Im ersten Teil dieses Jahresrückblicks beschäftigte ich mich mit Musik. Jazzweekend in Regensburg, Musik als pädagogisches Element in der Schule, Musik als das, was sie sein soll: Volkes Musik. Musik ist aber immer auch Ausdruck. Und Volksmusik, egal, ob an Stammtischen oder im Konzertsaal dargebracht, ist Volkes Musik. Volkes Musik soll auch Volksmusik bleiben.
Musik ist Wert. Musik ist wertvoll. Und kein Mensch kann ernsthaft fordern, dass Musik kostenlos sein soll. Insofern verstehe ich die GEMA, dass sie Abgaben fordert. Wenn diese Abgaben dann nur auch die Musikschaffenden erreichen würden. Dass 95 Prozent der Musikschaffenden sich mit fünf Prozent der Urheberabgaben zufrieden geben müssen, ist dank der Aufklärungsarbeit von Bruno Kramm (Piraten) und anderen kein Geheimnis mehr. Die Geschichte mit Crowdfunding soll mal unbeleuchtet bleiben.
Klar, die USB-Stick-Geschichte war der Knaller des Jahres. Die GEMA erhöht (für die ZPÜ) die Leerabgabe auf Speichermedien. Eine solche Geschichte zuerst zu haben, ist das Sahnehäubchen als Journalist und Blogger. Und wenn ich nicht bei Twitter aufmerksam mitläse, dann wäre diese Geschichte an mir vorbeigegangen. Ein bisserl Eigeninitiative, eigene Recherche und guter Willen langen, um ein Thema zu platzieren. Und dann dazu ein Multiplikator. In meinem Fall war das Thomas Stadler. Rechtsanwalt aus Freising, ein Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat und die ganze Computer-Branche im Blick hat. @RAStadler kann das alles.
Das Digitale und das Natürliche (!) treiben mich um. Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen das. Als ich am 1. August als Pressereferent der Katholischen Erziehergemeinschaft berufen wurde, war ich teilweise unbedarft. Das gebe ich gerne zu. Ich arbeite gerne mit Ursula Lay zusammen, mit vielen Lehrern, bin gerne auf Veranstaltungen, bekomme auch ordentliches Feedback. Nicht nur immer positiv, aber: Wir arbeiten dran. Und dann gibt es kleine Highlights wie das Interview mit Kurt Neudert. Er ist 50 Jahre bei der KEG, im (Un-)Ruhestand und immer noch aktiv. Zum Beispiel engagiert er sich im Wertebündnis Bayern.
Immer wieder beschäftigt mich auch das Mediensterben. Vor allem das der Holzmedien. Zeitungen sind wichtig. Aber Zeitungen werden verlieren. Also zumindest die aus Totholz. Mit Klaus Schrage habe ich mich unterhalten. Zum Tod der Nürnberger Abendzeitung. Hier können Sie vor allem nachhören. Ich gebe es zu: Ich habe auch keine Patentrezepte, die Print retten könnten, selbst, wenn ich das wollte. Die gnadenlose Revolution ist Bestandteil unseres journalistischen Lebens geworden. Die AZ, die Frankfurter Rundschau, die Financial Times Deutschland sind die ersten, die es in Deutschland so richtig böse erwischt hat. Dazu die Nachrichtenagentur dapd. 2013 wird sich dieser Trend fortsetzen. Manchem Kollegen der schreibenden Zunft, der immer noch glaubt, dass „Zeitung in der Schule” das Rettungsmittel ist, wünsche ich: Wach bitte auf. Egal, wie hart das gerade ist. Stell Dich neu auf. Überprüfe Deine Positionen.
…beladen bis an sein höchsten Bord.
Wer erinnert sich nicht an alte Advents- und Weihnachtslieder? In Zeiten von „Last Christmas” und „Jingle Bells” mag die Erinnerung daran schon fast verblasst sein, jüngere Leser kennen gar manches Lied nicht mehr.
Nicht wie ein Schiff beladen, aber sehr sorgfältig ausgewählt, kommt SWR2 in der (Vor-)Weihnachtszeit in unser Rundfunkempfangsgerät. Schon seit bald zwei Jahren beobachte ich erstaunt, dass sich der Kultursender aus dem Südwesten der Pflege alten Liedgutes verschrieben hat. Zusammen mit dem Carus-Verlag stellte er das Projekt Volkslieder auf, dann folgte das Projekt Kinderlieder. Als Podcast konnte man beide Serien je eine Woche pro Folge herunterladen. Man bekam die komplette Sendung, die gesungene Fassung des vorgestellten Liedes und die Instrumental-Version zu hören. Da ich zu dieser Zeit nicht auf die Website geschaut habe, kann ich nicht sagen, ob auch Notenblätter publiziert wurden.
Diesen Advent staunte ich nicht schlecht: Meine geliebte Sendung „Jazz vor Sechs”, die ich werktäglich von 17.50 bis 18.00 Uhr aufzeichnete, verschwand. Stattdessen hat SWR2 um diese Zeit vom 1. – 26. Dezember adventliche und weihnachtliche Musik im Programm. Zehn Minuten mit einem „Kalenderblatt”, das die Entstehung des Liedes einordnet, manchmal ein kurzes Hörbeispiel aus der Klassik oder vergleichenden Aufnahmen. Aber immer eine wirklich gut ausgewählte Fassung des vorgestellten Liedes. Die Sendung gibt es als Podcast, das Lied als gesungene Version, als Instrumentalversion und als Textblatt auf swr2.de. Zusätzlich habe ich auch Notenblätter gesehen. Die Sendezeiten sind auch angegeben.
Vielleicht sind Sie ja auch noch auf der Suche nach Liedern, Texten und Noten für den heimischen Advents- oder gar Heiligen Abend. Dann ist hier eine wahre Fundgrube aufgetan. Die Lieder sind noch bis zum 6. Januar 2013 herunter zu laden.
Eine tolle Idee, wie ich meine. Und eine Gelegenheit, solche Lieder ohne schlechtes Gewissen zu konservieren und seinen Kindern und Kindeskindern zugänglich zu machen.
Da verzichte auch auch gerne auf meinen täglichen Jazz! Aber nur bis zum 26. Dezember. ;)
… und kommuniziert wieder falsch.
Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte, kurz GEMA, steht seit Monaten in der Kritik. Ursache ist hauptsächlich die geplante Tarifreform für Veranstaltungen mit Tanzmusik. Betroffen sind vor allem Discotheken- und Clubbetreiber, aber auch Schützenvereine, Karnevalisten und alle Veranstalter, die Musikdarbietungen bei ihren Veranstaltungen dabei haben. Heute sind Proteste unter anderem in München, Nürnberg, Berlin und weiteren Standorten der GEMA-Bezirksdirektionen geplant. Aus diesem Grund hat die GEMA heute vormittag eilig eine Pressekonferenz einberufen, um aus ihrer Sicht nochmals darzustellen, warum die Proteste der Gegner überzogen sind.
Im April waren die neuen Tarife veröffentlicht worden. Seitdem rechneten DEHOGA und Clubbetreiber, was da an Kosten auf sie zukommen würde. Vor allem via Internet, befeuert von Piraten und GEMA-Kritikern, formierte sich Widerstand in der Bevölkerung.
Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte der Bund der Karnevalisten eine Vereinbarung mit der GEMA ausgehandelt, die einen gemäßigten Anstieg der Lizenzgebühren beinhaltet und zudem erst nach der laufenden Session zum 1. April 2013 in Kraft tritt.
Überraschendster Punkt: Das, was die Karnevalisten ausgehandelt haben, soll laut Jürgen Baier von der GEMA auch für alle anderen gelten. Die Tarife steigen mit einer Staffelung an. Zudem werden Zuschläge nicht, wie ursprünglich veröffentlicht, nach fünf, sondern erst nach acht Stunden erhoben. Und auch in der Höhe der Zuschläge hat die GEMA mit sich reden lassen: Von einstmals 50% für jede ab der sechsten Musikstunde sind nur noch 25% je zwei Stunden ab der achten Stunde geblieben.
Jürgen Baier, zuständig für die Tarifentwicklung, dazu im O-Ton:
Bezeichnenderweise wusste von diesen Tarifänderungen kaum ein Kollege der Presse. Die GEMA hatte diesen Punkt kommuniziert. Und zwar in einer Pressemitteilung betreffend die Einigung mit dem Bund der Karnevalisten.
Zitat:
Die Vereinbarung mit dem BDK sieht gegenüber den seit April 2012 veröffentlichten Tarifen U-V und M-V im Wesentlichen folgende Anpassungen vor:
· Die GEMA gewährt Einführungsnachlässe über die Dauer von fünf Jahren. Der bisher im Tarif vorgesehene Zeitzuschlag ab fünf Stunden Veranstaltungsdauer wird auf acht Stunden erhöht und steigt danach linear um 25 % je weitere zwei Stunden.
· Die GEMA gewährt in ihren Tarifen einen Nachlass in Höhe von 15 % für soziale, religiöse und kulturelle Veranstaltungen, die keine wirtschaftlichen Ziele verfolgen.
· Die Härtefallnachlassregelung wird als Angemessenheitsregelung konkretisiert: Die Obergrenze für die Vergütung der GEMA-Rechte beträgt außerhalb der Mindestvergütung maximal 10 % der Eintrittsgelder.
· Der neue Tarif gilt ab 1.4.2013 und nicht wie bisher vorgesehen ab 1.1.2013.
Zitat Ende. (Pressemitteilung vom 24.7.2012)
Aus der Pressemitteilung geht nicht zwangsläufig hervor, dass dieses Angebot für alle Vertragspartner gelten soll. Denkbar wäre ein Gleichbehandlungsgrundsatz. Aber die GEMA muss sich den Vorwurf wohl gefallen lassen, dass sie hier unsauber kommuniziert hat.
In der damaligen Einladung zur Pressekonferenz hieß es nur:
Zitat: Gerne möchten wir Sie ausführlich über die Inhalte des neuen Gesamtvertrages zwischen der GEMA und dem BDK und die damit einhergehende Modifizierung der neuen Tarife für den Veranstaltungsbereich informieren. Zitat Ende.
Die Zusammenfassung von Jürgen Baier zu den Tarifänderungen nochmals im Wortlaut:
Kommentar:
Gemessen an dem, was bislang im Raum stand, mögen die Nachlässe ein Entgegenkommen der GEMA sein.
Dass das unzureichend kommuniziert wurde, scheint der Fall zu sein.
Dass die bisherigen Proteste der Clubbetreiber und die Berichterstattung der Presse die Bevölkerung (zurecht) gegen die GEMA in Stellung gebracht haben, ist aber ebenso unbestritten. Denn letztlich – ohne den monatelangen Aufschrei derer, die die Erhöhung zahlen werden müssen (die Clubbesucher also), wäre die Verwertungsgesellschaft nicht kompromissbereit gewesen.
Für den juristischen Laien stellt sich der Hintergrund so dar: Die GEMA darf eine Veranstaltung nicht bestreiken, sprich, sie darf das Abspielen von Musik nicht verbieten. Somit ist die Lösung, dass die Verwerter einen Schritt entgegenkommen, nicht die schlechteste Entwicklung. Einen Gleichbehandlungsgrundsatz anzustreben, scheint mir geboten. Aber bitte, da sollen die Juristen urteilen.
Die Proteste halte ich für gerechtfertigt und notwendig. Und sie sollen bitte stattfinden und weitergehen.
Dazu sollen DEHOGA und andere Verbände neue Berechnungen anstellen. Aufgrund der Rahmendaten, die die GEMA heute bekannt gegeben hat.
Festzustellen bleibt:
Die GEMA hat sich im ersten Halbjahr ungeschickt angestellt. Und dafür, liebe Verwerter, geht das Volk auf die Straße. Mit Krumen gibt sich das Volk nicht zufrieden, es will Torte.
Lesen Sie dazu hier im Blog auch:
Das halbe Herz der GEMA
Trinken für die GEMA
Wenn die Technojünger Justin Bieber finanzieren
GEMA-frei und doch nicht frei
Neuer Monat – und Neues von der GEMA.
Die Verwertungsgesellschaft hat heute in einer Pressemitteilung den Vorschlag einer EU-Richtlinie begrüßt, die einen einheitlichen Rechtsrahmen für Verwertungsgesellschaften schaffen soll.
Der Vorstandsvorsitzende Dr. Harald Heker erklärte:
„Wir freuen uns, dass die Kommission die Initiative für einen gemeinsamen Rechtsrahmen für die kollektive Rechtewahrnehmung in Europa ergriffen hat. Die GEMA wird das weitere Gesetzgebungsverfahren mit ihrem Sachverstand konstruktiv begleiten“.
Deutschlandradio Kultur berichtete, dass mehrere Künstler das Konzept der EU kritisieren, darunter Nick Mason, Schlagzeuger der Band “Pink Floyd” und Ed O’Brien, Gitarrist der Band “Radiohead”.
Jeff John Roberts hat die Meldung auf seiner Website paidcontent.org. Die Künstler sehen in der Richtlinie die Urheber nicht genügend berücksichtigt. Sie werfen den Verwertungsgesellschaften vor, das digitale Geschäft vernachlässigt zu haben.
Die Pressemitteilung der GEMA finden Sie hier.
Der Rechtsanwalt Thomas Stadler hat die Situation in seinem Blog näher beleuchtet.
Ich berichte weiter.
Heute ist der letzte Tag beim Bayerischen Jazzweekend in Regensburg. Auch das heutige Programm kann unter bayerisches-jazzweekend.de eingesehen werden.
Ab 11.30 Uhr spielt die Isar-Amper Jazz Company am Bismarckplatz und bietet swingenden Jazz aus den letzten 100 Jahren. Begonnen haben sie mit einem Stück, das einen Mann besing, dessen Frau im Bad nicht fertig wird. Der Mann ist dem Wahn nahe. Oder, wie der Ansager der Gruppe meinte: Eigentlich hat sich seit 100 Jahren nix geändert …
Noch bis 13 Uhr spielt im Thon-Dittmer-Hof das Landes-Jugendjazzorchester unter der Leitung von Harald Rüschenbaum.
Pünktlich um 16 Uhr übernahmen Dr. Jazz aus Straubing den Bismarckplatz. Feinster Dixie und Swing zu sommerlichen Temperaturen, ein paar Kinder toben im Brunnen, die Eltern sitzen da, unterhalten sich, lassen sich unterhalten und genießen die einmalige Atmosphäre. Wer je die Gelegenheit hat, Dr. Jazz in Concert zu sehen: Hingehen und erleben.
Originellen Swing gibt es seit kurz nach 18 Uhr am Haidplatz. “Swing tanzen verboten” unterhalten mit Piano/Akkordeon, Bass, Gitarre/Trompete und Schlagzeug. Dazu ein dreistimmiger Satzgesang von stilecht gekleideten Damen. Klar, dass da ‘Bei mir bist Du scheen’ nicht fehlen darf. Die Band kommt übrigens aus Augsburg.
Für den Abend noch eine Empfehlung: Ab 20 Uhr gibt es am Haidplatz türkisch-bayerischen Jazz mit Cayzyapjazz.
Und um 22.30 Uhr geht das Bayerische Jazzwekend Nummer 31 mit einer letzten Session im “Leeren Beutel” zu Ende.
Bis 2013!
Der Samstagnachmittag beim 31. Bayerischen Jazzweekend bietet weitere Reize, das Fest zu besuchen:
Das Grasselli-Quartett & Arpad Vulkan verzaubern mit drei Gitarren, einem Kontrabass und einem Tenor. Jazzige Arrangements im Stile der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhundert entführen den Zuhörer. Die Musiker spielen mit Lust und Leidenschaft. Danach treten fünf junge Kölner am Kohlenmarkt auf. Das ME-Quintett will den Zusammenklang in Raum und Takt vorführen.
Ruhiger, warmer und weicher Klang mit Vibraphon, Saxophon, Bass, Schlagzeug und Posaune schleicht sich ins Ohr. Der Posaunist spielt sehr weich und klar, akzentuiert sauber und für mich ist es eine wahre Freude zuzuhören. Nur eine halbe Stunde später, um 18 Uhr, soll ein Jazzchor am Bismarckplatz singen. “Singin’ Off Beats” kommen aus Nürnberg. Nach einigen Mikrofonierproblemen, die der Sprecher des Chores souverän mit einem Spielzeug-Megaphon überbrückt, startet der Chor mit einer A-Capella-Nummer. Großer Applaus brandet auf, als der Techniker endlich alle Mikrofone aufschalten kann.
Bereits mit der zweiten Nummer stellen die Singin’ Off Beats unter Beweis, dass sie sich den Auftritt beim Bayerischen Jazzweekend verdient haben. Sehr sauberer, synchroner Gesang, was auch für die Bewegungsabläufe gilt. Kurzum: Ein musikalischer und optischer Genuss.
Frühschoppenstimmung beim Bayerischen Jazzweekend in Regensburg: Am Bismarckplatz feierte das Jazzkränzchen Immergrün München (JIM) sein 50-jähriges Bühnenjubiläum, am Kohlenmarkt präsentierten die vier Funny Valentines Swing im Satzgesang und am Haidplatz spielte die Haberjazzband. Und überall waren ab 11 Uhr viele Zuschauer präsent, um das Flair dieser Musik zu erleben. Bei fast dauerhaft trockenem Wetter ließ sich der eine oder andere auch ein Weißbier schmecken. Ein paar fotografische Eindrücke:
Am Samstagnachmittag warten weitere Highlights in der Regensburger Altstadt auf Besucher: Um 18 Uhr “Singin’ Off Beats”, das ist ein großer Jazzchor, am Haidplatz spielen ab 20.30 Uhr “The Dixie Heartbreakers” und im Leeren Beutel ab 21 Uhr die Saxophonistin Stephanie Lottermoser, die schon am Donenrstagabend Conrad Tribble begleitete.
Kurz nach 19 Uhr wurde das 31. Bayerische Jazzweekend wie jedes Jahr am Freitag auch am Bismarckplatz und damit in der Altstadt von Regensburg eröffnet. Schon ab 18 Uhr stimmte die ReGy-Bigband aus Wertingen die Besucher mit Big-Band-Musik auf das Fest des Jazz ein. Die ReGy-Bigband besteht aus Schülern von Realschule und Gymnasium.
Zu einer Combo-Format gab es stimmigen Chorgesang von mehreren Mädchen des Landes-Jugendjazorchesters.
Bürgermeister Joachim Wolbergs begrüßte neben den Honoratoren der Stadt auf Mitglieder des Landtages. Er ließ die Arbeit der Stadt nicht unerwähnt und dankte wiederum der Intendanz des Bayerischen Jazzinstitutes sowie der Jury, die unter mehr als 340 Einsendungen die besten Gruppen herausgesucht hatten.
Und dann bekam die Eröffnungszeremonie einen Glanzpunkt verliehen. Der Bürgermeister holte einen besonderen Gast auf die Bühne: Den scheidenden amerikanischen Generalkonsul Conrad Tribble. Dieser bedankte sich bei Regensburg, das in seiner Zeit in Bayern auch zu einem Stück Heimat geworden sei: Anfangs durch Baseball, bei einem Spiel Deutschland – USA, dann kam schnell das Bayerische Jazzweekend dazu. Trbble bedauerte, dass er Ende Juli Bayern verlassen müsse, um seinen Dienst in Kuba fortzusetzen:
Dafür entschädigte er aber mit einem Präsent besonderer Art.
Völlig ‘spontan’ sang er mit einer Band zwei Klassiker, einmal Frank Sinatras “Fly Me To The Moon” und dann “Mackie The Knife”. Die beste Kritik kam von einem Zuschauer, der spontan meinte, dass er schon wesentlich schlechtere Bands gehört habe, deren Sänger sogar noch Geld für die Darbietung bekommen habe.
Das Publikum jedenfalls fühlte sich gut unterhalten, der Auflauf war sehr groß. Zur gleichen Zeit spielten im Thon-Dittmer-Hof The Hot Wok aus Spanien, die gestern das Publikum auf der Piazza im Gewerbepark zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Beide Veranstaltungen waren gut besucht. Die Besucher haben damit echte Höhepunkte zur Eröffnung präsentiert bekommen. Und auch das Wetter hielt bis zum Konzertende gegen 22 Uhr durch.
Bei leicht bedecktem Himmel, aber durchaus sonnigem, nicht zu warmen Wetter, durchsetzt von leichten Brisen, startete das 31. Bayerische Jazzweekend mit dem Eröffnungskonzert im Gewerbepark Regensburg. Gefühlvoller persischer Gitarrenjazz vom Mahan Mirarab Trio nahm die Zuschauer mit.
Kaum fünf Minuten später nickte ein Großteil der Zuhörer rhythmisch mit dem Kopf und schnippte mit den Fingern. Füße wippten im Takt, alles schaute auf die Kommunikation der Musiker, die fast nicht sichtbar war, nur zu erahnen.
Am Nachmittag war noch fleißig gewerkelt worden, die Bühne musste aufgestellt werden, Instrumente gestimmt und mikrofoniert werden. Für den Tontechniker von „sugar Veranstaltungstechnik“ eine Routine-Aufgabe. Er kennt das Live-Geschäft, regelt zielsicher am Pult die zahlreichen Knöpfe.
Bürgermeister Joachim Wolbergs betonte, dass ohne das Zusammenwirken von Stadt Regensburg und Bayerischem Jazzinstitut so ein Fest nicht möglich sei.
Von daher galt sein Dank neben den städtischen Mitarbeitern auch dem Bayerischen Jazzinstitut:
Die spanische Band „The Hot Wok“ begeisterte mit Vibraphon, Schlagzeug und Blasinstrumenten. Mit dabei: ein Sousaphon. Das kam für das Jazzweekend extra aus Niederbayern, da der Transport per Flugzeug zu umständlich gewesen wäre und das Instrument Schaden hätte nehmen können. Jazzer sind freundliche und hilfsbereite Menschen und so fand sich ein Kollege, der den Transport seines eigenen Instrumentes für die Auftritte von „The Hot Wok“ bereitwillig übernahm.
(Bericht wird fortgesetzt…)
Das Bayerische Jazzweekend ist eine Veranstaltung, die sowohl unter freiem Himmel als auch in einigen Lokalen stattfindet. Allen gemein ist jedoch, dass abends um 22 Uhr Schluß ist. Mancher dem Jazz nicht so zugetane Bürger Regensburg mag da froh sein, die Musiker und Jazzfreunde wird es weniger freuen. Aber es gibt fast schon traditionell Live-Sessions, die am Freitag- und Samstagabend ab 22.30 Uhr sowohl im “Andreasstadl” als auch im “Leeren Beutel” stattfinden, am Sonntagabend dann nur im “Leeren Beutel”.
Daniel Prätzlich leitet am Freitagabend, Martin Schnabl am Samstagabend im Andreasstadl die Session. An beiden Abenden zeichnet im Leeren Beutel Peter Pöschl dafür verantwortlich. Sonntagabend wird Roland Huber der Prizipal im Leeren Beutel sein.
Interessant an solchen Zusammenkünften ist ja immer, wie spiel- und experimentierfreudig die Musiker sein werden. Bei Jazzern ist diese bekanntermaßen hoch, so dass sicher einige interessante Improvisationen erwartet werden dürfen, zumal Musiker der verschiedenen Stilrichtungen aufeinander treffen. Beginn ist in beiden Spielstätten jeweils um 22 Uhr, mit offenem Ende kann gerechnet werden.
Impressionen von Mittwoch früh in Regensburg. Die Altstadt ist noch menschenleer. Aber wer mit offenen Augen umhergeht, entdeckt, dass sich das Gesicht der Stadt verändert. Während am Haidplatz und im Innenhof des Thon-Dittmer-Palais die Bühnen schon im Aufbau sind, sieht man am Kohlenmarkt und Bismarckplatz noch nichts. Aber bis Freitag werden die Bühnen auch da stehen.
Drei Tage Jazz-Musik erwarten den Besucher der Altstadt. Und zwar, wie es ein Schild am Bismarckplatz zeigt: alle Richtungen.
Am Donnerstagabend beginnt es: Das 31. Bayerische Jazzweekend in Regensburg. 83 Bands unterschiedlicher Stilrichtungen, 86 Konzerte und fünf Sessions auf verschiedenen Bühnen und in Lokalen werden Regensburg wieder in DAS Sommerzentrum des Jazz verwandeln. Wer schon einmal da war, weiß es: Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Somit lässt sich ein Besuch der Weltkulturerbe-Stadt sicher auch mit dem Besuch des einen oder anderen Konzertes kombinieren.
Wer sich via Internet rund um das Bayerische Jazzweekend informieren will, bekommt aktuelle Infos und Eindrücke via Twitter beim Account des Bayerischen Jazzinstitutes. Wer selber twittert, kann seine Eindrücke ja auch schildern: Der Hashtag lautet #Jazzweekend und wird schon seit den ersten Jurysitzungen dieses Jahres verwendet. Die ehrenamtliche Jury hörte sich die Bewerbungen von 342 Bands an.
Im Gewerbepark Regensburg spielen ab 17.30 Uhr das iranische Trio „Mahan Mirarab“, aus Spanien ist „The Hot Wok“ mit markanten und sehr energiegeladenen Bläsersätzen. Markus Minarik mit seiner markanten Stimme ergänzt das Spektrum. Damit zeigt sich schon am Eröffnungsabend ein eindrucksvoller Ausschnitt aus der Bandbreite an musikalischen Ausdrucksformen, die beim „Bayerischen Jazzweekend“ erlebbar sind.
Am Freitag wird dann unter anderem das Landes-Jugendjazzorchester Bayern zum Auftakt spielen, das „Jazzkränzchen Immergrün München“ wird am Bismarckplatz sein 50-jähriges Bühnenjubiläum begehen und am Samstag gastiert „Singin’ Off Beats“, ein Jazzchor aus München.
Drei Tage voller Jazz, der Bayerische Rundfunk wird vereinzelt auch aufzeichnen, ein Fest der Künstler für das Publikum. Der Stadt Regensburg ist es zu danken, dass sie die Kosten für das Event übernimmt, dem Bayerischen Jazzinstitut als Intendanz gebührt samt Jury Dank, dass auf zehn Bühnen in der Altstadt für jeden Geschmack etwas zu finden ist.
„Heinrich graut’s“ wird via Twitter und Blog ebenfalls berichten. Für alle User mobiler Geräte: Ich habe dafür gesorgt, dass diese datensparend einen Überblick über die Blogposts bekommen.
Ein zentraler Anlaufpunkt, an dem das Jazzinstitut zu finden ist, befindet sich beim Alten Rathaus. Hier können sich Besucher mittels Stecknadeln auf Landkarten verewigen. Das Bayerische Jazzweekend ist in den vergangenen 30 Jahren zu einer weltweiten Größe geworden.
Besonderes Schmankerl für alle Twitterer: Am 7. und 8. Juli gegen 16 Uhr sind alle Tweeps aufgerufen, sich dort zu einem Tweetup einzufinden.
Das komplette Programm finden Sie auf der Homepage.
Bildhinweise: Das Bild vom Plakat hat das Bayerische Jazzinstitut zur Verfügung gestellt, das Bild von „The Hot Wok“ wurde von den Künstlern freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Jedes Jahr am zweiten Juli-Wochenende verwandelt sich die Regensburger Altstadt in viele Bühnen für Jazz. Das Bayerische Jazzweekend bietet an die 90 Bands, die von Donnerstagabend bis Sonntag an verschiedenen Plätzen auftreten. Die Jury hat seit Anfang des Jahres zweimal in der Woche getagt und bis zum April alle Einsendungen begutachtet, um auch dieses Jahr wieder möglichst viele Stilrichtungen und Bands einladen zu können. Finanziert wird das Jazzweekend von der Stadt Regensburg und vielen Partnern und Sponsoren. Die Intendanz des Weekends hat das Bayerische Jazzinstitut inne.
Das Programm ist hier einzusehen. Während der drei Tage wird das Bayerische Jazzinstitut auch per Twitter als @Bayernjazz berichten. Auch ich werde während des Jazzweekends vor Ort sein und nach Möglichkeit bloggen. Vielleicht ist das ja ein Grund, @Bayernjazz oder @hrbruns zu folgen. Viele Tweets finden sich unter dem Hashtag #Jazzweekend.
Zugegeben, der Blog-Titel ist ja schon fast fies geklaut. Reinhard Mey hat ein Chanson des Titels “50 – was, jetzt schon?” geschrieben. Genau dieses spielte mein MP3-Player aber gestern abend, als ich von einem Twittagessen in Rosenheim spät abends im Zug nach München fuhr, kurz mein Blog aufrief, einen Kommentar genehmigte und mir auffiel, dass ich kurz vor der 100 stand. Blogeintrag Nr. 50 hatte ich ja völlig verschusselt und einen “normalen” Artikel geschrieben, der 51. wurde dann zu einem Danke.
Natürlich kokettiere ich im Titel dieses Blogs auch damit, dass es Kollegen gibt, die ihren hundertsten Blogeintrag 100 Tage nach Beginn der Bloggerei eingetragen haben. Oder zumindest nahe dran, wenn ihnen das Kreisen um ihren Ernährungsstil Zeit ließ. Und es gibt Kollegen, die haben nach 50 Tagen die Quote 100 erfüllt. Ich gönne es ihnen.
Für mich hingegen ist es wichtiger, über Sachen zu schreiben, die Herzblut haben. Deswegen: Nicht jeden Tag ein Artikel.
Es muss nicht von jedem alles gesagt werden. Auch nicht von mir.
Vielleicht hätte ich dieses Blog ‘Mit Musik und Twittern zwischen GEMA und Bahn’ nennen sollen. Der Titel hätte etwas davon verraten, was die Schwerpunkte meines Schreibens sind: Die GEMA, der ich meinen bislang größten Erfolg zu verdanken habe, die Bahn, die ich liebevoll und streng begleite. Es geht um Social Media, ich habe den Generalvikar des Bistums Regensburg im Interview gehabt, einen Mittelschulrektor und Doro Bär.
Ich schreibe manchmal über Musik, ob klassisch, Volkslied oder Kinderlied.
Achja, das eine oder andere literarische Stück meiner Vergangenheit taucht auch immer mal wieder auf.
Das alles habe ich, als ich das Bloggen begann, nicht gewusst. Welche Themen mich finden würden, welche Leser, welche Kollegen.
Aber mittlerweile 70.000 Visits im Monats-Schnitt sind eine Marke.
In toto halte ich es für eine abwechslungsreiche Mischung. Nicht alles gefällt, nicht alles stößt auf Gegenliebe beim Leser. Ein über steinzeitliche Ernährung bloggender Kollege meint manches Mal zu erkennen, dass ich traurig sei. Nicht wirklich. Ich habe das Singen aufgeben müssen, weil die Stimme das nicht mehr aushält. 9 Monate Dauererkältung und Gesang haben ihr Opfer gefordert. Und da ich ja durchaus als Sprecher arbeite, beuge ich mich dem Urteil des Arztes.
Das hat mich in den letzten Monaten stiller, verhaltener, ruhiger und nachdenklicher werden lassen.
In dieser Zeit bin ich einem Menschen begegnet. Er gab mir seine Hand. Und ich lasse die so schnell nicht mehr los. ;)
Danke!
Auf die nächsten 100 Einträge.
Ein Kommentar
In den vergangenen Jahren sind die Bilanzsummen der „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte e.V.“ gestiegen.
In diesem Jahr nun hat Verwertungsgesellschaft einiges unternommen, um, wie sie selber sagt, transparenter zu werden. Und einiges, um die Einnahmen unter veränderten Vorzeichen zu sichern.
Einnahmen, die ihren Mitgliedern zu Gute kommen sollen.
Hatte man zuletzt die Tarife für Konzerte „reformiert“, so liegt der Schwerpunkt dieses Jahr auf den Reformen der Veranstaltungstarife.
Diese provozieren schon seit der Veröffentlichung im März 2012 die Diskotheken- und Clubbetreiber. Vorläufiger Höhepunkt: Die Demonstration „Bitte keine GEMAinheiten mehr“ am 25. Juni in Berlin. Zeitgleich und am gleichen Ort wie das Mitgliederfest der GEMA.
Aber auch andere Stellschrauben, an denen die Verwertungsgesellschaft dreht, erregen den Unmut von Musiknutzern und Musikproduzenten, die alternative Wege suchen.
Sei es die geplante Erhöhung der Leerabgabe auf Speichermedien oder die Sondertarife, die die GEMA zur Europameisterschaft bietet.
Auch eine Image-Kampagne der GEMA zieht nicht so richtig: Musik ist uns was wert.
Eine unglückliche Pressesprecherin bringt neuen Schwung in die Debatte um die GEMA. Gaby Schilcher spricht in einem großen Zeitungsinterview davon, dass die Verwaltungsausgaben auch darauf verwendet werden, sie für anstrengende Gespräche mit der Presse zu zahlen. Angesichts des Zornes weiter Teile der Bevölkerung ist das ein Tropfen in ein Fass, das überzugehen droht.
Bands wie Porter suchen sich das Geld für eine CD-Produktion im Netz zusammen und produzieren unter Creative-Commons-Lizenz.
Viele Künstler publizieren schon gema- und auch lizenzfreie Musik. Die Musikpiraten veröffentlichen eine solche CD und wegen eines Pseudonyms, das nicht offengelegt wird, zieht die GEMA vor den Kadi. Weil es die GEMA-Vermutung gibt.
An anderer Stelle bemühen sich Musikschaffende, eine alternative Verwertungsgesellschaft, die C3S auf die Beine zu stellen. Das Problem: Sobald C3S um Zulassung beim Patentamt ersucht, wird die Satzung des Vereins öffentlich sein und von den Justiziaren der GEMA sicher nicht unkommentiert bleiben. Und jede Unklarheit, jeder indifferente Ansatz, jeder nicht juristisch wasserdichte Satz wird Schreiben um Schreiben, Eingabe um Eingabe, Widerspruch um Widerspruch auslösen. Monopolisten lassen sich ungern in die Ecke drängen und – mehr Anwälte haben sie auch. Und wohl auch das Geld, sie zu zahlen.
Aber sei’ s drum: Was die letzten 20 Jahre in der Politik seinen Anfang nahm, durchdringt nun auch gesellschaftliche Bereiche: Die Abschaffung von Diktaturen wird zur Auflehnung der Musiknutzer und -schaffenden gegen einen Monopolisten, der sich selbst überlebt zu haben scheint.
2012 ist das Jahr der GEMA.
Crowdfunding ist einer der Begriffe, die derzeit in den Medien kursieren. Was ist das eigentlich genau? Wikipedia schreibt dazu: “Crowdfunding oder Schwarmfinanzierung ist eine Art der Finanzierung. Mit dieser Methode der Geldbeschaffung lassen sich Projekte, Produkte, die Umsetzung von Geschäftsideen und vieles andere mit Fremdkapital versorgen. Eine so finanzierte Unternehmung und ihr Ablauf werden auch als eine Aktion bezeichnet. Ihre Kapitalgeber sind eine Vielzahl von Personen – in aller Regel bestehend aus Internetnutzern, da zum Crowdfunding meist im World Wide Web aufgerufen wird.”
Anders ausgedrückt: Viele Personen geben kleinere Geldbeträge, um ein Projekt zu ermöglichen. Das ist sozusagen die internetaffine Umsätze des Sprichwortes vom Kleinvieh, das auch Mist macht. Auf diese Art ist in letzter Zeit schon Geld für einen Spielfilm zusammengekommen. Auch die eine oder andere Musikproduktion erblickt dadurch das Licht der Welt. Und das, ohne dass die Künstler sich einer Produktionsfirma und gegebenenfalls für sie ungünstigen Verträgen aussetzen müssen.
In meinem Twitter- und Facebook-Bekanntenkreis versucht das gerade Markus G. Sänger mit seiner Band Porter und dem Projekt Wolkenstein.
Als Dankeschön hat er sich besondere Geschenke für Spender ausgedacht. Das geht vom Dankeschön auf der Facebook-Fanseite über lebenslangen freien Eintritt zu Konzerten bis hin zum Koch-Event der Band für großzügige Spender.
Alle Infos zum Projekt Wolkenstein finden Sie hier. Mit Zeichnungsmöglichkeit für Spenden!
Hier ist die Facebook-Fanseite der Band.
Sie wollen in ein paar Titel der Band reinhören? Kein Problem, bei Soundcloud gibt es Hörproben.
Ich habe mich ebenfalls im Projekt engagiert. Nicht mit Geld, aber mit einer kleinen ‘Stimmspende’. Den Trailer mit meiner Sprecherstimme finden sie hier.
Was ich persönlich sehr fein finde: Das Album wird GEMA-frei erscheinen und unter Creative-Commons-Lizenz publiziert.
Und: ‘Alternative’ ist ein weiter Begriff. Nach den ersten Höreindrücken bin ich aber sehr zufrieden. Wenn die CD erscheint, dann lesen Sie hier sicher eine Rezension.
Notabene: Meine Texte und Fotos erscheinen hier auch unter CC-Lizenz (siehe Kasten rechts, unten). Sie können via Flattr Beiträge honorieren. Genauso funktioniert das mit einem ‘Fav’ bei Twitter.
Die geplante Tarifreform der GEMA zu Veranstaltungen mit Tanzmusik kommt nun vor die Schiedsstelle des beim Deutschen Patent- und Markenamt in München.
Das geht aus einer Pressemitteilung der GEMA von heute (19.Juni) hervor.
Georg Oeller, Vorstandsmitglied der GEMA, wird darin zitiert: „Wir begrüßen es sehr, dass die Bundesvereinigung der Musikveranstalter e.V. dem von uns initiierten Schiedsstellenverfahren gestern zugestimmt hat.“
Nicht nur die Bundesvereinigung der Musikveranstalter, angesiedelt beim Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA, hat gegen die neuen Tarife der GEMA Protest eingelegt, auch die Vereinigung der Tanzschulinhaber (Swinging World e.V.) will eine Beurteilung von der Schiedsstelle.
Die Schiedstelle wird nun die Tarife prüfen. Das ist so im Urheberrecht-Wahrnehmungsgesetz geregelt. Das Verfahren kann ab Eröffnung ein Jahr dauern. Ungeachtet dessen werden die neuen Tarife, so ein Sprecher der GEMA am Telefon, zum 1. Januar 2013 wie veröffentlicht in Kraft treten. Allerdings, so der Sprecher weiter, sei es durchaus üblich, dass sich GEMA und Gegenseite schon zu Anfang darüber unterhielten, wie ab dem Zeitpunkt der Änderung verfahren werde.
Montag abend, Untergiesing. Twittwoch e.V. hat zur Diskussion über das Urheberrecht geladen.
Für mehr als eine Stunde verlief die Diskussion sachlich und spannend, jeder der Podiumsteilnehmer machte seine Position deutlich. Die Lager gehen quer durch die Gesellschaft: Auf der einen Seite die, die an den alten Geschäftsmodellen festhalten wollen und ihren Verlegern und Abnehmern die Treue halten und von deren Verwertungsketten (Kino, TV, DVD, …) angetan sind. Auf der anderen Seite sind die, die das Urheberrecht modernisiert und an die Lebenswirklichkeit angepasst sehen wollen (Konstantin von Notz und Bruno Kramm).
Als die Zuschauer sich in die Diskussion einmischten, nahm die Veranstaltung an Fahrt auf: Hier wurde klar, dass das Festhalten an alten Geschäftsmodellen an der Lebenswirklichkeit der Mediennutzer vorbeigeht. Exemplarisch hier ein Ausschnitt aus der Diskussion, Jochen Greve hält an den alten Modellen fest. Was aber, wenn jemand einen Film nicht im Kino sehen will, sondern zeitgleich lieber zu Hause im Fernseher? Legal, versteht sich:
Durch die beständige Präsenz des Thema ‘Urheberrecht’ in den Medien ist die Öffentlichkeit sensibilisiert. Mehr als durch bisherige Kampagnen der Content-Provider. Beim Twittwoch forderte keiner eine Kostenlos-Kutur. Aber, das wurde in den Statments von Bruno Kramm und Konstantin von Notz deutlich, legales Teilen und weniger Restriktionen fördern das Bekanntwerden von Künstlern und Werken.
Das Urheberrecht ist eine gute Sache, Verwertungsmodelle auch, denn nicht jeder Künstler ist auch ein Geschäftsmann.
Aber das alles bedarf der Reform.
Hier geht es zum Videostream des Twittwoch Spezial.
Auf der Bühne, von links nach rechts: Thomas Pfeiffer (@codeispoetry) von Twittwoch, Tatort-Autor Jochen Greve, Dr. Konstantin von Notz(@KonstantinNotz), MdB B’90/Grüne, Reinher Karl vom Verband der unabhängigen Musikunternehmen e.V. und Bruno Kramm (@BrunoGertKramm), Labelbesitzer, Musiker und Urheberrechts-Beauftragter der Piratenpartei Deutschlands.
Ersetzen Sie mal in englischen Popsongs das Wort „Love“ durch „Horst“ – und performen das. Sie haben die Lacher auf ihrer Seite. Glauben Sie nicht? Die A-Cappella-Pop-Gruppe „Füenf“ stellt es unter Beweis und begeistert nur mit dem Mund.

Horst Is In The Air, Caravan Of Horst, Horst hurts: Ein Medley mit bekannten Popsongs erklingt. Bekannte Popsongs, in denen „Love“ gegen „Horst“ ersetzt wird. Das wirkt dann unglaublich komisch. Am skurrilsten ist das bei der Schmachtnummer von Meat Loaf, wenn sie singen „I Would Do Anything For Horst“. Der Spaß, den die fünf Jungs auf der Bühne haben, überträgt sich aufs Publikum. Es fällt auch gar nicht auf, dass Füenf keine Instrumente haben. Denn, so Bandmitglied Justice, machen sie zwar Satzgesang ohne Instrumentalbegleitung, würden aber auch Instrumente nehmen, wenn es der Sache nützt. Das Schlagzeug imitieren sie mit dem Mund. Es ist von einem echten kaum zu unterscheiden.
Füenf sind fünf Männer im Alter zwischen 30 und 40. Sie heißen Justice, Memphis, Karuso, Pelvis und Dottore Basso. Die wirklichen Namen erfährt man in ihren Lebensläufen auf der Website. Die eigenwillige Schreibweise des Bandnamens deutet auf ihre Herkunft aus dem Ländle hin, in Stuttgart sind sie zu Hause. Bis zu 120 Tage im Jahr sind sie unterwegs. Ein paar Mitgliederwechsel hatten sie in 15 Jahren Bandgeschichte schon: „Aber alle aus privaten Gründen, das hatte nichts mit der Band zu tun“, so Justice. Man merkt, dass das Klima in der Band stimmt.
Apropos Klima, wir sind ja gerade in Baden-Württemberg – Gelegenheit, nach rot-grüner Landespolitik und eigenem Umweltengagement zu fragen. Angereist sind sie in einem Auto, zu sechst. „Das ist so richtig umweltverträglich“, sagt Memphis. „Die Autoindustrie wird sich jetzt weiterentwickeln, hoff ich, in die richtige Richtung, regenerativer.“ Passend dazu haben sie einen Song zum Auto im Repertoire: „Mein Auto ist mein bestes Stück. (…) Mein Motor, der heißt Atze, mein Lenkrad nenn ich Knut. Gestern fuhr ich auf ne Katze, weil Heinz nicht hupen tut. Auch Marianne, meine Heizung, lässt mich immer mehr im Stich, heizt im Sommer volle Pulle, und im Winter tut’se nichts.“
Nach einem kurzen Soundcheck beginnen Füenf ihren Auftritt mit „Die Krise“. Ein Lied, das praktische Tipps gibt, wie man die Wirtschaftskrise übersteht: Heizöl abbestellt, im Wohnzimmer ein Lagerfeuer, Lauch und Tomaten im Garten. Und das wunderbar in eine eingängige Melodie verpackt und mit einem flotten Rumba-Rhythmus unterlegt. Auch der ist mit dem Mundschlagzeug gemacht. Das Publikum geht mit, auffallend viele Kinder strahlen die fünf Jungs auf der Bühne an. Immer bewegen sich die Sänger, der Solist bei den Stücken ist fast immer im Vordergrund. Selbst die Regenschauer bringen keinen aus dem Konzept.
Überregional bekannter wurden Füenf durch gesungene Haltestellen. Die kann man auch auf ihrer Homepage nachhören, in der Haltestellen-Jukebox. Die Idee kam ihnen, so Justice, als sie eine CD-Präsentation in der Stuttgarter Straßenbahn machten. Bei der vier Stunden dauernden Fahrt ging irgendwann das Material aus und sie begannen, die vorbeirauschenden Haltestellen in ihr Programm einzubinden. Bekannte Melodien, teils Volkslieder, umgedichtet und angesungen. Der Stuttgarter Straßenbahn AG gefiel es, Füenf nahmen ein paar dieser Haltstellen-Songs auf und ließen die Songs parallel zur Ansage laufen. Mittlerweile haben sie auch Haltestellen anderer Städte besungen, zum Beispiel München-Daglfing oder das Isartor.
A-Cappella ist eine eigenständige und manchmal eigenwillige Unterhaltungsform. Und wenn nur fünf Leute auf der Bühne stehen, dann muss die Stimmverteilung passen. Lockere Moderationen, dann bewegen sich die Jungs wieder in choreografierten Abläufen. Füenf wollen übrigens nächstes Jahr auch München bespielen. Und zwar eigenständig, nicht im Rahmen eines Festivals, obwohl sie sich mit den anderen Gruppen dieser Stilrichtung gut verstehen.
Der letzte Song des Auftritts könnte die heimliche Hymne Baden-Württembergs werden: „Mir im Süden“. Und auch die Sonne kriegt wieder die Oberhand – passend zur Textzeile: „Wir habens ein kleines bisschen besser drauf.“
Mehr Infos zu FÜENF auf der Homepage.
Original-Veröffentlichung des Beitrages war auf Journal Digital der Journalisten Akademie München.
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