Die bayerische Kultur- und Kreativwirtschaft boomt, die soziale Lage der Kulturschaffenden ist aber häufig prekär. Das geht aus einer Erhebung hervor, die das Bayerische Wirtschaftsministerium auf Antrag des Grünen Dr. Sepp Dürr veranlasst hat.
Dabei kam zu Tage, dass die bayerischen Kreativen europaweit ganz vorn mitspielen:
Allein, so Dürr, die Staatsregierung mache zu wenig und habe die Kreativen bisher sträflich vernachlässigt.
Dieser Fehler, so der kulturpolitische Sprecher der Landtagsgrünen, sei, dass die Minister Zeil und Heubisch lieber angesichts der kleinteiligen Struktur der Szene die Hände in den Schoß legen oder sich um die großen Unternehmen kümmern, statt die Keimzelle der Kreativität zu fördern. Das müsse aber schon bei der kulturellen Bildung anfangen, im Kindergarten und in der Schule. Durch die Schulzeitverkürzung im bayerischen Gymnasium, die Verdrängung von kultureller Bildung durch das notwendige Erlernen von sozialen Fähigkeiten in der Grundschule fehle schlichtweg, so Dürr, die Zeit für den Museumsbesuch. Und: diese Bildung koste nun mal auch Geld.
Sepp Dürr präsentierte heute in München ein Antragspaket zur Förderung der bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaft, das auf den Erkenntnissen des im Winter vorgelegten bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts fußt. Kernpunkte des aus 18 Initiativen bestehenden „Grünen Handlungsprogramms“ sind eine Verbesserung der Förderkulisse für die Kulturschaffenden durch Senkung der Förderschwellen und Erleichterung des Zugangs zu Fremdkapital. Außerdem sollen die Studienangebote an den Musik- und Kunsthochschulen um Inhalte zur Selbstvermarktung und wirtschaftlichen Professionalisierung ergänzt werden.
Letztlich, so Dürr, müsse aber auch der Staat wieder verstärkt als Auftraggeber auftreten.
Ich habe diese Nacht mal ein paar Aufträge des letzten halben Jahres zusammengestellt, an denen ich mitgewirkt habe – oder die durch mein Zutun entstanden sind.
Eigentlich liest sich das schon als eine gute und tolle Auswahl.
· Hanns-Seidel-Stiftung: Jugend im Dialog 2012, Foto- und Audio-Dokumentation
· Hanns-Seidel-Stiftung: Renaissance des Christlich-Sozialen, Foto-Dokumentation
· Evangelische Landeskirche Bayern: Was wir vorhersagen können, will keiner wissen, Foto- und Audio-Dokumentation, Artikel mit Audio-Elementen
· Förderlehrertag der KEG: Fotos für einen Bericht des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus
· Wertekongress des Wertebündnis Bayern: Fotos für den Bericht des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus
· Shalom Europe: Der erste Israeltag im Bayerischen Landtag, Foto-Dokumentation
Darüber hinaus begleite und dokumentiere ich ausgewählte Veranstaltungen der Katholischen Erziehergemeinschaft Bayern.
Meine Philosophie: Ich arbeite im mittleren Hochpreissegment, mache lieber weniger Aufträge, diese aber in Zusammenarbeit mit Premiumpartnern. Anfragen zu meiner Arbeit sind herzlich willkommen.
Ungefragt gebe ich auch gerne einen Rat an (junge) Kollegen weiter: Macht Euch nicht gemein, haltet die Tarife in Ehren und seid menschlich.
Gestern fand im Bayerischen Landtag der erste Israeltag statt. Ich freue mich, dass Shalom Europe meine Fotos für einen Beitrag verwendet hat. Aus dem Israelischen Generalkonsulat erreichte mich heute die Anfrage, ob die Fotos auch von Yad Vashem, der Gedenkstätte für die Opfer der Shoah, und ein weiteres Museum verwendet werden dürfen. Inklusive einer Veröffentlichung in Haaretz, einer israelischen Zeitung.
Beim Israeltag im Landtag haben drei bayerische Gymnasien einen Partnerschaftsvertrag mit Yad Vashem unterzeichnet.
Fotos und Bericht finden sich auf der Seite von Shalom Europe.
Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat zusammen mit seinem ältesten Sohn Jonas ein Buch geschrieben. Im Dialog unterhalten sie sich, was bei einem Bischof naheliegt, über den Glauben. Jonas Bedford-Strohm ist 20 Jahre alt und studiert in Heidelberg evangelische Theologie.
Das Buch „Wer’s glaubt, wird selig” entstand aus dem Gespräch von Vater und Sohn, aufgenommen im Familienurlaub 2012 mit einem Smartphone. Sohn Jonas hat es verschriftlicht und der Vater es gegengelesen. Im Presseclub München haben Vater und Sohn Bedford-Strohm einige Passagen vorgetragen und Fragen beantwortet.
In acht Kapiteln von Glück über Glaube bis hin zur Spiritualität steht der Vater dem unbequemen Sohn Rede und Antwort.
Die entspannte Art, mit der der Landesbischof mit seinem Sohn gelesen hat, zeigt auch, wie sehr das Verhältnis beider in der Familie geprägt ist. Es lässt erahnen, dass sie sich im Urlaub ernsthaft mit auch intimen Fragen zum Glauben auseinandersetzen. Besonders fällt dabei die Beschreibung seiner Jugend ins Auge, die Jonas Bedford-Strohm im Vorwort schildert:
Ausgehend von diesem Vorwort und der Situation des Bischofssohnes kann man den Weg nachvollziehen, den Jonas gegangen ist. Es war, so sagte er es auch freimütig, die Kirche seines Vaters, nicht seine Kirche. Jonas sieht es selber als erstaunlich an, dass er heute Theologie studiert. Gleichzeitig betont er aber, nicht Pfarrer werden zu wollen. Er hat durch das Schreiben des Buches Gefallen am Journalismus gefunden.
Das Verhältnis von Jonas zur Kirche vom Papa hat sich durch die Beschäftigung mit dem Thema auch verändert, wie mein Kollege Benjamin Neudek herausfand:
„Wer’s glaubt, wird selig” endet mit einer Frage- und Antwortrunde zum Vaterunser. Nicht nur deswegen kann das Buch Hilfe sein in (evangelischen) Glaubensfragen. Die brillante Theologie des Landesbischofs, vordem Professor für Systematische Theologie in Bamberg, mischt sich in verständlicher Form mit den Fragen seines Sohnes, Vertreter der Jugend. Ein gelungenes Werk, das mir alleine durch die sympathische Vorstellung von Heinrich & Jonas Bedford-Strohm wichtig sein wird.
Der Verleger Manuel Herder, zu dem der Kreuz-Verlag gehört, findet die Form interessant, in der über Gott gesprochen wird. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Bibliophile Angaben:
„Wer’s glaubt, wird selig” ist im Kreuz Verlag erschienen, 192 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-451-61193-3, 17,99 € (D), 18,50 € (A)
Heute habe ich meinen unbefristeten Vertrag mit der Katholischen Erziehergemeinschaft Bayern unterschrieben. Schon seit Juli war ich als Pressereferent (Lehrer) für den Verband tätig, seit August 2012 mit einem auf ein halbes Jahr befristeten Vertrag.
Diesen Vertrag haben Ursula Lay als Vorsitzende der KEG Bayern und ich nun unbefristet paraphiert. Ich freue mich, dass der Vorstand der KEG einstimmig beschlossen hat, mich als Pressereferent zu übernehmen.
Dafür sage ich an dieser Stelle DANKE.
Ich freue mich auf die weitere Zeit mit der Katholischen Erziehergemeinschaft in Bayern.
Und ich verwende meine Kraft und Zeit darauf, mit Politik, Gesellschaft, Religionen und Menschen in den Dialog einzutreten.
Das ist mein Versprechen an die KEG, das ist mein Versprechen im Ringen um gute Bildung in Bayern.
Danke möchte ich an dieser Stelle denen sagen, die mich (manchmal) in den Verband geschubst haben. Danke denen, die mich im ersten, turbulenten halben Jahr gestützt haben.
Danke sage ich aber vor allem Ursula Lay, der Vorsitzenden der KEG Bayern.
Heute feiere ich kurz, morgen bin ich dann wieder im Bildungsausschuss des Landtages.
Für die Bildung in Bayern, für ein gutes Bildungs- und Schulsystem.
Word!
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Das Foto zum Artikel stammt von der Demonstration zum BayKiBiG, die die KEG Bayern im Schulterschluss mit der LAGFW im Juli 2012 auf dem Odeonsplatz machte.
Heute war es soweit: Ich durfte Gast beim Shabbes-Gebet in Ohel Jakob sein. Mein Freund Michael hat mich eingeladen.
Schon das Innere der Synagoge erinnert in gewisser Weise an das Interieur einer Kirche. Kein Wunder, da sich die beiden christlichen Kirchen ja aus dem Judentum ableiten. Vorne ein Vorhang, hinter dem der Tora-Schrein ist, vergleichbar mit dem Hochaltar/Tabernakel in der katholischen Kirche. Links und rechts vom Tora-Schrein die Siebenarmigen Leuchter.
Davor ein Pult, eingerahmt von zwei Kerzen, an dem sich im ersten Teil des G”ttesdienstes ein Vorbeter, der Kantor und eine Schola aufhielten. Links und rechts die Sedilen für die „Kultusbeamten”, also Rabbinat und Kantor. In der Mitte von Ohel Jakob ist eine Erhebung, die sowohl für das Lesen aus der Tora verwendet wird als auch bei der Hochzeit das Brautpaar, die Angehörigen und den Rabbiner beherbergt. Die Gemeindemitglieder sitzen auf bequemen Klappsitzen, eine Kniebank wie in der katholischen Kirche gibt es nicht.
Das Judentum ist eine Religion des Wortes. Nach dem ersten Teil des G”ttesdienstes wird die Tora-Rolle aus den Schrein geholt und in einer feierlichen Prozession zur Mitte des Raumes getragen. Dort wird dann der Wochenabschnitt vorgetragen. Bei meinem Besuch wurde auch eine Bar Mizwa gefeiert. Die (religiöse) Bedeutung ist bei Wikipedia erklärt. Ein Junge ist hier zum vollwertigen Mitglied seiner Gemeinde berufen worden. Und er durfte aus der Tora vorlesen.
Praktischerweise hat die Jüdische Kultusgemeinde an diesem Wochenende neue Bücher bekommen, in denen rechts der Originaltext in Hebräisch steht und links die deutsche Übersetzung. Übrigens war das eine Spende von Gemeindemitgliedern.
Bei der Bar Mizwa ist es üblich, dass in Richtung des Jungen, der die Bar Mizwa feiert, Süßigkeiten geworfen werden. Die werden dann aber auch von den anderen Kindern, die in der Synagoge sind, auf- und abgefangen.
Zum Schluss des G”ttesdienstes wird die Tora-Rolle wieder zurückgetragen. Wie schon bei der Öffnung des Schreins erhebt sich die Gemeinde.
Dann hält der Rabbiner am vorderen Lesepult eine Exegese.
Bei meinem Besuch in Ohel Jakob habe ich eine Schola erlebt, die ihresgleichen lange suchen muss. Fünf Männer haben einen sauberen Satzgesang abgeliefert, den Kantor der Gemeinde unterstützt und im G”ttesdienst habe ich zu Michael mal gesagt, dass sich da sogar die Wise Guys ein Beispiel nehmen können. Sie waren nicht nur harmonisch, sondern auch rhythmisch eine Erweckung. So ganz ohne Mouthbox.
Nach dem G”ttesdienst fand im Gemeindezentrum noch die Bar-Mizwa-Feier statt. Die Schola aus dem Schabbes-Gebet sang auch wieder, im Hubert-Burda-Saal gab es eine Polonaise und eine sehr ausgelassene Feier. Mit bestem israelischen Rotwein.
Ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt.
Ich bin angenommen worden und hatte zu keiner Zeit das Gefühl, Fremdkörper zu sein.
Ein „Shabbat” oder „Shabbat Shalom” oder ein jiddisches „Gid Shabbes” öffnet Welten.
Danke an die Israelitische Kultusgemeinde München für die Gastfreundschaft und das sehr gute Essen zur Bar Mizwa.
Danke an meinen Freund Michael, das ich Teil des G”ttesdienstes sein durfte.
Ich wurde integriert.
Es war nicht mein letztes Mal im Zelt Jakobs.
Schabbat Schalom!
Die Vorhut ist schon in Dornbirn zugange. Gestern wurde mir von „Gustavf” dieses Foto der Helfer zugespielt. :) Von Freitag bis Sonntag treffen sich rund 150 Wikipedianer aus der Schweiz, Österreich und Deutschland in Dornbirn (Vorarlberg), um in Workshops und Panels daran zu arbeiten, dass die Online-Enzyklopädie besser wird. In einer Podiumsdiskussion am Samstagabend wird es heiß hergehen: Ein Thema wird der Schwund an Freiwilligen sein, die für Wikipedia schreiben.
Die FH Vorarlberg sorgt für die Räume und die Infrastruktur.
Ich werde selber vor Ort sein und per Blog und Podcast berichten.
Fotos und Podcasts gibt es bei Wuala zur Verwendung gemäß CC-BY-NC-SA-Lizenz.
Gerne stehe ich auch Medienpartnern für Berichte zur Verfügung.
Hashtag auf Twitter ist #wikicon.
Fotocredit: Gustavf, Bild kann frei verwendet werden.
20 Uhr.
Eigentlich habe ich eine Pressemitteilung zu schreiben.
Ja, echt!
Morgen ist sozusagen der letzte Tag, an dem in der Geschäftsstelle der KEG Bayern vollbesetzt gearbeitet wird. Danach geht alles in den wohlverdienten Urlaub. Nur ich nicht. Aber ich sitze auch nicht in der Geschäftsstelle. Als Freier Journalist sitze ich zu Hause. Ich werde die nächsten Wochen daheim bleiben und „Stallwache” halten.
Ich bin nicht unglücklich drüber.
Ein Kollege hat mal gesagt, dass man sich als Freiberufler die ersten drei Jahre keinen Urlaub leisten kann.
Aufgrund meiner früheren Tätigkeit als Busfahrer habe ich ziemlich viel von der Welt gesehen und bin direkt froh, dass ich daheim sitze. Letztes Jahr habe ich ja meine Fortbildung als Onliner an der Journalistenakademie gemacht, war also auch nix mit Urlaub. Ich habe 2009/10 mehr von der Welt gesehen als manch anderer. Es tut einfach gut, daheim anzukommen. Insofern brauche ich keinen Urlaub. Der Bedarf ist sozusagen gedeckt. Nicht die schlechteste Ansicht. ;)
Nach diesem kleinen Exkurs nun zurück:
Ich habe eine Pressemitteilung zu schreiben.
Und ich mache es nicht heute abend. Die Gedanken formen sich über Nacht und ich weiß, dass ich morgen früh auf den Punkt formulieren werde.
Alles hat seine Zeit.
In dieser Woche war ich mit zwei Twitterfreunden in München unterwegs.
Ich habe es genossen zu sehen, wie die Beiden miteinander umgehen. So liebevoll, so selbstverständlich. So ganz normal.
Achso. Pressemitteilung.
Nein, ich habe jetzt keine Lust, ich habe eben den DLF gehört mit dem Magazin und politischen Magazin und wundervollen Reportagen. Dann WDR4 mit den Chansons, wie jeden Donnerstagabend. Gleich schalte ich auf ein Webradio um. Keine Zeit für Pressemitteilung. Die Arbeit kommt morgen ziemlich genau um 4 Uhr. Ausgeruht, nachgedacht und mit wachem Auge.
Der Urlaub und der Atmer eines Freien Journalisten. Brauche ich. :)
Bevor sich alle in die Ferien verziehen, rufe ich Euch zu:
„Schöne Ferien!”
(… und nächste Woche werde ich sicher einen tollen Beitrag im Blog haben. Dafür war ich heute auf einem Twittagessen.)
Und morgen folgt eine Pressemitteilung für die KEG. :)
Der Samstagnachmittag beim 31. Bayerischen Jazzweekend bietet weitere Reize, das Fest zu besuchen:
Das Grasselli-Quartett & Arpad Vulkan verzaubern mit drei Gitarren, einem Kontrabass und einem Tenor. Jazzige Arrangements im Stile der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhundert entführen den Zuhörer. Die Musiker spielen mit Lust und Leidenschaft. Danach treten fünf junge Kölner am Kohlenmarkt auf. Das ME-Quintett will den Zusammenklang in Raum und Takt vorführen.
Ruhiger, warmer und weicher Klang mit Vibraphon, Saxophon, Bass, Schlagzeug und Posaune schleicht sich ins Ohr. Der Posaunist spielt sehr weich und klar, akzentuiert sauber und für mich ist es eine wahre Freude zuzuhören. Nur eine halbe Stunde später, um 18 Uhr, soll ein Jazzchor am Bismarckplatz singen. “Singin’ Off Beats” kommen aus Nürnberg. Nach einigen Mikrofonierproblemen, die der Sprecher des Chores souverän mit einem Spielzeug-Megaphon überbrückt, startet der Chor mit einer A-Capella-Nummer. Großer Applaus brandet auf, als der Techniker endlich alle Mikrofone aufschalten kann.
Bereits mit der zweiten Nummer stellen die Singin’ Off Beats unter Beweis, dass sie sich den Auftritt beim Bayerischen Jazzweekend verdient haben. Sehr sauberer, synchroner Gesang, was auch für die Bewegungsabläufe gilt. Kurzum: Ein musikalischer und optischer Genuss.
Frühschoppenstimmung beim Bayerischen Jazzweekend in Regensburg: Am Bismarckplatz feierte das Jazzkränzchen Immergrün München (JIM) sein 50-jähriges Bühnenjubiläum, am Kohlenmarkt präsentierten die vier Funny Valentines Swing im Satzgesang und am Haidplatz spielte die Haberjazzband. Und überall waren ab 11 Uhr viele Zuschauer präsent, um das Flair dieser Musik zu erleben. Bei fast dauerhaft trockenem Wetter ließ sich der eine oder andere auch ein Weißbier schmecken. Ein paar fotografische Eindrücke:
Am Samstagnachmittag warten weitere Highlights in der Regensburger Altstadt auf Besucher: Um 18 Uhr “Singin’ Off Beats”, das ist ein großer Jazzchor, am Haidplatz spielen ab 20.30 Uhr “The Dixie Heartbreakers” und im Leeren Beutel ab 21 Uhr die Saxophonistin Stephanie Lottermoser, die schon am Donenrstagabend Conrad Tribble begleitete.
Kurz nach 19 Uhr wurde das 31. Bayerische Jazzweekend wie jedes Jahr am Freitag auch am Bismarckplatz und damit in der Altstadt von Regensburg eröffnet. Schon ab 18 Uhr stimmte die ReGy-Bigband aus Wertingen die Besucher mit Big-Band-Musik auf das Fest des Jazz ein. Die ReGy-Bigband besteht aus Schülern von Realschule und Gymnasium.
Zu einer Combo-Format gab es stimmigen Chorgesang von mehreren Mädchen des Landes-Jugendjazorchesters.
Bürgermeister Joachim Wolbergs begrüßte neben den Honoratoren der Stadt auf Mitglieder des Landtages. Er ließ die Arbeit der Stadt nicht unerwähnt und dankte wiederum der Intendanz des Bayerischen Jazzinstitutes sowie der Jury, die unter mehr als 340 Einsendungen die besten Gruppen herausgesucht hatten.
Und dann bekam die Eröffnungszeremonie einen Glanzpunkt verliehen. Der Bürgermeister holte einen besonderen Gast auf die Bühne: Den scheidenden amerikanischen Generalkonsul Conrad Tribble. Dieser bedankte sich bei Regensburg, das in seiner Zeit in Bayern auch zu einem Stück Heimat geworden sei: Anfangs durch Baseball, bei einem Spiel Deutschland – USA, dann kam schnell das Bayerische Jazzweekend dazu. Trbble bedauerte, dass er Ende Juli Bayern verlassen müsse, um seinen Dienst in Kuba fortzusetzen:
Dafür entschädigte er aber mit einem Präsent besonderer Art.
Völlig ‘spontan’ sang er mit einer Band zwei Klassiker, einmal Frank Sinatras “Fly Me To The Moon” und dann “Mackie The Knife”. Die beste Kritik kam von einem Zuschauer, der spontan meinte, dass er schon wesentlich schlechtere Bands gehört habe, deren Sänger sogar noch Geld für die Darbietung bekommen habe.
Das Publikum jedenfalls fühlte sich gut unterhalten, der Auflauf war sehr groß. Zur gleichen Zeit spielten im Thon-Dittmer-Hof The Hot Wok aus Spanien, die gestern das Publikum auf der Piazza im Gewerbepark zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Beide Veranstaltungen waren gut besucht. Die Besucher haben damit echte Höhepunkte zur Eröffnung präsentiert bekommen. Und auch das Wetter hielt bis zum Konzertende gegen 22 Uhr durch.
Mit einer kurzen Rede hat Bürgermeister Joachim Wolbergs das 31. Bayerische Jazzweekend am Donnerstagabend im Gewerbepark Regensburg eröffnet. Die Piazza im Gewerbepark war vollbesetzt, bei Steaksemmeln, Bier vom Spitalbräu, exzellenter Tontechnik, guten Bands und hervorragendem Wetter ließ es sich aushalten.
Bei leicht bedecktem Himmel, aber durchaus sonnigem, nicht zu warmen Wetter, durchsetzt von leichten Brisen, startete das 31. Bayerische Jazzweekend mit dem Eröffnungskonzert im Gewerbepark Regensburg. Gefühlvoller persischer Gitarrenjazz vom Mahan Mirarab Trio nahm die Zuschauer mit.
Kaum fünf Minuten später nickte ein Großteil der Zuhörer rhythmisch mit dem Kopf und schnippte mit den Fingern. Füße wippten im Takt, alles schaute auf die Kommunikation der Musiker, die fast nicht sichtbar war, nur zu erahnen.
Am Nachmittag war noch fleißig gewerkelt worden, die Bühne musste aufgestellt werden, Instrumente gestimmt und mikrofoniert werden. Für den Tontechniker von „sugar Veranstaltungstechnik“ eine Routine-Aufgabe. Er kennt das Live-Geschäft, regelt zielsicher am Pult die zahlreichen Knöpfe.
Bürgermeister Joachim Wolbergs betonte, dass ohne das Zusammenwirken von Stadt Regensburg und Bayerischem Jazzinstitut so ein Fest nicht möglich sei.
Von daher galt sein Dank neben den städtischen Mitarbeitern auch dem Bayerischen Jazzinstitut:
Die spanische Band „The Hot Wok“ begeisterte mit Vibraphon, Schlagzeug und Blasinstrumenten. Mit dabei: ein Sousaphon. Das kam für das Jazzweekend extra aus Niederbayern, da der Transport per Flugzeug zu umständlich gewesen wäre und das Instrument Schaden hätte nehmen können. Jazzer sind freundliche und hilfsbereite Menschen und so fand sich ein Kollege, der den Transport seines eigenen Instrumentes für die Auftritte von „The Hot Wok“ bereitwillig übernahm.
(Bericht wird fortgesetzt…)
Das Bayerische Jazzweekend ist eine Veranstaltung, die sowohl unter freiem Himmel als auch in einigen Lokalen stattfindet. Allen gemein ist jedoch, dass abends um 22 Uhr Schluß ist. Mancher dem Jazz nicht so zugetane Bürger Regensburg mag da froh sein, die Musiker und Jazzfreunde wird es weniger freuen. Aber es gibt fast schon traditionell Live-Sessions, die am Freitag- und Samstagabend ab 22.30 Uhr sowohl im “Andreasstadl” als auch im “Leeren Beutel” stattfinden, am Sonntagabend dann nur im “Leeren Beutel”.
Daniel Prätzlich leitet am Freitagabend, Martin Schnabl am Samstagabend im Andreasstadl die Session. An beiden Abenden zeichnet im Leeren Beutel Peter Pöschl dafür verantwortlich. Sonntagabend wird Roland Huber der Prizipal im Leeren Beutel sein.
Interessant an solchen Zusammenkünften ist ja immer, wie spiel- und experimentierfreudig die Musiker sein werden. Bei Jazzern ist diese bekanntermaßen hoch, so dass sicher einige interessante Improvisationen erwartet werden dürfen, zumal Musiker der verschiedenen Stilrichtungen aufeinander treffen. Beginn ist in beiden Spielstätten jeweils um 22 Uhr, mit offenem Ende kann gerechnet werden.
Jedes Jahr am zweiten Juli-Wochenende verwandelt sich die Regensburger Altstadt in viele Bühnen für Jazz. Das Bayerische Jazzweekend bietet an die 90 Bands, die von Donnerstagabend bis Sonntag an verschiedenen Plätzen auftreten. Die Jury hat seit Anfang des Jahres zweimal in der Woche getagt und bis zum April alle Einsendungen begutachtet, um auch dieses Jahr wieder möglichst viele Stilrichtungen und Bands einladen zu können. Finanziert wird das Jazzweekend von der Stadt Regensburg und vielen Partnern und Sponsoren. Die Intendanz des Weekends hat das Bayerische Jazzinstitut inne.
Das Programm ist hier einzusehen. Während der drei Tage wird das Bayerische Jazzinstitut auch per Twitter als @Bayernjazz berichten. Auch ich werde während des Jazzweekends vor Ort sein und nach Möglichkeit bloggen. Vielleicht ist das ja ein Grund, @Bayernjazz oder @hrbruns zu folgen. Viele Tweets finden sich unter dem Hashtag #Jazzweekend.
Ein Kommentar
In den vergangenen Jahren sind die Bilanzsummen der „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte e.V.“ gestiegen.
In diesem Jahr nun hat Verwertungsgesellschaft einiges unternommen, um, wie sie selber sagt, transparenter zu werden. Und einiges, um die Einnahmen unter veränderten Vorzeichen zu sichern.
Einnahmen, die ihren Mitgliedern zu Gute kommen sollen.
Hatte man zuletzt die Tarife für Konzerte „reformiert“, so liegt der Schwerpunkt dieses Jahr auf den Reformen der Veranstaltungstarife.
Diese provozieren schon seit der Veröffentlichung im März 2012 die Diskotheken- und Clubbetreiber. Vorläufiger Höhepunkt: Die Demonstration „Bitte keine GEMAinheiten mehr“ am 25. Juni in Berlin. Zeitgleich und am gleichen Ort wie das Mitgliederfest der GEMA.
Aber auch andere Stellschrauben, an denen die Verwertungsgesellschaft dreht, erregen den Unmut von Musiknutzern und Musikproduzenten, die alternative Wege suchen.
Sei es die geplante Erhöhung der Leerabgabe auf Speichermedien oder die Sondertarife, die die GEMA zur Europameisterschaft bietet.
Auch eine Image-Kampagne der GEMA zieht nicht so richtig: Musik ist uns was wert.
Eine unglückliche Pressesprecherin bringt neuen Schwung in die Debatte um die GEMA. Gaby Schilcher spricht in einem großen Zeitungsinterview davon, dass die Verwaltungsausgaben auch darauf verwendet werden, sie für anstrengende Gespräche mit der Presse zu zahlen. Angesichts des Zornes weiter Teile der Bevölkerung ist das ein Tropfen in ein Fass, das überzugehen droht.
Bands wie Porter suchen sich das Geld für eine CD-Produktion im Netz zusammen und produzieren unter Creative-Commons-Lizenz.
Viele Künstler publizieren schon gema- und auch lizenzfreie Musik. Die Musikpiraten veröffentlichen eine solche CD und wegen eines Pseudonyms, das nicht offengelegt wird, zieht die GEMA vor den Kadi. Weil es die GEMA-Vermutung gibt.
An anderer Stelle bemühen sich Musikschaffende, eine alternative Verwertungsgesellschaft, die C3S auf die Beine zu stellen. Das Problem: Sobald C3S um Zulassung beim Patentamt ersucht, wird die Satzung des Vereins öffentlich sein und von den Justiziaren der GEMA sicher nicht unkommentiert bleiben. Und jede Unklarheit, jeder indifferente Ansatz, jeder nicht juristisch wasserdichte Satz wird Schreiben um Schreiben, Eingabe um Eingabe, Widerspruch um Widerspruch auslösen. Monopolisten lassen sich ungern in die Ecke drängen und – mehr Anwälte haben sie auch. Und wohl auch das Geld, sie zu zahlen.
Aber sei’ s drum: Was die letzten 20 Jahre in der Politik seinen Anfang nahm, durchdringt nun auch gesellschaftliche Bereiche: Die Abschaffung von Diktaturen wird zur Auflehnung der Musiknutzer und -schaffenden gegen einen Monopolisten, der sich selbst überlebt zu haben scheint.
2012 ist das Jahr der GEMA.
Freuen wir uns des Lebens, so lange wir noch jung sind. Wer auf dem Gymnasium war, wer in studentischer Runde oder beim Liederabend gesellig trank und sang, kennt dieses Lied. Ich selber durfte die Erfahrung machen als Gast auf einem studentischen Kommers – nicht schlagende Verbindung und Frauen waren zugelassen. Also moderat.
Jahre später führte mich der Weg nach Breslau. Ich war Reisebusfahrer. Und ich habe jede Gelegenheit gennutzt, mit meinen Reisegästen mitzugehen. Und so lauschte ich in Breslau den Ausführungen unseres Stadtführers (Bild oben).
1881 bekam Johannes Brahms in diesem Saal die Ehrendoktorwürde verliehen. Er hat in seiner Akademischen Festouvertüre dem Gaudeamus igitur ein Denkmal gesetzt. Gerne würde ich Ihnen eine meiner Referenzaufnahmen präsentieren .. aber sie wissen ja, die GEMA und das Urheberrecht. Deswegen der Hinweis auf diese Aufnahme bei YouTube.
Woran denken Sie, wenn Sie mit dem Begriff ‘Kinderlieder’ konfrontiert werden? An Rolf Zuckowskis ‘In der Weihnachtsbäckerei’? An die Kinderlieder von Detlef Jöcker? Oder denken Sie die ‘alten’ Kinderlieder vom Spannenlagen Hansl? Es hat alles seine Berechtigung. Aber mehr noch: Kinder brauchen neue Lieder. Lieder, die Kindern gerecht werden und ihre Lebenswirklichkeit abbilden.
Diesen Ansatz verfolgt die Katholische Erziehergemeinschaft Oberbayern (KEG) mit einem Seminar, das dieser Tage in Traunstein stattfand.
25 Lehrerinnen und Erzieherinnen kamen, um gemeinsam mit Tom Palme und Rodscha aus Kambodscha neue Lieder zu singen. Die Protagonisten sind Experten, was das neue Kinderlied angeht: Sie sind Mitglieder der Band ‘Donikkl und die Weißwürschtl’, die nicht erst seit dem ‘Fliegerlied’ große Bekanntheit erlangt haben.
Den pädagogischen Antrieb beschreibt Tom Palme so:
Erfahrung sammelte Tom aus seiner eigenen Geschichte, aus Zeltlagern und Jugendfreizeiten, bei denen er mit den Kindern musizierte:
Sein Kollege Rodscha aus Kambodscha betonte mehrfach in der Fortbildung, dass auch die Bewegungsfreude der Kinder einbezogen werden soll. Körpererfahrung ist mindestens genauso wichtig wie der Gesang:
Rodscha aus Kambodscha hat dabei ähnliche Erfahrungen gemacht wie Tom Palme: Musik zieht mit, begeistert und verleiht Schwung. Auch bei Erwachsenen:
In der Runde bekommen die Erzieher eine Liedermappe an die Hand, links Musik und Text, rechts Vorschläge zur gestalterischen Umsetzung. Damit das ganze nicht nur graue Theorie bleibt, dürfen die Damen auch mitmachen. Nach den anfänglichen Lockerungs- und Einstimmübungen, durchweg auf kindergerechtem Niveau gehalten, schwinden selbst bei mir als Reporter die Hemmungen, ich mache einfach mit:
Diese Lockerungsübung, bei der wir alle wie Affen durch den Raum hüpfen, mündet in wunderschönem Gesang, die Kreativität ist freigesetzt und einige fangen an, eine zweite Stimme zu singen. Wichtig ist, dass sich die Kinder in einer angstfreien Umgebung und ohne Druck entfalten dürfen. Immer wieder betont Rodscha, dass die Körpererfahrung dabei nicht zu vernachlässigen ist.
Das gilt ebenso für den Methodik bei der Wanne Edith. Die Lehrerinnen dürfen hinter die Pappwanne, werden verkleidet und die Zuschauer bekommen eine Lektion in Körpererfahrung: Rücken und Bauch waschen und: Haare wuscheln.
Die Begeisterung hält an, schon bald ist der ganze Raum die Wanne Edith. Und als einziger Mann (außer den Dozenten) darf ich mich glatt wie der Hahn in der Wanne fühlen. Apropos Lebenswirklichkeit: Rodscha betont ausdrücklich, dass sich die Pädagogik auch der Wirklichkeit stellen muss. Kinderwelt ist nicht mehr unbedingt heile Welt: Wut, Trauer, Sorge um Arbeitslosigkeit – diese Themen beschäftigen auch Kinder. Sie werden in unserer medialen Welt damit konfrontiert und brauchen ein Ventil, das zu verarbeiten. Für Rodscha seit seiner Studienzeit der Grund, neue und bessere Kinderlieder zu schreiben:
Notabene: Ich hätte gerne in diesem Artikel mit Hörbeispielen zur Verdeutlichung gearbeitet. Die Künstler haben mir das sogar ausdrücklich gestattet. Aufgrund der Wahrnehmung der Urheberrechte durch die entsprechende Gesellschaft ist mir das nur schwer möglich, selbst, wenn ich auf den pädagogischen Nutzen verweise. Ich bitte um entsprechendes Verständnis.
Danksagung: An Karlheinz Rieger dafür, dass er mir den Termin ans Herz legte, an Ursula Lay und vor allem den Anwesenden, dass ich nicht nur als “Pferd” mitmachen durfte, sondern auch fotografieren durfte.
Spezieller Dank an Rodscha aus Kambodscha und Tom Palme.
Meine Empfehlung an alle Pädagogen: Singt neue Lieder mit den Kindern!
Weitere Infos auch unter Mitmachkinderlieder.
Die Online-Ausgabe der “Welt” hat in Gestalt ihres Autors Alan Posener einen Angriff auf Deutschlandradio Kultur gestartet. Ich frage mich nur, warum? Cui bono? Da die Rechtslage ob des von Verlegerseite bei der Bundesregierung durchzudrückenden Leistungsschutzrechts unklar ist, verlinke ich hier auf den entsprechenden Artikel. Weiters werde ich mir das Recht nehmen, zu zitieren. Die Zitate stammen, soweit nicht explizit anders angegeben, aus dem WELT-Artikel.
Gehen wir in die Details. Ich zitiere:
“Die BBC hat ein weltweites Netz von Korrespondenten, die live berichten, ob aus dem belagerten Homs oder von den Vorwahlen in Ohio. Wenn Whitney Houston stirbt, spricht die BBC mit ihrem Arzt; wenn ein Roman den Pulitzerpreis bekommt, ist der Autor am Telefon. Bei Deutschlandradio Kultur (DRK) sind die Berichte vorproduziert und klingen so, als ob einer mal kurz gegoogelt hat. Die BBC hat morgens ein Nonstop-Nachrichtenprogramm, bei dem die Moderatoren ständig auf die sich entfaltenden Ereignisse reagieren.”
Die ARD (und Deutschlandradio -Kultur- gehört dazu) hat ein weltweites Korrespondenten-Netz, im Rahmen der Möglichkeiten, die eine gebührenfinanzierte Anstalt haben kann. Dass in Hinterwieselharing und hinterm Hindukusch vielleicht kein Reporter sitzt, halte ich nicht für den General-Malus. Hier steht die ARD auch in der Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern. Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in Deutschland hat sicher einen anderen Charakter als die BBC. Das ist für mich nicht nur zu vernachlässigen, ich schätze im Gegenteil diese Berichterstattung: Nicht mitten drin, sondern eben nahe dran, aber distanziert und mit dem nötigen Weitblick, der eine unabhängige Berichterstattung garantiert. Ich glaube, wenn die ARD ein solches Netz wie die BBC unterhielte, würde Springers Presse den Feldzug gegen gebührenfinanziertes Radio anführen. Wir haben in Deutschland einige Infowellen, die dem geneigten Hörer im Takt Nachrichten, Korrespondentenberichte und Wetter/Verkehr bieten. Nach meinem Empfinden ist Deutschlandradio Kultur eher eine Welle, die mit Hintergründen und Magazinbeiträgen aufwarten soll. Ähnlich wie Bayern2, und dabei, eben mit teils anderen Schwerpunkten als der Deutschlandfunk.
“Apropos Hörer: Etwa 450.000 hat der Sender, der in Berlin 330 Planstellen hat, also eine Planstelle auf 1300 Hörer. An Personalmangel liegt es also nicht, wenn das Programm langweilt. Im Gegenteil. Neben der Moderatorin und dem Toningenieur sitzt meistens die Redakteurin im Studio, außerdem zuweilen der Musikredakteur, damit die Kollegen nicht aus Versehen nach einer traurigen Nachricht ein lustiges Lied von Suzanne Vega auflegen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Über der Redakteurin und dem Musikredakteur sitzt laut Organigramm je ein Abteilungsleiter, über dem Abteilungsleiter ein Hauptabteilungsleiter, über dem Hauptabteilungsleiter ein Programmdirektor, darüber ein Direktor und über allen der Intendant. Mit Häuptlingen ist der Staatsfunk gut versorgt.”
Man mag über die Hierarchien in deutschen Rundfunkanstalten streiten. Gegeben! Jedoch darf man eines nicht vergessen: Nach dem Krieg starteten die Radioanstalten in Deutschland nicht als Selbstfahrer-Studios, sondern eben genau in dieser Aufteilung: Moderator, Redakteur, Techniker etc. Und der Überbau? Darüber lasse ich sogar mit mir streiten, aber ex principiis halte ich die Aufteilung in Abteilungsleiter, Hauptabteilungsleiter, Programmdirektor und Intendant nicht verkehrt. Sie kann aber, und hier gebe ich dem Autor durchaus Recht, überdacht werden. Flache Hierarchien können sich auf das Programm auswirken. Nur: Öffentlich-Rechtliches Radio in Deutschland ist kein Staatsfunk, wie der Autor hier unterstellt. Öffentlich-Rechtliches Radio in Deutschland ist gebührenfinanziert , aber unabhängig. Mir wird in diesem Zusammenhang auch nicht klar, wie der Verwaltungsüberbau zu einem langweiligen Programm beitragen soll. Wird hier nicht eher mal wieder auf den Wasserkopf gedroschen, um den Esel zu treffen?
“Und dann kommt noch der Rundfunkrat, in dem Vertreter allerlei Interessengruppen sitzen und Sitzungsgelder kassieren, angeblich um Ausgewogenheit zu garantieren, in Wirklichkeit eben um ihre Interessen zu vertreten. Kirchenvertreter achten darauf, dass “Das Wort zum Tage” mal evangelisch, mal katholisch, aber immer salbungsvoll daherkommt, mitfinanziert von der Zwangsabgabe, die auch Muslime, Juden, Buddhisten und Atheisten leisten müssen.”
Es gibt einen Rundfunkrat, in dem die gesellschaftlich relevanten Gruppen vertreten sind. Ich lasse auch mit mir darüber diskutieren, inwieweit die Zusammensetzung verändert werden muss. Aber das ist nicht das Problem von Deutschlandradio Kultur, das ist ein generelles Problem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Wie gerade schon geschrieben, ich stelle zur Diskussion, ob das so sein muss. Aber ich halte es prinzipiell für wichtig, dass sich die gesellschaftlich relevanten Gruppen in einem Gremium beraten. Sie üben darüber hinaus eine Kontrollfunktion aus, etwas, was manchem Verleger-Radio angesichts dümmlicher Gewinnspiele sicher auch gut tun würde. Erinnert sei hier an Antenne-Bayern-Gewinnspiele, bei denen Rechnungen bezahlt werden oder Sender, die zum Nacktrodeln aufrufen. Katholische und Evangelische Kirche sind in Deutschland die beiden großen Religionen, die laut Rundfunkstaatsvertrag Anspruch darauf haben, dass sie Sendezeit eingeräumt bekommen. Auch die jüdischen Kultusgemeinden haben ihre Sendezeit. Ja, man kann drüber nachdenken, ob man nicht anderen Religionsgemeinschaften auch Sendezeit einräumen kann und muss. Übrigens zum Vergleich: In Bayern2 wird der Sonntagmorgen auch regelmäßig von Altkatholiken und anderen Anschauungsgemeinschaften bestückt. (Ergänzung von 14:30 Uhr Der Twitterkollege @henrikMSL hat mich gerade auf Folgendes aufmerksam gemacht: Die Buddhisten hatten heute einen Impuls. Also liegt der Autor hier auch falsch.)
Zum Schluss noch ein kleines Zitat des Autors:
“… die liebevoll den deutschen Humor der 50er-Jahre konservieren, als die DRK-Hörerschaft ihre große Zeit hatte.”
Soweit ich weiß, gab es 1950 noch kein Deutschlandradio Kultur. Aber ich kann das nicht beurteilen, ich bin erst 1967 geboren und habe das aktive Radiohören (sprich: Das Nicht-Bedudeln-Lassen) erst in den 80ern begonnen. Und Deutschlandradio Kultur höre ich erst seit Mitte der 2000er Jahre. Inwiefern die Hörerschaft also ihre große Zeit in den 50ern hatte, sei dahingestellt. Ich für mein Teil halte DRadio Kultur für einen aktuellen Sender. Er hilft mir, das Geschehen einzuordnen. Apropos einordnen: Ordnen wir Alan Posener also da ein, wo er hingehört: In den Abfallkübel von Springer. Der Verlag hat so vieles nicht begriffen. Von Leistungsschutzrecht über die Tagesschau-App bis hin zu unabhängigem, verlegerfreien Radio.
Und übrigens: Vom Intendanten des Deutschlandfunks, Dr. Willi Steul, stammt der Satz: “Sterben die Zeitungen, stirbt auch bald der öffentlich-rechtliche Rundfunk”. Vielleicht für den Springer Verlag mal ein kleiner Denkanstoß?
Über die Musik von DRadio Kultur werde ich mich in den nächsten Tagen auslassen – ich höre das Programm die nächste Woche ganz bewusst. Hier der Montagmorgen als Sendestunde.