaubedarf von 883.000 Wohnungen bis 2029. Die Wirklichkeit sehe aber anders aus:
Grade Bezieher niedriger Einkommen müssten anteilig mehr Miete zahlen. Unter 1000 Euro Einkommen beläuft sich der Mietanteil im Mittel auf 43% des Lohns. Eine Tabelle aus dem Wohnungsbericht steht nebenan.
Nach Ansicht von Thomas Beyer ist der Soziale Wohnungsbau der Verlierer, selbst Staatsministerin Christine Haderthauer gebe zu, dass sich der Bestand verringere. Die Folge: Gering- und Mittelverdienende, alleinlebende Frauen und Alleinerziehende mit Kindern, sowie Senioren sind von der fehlerhaften Bayerischen Wohnungspolitik betroffen.
Die fehlende Statistik über die Wohnungslosigkeit erschwere bessere Planungen, so Thomas Beyer von der AWO. Der Sozialbericht greife auf Schätzungen der größten Städte und Meldungen über Beratungsfälle aus der Freien Wohlfahrt zurück.
Ein weiterer Punkt für den sozialen Abstieg ist die Bildung. Für Beyer ist die gebundene Ganztagsschule zu bevorzugen. Die Trennung nach der vierten Klasse ist für den SPD-Abgeordneten ein Unding.
Deswegen forderte Beyer, die Chancen-Ungleichheit im Bayerischen Bildungssystem zu beheben. Daneben mahnte er an, dass die Ergebnisse der sogenannten Seehofer-Schösser-Kommission umgesetzt werden sollten:
Die kompletten Stellungnahmen von Matthias Jena vom DGB finden sich hier als mp3 und als ogg-Vorbis-Datei, die von Thomas Beyer, AWO, hier als mp3 und ogg-Vorbis. Zum Herunterladen mit der rechten Maustaste klicken.
Kooperationen und anderes …
Themen zu finden, ist nicht schwer. Themen journalistisch und weniger als Blogger aufzubereiten, ist schon schwerer. Ich habe mich zu Beginn meiner freien Tätigkeit gefragt, wie ich mich positionieren, wie ich bekannt werden kann. Ich habe meinem Bauch vertraut und so ganz unrecht hatte der dicke Bauch nicht.
Der erste kleine Knaller, den ich im Blog hatte, war meine Medienschelte und Kritik an der Berichterstattung des Spiegels in Bezug auf Dagmar Wöhrl. Dass Politiker von Journalisten genau beobachtet werden, ist kein Geheimnis. Aber bei allem Verständnis: Fairness geht anders, als es die Kollegen machten. Man kann auch kritisch sein, ohne unter die Gürtellinie zu gleiten. Deswegen hatte ich Hals und Bauch und musste etwas schreiben. Vor allem, wenn ich Dagmar Wöhrl als das sehe, was sie ist: Ein Mensch, dem es abseits der Parteipolitik wichtig ist, Menschen in das Zentrum ihres Handelns zu stellen. Der „Rant” gegen den Spiegel fand in einigen Publikationen Widerhall. Unter anderem berichtete „Pottblog” drüber, Christian Jakubetz und das Bildblog.
Dagmar Wöhrl ist auch eine der ersten Politiker(innen), die erkannt hat, dass Bloggen ein sehr guter Weg ist, sich der Welt mitzuteilen. Und Social Media der Weg, um es zu bekannt zu machen. Mein Respekt für @DWoehrl.
Stellen Sie sich vor, sie stehen in einer Reihe veritabler Kollegen vor dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Alle Kollegen fragen wirklich ernsthafte Dinge, zur Position der Kirche, zum Aufenthalt in Regensburg, zu Ergebnissen der Konferenz. Und dann komme ich daher, locker, flockig, unbedarft und mit einer Anleihe bei einem geschätzten Kollegen, Richard Gutjahr. Was ungewöhnliches machen, was ungewöhnliches fragen. Und dadurch (auch) bekannt werden. Erzbischof Zollitsch hat einen Twitter-Account. Wie Sie hier nachlesen können, war die Frage nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Aber in dem Augenblick war mir das egal. Hinter mir saßen der damalige Generalvikar des Bistum Regensburg und der Pressesprecher des Bistums. Aus dieser Pressekonferenz entstanden Beiträge: Wie die Pressestelle des Bistum Regensburg Social Media nutzt und der twitternde Generalvikar des Bistums. Bis heute habe ich zu Michael Fuchs eine tiefe Bindung. Ich schätze ihn als Theologen, der mitten im Leben steht und durchaus die Strömungen in der Kirche erfasst. Und vor allem: Der auf Twitter einsteht für seine Überzeugung.
Aus der Lust auf Bericht und journalistisches Arbeiten habe ich mich damals beim Lokschuppen Rosenheim akkreditiert. Rosi Raab macht die Pressearbeit für den Lokschuppen. Eher in einem kleinen Nebenbei-Beitrag habe ich skizziert, wie sie Social Media nutzt. Und ich freue mich, wenn im nächsten Jahr eine Ausstellung zu Alexander dem Großen in den Lokschuppen kommt. Der Lokschuppen ist jedenfalls ein geniales Ausstellungszentrum, dass ich noch aus meiner Zeit als Busfahrer kenne. Und die diesjährige TIEFSEE-Ausstellung hat die Erwartungen mehr als übertroffen.
Nicht vergessen möchte ich meinen Kollegen Gunnar Sohn mit seinem ichsagmal-Blog. Zusammen mit ihm und Hannes Schleeh, Arnoud de Kemp und Bernd Stahl saßen wir auf der informare und diskutierten. Und später entstand die Idee zum BloggerCamp, das sich nun auf Google+ verwirklicht.
Ebenfalls ins Gedächtnis geschrieben sind die Beiträge zur Verständigung. Unvergessen mein erster Besuch in der Synagoge in München – oder der in der Moschee in Markt Schwaben.
Immer wieder finden sich in meinem Blog auch Beiträge zur Bahn. Meistens kommt die Bahn nicht gut weg. Aber hier ist ein Beitrag, der mich selber noch begeistert. Rüdiger Grube ist ein Chef, dem ich zutraue, dass er wirklich auf die Basis hört.
Integration macht Mühe, ist aber schön. Mit diesem abgewandelten Spruch eines bayerischen Komikers lässt sich gut umschreiben, was in der DITIB-Moschee in Markt Schwaben gestern praktiziert wurde. Auf Vermittlung der Landtagsabgeordneten und ehemaligen Sozialministerin Christa Stewens (CSU) durften Interessierte (nicht nur aus Parteikreisen) die Moschee besuchen, das Abendgebet erleben, einen Vortrag von Martin Neumeyer hören, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, und anschließend diskutieren – und einen Imbiss zu sich nehmen.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich spotte nicht über den Abend, auch wenn der provokative Spruch von der Integration zu dieser Annahme verleiten sollte. Im Gegenteil, in der Diskussion wurde eines deutlich: Integration ist nicht nur, dass Migranten sich einbringen oder gar assimilieren. Integration ist, wenn auch wir Einheimischen auf unsere Mitbürger zugehen und sie annehmen.
Einfach: Wenn wir uns gegenseitig für unsere Kulturen interessieren. Zu dieser Kultur gehört neben fremden Bräuchen auch das Verständnis für die Religion des Anderen.
Sensibilität ist von beiden Seiten aus erforderlich. Von denen, die in unser Land kommen und von denen, die mit den neuen Mitbürgern umgehen müssen. Das machte der Abend in Markt Schwaben deutlich.
Und viele dürften zum ersten Mal den Ruf des Muezzin zum Gebet gehört haben:
Christa Stewens, Landtagsabgeordnete der CSU und ehemalige Sozialministerin, führte in den Diskussionsabend ein und erzählte kurz aus ihrer eigenen Familie:
Martin Neumeyer ist CSU-Abgeordneter Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung. Es ist ein Ehrenamt, wie er sagt. Aber das Herzblut merkt man ihm an. In seinem Vortrag (am Ende dieses Artikels als Audio abrufbar) macht er gleich zu Anfang deutlich, dass „Sprache das A und O ist”. Er nimmt Integration nicht auf die leichte Schulter und ist sich bewusst, dass der Weg lang und beschwerlich ist. Aber er wirbt, nicht nur beim Minarett.
Den vollständigen Vortrag von Martin Neumeyer können Sie am Ende des Beitrages herunterladen.
Was in der anschließenden Diskussion deutlich wurde: Integration ist nicht nur, wenn Migranten zu uns kommen und sich uns angleichen. Integration ist, wenn auch der „deutsche” Nachbar der Einladung des „Türken” folgt und zum Grillfest kommt. Integration ist, wenn „Deutsche” wie selbstverständlich Speisen und Getränke „halal” oder „koscher” bereitstellen. Dazu gehört, dass man sich informiert. Information über verschiedene Lebensweisen kann aber nur im Dialog geschehen.
Der Dialog, das ist das Zeichen dieses Abends, darf nicht an religiösen Bräuchen oder Essensvorschriften enden. Der Dialog muss weiter in die Tiefe gehen. Dieser Dialog muss auch beinhalten, dass Kommunen zum Beispiel ermöglichen, dass islamische Frauen, die für sich baden wollen, weil es die Tradition, die sie in sich haben und leben, Badezeiten für sich haben. Das war ein sehr beeindruckender Einwand einer türkischen Frau, in bestem Deutsch vorgetragen, der auf die Frage eines Kommunalpolitikers vorgebracht wurde, was man denn tun könne.
Integration ist nicht nur, dass wir die Kinder fördern, die im Kindergarten oder der Schule sind. Integration begegnet uns jeden Tag, auch bei erwachsenen Menschen.
Es sind nicht die großen Gesten, die für das Zusammenleben notwendig sind, es sind die kleinen, manchmal kaum merkbaren Schritte, die wir aufeinander zu tun.
Integration ist, wenn es alle tun. Dafür muss ich aber von meinem Besitzstandsdenken abtreten können.
Um das in den Köpfen aller Teilnehmer zu verankern, war der Abend wie geschaffen.
Und ja, ich traf den ehrenamtlichen Pressesprecher der türkischen Gemeinde Markt Schwaben heute morgen beim Warten auf den Zug. Und ja, ich war vorsichtig, ihm zu erzählen, welche Erfahrungen ich in der jüdischen Gemeinde gemacht habe. Man weiß ja nie, welches Denken in den Köpfen herrscht. Grade mit diesen Muslimen und den Juden und den Russen, die einwandern und alles und überhaupt.
Verzeihen Sie mir, dass ich „flapsig” wurde. Sie merken, wie sehr Sie selbst auch immer mit diesen Tücken des Denkens zu tun haben?
Ich habe gelernt:
Ein offenes Wort, eine Nachfrage, wie der andere das sieht, ein Aufeinander-Zu-Gehen ist so viel wert. Wenn die Menschen, die zu uns einwandern, und wir, die wir in diesem Land wohnen, das begreifen und den anderen fragen … dann haben wir viel erreicht. Und dann reißen wir diese Denkart in unseren Köpfen ein.
Oder, wie Martin Neumeyer es zum Schluss seines Vortrages sagte: „Jogi Löw stellt nicht nach dem Glauben auf, sondern nach Leistung.”
Gemeinsam schaffen wir diese Leistung.
Die vollständige Rede von Martin Neumeyer ist mit freundlicher Genehmigung als mp3 und ogg-Version herunterladbar.
Der netzpolitische Arbeitskreis der CSU, der @CSU_net, wird ein Jahr alt. Vor einem Jahr von vielen belächelt, schien das Internet doch eher in Piraten-Hand zu sein und die CSU so völlig deplatziert, hat CSU_net Position bezogen, sich gegen ACTA und VDS ausgesprochen und ist damit in manchem konträr zum „Mutterschiff”. Dorothee Bär, stellvertretende Generalsekretärin der CSU und Vorsitzende, zog Bilanz und erinnerte in ihrer Rede an den Beginn im Herbst 2011, als es einer der ersten Tweets, der sich gegen die Vorratsdatenspeicherung richtete, bis in die Tagesschau schaffte und für Aufsehen sorgte:
Für das Ziel, dass sich Menschen auch weiterhin ACTA oder INDECT nicht gefallen lassen, wird der CSU_net auch weiterhin kämpfen, betonte Bär.
Einen breiten Raum nahm die Podiumsdiskussion ein, die sich hauptsächlich um das Thema Medienkompetenz drehte. Interessant war, dass eine für viele unbekannte Podiumsform praktiziert wurde: Fishbowl. Das heißt, dass ein Stuhl auf dem Podium leer bleibt und sich Panelzuhörer spontan einbringen können und neben den Diskutanten den freien Platz einnehmen. Nun ist das Thema Medienkompetenz eines, das mich auch immer wieder umtreibt. Lehrer müssen fit sein in puncto Internet und neue Medien, damit sie ihren Schülern Hilfestellung geben können. Es freut mich, dass Professor Gabriele Goderbauer-Marchner das ähnlich sieht und mit der Fachkompetenz einer Journalismus-Dozentin forderte, dass die Medienausbildung schon im universitären Bereich angesiedelt werden sollte und in der Schule selber Medienunterricht einen großen Stellenwert einnehmen soll. Ein Ausschnitt:
Ältester Teilnehmer aus dem Publikum war ein über 70jähriger, der selber Soziale Medien nutzt, er twittert zum Beispiel. Ihn als Kronzeugen zu benennen, was die Nutzung des Internets durch Digital Immigrants angeht (= Menschen, die nicht mit dem Computer aufgewachsen sind), würde zu weit führen. Ein gutes Beispiel ist er auf jeden Fall, dass man die Scheu vor dem Netz sehr gut verlieren kann und bei Seminaren von Medientrainern, Internet-Erklärern oder Bildungseinrichtungen lernen kann, sich sicher im Internet zu bewegen. Das soll Mut machen.
Im März dieses Jahres forderte Dorothee Bär auf dem Netzkongress der CSU, dass jedes Kind in der Schule einen Tablet-PC bekommen solle. Der CSU_net macht sich stark, dass Haushaltsmittel eingesetzt werden, um die Digitale Kompetenz der Schüler zu stärken. Sponsoring müss aber sehr genau angeschaut werden, um sich nicht in Abhängigkeiten zu begeben oder einen Monopolisten zu fördern:
Zwei Anträge wurden einstimmig verabschiedet: Einmal sprachen sich die Mitglieder des CSU_net dafür aus, dass das Depublizieren öffentlich-rechter Inhalte im Internet nach 7 Tagen rückgängig gemacht wird. Aus der Antragsbegründung: „Das gesetzlich vorgeschriebene „Depublizieren“ konterkariert auch den journalistischen Arbeitsaufwand, der hinter jedem einzelnen Beitrag steckt. Der Recherche- und Bearbeitungsaufwand, die Gründlichkeit der Arbeit, die zu Recht zum Grundverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört, findet keine Würdigung in der Vorschrift, die geschaffenen Produkte der Öffentlichkeit nach kurzer Frist nachhaltig zu entziehen.”
Der andere Antrag befasste sich mit der Ermittlung von Straftaten im Netz. Sicherheitsbehörden sollen fachlich und personell so ausgestattet werden, dass sie in der Lage sind, erfolgsorientiert arbeiten zu können. Dabei ist dem CSU_net wichtig, dass es nicht um Überwachungsmaßnahmen in sozialen Netzen und die sinnlose Speicherung von Daten geht: „Bei den Ermittlungen muss dabei der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und des Datenschutzes gewährt bleiben. Maßnahmen wie die anlasslose Speicherung von Daten oder Überwachung der privaten Kommunikation – auch in sozialen Netzen – lehnen wir ab.”
Der einjährige Geburstag des CSU_net wurde auch gefeiert. Bescheiden, wie es sich für einen Arbeitskreis der CSU gehört und mit #lila Schokolade, die Landesgeschäftsführer Ludwig Reicherstorfer spendierte:
Jeder, der zur #csunetcon12 erschien, bekam ein Poloshirts mit Logo-Aufdruck, gesponsert von Ralph Mahlo, Unternehmer und Mitglied im netzpolitischen Arbeitskreis der CSU.
Die komplette Rede von Dorothee Bär findet sich hier zum Download (rechte Maustaste!) als mp3 und als ogg-vorbis (25 min 30; ca. 25/14 MB)
Christan Ude, Münchner Oberbürgermeister und SPD-Kandidat für das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten, sieht die bayerische Regierung ausgebrannt und inhaltlich am Ende. Das war der Tenor einer Pressekonferenz am Freitag, in der es um die Studiengebühren ging. Er will aber keine Neuwahlen beschleunigen. Vielleicht auch deshalb, weil es ihm klar ist, dass er es nicht kann. An diesem Samstag also sollte sich das Schicksal der Bayerischen Staatsregierung entscheiden.
Der Piraten-Chef in Bayern, Stefan ‘Sekor’ Körner, twitterte:
Gibt es eigentlich die bayerische Landesregierung noch? #Studiengebühren
— Stefan Körner (@sekor) November 10, 2012
Eigentlich müsste es ja Staatsregierung heißen. Aber das nur am Rande. Die aktuellen Ereignisse der letzten Tage sind für Christian Ude spürbarer Rückenwind für einen Machtwechsel in Bayern. Dies betonte der designierte Ministerpräsidentenkandidat der SPD am Rande einer Pressekonferenz zur Bildungspolitik.
Mit höchst vergnügtem Gesichtsausdruck kommentierte Ude das „Kasperltheater”, das die bayerische Regierungskoalition derzeit aufführe:
Eine Abschaffung der Studiengebühren ist laut Ude nur der erste Schritt. Im zweiten Schritt soll die berufliche Weiterbildung entlastet werden. Sprich: Der Freistaat würde unter sozialdemokratischer Führung die Gebühren für die Fachschulen abschaffen. Dazu hat sich Ude der (naheliegenden) Gefolgschaft des Münchner Bildungsreferenten versichert. Und dann sollen Meister auch entlastet werden, das, was der Freistaat erstatten kann, ohne den Bund (derzeit CDU/CSU/FDP-regiert) zu entlasten, soll abgeschafft werden.
Insgesamt geht es um nur schlappe 33 Millionen Euro, die der Staat den Universitäten, Schulen und z.B. den Meistern erstatten soll. Das ist ein gehöriger Batzen Geld. Und die SPD kann sicher überzeugen, wenn dafür ein Finanzierungskonzept vorgelegt wird.
So, wie es aussieht, wird es wohl auf einen Volksentscheid hinauslaufen. (Stand 20:30 Uhr)
Sebastian Kraft vom BR twitterte dazu:
Koalitionskreise: #fdp hat sich bei #Studiengebühren durchgesetzt, es kommt wohl zum #Volksbegehren - evtl. gegen 20.30h Pressestatement
— Sebastian Kraft (@BR_skraft) November 10, 2012
In Bayern herrscht Wahlkampf. Das war bei einer Veranstaltung der CSU München-Harlaching und dem Bund der Selbständigen (BdS) zu spüren. In der Menterschwaige sprach Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle zur bayerischen Bildungspolitik. Durchaus mit Witz verteidigte Spaenle das bayerische Gymnasium. Hier muss man wissen, dass Spaenle den Ausdruck „G8” konsequent vermeidet. Für ihn ist das „das bayerische Gymnasium”. In seiner freien Rede arbeitete er die Punkte ab, die jede seiner Reden zum Thema enthält. Ein Beispiel findet sich hier.
Aktuell wurde der Vortrag des Kultusministers durch die Bildungsstudie von Bertelsmann. Die bescheinigt Bayern mehr Schulaufsteiger als -absteiger, legt aber auch den Finger in die Wunde des schleppenden Ganztagsangebotes. Was Spaenle nicht müde wurde zu betonen, ist das Erlernen der vier Kulturtechniken. Ja, richtig. Vier Kulturtechniken. Für ihn gehört neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch der Umgang mit den Digitalen Medien dazu. In der Diskussion wurde es lebhaft, als die eine Seite anprangerte, dass das Gymnasium mittlerweile zu wirtschafts-orientiert ausgeprägt sei, was die Seite des Bundes der Selbständigen natürlich zurückwies: Die Schule und nachfolgend auch die Hochschule müssten sich noch viel mehr am Bedarf der Wirtschaft ausrichten. Nach Ansicht des BdS könne da der Wettbewerb unter den Schulen helfen. Ein Vorschlag, der so gar nicht den Gefallen des Ministers fand. Mit der vergleichsweisen Ruhe im Schulbetrieb wäre es dann vermutlich dahin, so Spaenle. Unüberhörbar ist aber vor allem ein Kritikpunkt: Das G8, also Spaenles „bayerisches Gymnasium”, stellt Eltern vor ein gewaltiges Problem: Wie sollen sie noch ihren Kindern helfen?
Ein Punkt, der auch Ludwig Spaenle etwas stumm erscheinen ließ. Das wird zum Ende des folgenden Audio-Beitrages deutlich.
Und weil Wahlkampf ist, durfte auch ein kleiner Seitenhieb auf Christian Ude und die SPD nicht fehlen. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle im O-Ton, acht Minuten. Vom Grundschulabitur, das er 1967 ablegte, über sein Selbstbildnis als Mutter aller Lehrerverbände bis hin zur familieninternen Nachhilfe im Hause Spaenle, die er mit der Familie bespricht:
… mit fast ohne Bild, ohne Ton.
Ich erinnere mich noch der Zeiten, in denen ich manchmal nachts schlaflos am Schreibtisch saß. Ich ging dann oft ins Web und las besonders gerne die Seiten von br-online. Besonders die über den Sternenhimmel. Nicht, dass ich mich besonders für Astronomie interessiert hätte. Ich fand es nur ungeheuer spannend, zu lesen, wie sich der Himmel durch das Jahr verändert und welche Sterne zu welcher Zeit am Himmel zu sehen sind.
Nicht, dass ich einen Abend rausgeschaut hätte und selber auf Entdeckungstour gegangen wäre. Warum auch? Es war so schön aufbereitet und ich habe auch im vergleichsweise hohen Alter noch etwas gelernt. Ja, und manchmal las ich auch wirklich interessante (Hintergrund-)Berichte zu Themen, die zeitlos waren.
Warum ich das erzähle?
Weil ich mich abseits von Reformen und Neugestaltungen genug geärgert habe, dass irgendwann die Verleger die Oberhand gewonnen haben und sich mit dem Depublizieren durchsetzen konnten. Nicht, weil es die Verleger sind. Die haben ihre Interessen. Und da sie manchmal unter Ideenlosigkeit leiden, mussten die deren Rechtsabteilungen natürlich etwas finden, wo sie vermeintliche Geschäftsfelder sichern können.
Wenn die Verleger diese auch nur abgesichert hätten!
Und: Wenn die Verleger diese Felder auch nur bedienen würden.
Bitte, ich will keine Verleger „bashen”.
Ich erinnere mich an die Diskussionen um Depublizierungs-Pflicht (was ein Ungetüm!). Wie viele Politiker haben sich eingemischt. Was für Debatten und Prozesse wurden geführt!
Nein, ich will weder den Verlegern noch den Rundfunkanstalten, geschweige denn der Politik das Wort reden.
Und ich will auch nicht die Seiten über den Sternenhimmel bei br-online.de (heute: br.de) zurück. Tempi passati.
Ich begrüße den Vorschlag, den die netzpolitische Sprecherin der CSU, Doro Bär, heute gemacht hat: Die Depublizierung aufheben.
Und den Verlagen wünsche ich, dass sie lernen, über den Tellerrand hinaus zuschauen. Ich wünsche den Verlagen Ideengeber, die das Leistungsschutzrecht nicht als ultima ratio ansehen. Und vielleicht Erlösmodelle finden, mit denen sie im Netz Geld verdienen.
Der Politik wünsche ich längere Halbwertszeiten und etwas weniger Hektik, mehr Augenmaß!
Danke.
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle hat auf einer CSU-Veranstaltung in Markt Schwaben seine Eckpunkte bayerischer Bildungspolitik diskutiert. Spaenle ging auf viele Punkte ein und stellte sich anschließend der Diskussion.
Der Landkreis Ebersberg, das wurde anhand aktueller Zahlen aus dem Landratsamt deutlich, hat gut 91 Prozent Schüler, die auf eine Realschule oder ein Gymnasium gehen. Angesichts dessen kommt den Äußerungen des Kultusministers, die Haupt- und Mittelschule zu stärken, besondere Bedeutung zu:
Trotz höherer Kosten will der Minister am differenzierten Schulsystem festhalten. Er sparte auch nicht mit Kritik an der Bildungspolitik anderer unionsregierter Länder.
Alleine für die Inklusion habe sein Ministerium rund 400 Stellen reserviert.
Die komplette Rede gibt es als mp3 (43 MB) hier und als ogg (26,3 MB) hier zum Download.
Tatort:
· Münchner Osten, „upside east”, neunter Stock.
Tatzeit:
·19 Uhr
Tatbeteiligte:
· Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU
· Edmund Stoiber, Ehrenvorsitzender der CSU, ehedem Ministerpräsident
· Volker Klüpfel, Autor
· Michael Kobr, ebenfalls Autor und Kompagnon des Vorgenannten
Tatvorwurf:
· Zusammenschluss zu einer Bespaßungseinheit der Besucher.
Alexander Dobrindt konnte beim CSU-Talk hochkarätige Gäste begrüßen: Die Krimiautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr, die die Figur des Kommissar Kluftinger erschaffen haben und den ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber. Allen drei Gästen gemeinsam: Sie unterhalten angenehm und kurzweilig. Wenn der Moderator es versteht, die richtigen Fragen zu stellen. Dobrindt schaffte es.
Die „Kluftinger”-Krimis bestehen aus einer Mischung zwischen Kriminalliteratur und Comedy, feiner Beobachtung und Überzeichnung der Charaktere und einer Portion Lokalkolorit.
Dazu kommt, dass die Klüpfel und Kobr auch bei Lesungen höchst komödiantisch vortragen können:
Edmund Stoiber als dritter Gast dieses Talks lüftete ein Geheimnis: Er wird im Herbst ein Buch veröffentlichen. Titel: „Weil die Welt sich ändert”. Untertitel: „Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven”. In der Talkrunde fragte Dobrindt den ehemaligen Ministerpräsidenten und jetzigen EU-Berater:
Donnerstagmorgen in der Hanns-Seidel-Stiftung. Es soll über die Energiewende in Bayern diskutiert werden. Rund 100 Interessierte aus Kommunen und der Partei haben sich eingefunden. Neben den Ausführungen seitens Vertretern von Ministerien und DLR spricht auch Erwin Huber.
Er spielt mit seiner Herkunft:
Ja, genau. Dieser Erwin Huber, der nach dem Sturz Stoibers die Geschicke der CSU lenken wollte. Dieser Huber, der grade noch in einem Artikel einer im Süden erdachten Zeitung porträtiert wurde. Hier, in der Hanns-Seidel-Stiftung ist der daheim. Das merkt man dem kleinen Mann mit dem burschikosen Haarschnitt an. Er hält eine bemerkenswerte Rede. Allein deshalb, weil er seine Finger durchaus in Wunden legt.
Gut.
Er mag es sich erlauben können. Als einfacher Abgeordneter des Landtages, im BMW von Termin zu Termin fahrend, kann er durchaus genüßlich die Politik der letzten zehn Jahre passieren lassen.
Nur vordergründig bedient Erwin Huber, der Niederbayer, Ex-Parteivorsitzende, Finanzminister und Parteisoldat der CSU in seiner Rede zur Energiewende Klischees.
Bayern hatte mit dem Bayernwerk einst ein Stück Tafelsilber. Das Bayernwerk wurde regelrecht verhökert. Cui bono, fragt sich mancher: Wem nutzt es? Die Energiepolitik hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Dabei war es einmal so schön:
Erwin Huber sparte nicht an Seitenhieben …
Die ganze Rede von Erwin Huber gibt es hier.
Was macht eigentlich Professor Hans Zehetmair? Und was macht eine Politische Stiftung? Zugegeben, durchaus zwei seltsam anmutende Fragen. Wer, wie der Autor, Hans Zehetmair noch als Kultusminister erlebt hat, mag an der Person Interesse haben. Zumal einer seiner Söhne, dessen wurde ich versichert, noch immer im Nachbarort meines Geburtsortes lebt.¹
Hans Zehetmair ist Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung. Als solcher begrüßte er rund 80 junge Menschen in der Stiftung, die sich zu „Jugend im Dialog” angemeldet hatten.
Aus seiner Rede ein kurzer Ausschnitt:
Abgesehen von der bemerkenswerten Aussage, dass eine politische Stiftung nicht dem tagesaktuellen Geschäft hinterher hecheln müsse (was man ja auch als Wink in die Politik verstehen kann), waren die Grußworte auch eine Reminiszenz an vergangene Tage. Ich fand die Rede deswegen bemerkenswert, weil da ein älterer Mann der Jugend etwas an Werten mitgibt. Werte, die ich hier mal unter einem Schlagwort verorten möchte, über das ich in den nächsten Wochen sicher einen eigenen Artikel schreibe: „Stabilitas loci”.
Oder, wie mein #BIC-Mitstreiter Victor Fuchs meinte:
@hrbruns ich finde diesen Old School Style sehr entspannend ;-) @hssde
— Victor Fuchs (@victor5679) July 21, 2012
Im Anschluss an das Grußwort von Minister Professor Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair hielt Professor Dr. Gerd Strohmeier einen Vortrag zum Thema „Herausforderungen in der Welt von morgen”, eine Podiumsdiskussion folgte. Nach einem Mittagsimbiss teilten sich die Teilnehmer auf drei Foren auf und diskutierten über die Themen:
· Wie verändern Internet und Soziale Medien die Politik
· Umwelt schützen – Energie sichern
· Frieden, Sicherheit und Entwicklung: Verantwortung für die „Eine Welt”
Sehr gut gelungen war, dass abschließend die Ergebnisse dieser Foren nochmals im Plenum vorgetragen wurden.
(Ausführlicher Bericht folgt noch)
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¹ In den 90er Jahren war ich als Redakteur und Reporter bei Radio Alpenwelle bei einem Gelöbnis des Gebirgspionierbatallion 8. Der damalige Staatsminister Hans Zehetmair war als Vertreter der Politik und Schirmherr geladen. Zu späterer Stunde bat ich ihn um ein Interview. Eher beiläufig fragte mich Zehetmair, woher ich stamme. Meine hochdeutsche Aussprache hatte ihn dazu verleitet. Obwohl ich des Bayerischen durchaus mächtig bin, bemühte ich mich, im Radio immer hochdeutsch zu reden. Natürlich auch in Interviews wie diesem. Hans Zehetmair, ganz jovial, meinte, als ich mit „Geilenkirchen” antwortete, dass einer seiner Söhne im Nachbarort Erkelenz wohne.
Früher war alles einfacher: Man hatte ein Auto, der Sprit war billig, öffentliche Verkehrsmittel waren das Statussymbol von Schulkindern oder weniger Begüterten. Wer freiwillig auf das Auto verzichtete, wurde scheel angeguckt.
Angesichts knapper Ölreserven und fehlendem Platz in Städten, um ein Auto zu parken, ist das Auto heute nicht mehr das erste Mittel der Wahl.
Deswegen gibt es Überlegungen, wie man öffentliche und individuelle Mobilität miteinander kombinieren kann. Wie kann das aussehen, wenn Münchner nach Garmisch fahren möchte? Muss er das Auto nehmen oder kommt er als Bahnreisender beispielsweise auch über Garmisch hinaus und tiefer ins Oberland?
Dieser Frage ging letzte Woche das 10. Verkehrspodium der Hanns-Seidel-Stiftung nach. Martin Keil von BMW, Gunnar Heipp von der MVG, Markus Schildhauer vom ADFC, Professor Klaus Bogenberger von der Bundeswehr-Uni und Dr. Christoph Ebert von eGAP diskutierten unter der Leitung von Karl Heinz Keil (HSS).
Die Frage: Wie sieht die urbane Mobilität der Zukunft aus?
Rund 90 Besucher waren auf alle erdenklichen Arten, zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto, den Öffentlichen gekommen, um sich in einer exzellenten Veranstaltung zu informieren.
Vorweg: Auch Automobilkonzerne haben erkannt, dass Benzinschleudern nicht mehr zeitgemäß sind und entwickeln schon seit geraumer Zeit erfolgreich Autos mit Hybrid- oder Elektroantrieb.
Mehr noch: BMW als Beispiel investiert auch in Apps, also Applikationen für Mobilgeräte, die Vernetzung ermöglichen sollen. Der Gedanke ist reizvoll, kein eigenes Auto mehr zu haben und unterhalten, sondern am Endpunkt der Reise vom Zug auf das Leihauto umsteigen kann. Auch die Bahn bietet diesen Service bereits an. Bei BMW ist zumindest soviel klar, dass der Konzern die Autos maximal ein halbes Jahr im Leihpool lässt, dann werden sie ausgetauscht.
Martin Keil meinte dazu auf Nachfragen aus dem Publikum, dass das mit eine Garantie dafür sei, dass der Kunde gewartete Fahrzeuge übernehmen könne.
Eine andere Fortbewegungsart empfiehlt Markus Schildhauer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Zusammen mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bietet man ein Klappfahrrad an, das zusammengefaltet nicht größer als ein Reisetrolley ist und so praktisch beim Umstieg in den Zug oder die S-Bahn mitgenommen werden kann.
Seine Kernaussage: Es braucht nicht mal ein eigenes Fahrrad, man wird sich bald auch Lastenfahrräder für den Einkauf ausleihen können.
Einen umfassenderen Ansatz will die Modellregion eGAP gehen. „Wie machen wir das“, fragte Dr. Christoph Ebert das Publikum, „wenn sich jemand in ländlicher Region ein Auto leihen will und wie kriegen wir das wieder an den Verleihpunkt zurück?“
Diese Fragen sollen in Forschungsprojekten wie eGAP geklärt werden. Die Modellregion Garmisch-Partenkirchen wurde mit Bedacht gewählt. Einerseits ländliche Struktur, gebirgige Region und andererseits touristisch attraktiv.
Ebert erläuterte, dass es darum geht, bestehende Verkehrsangebote wie Bus und Bahn im Konzept zu verknüpfen:
Zweieinhalb Jahre wird nun dieses Konzept, unter anderem mit Elektro-Fahrrädern und -Autos ausprobiert.
Bleibt zu hoffen, dass auch die Deutsche Bahn eine solche Universalfahrkarte auf die Reihe kriegt. Bei allen anderen Beteiligten besteht die Sicherheit, dass sie ihren Teil zum Gelingen beitragen werden.
CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer macht seine erste Facebook-Party. Die Kollegen landauf, landab schreiben drüber. Viele Medienvertreter sind zugegen. Partygäste? Statt über 2.500 “nur” gut 500. Schlimm? Nöööö.
Es hatte durchaus Charme, wie sich die CSU ein weiteres Mal ins Netz vortastet.
Heute statt Bericht einfach ein paar Bilder.
Schade war, dass erst ab 20 Uhr eingelassen wurde. Wettgemacht wurde das durch die Mehrheit der Münchner Partymenschen, die selten um die Zeit ins Nachleben schwärmen. Die buchstaben-bezogenen Check-Ins arbeiteten sehr gut. Dass Horst Seehofer dennoch über eine Stunde vom Sperrgitter bis in die Disco brauchte, ist den Medien geschuldet. Natürlich will jedes Fernsehteam den Horst exclusiv. Das dauert. Komische Rolle des Abends gehört den Medien, die die Veranstaltung hochgejazzt haben, um sich dann über ‘nur’ 500 Gäste zu mokieren.
Der Horst hat sich jedenfalls nicht zur Tessa gemacht. Und bei der nächsten Facebook-Party vom Seehofer hat die CSU die kleineren Unzulänglichkeiten sicher ausgebügelt. Denn: Sie ist lernfähig.
Die erste Erkenntnis des Abends: Karl Heinz Keil von der Hanns-Seidel-Stiftung stellte fest, dass 75 bis 80 Prozent der gut 150 Gäste, die gekommen waren, in sozialen Netzwerken aktiv sind, insgesamt habe man nur 20 Einladungen per Post erhalten. Die konservative Klientel ist entgegen landläufiger Meinung im Netz angekommen.
Grund genug, sich in einer Podiumsdiskussion mit dem Einfluss der Sozialen Medien auf die Politik zu beschäftigen.
Karl Heinz Keil umriss das im Eingangsstatement so:
Er verwies auf Amerika, wo sich der Präsident ohne weiteres von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg interviewen ließ, eine Nähe, so Keil, die in Deutschland nicht so einfach denkbar wäre.
Welcher Wechselwirkung unterliegt Politik im Zusammenspiel mit Social Media?
Renate Dodell, Landtagsabgeordnete aus dem Oberland, berichtete anschaulich von ihren Erfahrungen:
Der Auftritt eines Politikers in Sozialen Netzwerken schafft Nähe, senkt die Ansprechschwelle und schafft Transparenz. Renate Dodell legt dabei Wert auf faire Diskussionen, wenns unter die Gürtellinie geht, zeigt sie das Stopschild. Aus ihrer Mitgliedschaft bei Flickr, einer Foto-Community, hat sie eines gelernt und legt ein Besipiel nach:
Die Landtagsabgeordnete ist durch die Einladung ihrer Söhne in Soziale Netzwerke gekommen. Professor Daniel Michelis gab jedoch zu bedenken:
Keine neue Erkenntnis, dass das Internet und die Technik fast schon alle Bereiche unseres Lebens erobert hat. Professor Michelis fasste das plakativ in der Frage zusammen: „Wer hat noch einen Wecker, mit dem man nicht telefonieren kann?“
Unterstützt wurde er dabei von Matthias J. Lange, der mit einer Abfrage und Handzeichen herausstellte, dass fast jeder ein Mobiltelefon hat, die Hälfte davon ein Smartphone, mit dem Internetanwendungen möglich sind. Und: Gemessen daran, dass das Publikum in weiten Teilen schon im Alter gesetzter war, erstaunte es doch, dass einige über die Anschaffung eines Tablets nachdenken.
Andreas Bachmann vom Bayerischen Rundfunk erläuterte, wie sehr moderne Kommunikationsmittel auch journalistisches Arbeiten verändern. Das Modell vom Journalisten als Sender und dem Hörer/Zuschauer als Empfänger hat endgültig ausgedient. Der Journalist muss heute mehr Begleiter durch die Medienflut sein, Nachrichten gewichten und einordnen.
Das Bayerische Fernsehen wird das in einem Modellprojekt ab 14. Mai begleiten. Da startet für vier Wochen die Rundshow, eine ungewöhnliche Nachrichten-Sendung mit Internetbegleitung.
Die anschließende Publikumsdiskussion zeigte, dass ältere Menschen den neuen Medien durchaus aufgeschlossen gegenüberstehen, aber dennoch eher zu linearem Medienkonsum und Begleitung durch den Journalisten neigen. Die Jüngeren wollen über ihre Nachrichten und Quellen selbst entscheiden, so der Twitterer Sebids:
„Ja und ich bin immer online. Das ist das neue Tempo. Langsame Politik geht heute nicht mehr. Ich habe Struktur. #hss0305 #generationanalog“
Andreas Jungherr versuchte in seinem Statement zum Schluß alle Seiten zusammenzubringen:
Das Thema Social Media und Politik kann in drei Stunden nicht erschöpfend behandelt werden. Es bedarf sicher noch vieler, weiterer Veranstaltungen, um den Skeptikern die Angst vor Sozialen Netzwerken zu nehmen. Medienkompetenz ist dringend notwendig. Das ist die zweite Erkenntnis des Abends in der Hanns-Seidel-Stiftung.
Auf dem Podium von links nach rechts: Tomas Vio Michaelis, Andreas Jungherr, M.A., Professor Daniel Michelis, MdL Renate Dodell, Karl Heinz Keil, Andreas Bachmann und Matthias J. Lange
Mit dem Thema Social Media und dem Einfluß des Internets und seiner Anwendungen befasst sich auch ein Panel, das Gunnar Sohn und ich auf der informare in Berlin moderieren.