„Damit bist Du raus beim Bloggercamp” – kurz gefasst, knapp. Ich beneide Hannes Schleeh um diese Formulierung. Und ich bin dankbar für die klare Kante. Nein, ich bin nicht böse und ich bin nicht verbittert. Kurze Anmerkungen von meiner Seite aus, dass ich froh bin, nicht mehr Teil des Projektes zu sein:
Ich habe meine freiberufliche Tätigkeit Ende Dezember 2011 begonnen. In dieser Zeit las ich oft Beiträge von Gunnar Sohn und fand, ganz der Redakteur und Korrektor, der ich im Grunde meines Herzens immer noch bin, einige Tipp- und Schönheitsfehler in seinen Aufsätzen. Da Gunnar mir auf Twitter folgte, habe ich die Gelegenheit genutzt, ihn per privater Nachricht auf Korrekturen hinzuweisen. Frei bleibend. Gunnar hat diese angenommen, sofern sie grammatikalisch und rechtschreiberisch in Ordnung waren, in anderen Dingen bewahrte er sich durchaus eine andere Ansicht. Darüber bin ich froh.
Gunnar war auch der Mensch, der mir als erstes einen bezahlten Auftrag zuschanzte. Im Vorfeld zur informare! machte ich ein paar Interviews, moderierte mit Gunnar im Cafe Moskau eine Art Late Night Show.
Schon bei der Moderation habe ich mich unwohl gefühlt. Was ich damals nicht ausdrücken konnte, kann ich heute und an diesem Sonntagabend um so besser. Ich fühlte mich in diesen Wirtschafts- und Internetthemen, sofern beide in Konjunktion stehen, verloren. Ich habe einfach keine Ahnung von Wirtschaft. So einfach ist das.
An diesem Abend lernte ich auch Bernd Stahl und Hannes Schleeh kennen. Nach erfolgter Show sind wir noch einen trinken gegangen. In der StaeV (Ständige Vertretung) in Berlin. Und wie es so kommen musste, ist bei dieser Gelegenheit ein Projekt geboren worden – das Bloggercamp.
Ich war Feuer und Flamme – Die Möglichkeit, sich zu präsentieren, über Netzthemen zu sprechen, ohne einem Formatzwang zu unterliegen, war gegeben – und das mit Gleichgesinnten.
Nun bin ich also raus – und ich bin froh. Ich gebe zu, dass ich mich nicht im Camp engagiert habe, die Themen, vorgegeben durch Gunnar und Hannes, waren nicht Teil meines Lebens. Ich habe es erkannt, aber nicht gesagt. Den Fehler gebe ich zu, frei und ohne Hoffärtigkeit oder das Gefühl von Schuld. Manches erkennt man irgendwann. Und braucht Zeit, es zu formulieren, es zu überdenken.
Und das ist der Punkt, an dem ich zweikommasechs Erklärungen liefern muss: Ich ging sehr offen in das Projekt, musste nur leider erkannte ich irgendwann, dass Themen besetzt werden, die ich nicht beliefern kann.
Einerseits bin ich netzaffin, andererseits habe ich im letzten Vierteljahr meinen Google+ Account stillgelegt, engagiere mich auf Facebook auch nur noch temporär und bin vollauf beschäftigt, mit Twitter Themen zu propagieren, zu erfassen, zu vernetzen.
Es ist keine Social Media Müdigkeit.
Der Kern ist tiefer zu suchen.
Lieber Gunnar, lieber Hannes, lieber Bernd,
ihr habt tolle Themen im Bloggercamp. Aber ich kann einfach nicht mitreden. Die Disruption kann ich bei Google nachschlagen, aber ich kann keine Inhalte dazu liefern. Weil meine Lebenswirklichkeit eine andere ist.
Kurz nach der informare! habe ich einen Auftraggeber gewonnen, der viel Platz in meinem beruflichen Leben hat und mir neben der reinen Pressetätigkeit eröffnet, dass ich mich in der wirklichen Welt vernetze und diese in die virtuelle übertrage. Das erfordert aber auch, dass ich in der wirklichen Welt unterwegs bin. Viele Stunden im Landtag, viele Stunden, in denen ich einen Kultusminister beobachte, einen Bildungsausschuss besuche etc. Daneben ergibt diese Tätigkeit für einen Lehrerverband auch andere Optionen: Aufträge einer politischen Stiftung, Aufträge der evangelischen (!) Kirche, Aufträge aus Ministerien und von Politikern, ohne dass diese mit dem Auftrag der KEG kollidieren. Darauf achte ich schon sehr genau.
Mir fehlt schlichtweg die Zeit, mich ins Bloggercamp einzuklinken. Ich habe es nicht forciert, dass das so kam. Eines baute auf das andere auf. Und eines kam zum anderen. Ich habe in der Zwischenzeit den Auftrag zurückgegeben, ein Buch zu Social Media zu schreiben, wenngleich ich dieses sicher in meinem Umfeld gut verkaufen könnte. Und so habe ich mich still zurück gezogen und mein Engagement im Bloggercamp auf Null gefahren.
Ich gebe zu, dass ich einen Fehler gemacht habe. Den Fehler, dass ich es Euch nicht gesagt habe.
Es gibt Menschen, die Einblick in meinen Kalender und meine Tätigkeiten haben. Diese werden bestätigen, dass ich vergleichsweise mehr als Ihr unterwegs bin. Weil sich meine Themen nicht vom Schreibtisch alleine behandeln lassen. Ohne, dass ich Euch da einen Vorwurf mache. Das bleibt mein Fehler, der alte Fehler, dass ich versuchte, alles unter einen Hut zu bringen und möglichst keinen zu verprellen.
Noch eines: Ich bin mit dem, was in meiner Kirche, der katholischen Kirche abläuft, auch nicht immer einverstanden. Der Missbrauch gehört thematisiert und muss diskutiert werden. Ich mache das auch im Rahmen meiner Tätigkeit für Lehrer („Lehrer, die katholischen” – wie Hannes sagte). Nur: Draufhauen, immer wieder draufhauen, und nochmal draufhauen, weil es dem Zeitgeist und Klickzahlen entspricht, ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg, mit dem Thema Missbrauch umzugehen. Der Finger gehört in die Wunde gelegt, der Finger muss mahnend erhoben werden. Und ich betone, indem ich mich einer Aussage des evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm bediene, dass auch mir jeder Fall in den Kirchen leid tut.
Abseits des Bloggercamps war das auch ein Grund, dass ich mich zurückzog. Ich bin immer noch der Meinung, dass das innerhalb des Systems besser zu thematisieren ist. Von außen billig draufhauen können Qualitätsjournalisten. Nicht ihr!
Lieber Hannes, ich danke Dir für die klaren Worte „Damit bist Du raus…”, ich danke Dir und Gunnar für die Freundschaft und Weggefährtschaft. Irgendwann folge ich Euch auch wieder auf Twitter, ich brauche momentan etwas mehr Luft zum Atmen.
Euch alles Gute mit dem Bloggercamp.
Und nicht vergessen, dass ich vor kurzer Zeit nicht die Twittertussi gegeben habe. Sorry, manchmal muss ich direkt brutal ernst sein und Hintergrundgespräche führen.
Einfach mal so schnell auf Sendung gehen und in einer lauten Disco Tweets vorlesen … ach, da findet Ihr auch einen anderen. ;)
Beste Grüße,
Heinrich
Was für eine Woche!
Am Montag habe ich in Heimarbeit zwei Artikel online gestellt. Der eine zur informare!, der andere lag schon etwas auf Halde. Karlheinz Rieger hatte ich im Rahmen meiner Social-Media-Interviews vor das Mikrofon gebeten. Manchmal brauchen gute Geschichten auch Zeit, um zu reifen. Oder anders gesagt: Mir fehlte der Dreh in die Geschichte. Kollegen kennen das. Gut, wenn eine Story dann zeitlos ist. Ich habe noch ein paar Sachen auf Lager.
Der Dienstag war der Horst-Tag. Der CSU-Vorsitzende lud zur Facebook-Party in die Münchner Diskotek P1.
Nach drei Stunden Schlaf machte ich mich auf nach Berlin. Mittwoch abend, 17 Uhr, würde ich dort mit Gunnar Sohn auf der Bühne sitzen und eine Art Late-Night-Show moderieren. War cool. Danach gingen Gunnar, Hannes Schleeh, Bernd Stahl und ich noch in die Ständige Vertretung. Bei Altkanzler-Platte (Currywurst!) und Kölsch diskutierten wir und gebaren die Idee eines Blogger-Camps. Mehr dazu gibt es demnächst bei Gunnar Sohn und mir in den Blogs. Diese Momente liebe ich sehr. In lockerer Runde eine Idee ausbrüten und dann weiterspinnen.
Nach gut 6 Stunden Schlaf war ich nochmal auf der informare, bearbeitete die Audioversion des Panels. Und merkte, dass ich viel zu müde für irgendwas bin. Dennoch habe ich gute Gespräche geführt. Mittags bin ich dann zum nächsten Termin gehetzt. Donnerstag mittag Kaffeetrinken mit Dagmar Wöhrl, CSU-MdB. Seit der fragwürdigen Publikation des SPIEGEL zu einer Auslandsreise der Bundestagsabgeordneten sind wir einander herzlich verbunden. Politisch sicher nicht immer kongruent, aber eben herzlich und respektvoll. Lustig auch, dass ich mehr Zeit bei Dagmar Wöhrl verbringen durfte als ein Botschafter, der nach mir vorsprach. Ich habe übrigens bei diesem Termin keine Fotos gemacht. Keine Audio-Aufzeichnung. Das war privat.
Nachmittags fuhr ich wieder heim. Den Freitag habe ich dann telefonierend und Wäsche waschend verbracht. Und zwei Angebote geschrieben.
Meine Erkältung ist leider immer noch nicht besser geworden. Dennoch will ich, wenn es geht, am Sonntag zur Wahlparty der Piraten nach München. Am Dienstag abend habe ich auf der Party bei Seehofer drei sehr sympathische Vertreter dieser Partei kennengelernt.
Und die nächste Woche?
Irgendwas mit Urheberrecht.
Glaube ich.
Was passiert eigentlich mit meinen Dokumenten und Daten, wenn mein Account bei Facebook oder Google+ gesperrt wird?
Ich wurde heute durch diesen Artikel von Gunnar Sohn im „The European“ aufgeschreckt:
Ansonsten spitzt sich die Frage zu, ob nun das Grundgesetz gilt oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook. Wenn der politische Meinungsbildungsprozess auf privaten Servern stattfindet und Mark Zuckerberg nach Lust und Laune virtuelle Existenzen ein- oder ausschalten kann, dann sieht man das Konfliktpotenzial für die Netz-Gesellschaft. Hier brauchen wir neue Regeln und zwar international. Sascha Lobo brachte die Uno ins Spiel. Und in der Tat geht es um ein völkerrechtliches Problem. Es geht um Weltfragen. „Theoretisch können heute fünf Milliarden Menschen das Internet nutzen, wenn man den Mobilfunk einschließt. So ein gigantisches Wachstum hat es in der Menschheitsgeschichte vorher nie gegeben. Deswegen sind viele politische Akteure überfordert, weil sie zur Regelung von Weltfragen nur das System der zwischenstaatlichen Organisationen haben – etwa die Vereinten Nationen, der G8-Gipfel, die Europäische Union oder die OECD. Hier findet alles hinter verschlossenen Türen statt. Es wird von oben nach unten hinter verschlossenen Türen entschieden“, bemängelt Professor Wolfgang Kleinwächter in dem Republica-Panel „HACKING THE MAP OF INTERNET GOVERNANCE“. Man bekomme keinen Zugang zu Dokumenten, ACTA-Verhandlungen laufen unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit und Einflüsterungen von Lobbyisten bei Gesetzesinitiativen erreichen nicht das Licht der Öffentlichkeit.
Ich bekam schon letztes Jahr an einer Aus- und Weiterbildungseinrichtung für Journalisten immer ein schlechtes Gefühl, wenn ich die Querverweise auf Gogglemail oder Googledocs hörte. So verlockend das Angebot ist, ich schreibe lieber lokal bei mir auf meinem Rechner und gleiche diese Dokumente maximal durch eine geschützte Cloud mit anderen Rechnern ab. Leser meines Blogs wissen, welchen Anbieter ich schätze. Bei besonders brisanten Geschichten würde ich sogar heute noch soweit gehen und komplett offline schreiben und konventionell mittels USB-Stick zu sichern.
Das ist keine Paranoia, nur eine kleine Vorsichtsmaßnahme. In letzter Zeit las man öfters, dass Profile in Sozialen Netzwerken gesperrt werden, manchmal reicht nur ein ungewöhnlicher Name.
Dass ich die Kostenlos-Kultur der Sozialen Netzwerke im Internet mit meinen Daten bezahle, schreckt mich nicht mehr sonderlich. Bruder Sorglos darf ich nicht sein, ich überlege mir bei jeder Anwendung, ob sie notwendig ist, handle restriktiv und, … manchmal bin ich sogar unterwegs, ohne mich bei Foursquare einzuloggen.
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: die klassische Totholz-Kalender-App hat bei mir eine Wiederbelebung erfahren. Es kann nämlich auch nervend sein, wenn meine synchronisierten Rechner parallel Terminerinnerungen raushauen und so für ein akustisches Inferno sorgen.
Noch eins fällt mir auf: Als ich mit iPad und WiFi unterwegs war, reichten mir 500 MB locker als Mobiles Volumen für einen Monat. Seit meinem Wechsel zu Android sind die Apps weniger geworden, aber das Volumen ist so gestiegen, dass ich nach 20 Tagen limitierte Geschwindigkeit spüre.
Ich will keines der beteiligten Unternehmen der Datenschleuderei bezichtigen, auch nicht das eine besser als das andere hinstellen. Dennoch würde ich manchmal gerne wissen, was für Daten da verschaufelt werden.
Meine These: Solange ich nicht abgesichert bin gegen letztlich auch eine Löschung meiner Existenz, werde ich einen Teufel tun, mehr Daten von mir als notwendig in die Wolke und zu Anbietern zu schieben, als ich unbedingt muss.
Aber ich bin gespannt, wie die Experten Hannes Schleeh, Arnoud de Kemp und Bernhard Stahl auf dem Panel Obi Wan Kenobi und das Future Internet auf meine Abschottung reagieren.
Wir sehen uns! Am 09.Mai um 17.30 Uhr im Café Moskau in Berlin.
(Mag sein, dass der Titel des Artikels heute durch Gerhard Polt beeinflußt ist, dem zu entkommen heute nur durch strengste Medienabstinenz möglich wäre.)
Arnoud de Kemp ist Niederländer, hat in Diensten des Springer Verlages gearbeitet, sich dann selbständig gemacht und organisiert neben seinem Beruf als Verleger die informare, eine Wissenschaftskonferenz in Berlin. Er prophezeit: das klassische Buch und das eBook werden noch länger in friedlicher Koexistenz leben. Aber: das eBook wird auf Dauer mehr Gewicht bekommen. Mehr dazu in diesem Interview:
Arnoud de Kemp ist Gast auf einem Panel, das der Wirtschaftsjournalist Gunnar Sohn und ich unter dem Titel “Obi Wan Kenobi und das Future Internet” moderieren. Eine Diskussion im Format einer Late-Night-Show.
Das Programm der informare im Cafe Moskau
Fotocredit: Arnoud de Kemp, privat.
Das Internet ist Teil unseres Lebens. Doch wie werden Daten ausgetauscht? Früher: Diskette, dann CD, dann USB-Stick. Heute: “Cloud”.
Cloud ist Speicherplatz im Internet. Es gibt viele Angebote: Dropbox, Box oder Wuala. Apple (iCloud), Telekom, Strato. Matthias J. Lange schreibt in seinem Blog ‘Redaktion 42′:
Das hält vom Einrichten einer Cloud ab.
Meine Empfehlung ist Wuala von LaCie. ‘Wuala’ wird wie das französische ‘Voilá’ ausgesprochen. Vorteil: Die Daten werden aufgesplittet und auf europäischen Servern gespeichert. Die Verschlüsselung erfolgt beim Anwender. Praktizierter Datenschutz.
Internet vorausgesetzt, kann der Anwender seine Daten synchronisieren oder darauf zugreifen. Termine, Kontakte, Fotos, Filme, Musik: verfügbar, egal auf welchem Gerät. Anwendungsbeispiel: Unterwegs sichere ich Fotos von der Kamera zu Wuala. Vorteil: Freie Speicherkarte und später kann ich auf jedem angeschlossenem Rechner drauf zugreifen.
Mit Freunden teile ich Daten, mit Kollegen arbeite ich an Projekten. Nebenher vergrößert sich der eigene Speicherplatz pro eingeladenen Teilnehmer. Bei Wuala kommt noch ein Vorteil hinzu: Mit einem Promotioncodes gibt es kostenlos mehr Speicherplatz. Nachteil: Die Codes sind zeitlich begrenzt. Die meisten sind ein Jahr gültig. Speicherplatz kann man auch gegen Entgelt erwerben. Wer twittert, hat übrigens die Chance, immer mal wieder einen dieser Promotioncodes zu ergattern. Einfach dem Account @Wuala folgen.
Der USB-Stick ist fast überflüssig geworden. Ausnahme: Orte ohne Netzzugang oder weniger Cloud-affinen Menschen, sensible Daten. Ist das schon das Ende der Entwicklung?
Der Journalist Gunnar Sohn meint:
Mesh-Netzwerke sind Netzwerke von Usern an einem Ort. Erste Anwendungen werden via Kurznachrichten-Diensten bei Hilfsdiensten ausprobiert.
Mehr zu diesem Thema gibt es auf der informare, einer Wissenschaftskonferenz in Berlin. Gunnar Sohn und ich werden uns mit Bernd Stahl, Netzwerkspezialist von Nash Technologies, Bernhard Steimel von der FutureManagement Group und Hannes Schleeh, Social Media Coach & Hypnosetherapeut unterhalten.
Thema: Obi Wan Kenobi und das Future Internet
Weiterführende Informationen zu allen Clouds und ihren Kapazitäten und Preisen bietet FOCUS.
Das Internet, vor 20 Jahren noch für viele eine Spinnerei einiger Weniger, ist für die meisten von uns heute nicht mehr wegzudenken. Prozesse in Wirtschaft und Politik werden im Netz begleitet, manches wird sehr schnell transparenter als früher. Es gibt Politiker, die ihren Doktortitel aberkannt bekamen, weil Netizen sich zusammentaten und Plagiate nachwiesen. Ich kaufe mir meine Musik im Netz, ich kaufe meine Bahnfahrkarten online, meine Information beziehe ich fast ausschliesslich über die Online-Zeitungen.
SMS schreibe ich nur noch selten, meine Freunde erreiche ich via Facebook, Twitter und anderen Social Media – Applikationen. Das Telefon? Brauche ich nur noch, um mal länger am Stück Sachen auszudiskutieren oder mit Menschen aus der Offline-Welt Kontakt zu haben.
Ich habe mich mit Hannes Schleeh getroffen. Er ist Betriebswirt und selbständiger Social-Media-Berater. Daneben ist er Hypnose-Therapeut. Als ich Schüler war, faszinierte mich der Satz von Friedrich Dürrenmatt, niedergeschrieben in den 21 Thesen zu den Physikern: Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.’
Social Media wird die Wirtschaft also noch radikaler verändern, als wir das uns jetzt vorstellen wollen und können. Mehr zu diesem Thema, weitere Thesen und Meinungen werden der Wirtschaftsjournalist Gunnar Sohn und ich auf einem Panel mit Gästen erörtern.
Wir wollen im Stile einer Late Night Show diskutieren. Es wird also sicher kein langweiliger Vortrag auf der informare 12 im Café Moskau (Berlin).
Gäste sind Bernd Stahl (Netzwerkspezialist, Nash Technologies GmbH, Nürnberg), Bernhard Steimel (Leiter FutureMarkets-Center Information & Kommunikation, FutureManagementGroup AG, Eltville) Arnoud de Kemp von der informare, und Hannes Schleeh (Social Media Coach und Hypnosetherapeut, Coaching Innovation, Aresing)
Die Rant- und Wutrede von Sven Regener im Zündfunk bei Bayern2 hat Ende letzter Woche Wellen geschlagen. Eine sehr gute Antwort des “Urhebers” und Piraten Fritz Effenberger findet sich bei ‘Sven Regener, du erzählst Unsinn und ich erkläre Dir, warum‘.
Sven Regener ist kein Einzelfall. Dieses Internet haben viele der ‘etablierten’ Musiker noch nicht begriffen. Warum auch? Die GEMA als Wahrnehmerin und Verwalterin der Rechte weiß ja selber nichts mit dem Internet anzufangen, wie die kürzlich vorgestellten Bilanzzahlen deutlich zeigen. Und wenn die GEMA, an deren Tropf auch so Künstler wie Regener hängen, irgendwo kein Erlösmodell sieht, dann kann das ja nix sein. Das Netz ist böse, weil die ‘Netzgemeinde’ zu Raubzügen in die digitalen Weiten des Netzes aufbricht.
Klar ist, dass es diese Auswüchse mit dem Aufkommen von Kopiermöglichkeiten begünstigt hat und es diese Auswüchse auch immer geben wird. Der nächste Filehoster steht sicher schon in den Startlöchern. Wie immer, hat jedwedes Ding zwei Seiten, auch dieses Internet. Ich kann Diebstähle begehen, aber ich kann meine Schaffenskraft auch zum Wohle aller einsetzen – und: Ich kann damit Geld verdienen. Die richtigen Erlösmodelle gibt es in weiten Teilen noch nicht, jeder Autor ist seines eigenen Glückes Schmied und mancher wird mit diesem Internet kein Geld verdienen. Die Verlage versuchen unterdessen, mit dem Leistungsschutzrecht ihre Pfründe zu sichern. Ist das Internet deswegen böse, weil es mich nicht ernährt? Die Leistungsschutzrecht-Verfechter sagen uns das. Diese Position wird von den Regeners einfach unkritisch übernommen. Vielleicht ist aber die Polarisierung zwischen GEMA und den Regeners auf der einen Seite und den Piraten und Urhebern, die das Netz zu schätzen wissen und davon leben, ganz gut. Sie beschleunigt den Niedergang – aber den von Leistungsschutzrecht und Wahrnehmungsverträgen. Die Verwertungsgesellschaften und ihre Nutznießer können dem nur entgehen, wenn sie zu Internet-Verstehern werden und dieses Verständnis manch einem ihrer Musiker weitergeben.
Nicht nur Musiker und GEMA müssen lernen, das Internet zu verstehen, auch die Politik muss das. Das hat der gestrige Wahlabend gezeigt. Ziemlich hilflos wurde gegen das Netz, die Netzgemeinde, für den Klarnamen und so weiter gepoltert. Wer das macht, muss sich nicht wundern, wenn Wähler sich Alternativen suchen.
Aber zurück zu Regener und seinem Aufschrei: Ich habe im ‘The European’ einen sehr guten Artikel von Gunnar Sohn gelesen: Sven Regener und das Copyright. Meine Empfehlung!