… In Kirchenkreisen, meist evangelischen, ist es Brauch, dass man in der Fastenzeit auf etwas verzichtet. Die Fastenzeit umfasst sieben Wochen. Ich bin in den letzten zwei Wochen verhaltener geworden und habe nachgedacht. Nach der Weihnachtspause war ich auf vielen Hochzeiten unterwegs, viele Termine, viele Dinge. Und die Erkenntnis: Ich brenne an beiden Enden wie die bildliche Kerze. Nahestehende Menschen, Freunde, haben mir schon vor Weihnachten gesagt, dass ich viel mache. Eigentlich haben diese Freunde gesagt, dass ich zu viel mache.
Diese Freunde haben Recht. Ich war zu viel unterwegs, habe mich zu viel zerfasert, habe versucht, viele Sachen in meine journalistische Arbeit zu integrieren. Und dabei habe ich, Lesern meines Blogs ist es nicht verborgen geblieben, vieles nicht mehr berichtet, nicht mehr thematisiert. Deswegen will ich die Fastenzeit nutzen, um mich auf einige Sachen zu besinnen.
Ich möchte einfach wieder mehr Mensch und Journalist werden, ohne die mir übertragenen Aufgaben zu vernachlässigen.
Ja, ich gebe es zu, ich habe mir viel vorgenommen.
· Ohne Tabak
Einfach mal nicht rauchen, auch wenn mir danach ist. Seit 20 Jahren merke ich, dass ich gerne zur Zigarette greife, wenn ich Langeweile habe. Nicht gerechnet die halb gerauchte Kippe auf dem Weg zur U- oder S-Bahn. Und die Verwunderung darüber, dass ich diese Zeiten gut überbrücken kann, weil es kurze Zeiten sind. Ich war heute von 9 bis 15 Uhr unterwegs und hatte keinen Tabak dabei … und ich habe keinen Augenblick die Kippe vermisst. Sollte also gehen. :)
· Ohne Alkohol
Viel zu oft komme ich abends heim und genieße noch ein Bier oder ein Glas Rotwein. Oder war auf einer Veranstaltung und habe ein Glas Rotwein oder Bier (oder auch zwei) getrunken. Muss auch nicht sein, Gespräche bei Terminen kann man auch ohne Alkohol führen. Einfach so.
· Ohne Fleisch
Zuviel Fleisch esse ich eigentlich erst, seit ich vor einem Jahr meinen Dampfgarer in Betrieb genommen habe, sieht man von Burger-Kost oder Currywurst und dergleichen ab. Muss eigentlich auch nicht sein.
Insofern sind die ersten drei Punkte Genuss-Punkte. Nicht einfach abzustellen, aber ich versuche das.
· Ohne Jazz
Himmel. Wer mich kennt, weiß, dass ich ohne Musik nicht sein kann. Und der Jazz gehört zu meinem Leben, irgendwie. Nachdem ich dieses Jahr nicht in der Jury zum Bayerischen Jazzweekend sein werde, was sehr positiv ist, da ich unabhängiger sein werde, versuche ich, ein echtes Opfer zu bringen und bis Ostern keinen Jazz zu hören. Aber auch keine Liedermacher oder Ernst Mosch. Lieber abends mal hinlegen und die ca. 15 Bücher lesen, die sich mit mir mein Bett teilen.
· Ohne Alter Ego
Ich liebe meinen privaten Twitter-Account „Hynkl”, ich brauche ihn, damit ich Gedanken abseits des ach so wichtigen Medienaccounts äußern kann, damit ich nicht ersticke am Irrsinn dieser Welt. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich der Verantwortung für Hynkl, mein privates Ego, nicht immer gerecht werden kann. Seit Oktober habe ich immer wieder Auszeiten probiert und musste doch immer reaktivieren, weil mich zu viel umtrieb. Weil mich zu viel aufregte. Und nach ein paar Tagen merkte ich, dass ich seiner überdrüssig wurde. Deswegen ist das vielleicht mein größter Verzicht: Einfach mal die Schnauze halten und nix sagen, auch wenn die Finger jucken. Sollte Hynkl wieder notwendig werden, dann kommt er wieder.
Aber ich versuche das alles einmal.
Scheitern inklusive.
Social Media beeinflusst den Wahlkampf. In den USA war das bei der Präsidentenwahl zu beobachten. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) hatte zusammen mit dem US-Konsulat zu einer weiteren Podiumsdiskussion geladen, bei der die US-Wahl nachbetrachtet wurde. Professor Dr. Molly Selvin analysierte recht anschaulich mit wenig Grafiken, aber mehr YouTube-Videos die Beeinflussung, die Demokraten und Republikaner über das Netz auszuüben versuchten. Klaus Kastan vom Bayerischen Rundfunk moderierte die Veranstaltung. Kastan war zuletzt 6 Jahre als Korrespondent in den Staaten und darf zu Recht als Kenner der Verhältnisse gelten.
Quintessenz: Social Media verändert Politik, unabhängig von Kampagnen können Politiker mit Ihren Wählern direkt in Kontakt treten. Videos, die unter Nutzern verbreitet werden, tragen zur Meinungsbildung bei. Und noch eins: Verkürzte Statements (insbesondere auf Twitter) finden schnell den Weg zur Massenverbreitung. Hier heißt es also für Wahlkämpfer: Aufpassen.
Was mir positiv auffiel: Die Skype-Schalte mit einem SZ-Korrespondeten. Brachte Leben in die Debatte, war ein toller Einblick in Social Media – allgemein gesehen, wenn man Skype dazu zählen will.
Sehr gut zusammengefasst haben die Diskussion Klaus Kastan und LMU-Professor Carsten Reinemann. Das Schluss-Statement:
BLM-Präsident Siegfried Schneider und US-Generalkonsul Bill Moeller hielten zu Beginn ihre Statements.
Auf Twitter war die Debatte in Auszügen mit zu verfolgen. Der Hashtag auf Twitter war: #miwk.
Sobald die BLM einen Bericht zur Veranstaltung erstellt hat, reiche ich diesen nach.
Am Freitag war ich zu Gast bei der Katholischen Erziehergemeinschaft in der Oberpfalz. Dort habe ich in einem Kurzreferat vorgestellt, wie ich als Pressereferent für die Lehrer im Landesverband der KEG arbeite und was mir wichtig ist. Einer meiner Schwerpunkte liegt darin, dass ich den Mitgliedern der Katholischen Erziehergemeinschaft klar mache, dass Medienarbeit heute andere, neue Schwerpunkte hat. Das heißt vor allem: Social Media, Bloggen und die neuen technischen Möglichkeiten ausnutzen, um Öffentlichkeit herzustellen.
Ich darf mich bei der KEG Oberpfalz bedanken, dass ich zu Gast sein und mich vorstellen durfte und freue mich, wenn andere Bezirksverbände diesem Beispiel folgen.
Die Verführung und Gefährdung ist immer nur einen Mausklick entfernt. Davon ist Jörg Kabierske überzeugt. Er meint damit nicht nur die Pornografie, die sich im Netz leicht finden lässt, sondern auch Gewaltverherrlichung und Urheberrechtsverletzung. Das war der Tenor eines Vortrages und interaktiven Gespräches, das Kabierske bei der Pädagogischen Freizeitwoche der Katholischen Erziehegemeinschaft hielt.
Sehr praktisch führte der Dozent vor, was Jugendliche sich im Netz alles anschauen können, von Seiten mit pornografischen Inhalten bis hin zu Maze Games, die sich in zunächst harmlos daher kommenden Youtube-Filmen finden lassen.
Sehr erschreckend ist auch, so Kabierske, dass teilweise 80 Prozent der Schüler einer 6. Klasse ohne Aufsicht ins Internet dürfen.
Nicht, das man einem Jugendlichen von vorn herein negative Absichten unterstellen wolle, so der Gründer von Klicksalat.de, aber angesichts der Verrohung, die Kinder und Jugendliche im Fernsehen zu unpassenden Zeiten erleben, darf es nicht wundern, wenn immer mehr Jugendlich ethische Werte vermissen lassen. Der Held auf dem Schulhof ist nicht der, der dem anderen in der Not hilft, sondern der, der die grausamsten Filme und härtesten Pornos zeigt. Deswegen ist es wichtig, dass Lehrer sensibilisiert werden und wissen, was ihre Schüler so konsumieren.
Nicht nur Pornografie und Gewalt sind täglich im Netz präsent, sondern immer noch auch Portale zu Essstörungen. Kabierske führte aktuelle Beispiele vor, das Entsetzen war groß, als die Pädgogen sahen, wie eine 15jährige sich für alle drei Kilo belohnt, die sie abgenommen hat.
Kabierske empfahl ein paar technische Lösungen, um Kindern Internetbeschränkungen aufzuerlegen.
Anhand seines Facebook-Profiles zeigte er den Lehrern der Katholischen Erzieher Gemeinschaft, was in sozialen Netzwerken wichtig ist und wie man seine Privatsphäre schützt. Grundsätzlich empfahl Kabierske, dass die Lehrer sich bei Facebook anmelden. „Damit Sie wissen, über was Ihre Schüler reden.”
Als ich als freier Journalist anfing, dachte ich noch: Blog? Nöööö. Ich mach das via Google+, Facebook und Twitter. Nach kurzer Zeit jedoch wurde mir klar, dass ein Blog besser ist: Zunächst war für mich der Hauptgrund, dass ich die Kontrolle über meine Inhalte (Fotos, Texte etc.) behalte. Und recht schnell wurde mir nach den ersten Versuchen klar, dass eine feste Anlaufadresse, die nicht von der Teilnahme an einem Sozialen Netzwerk abhängig ist, einen unschlagbaren Vorteil bietet. Ich habe mit dieser Einschätzung Recht gehabt.
Gut 700 Leser haben mich wohl in ihren Favoriten/Lesezeichen verankert, die Zugriffszahlen etablieren sich konstant deutlich oberhalb der 70.000er-Marke. So die Statistik meines Providers.
Ich hatte am Anfang Scheu davor, jeden Tag Content liefern zu müssen. Heute liefere ich nicht jeden Tag einen Artikel und sehe das als Chance. Lieber Themen, die meine Leser und mich gleichermaßen interessieren. Weniger ist oft mehr. Das beweist sich mit diesem Blog ganz wunderbar.
Und immerhin habe ich es geschafft, über dieses Blog zu einem sehr schönen Auftrag zu kommen. Ich arbeite auf freiberuflicher Basis unter anderem für die Katholische Erzieher Gemeinschaft (KEG), erledige in Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, dokumentiere Veranstaltungen und starte weitergehende Social-Media-Aktivitäten. Geschafft habe ich das mit diesem Beitrag über Lehrer- und ErzieherInnen, die mit ihren Kindern neue Lieder singen wollen.
Ich habe mich also in gewisser Weise als Marke etabliert.
Das ist ein Weg, den ich nicht nur Freiberuflern ans Herz legen will, sondern auch Firmen. Insofern kann ich die Thesen von Klaus Eck nur unterstützen, der schreibt: „Es gibt manchmal eine spannende Alternative, die viele unserer Kunden zunächst gar nicht für sich auf der Agenda hatten: das Bloggen.”
Gunnar Sohn führt in seinem Ich-sag-mal-Blog weiter aus: „Man schreibt nicht akademisch korrekt oder pedantisch genau, sondern aus dem Stegreif. Man formuliert aus dem Schwung heraus. „Alles“ ist nicht zu lesen, zu kennen, zu wissen. Es reicht nur zu Verweisen und Fundorten. Entscheidend ist die Zirkulation der Daten, der Datenstrom, der keinen Anfang und kein Ende hat, der neue Routen und Entdeckungen zulässt.”
Diesen Artikel empfehle ich, weil er zusammenfasst, was verschiedene Journalisten, Blogger, Berater an Positionen vertreten. Dazu kommt die Gunnar eigene Art, komplizierte Sachverhalte so runterzubrechen, dass Otto Normal das sehr gut nachvollziehen kann.
Noch ein Wort zu Social Media: Ich nutze Facebook, Twitter und G+ vor allem dazu, meine Artikel bekannt zu machen. Und bei Twitter und Facebook kommt auch ein gewisser Anteil Socializing dazu. ;)
Was für eine Woche!
Am Montag habe ich in Heimarbeit zwei Artikel online gestellt. Der eine zur informare!, der andere lag schon etwas auf Halde. Karlheinz Rieger hatte ich im Rahmen meiner Social-Media-Interviews vor das Mikrofon gebeten. Manchmal brauchen gute Geschichten auch Zeit, um zu reifen. Oder anders gesagt: Mir fehlte der Dreh in die Geschichte. Kollegen kennen das. Gut, wenn eine Story dann zeitlos ist. Ich habe noch ein paar Sachen auf Lager.
Der Dienstag war der Horst-Tag. Der CSU-Vorsitzende lud zur Facebook-Party in die Münchner Diskotek P1.
Nach drei Stunden Schlaf machte ich mich auf nach Berlin. Mittwoch abend, 17 Uhr, würde ich dort mit Gunnar Sohn auf der Bühne sitzen und eine Art Late-Night-Show moderieren. War cool. Danach gingen Gunnar, Hannes Schleeh, Bernd Stahl und ich noch in die Ständige Vertretung. Bei Altkanzler-Platte (Currywurst!) und Kölsch diskutierten wir und gebaren die Idee eines Blogger-Camps. Mehr dazu gibt es demnächst bei Gunnar Sohn und mir in den Blogs. Diese Momente liebe ich sehr. In lockerer Runde eine Idee ausbrüten und dann weiterspinnen.
Nach gut 6 Stunden Schlaf war ich nochmal auf der informare, bearbeitete die Audioversion des Panels. Und merkte, dass ich viel zu müde für irgendwas bin. Dennoch habe ich gute Gespräche geführt. Mittags bin ich dann zum nächsten Termin gehetzt. Donnerstag mittag Kaffeetrinken mit Dagmar Wöhrl, CSU-MdB. Seit der fragwürdigen Publikation des SPIEGEL zu einer Auslandsreise der Bundestagsabgeordneten sind wir einander herzlich verbunden. Politisch sicher nicht immer kongruent, aber eben herzlich und respektvoll. Lustig auch, dass ich mehr Zeit bei Dagmar Wöhrl verbringen durfte als ein Botschafter, der nach mir vorsprach. Ich habe übrigens bei diesem Termin keine Fotos gemacht. Keine Audio-Aufzeichnung. Das war privat.
Nachmittags fuhr ich wieder heim. Den Freitag habe ich dann telefonierend und Wäsche waschend verbracht. Und zwei Angebote geschrieben.
Meine Erkältung ist leider immer noch nicht besser geworden. Dennoch will ich, wenn es geht, am Sonntag zur Wahlparty der Piraten nach München. Am Dienstag abend habe ich auf der Party bei Seehofer drei sehr sympathische Vertreter dieser Partei kennengelernt.
Und die nächste Woche?
Irgendwas mit Urheberrecht.
Glaube ich.
CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer macht seine erste Facebook-Party. Die Kollegen landauf, landab schreiben drüber. Viele Medienvertreter sind zugegen. Partygäste? Statt über 2.500 “nur” gut 500. Schlimm? Nöööö.
Es hatte durchaus Charme, wie sich die CSU ein weiteres Mal ins Netz vortastet.
Heute statt Bericht einfach ein paar Bilder.
Schade war, dass erst ab 20 Uhr eingelassen wurde. Wettgemacht wurde das durch die Mehrheit der Münchner Partymenschen, die selten um die Zeit ins Nachleben schwärmen. Die buchstaben-bezogenen Check-Ins arbeiteten sehr gut. Dass Horst Seehofer dennoch über eine Stunde vom Sperrgitter bis in die Disco brauchte, ist den Medien geschuldet. Natürlich will jedes Fernsehteam den Horst exclusiv. Das dauert. Komische Rolle des Abends gehört den Medien, die die Veranstaltung hochgejazzt haben, um sich dann über ‘nur’ 500 Gäste zu mokieren.
Der Horst hat sich jedenfalls nicht zur Tessa gemacht. Und bei der nächsten Facebook-Party vom Seehofer hat die CSU die kleineren Unzulänglichkeiten sicher ausgebügelt. Denn: Sie ist lernfähig.
Vor ein paar Wochen forderte Dorothee Bär, die stellvertretende Generalsekretärin und netzpolitische Sprecherin der CSU, dass jedes Schulkind seinen Tablet-PC bekommen soll. Ich habe mich aufgemacht in die Nähe von Wasserburg am Inn und mit Karlheinz Rieger über die Medienwirklichkeit und Medienkompetenz an einer Schule gesprochen. Der 60jährige ist Rektor der Grund- und Mittelschule in Eiselfing.
Er erinnert sich an die Bestandsaufnahme, als er vor etwas mehr als sechs Jahren an die Schule kam:
Karlheinz Rieger hat eines dieser etwas zu groß geratenen Smartphones, auf dem er während unseres Treffens immer mal wieder rumtippt. Sein Engagement in Sachen Social Media ist eingeschränkt, wie er selber zugibt:
Rieger ist kein Digital Native. Aber der Rektor gibt eine sehr klare Definition, was für ihn Social Media bedeutet:
Karlheinz Rieger fördert auch die Social-Media-Aktivitäten seiner Schüler:
Der Rektor gibt allen Eltern mit auf den Weg, sich selber mit Social Media zu beschäftigen:
Einerseits ist, so Rieger, die Politik gefordert. Aber auch jeder Einzelne muss sein Verhalten überdenken:
Deswegen muss Schule heutzutage auch mehr leisten als die traditionelle Wissensvermittlung. Mehr noch: Medienunterricht und Medienkompetenz können gar nicht mehr vor dem Privatbereich der Schüler Halt machen, wenn man Auswüchse vermeiden will:
Die Digitalisierung des Alltags wird weiter fortschreiten. Und so wird auch irgendwann die Vision von Dorothee Bär Wirklichkeit, dass jeder Schüler sein Tablet hat:
Die Mittelschule Eiselfing ist hier in Facebook präsent.
Die Schüler der Grund- und Mittelschule Eiselfing erstellen ein Wiki über ihren Ort.
Was passiert eigentlich mit meinen Dokumenten und Daten, wenn mein Account bei Facebook oder Google+ gesperrt wird?
Ich wurde heute durch diesen Artikel von Gunnar Sohn im „The European“ aufgeschreckt:
Ansonsten spitzt sich die Frage zu, ob nun das Grundgesetz gilt oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook. Wenn der politische Meinungsbildungsprozess auf privaten Servern stattfindet und Mark Zuckerberg nach Lust und Laune virtuelle Existenzen ein- oder ausschalten kann, dann sieht man das Konfliktpotenzial für die Netz-Gesellschaft. Hier brauchen wir neue Regeln und zwar international. Sascha Lobo brachte die Uno ins Spiel. Und in der Tat geht es um ein völkerrechtliches Problem. Es geht um Weltfragen. „Theoretisch können heute fünf Milliarden Menschen das Internet nutzen, wenn man den Mobilfunk einschließt. So ein gigantisches Wachstum hat es in der Menschheitsgeschichte vorher nie gegeben. Deswegen sind viele politische Akteure überfordert, weil sie zur Regelung von Weltfragen nur das System der zwischenstaatlichen Organisationen haben – etwa die Vereinten Nationen, der G8-Gipfel, die Europäische Union oder die OECD. Hier findet alles hinter verschlossenen Türen statt. Es wird von oben nach unten hinter verschlossenen Türen entschieden“, bemängelt Professor Wolfgang Kleinwächter in dem Republica-Panel „HACKING THE MAP OF INTERNET GOVERNANCE“. Man bekomme keinen Zugang zu Dokumenten, ACTA-Verhandlungen laufen unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit und Einflüsterungen von Lobbyisten bei Gesetzesinitiativen erreichen nicht das Licht der Öffentlichkeit.
Ich bekam schon letztes Jahr an einer Aus- und Weiterbildungseinrichtung für Journalisten immer ein schlechtes Gefühl, wenn ich die Querverweise auf Gogglemail oder Googledocs hörte. So verlockend das Angebot ist, ich schreibe lieber lokal bei mir auf meinem Rechner und gleiche diese Dokumente maximal durch eine geschützte Cloud mit anderen Rechnern ab. Leser meines Blogs wissen, welchen Anbieter ich schätze. Bei besonders brisanten Geschichten würde ich sogar heute noch soweit gehen und komplett offline schreiben und konventionell mittels USB-Stick zu sichern.
Das ist keine Paranoia, nur eine kleine Vorsichtsmaßnahme. In letzter Zeit las man öfters, dass Profile in Sozialen Netzwerken gesperrt werden, manchmal reicht nur ein ungewöhnlicher Name.
Dass ich die Kostenlos-Kultur der Sozialen Netzwerke im Internet mit meinen Daten bezahle, schreckt mich nicht mehr sonderlich. Bruder Sorglos darf ich nicht sein, ich überlege mir bei jeder Anwendung, ob sie notwendig ist, handle restriktiv und, … manchmal bin ich sogar unterwegs, ohne mich bei Foursquare einzuloggen.
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: die klassische Totholz-Kalender-App hat bei mir eine Wiederbelebung erfahren. Es kann nämlich auch nervend sein, wenn meine synchronisierten Rechner parallel Terminerinnerungen raushauen und so für ein akustisches Inferno sorgen.
Noch eins fällt mir auf: Als ich mit iPad und WiFi unterwegs war, reichten mir 500 MB locker als Mobiles Volumen für einen Monat. Seit meinem Wechsel zu Android sind die Apps weniger geworden, aber das Volumen ist so gestiegen, dass ich nach 20 Tagen limitierte Geschwindigkeit spüre.
Ich will keines der beteiligten Unternehmen der Datenschleuderei bezichtigen, auch nicht das eine besser als das andere hinstellen. Dennoch würde ich manchmal gerne wissen, was für Daten da verschaufelt werden.
Meine These: Solange ich nicht abgesichert bin gegen letztlich auch eine Löschung meiner Existenz, werde ich einen Teufel tun, mehr Daten von mir als notwendig in die Wolke und zu Anbietern zu schieben, als ich unbedingt muss.
Aber ich bin gespannt, wie die Experten Hannes Schleeh, Arnoud de Kemp und Bernhard Stahl auf dem Panel Obi Wan Kenobi und das Future Internet auf meine Abschottung reagieren.
Wir sehen uns! Am 09.Mai um 17.30 Uhr im Café Moskau in Berlin.
(Mag sein, dass der Titel des Artikels heute durch Gerhard Polt beeinflußt ist, dem zu entkommen heute nur durch strengste Medienabstinenz möglich wäre.)
Die erste Erkenntnis des Abends: Karl Heinz Keil von der Hanns-Seidel-Stiftung stellte fest, dass 75 bis 80 Prozent der gut 150 Gäste, die gekommen waren, in sozialen Netzwerken aktiv sind, insgesamt habe man nur 20 Einladungen per Post erhalten. Die konservative Klientel ist entgegen landläufiger Meinung im Netz angekommen.
Grund genug, sich in einer Podiumsdiskussion mit dem Einfluss der Sozialen Medien auf die Politik zu beschäftigen.
Karl Heinz Keil umriss das im Eingangsstatement so:
Er verwies auf Amerika, wo sich der Präsident ohne weiteres von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg interviewen ließ, eine Nähe, so Keil, die in Deutschland nicht so einfach denkbar wäre.
Welcher Wechselwirkung unterliegt Politik im Zusammenspiel mit Social Media?
Renate Dodell, Landtagsabgeordnete aus dem Oberland, berichtete anschaulich von ihren Erfahrungen:
Der Auftritt eines Politikers in Sozialen Netzwerken schafft Nähe, senkt die Ansprechschwelle und schafft Transparenz. Renate Dodell legt dabei Wert auf faire Diskussionen, wenns unter die Gürtellinie geht, zeigt sie das Stopschild. Aus ihrer Mitgliedschaft bei Flickr, einer Foto-Community, hat sie eines gelernt und legt ein Besipiel nach:
Die Landtagsabgeordnete ist durch die Einladung ihrer Söhne in Soziale Netzwerke gekommen. Professor Daniel Michelis gab jedoch zu bedenken:
Keine neue Erkenntnis, dass das Internet und die Technik fast schon alle Bereiche unseres Lebens erobert hat. Professor Michelis fasste das plakativ in der Frage zusammen: „Wer hat noch einen Wecker, mit dem man nicht telefonieren kann?“
Unterstützt wurde er dabei von Matthias J. Lange, der mit einer Abfrage und Handzeichen herausstellte, dass fast jeder ein Mobiltelefon hat, die Hälfte davon ein Smartphone, mit dem Internetanwendungen möglich sind. Und: Gemessen daran, dass das Publikum in weiten Teilen schon im Alter gesetzter war, erstaunte es doch, dass einige über die Anschaffung eines Tablets nachdenken.
Andreas Bachmann vom Bayerischen Rundfunk erläuterte, wie sehr moderne Kommunikationsmittel auch journalistisches Arbeiten verändern. Das Modell vom Journalisten als Sender und dem Hörer/Zuschauer als Empfänger hat endgültig ausgedient. Der Journalist muss heute mehr Begleiter durch die Medienflut sein, Nachrichten gewichten und einordnen.
Das Bayerische Fernsehen wird das in einem Modellprojekt ab 14. Mai begleiten. Da startet für vier Wochen die Rundshow, eine ungewöhnliche Nachrichten-Sendung mit Internetbegleitung.
Die anschließende Publikumsdiskussion zeigte, dass ältere Menschen den neuen Medien durchaus aufgeschlossen gegenüberstehen, aber dennoch eher zu linearem Medienkonsum und Begleitung durch den Journalisten neigen. Die Jüngeren wollen über ihre Nachrichten und Quellen selbst entscheiden, so der Twitterer Sebids:
„Ja und ich bin immer online. Das ist das neue Tempo. Langsame Politik geht heute nicht mehr. Ich habe Struktur. #hss0305 #generationanalog“
Andreas Jungherr versuchte in seinem Statement zum Schluß alle Seiten zusammenzubringen:
Das Thema Social Media und Politik kann in drei Stunden nicht erschöpfend behandelt werden. Es bedarf sicher noch vieler, weiterer Veranstaltungen, um den Skeptikern die Angst vor Sozialen Netzwerken zu nehmen. Medienkompetenz ist dringend notwendig. Das ist die zweite Erkenntnis des Abends in der Hanns-Seidel-Stiftung.
Auf dem Podium von links nach rechts: Tomas Vio Michaelis, Andreas Jungherr, M.A., Professor Daniel Michelis, MdL Renate Dodell, Karl Heinz Keil, Andreas Bachmann und Matthias J. Lange
Mit dem Thema Social Media und dem Einfluß des Internets und seiner Anwendungen befasst sich auch ein Panel, das Gunnar Sohn und ich auf der informare in Berlin moderieren.
Heute habe ich meinen 50. Blogeintrag verfasst. Beinahe hätte ich das nicht gemerkt.
Nach fast zehn Jahren auf der Straße (als Busfahrer!) habe ich vor einem Jahr meinem Leben noch mal die Kehrtwende gegeben. Zurück zum Journalistenhandwerk. Ich ging an die Journalisten-akademie München und lernte, was ein Online-Journalist heute wissen und können muss.
Danach sprang ich nochmal in ganz kaltes Wasser. Ich firmiere als Freier Journalist.
Und ich bin froh.
Als ich heute mal meine Klickzahlen zu diesem Blog durchschaute, habe ich gesehen, dass diese kontinuierlich wachsen. Im März waren es noch gut 37.000 Besuche auf meiner Site. Der April ist zu 2/3 rum und es sind schon über 45.000 Klicks.
Dafür sage ich DANKE.
Ich glaube, dass der Weg richtig ist.
Ich danke an dieser Stelle allen, die sich vornehmlich über Twitter, Facebook und Google Plus mit mir vernetzt haben.
Vor einem Jahr habe ich an der Journalistenakademie ein Bild malen müssen. Es ging darum, was wir am Ende des Lehrgangs sein wollen. Mir war klar: Irgendwas mit Musik (die heimliche Geliebte…).
Eine Posaune, eine Trommel, ein Tenorhorn und ein Arbeitsplatz mit Computer. Kommt ziemlich nah an die Wirklichkeit ran. Ich schreibe viel über Musik.
Deswegen kriegen die Besucher meines Blogs heute auch einen Einblick in den musikalischen Heinrich, verbunden mit dem herzlichsten Dank, den ich geben kann. Eure Klickzahlen zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Ausdrücklich danke ich Stephanie Gust für das Design dieser Website, dem Bayerischen Jazzintitut, Thomas Schreyegg und Nicki, Maren Supthut. Und Markus Sänger.
(Nebenbemerkung: Liebe GEMA, ich habe Euch keine Wahrnehmung meiner Rechte abgetreten und keiner der beteiligten Musiker ist Euch angegliedert. Es ist meine Komposition und mein Eigentum, das ich hier verschenke.)
Früher ließ man, so ein altes Sprichwort, die Kirche im Dorf. Heute stehen angesichts fortschreitender Verweltlichung und Priestermangel viele Kirchen leer. Der sonntägliche Kirchgang ist schon lange nicht mehr die Regel. Die Kirche steht vor der Frage, wie sie die Menschen erreichen kann. Das hat auch Erzbischof Robert Zollitsch unlängst zum Abschluss der Deutschen Bischofskonferenz in Regensburg thematisiert.
Auf der einen Seite geht es um Medienkompetenz, die sowohl die Kirche an den Tag legen muss als auch vermitteln will und soll. Die andere Seite: Kirche nutzt das Internet, um Menschen zu erreichen. Wie zum Beispiel die Presse- und Medienabteilung des Bistum Regensburg. Seit gut drei Monaten tummelt sich die Mitarbeiter der Pressestelle auf Facebook und Twitter. Sie verstehen sich auch als Ansprechpartner:
Social Media ist im Bistum Regensburg also nicht wie bei vielen anderen Unternehmen Einbahnstraßen-Kommunikation.
In der nächsten Folge porträtiere ich den Generalvikar des Bistum Regensburg, Prälat Michael Fuchs.
oder: Vernetzung ist wichtig
Ein Zitat aus einem Artikel von Sylke Merbold (Bayerisches Jazzinstitut, Regensburg) vorangestellt:
Ein sehr guter Artikel, der gleichwohl Chancen, Versäumtes und Risiken aufzeigt.
Nehmen Sie sich die Zeit, diesen zu lesen. Kehren Sie dann wieder hierher zurück. :)
Um die deutsche Jazz-Szene steht es nicht schlecht, wir haben altgediente, erfahrene Musiker und neue, frische Talente. Ich weiß, dass ich hier jetzt ein Klischee bediene, aber sei’s drum.
Mir scheint, dass die Musiker zu oft nur Musiker sind und (von den Jüngeren mal abgesehen) noch viel zu oft gedanklich in ihren rauchigen Clubs hängen, anstatt auf veränderte Darstellungsmöglichkeiten einzugehen.
Sprich: das, was Sylke Merbold sehr richtig mit der Vernetzung umschrieb, muss noch mehr forciert werden. Aber – und das ist der Unterschied, von innen. Ich verweise ungern auf ‘Die Staaten’, aber hier leben einige Jazzer ganz vorbildlich Vernetzung vor: Trombone Shorty ist auf Facebook präsent (über 57.000 Menschen gefällt das), er hat auf Twitter knapp 15.000 Follower. Diese Zahlen auf die breite Masse der deutschen Jazzer zu übertragen, halte ich allerdings für gefährlich. Aber es zeigt: Wer sich auch als Musiker und Jazzer mit den neuen Möglichkeiten des Internets auseinandersetzt, der gewinnt.
Vernetzung ist alles, aber das Netz ist nicht alles
Vernetzung ist heute mehr denn je wichtiger. Und sind wir mal ehrlich, so hat es die Vernetzung ja auch schon im Mittelalter gegeben. Handwerkerbünde und Gilden sprechen eine eindeutige Sprache. Das hat nicht nur mit Protektion oder Seilschaften zu tun, sondern ist Ausdruck dessen, dass die Erfahrenen den weniger Erfahrenen etwas weitergeben: Ihr Wissen. Musikalisch passiert das in Workshops, Unterricht, Sessions, es passiert sozial beim Bier nach dem Auftritt. Alles gut und recht. Aber Vernetzung muss heute weiter gehen.
Es reicht nicht aus, auf die Plattenlabels zu schimpfen, dass diese weniger Tonträger finanzieren und ihr Engagement zurückfahren. Das ist ein bedauerliches Phänomen, aber wie soll ein kleines Label das stemmen, wenn die großen Firmen schon jammern? Ich habe dieser Tage in der kulturWelt in Bayern2 das Portrait eines Studio- und Labelbesitzers gehört, der einen Silberstreif am Horizont sieht, wenn sich die Zahl der legalen Downloads erhöht. Aber gleichzeitig sieht er die Musiker in der Pflicht, die sich unter Umständen finanziell beteiligen müssen. Mit anderen Worten: Wenn ich eine Idee habe, muss ich bereit sein, Opfer zu bringen und eine Anschubfinanzierung zu leisten. Die Frage, welcher (Klischee!) Jazzer sich das leisten kann, muss ich unbeantwortet lassen.
Es reicht nicht aus, auf die Politik zu schimpfen oder zu hoffen. Die gestrige Anhörung im Bundestag macht zwar Hoffnung, aber in Zeiten knapper Kassen wird ganz gerne da gespart, wo es nach Meinung der Politiker am ehesten geht: Bei der Kunst und Kultur. Sei es Theater (Schwerin!), sei es Kulturförderung, sei es Zuschüsse zu Veranstaltungen oder eben auch – beim Jazz. In den Köpfen der meisten Entscheidungsträger ist nicht richtig verankert, dass der Jazz Weltmusik ist. Eher ist die Angst in den Köpfen, dass Jazz Revolutionen begünstige. Dem ist nicht so, aber das wird befördert aus dem Klischeebild des verrauchten Kellerlokals.
Raus aus dem Keller!
Nutzt die erschwingliche Technik zum Home-Recording. Seid aber so lieb und stellt das Aufnahmegerät nicht vor die Basedrum. Es gibt auch hier Freunde und Könner, die gegen einen geringen Betrag bereit sind, Euch das Aufnehmen abzunehmen, wenn ihr selber der Technik abhold seid. Überlegt Euch, wie Ihr diese Aufnahmen nutzen könnt, um Euch und Euer Anliegen bekannt zu machen.
Liebe Jazzmusiker und deren Freunde, es ist nicht einfach, aber es ist machbar: Vernetzt Euch! Nutzt dieses neue Internet, pflegt Kontakte, sammelt Fans ein. Nutzt Multiplikatoren! Ich kann hier keinen Seminar-Leitfaden anbieten, aber ein paar Tipps sollen es allemale sein:
Pflegt Eure Websites, es gibt Tools, mit denen sich ganz leicht Social-Media-Aktivitäten einbinden lassen. Sprecht Eure Fans direkt an, tretet mit ihnen in eine Kommunikation. Postet mal ein kleines Video, mal einen (vielleicht sogar lustigen) Ausschnitt aus einem Stück, steht auch zu Euren Schwächen, was einen Patzer angeht. Wenn er lustig ist, nimmt Euch das keiner übel. Ihr werdet nur begreifbarer für den, der Eure Leistung schätzt oder Eure Musik noch kennenlernen soll.Social Media ist alles, aber Social Media ist nicht alles!
Pflegt Eure Facebook-Accounts, seid bei Google Plus. Und: Vor allem: Twittert! Hängt an Eure Botschaften ein Bild aus dem Konzert an, verweist auf Eure Auftritte, Websites oder sonstigen Präsenzen. Nirgends ist es leichter, Fans, Freunde, Multiplikatoren zu erreichen. Nirgends ist es leichter, an Informationen, Inspirationen und Input zu gelangen. Baut Euch Euer Netz auf. Sucht Euch gleich- und gutgesinnte Menschen, im Bereich Jazz empfiehlt sich @Bayernjazz, sorgt für Vervielfältigung Eurer Ideen.
Social Media ist heute teilweise das, was früher Handwerkerbünde und Musikergewerkschaften waren. Zusammen sind wir stark, erinnert Ihr Euch?
Ich wünsche mir, dass ich nie mehr Ohrenzeuge eines Telefonates werden muss, in dem einem am Telefon gesagt werden muss: Ja, dann musst Du twittern, da poste ich sehr viel zu dem Thema. Begreift, dass das Mobiltelefon in seinen neuesten Ausführungen viel mehr als Telefon und SMS ist. Setzt von unterwegs einen Tweet ab, wohin ihr grade fahrt, setzt vor den Ort ein ‘#’ (hashtag). Glaubt mir, ihr werdet gefunden – und vielleicht findet Ihr einen neuen Fan.Jazz ist nicht tot, Jazz liegt nicht im Keller und darbt vor sich hin. Deswegen:
Vernetzt Euch! Wer sich zu spät vernetzt, bleibt im Kellerlokal sitzen. Glaubt mir: Da kommt sehr schnell einer und macht das Licht aus.
… und damit meine ich jetzt nicht die wunderschöne Polka ‘Dompfaff’ von Ernst Mosch und seinen Egerländer Musikanten, sondern das Engagement der katholischen Kirche in Social Media.
Kirche und Internet – auf den ersten Blick unvereinbar. Das Internet, schnell mit bösen Dingen wie Raubkopie, Pornografie und Datenmissbrauch in Verbindung gebracht, scheint nicht der Ort zu sein, in dem sich die Kirche aufhalten will. Und doch: Die Kirche ist im Bereich Social Media schon vertreten und will noch aktiver werden. Seit wenigen Wochen twittert sogar der Papst, unterstützt von seinen Mitarbeitern in der Kurie.
Eine Ebene weiter unten sieht das etwas anders aus: Der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, twittert selber, er hat auch die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Regensburg begleitet. Michael Fuchs hält seine Mitarbeiter sogar an, sich in Social Media zu engagieren. Wie das genau aussieht, das wird in der Folge ein weiterer Beitrag behandeln.
Bei der Bischofskonferenz sagte der Vorsitzende, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, im Anschluss an sein Statement, dass alle Fragen von uns Pressevertretern erlaubt seien. Ich habe etwas gezögert, ihm eine Frage zu Social Media zu stellen, er ist kein Digital Native. In seinem Statement sprach er ‘Cybermobbing’ als ‘Keibermobbing’ aus. Nicht schlimm, für das Internet und Social Media hat der Bischof ja auch seine Mitarbeiter. Übrigens: Die Kollegen der Presse haben etwas gelacht, aber ich glaube, auf Dauer wird Social Media für alle Medien(vertreter) ein unverzichtbarer Teil der Arbeit werden.
Hier ist der Link zu meiner Frage und der Antwort von Erzbischof Zollitsch und Matthias Kopp, Leiter der Pressestelle der Bischofskonferenz. (Danke an domradio, die mir freundlicherweise erlaubt haben, aus ihrem Stream zu zitieren.) Erzbischof Zollitsch hat übrigens einen Twitteraccount, ich fände es schön, wenn durch diesen Beitrag auch die Bischofskonferenz das Twittern anfangen würde.
Generalvikar Michael Fuchs ist da schon weiter. Wie das aussieht, habe ich mal in einem ScreenShot festgehalten: (Hinweis für Nicht-Twitterer: Die Beiträge von unten nach oben lesen!) Mit dem Leiter der Pressestelle des Bistums Regensburg, Clemens Neck, bin ich vor der Konferenz schon zusammengetroffen. Ich habe ihm mein Anliegen und meine Ansichten geschildert und habe regelrecht offene Türen eingerannt. Heute morgen hat sich ein Mitarbeiter der Pressestelle gleich telefonisch bei mir gemeldet und mir versprochen, dass ich für einen weiteren Beitrag Einblicke und Gesprächspartner vermittelt bekomme, wie sich die Kirchenleitung des Bistums Regensburg ihr Engagement in Social Media vorstellt. Ich bin selber schon ganz gespannt, was mich da an Erkenntnissen erwartet. Ich habe die Gelegenheit gehabt, im Anschluss an die Pressekonferenz mit Erzbischof Zollitsch auch den Oberhirten des Bistums Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, zu Social Media zu befragen. Er kann, so sagte er, sein iPad bedienen, mit dem iPhone umgehen, findet das Engagement seiner Pressestelle beachtlich, aber: Ihm ist ‘Face to Face und nicht nur Facebook’ lieber. Wer wissen will, welche Bischöfe und Äbte schon twittern, der kann dem Generalvikar des Bistum Regensburg folgen. Michael Fuchs berichtet regelmäßig in seinen Tweets von seinen Entdeckungen.
Zum Abschluss meines Blogs noch ein paar Screenshots von meiner ‘Berichterstattung’. Und dabei ein Dank an Kollege @Polodessit für das Lob, das er über Twitter aussprach. :)
Ich finde das Thema interessant und berichtenswert. Deswegen: To be continued.