Des is da Heinzi – oder: „Du babbst”

Ich bin ergriffen. Gerade habe ich gesehen, wie ein alter Mann das eine Haus verlassen hat, in einen Hubschrauber stieg und nach einer kurzen Autofahrt das andere Haus betrat. Ein Ereignis, das alltäglich wäre, wenn es sich bei dem alten Mann nicht um den Papst handeln würde.
Ich habe geweint.
Sicher ist es vielen Menschen so gegangen. Von einem weiß ich es, weil er es mir per Mail schrieb.
Mich hat Josef Ratzinger geprägt.
Als Julius Card. Döpfner starb und Josef Ratzinger sein Nachfolger wurde, sollte meine kleine, nicht besondere Geschichte mit ihm beginnen.
Ich bin aufgewachsen in Unterwössen, ein kleiner, beschaulicher Ort in den bayerischen Alpen, dem einen oder anderen bekannt, wenn er sich mit dem Auto in den Winterurlaub nach Reit im Winkl begab. Als die Winter in Bayern noch Winter waren …
Der „alte” Pfarrer von Unterwössen, Franz Niegel, war ein Studienkollege von Josef Ratzinger.
Schon bald nach seiner Weihe zum Bischof (und ich weiß nicht mal, ob er da nicht schon Kardinal war), hat Josef Ratzinger die Pfarrgemeinde St. Martin in Unterwössen besucht. Wir Ministranten standen Spalier, um den hochwürdigen Besuch zu empfangen. Der Herr Bischof ging durch unsere Reihe, und ich weiß noch, dass Pfarrer Niegel mit ihm vor mir stehen blieb und sagte: „Des is da Heinzi, der kimmt zwar vo de Breissn, is aber oana vo unsere fleißigsten Ministranten.” ¹
Was mir aus dieser Begegnung noch im Gedächtnis geblieben ist: Josef Ratzinger zeichnete das Kreuzzeichen auf meine Stirn und meinte, dass ich mich mit Fug und Recht als Bayer bezeichnen, betrachten und fühlen dürfe. – So wurde ich also Bayer.

In den Folgejahren, besonders in den römischen Jahren, kam Kardinal Ratzinger oft auf Besuch nach Unterwössen. Er verbrachte ein, zwei Wochen zusammen mit seinem Bruder Georg und der gemeinsamen Schwester Maria Ratzinger auf dem Bichlhof. Dieser Bichlhof ist im letzten Jahr wieder etwas mehr ins Blickfeld gerückt, unser ehemaliger Bundespräsident Horst Köhler hat das Anwesen gekauft und als Feriendomizil umbauen lassen. Die Schwestern von Bad Adelholzen haben den Hof aufgegeben.

Mein Leben in Unterwössen war von der Kirche geprägt. Und Kardinal Ratzinger feierte oft mit uns Gottesdienst. Und an den hohen Feiertagen wie Ostern durften wir sicher sein, dass Josef Ratzinger in Unterwössen auftauchen würde. Ich durfte oft sein Assistent sein. Mitra aufsetzen, Mitra absetzen, Bischofsstab in die Hand geben, Bischofsstab wieder entgegennehmen … Er hatte keinen Sekretär dabei, deswegen durfte ich diese Funktionen übernehmen.

Im Umfeld dieser Messfeiern gab es auch Treffen mit Kardinal Ratzinger im Pfarramt/Pfarrheim Unterwössen. Und in einer dieser geselligen Runden erzählte Kardinal Ratzinger einen Witz:
„Woasst, wer der erste Papst war?”
„Ja, der Petrus!”
„Naa, der erste Papst war der Adam.”
„???”
„Ja. Die Eva hat im Paradies damals eine ganz süße Nektarine gepflückt und dem Adam gegeben. Der Adam hat die Nektarine gegessen und wollte sich mit einem Busserl bei der Eva bedanken. Und da hat die Eva gesagt. „Du babbst.” ²

Auch das war Josef Ratzinger, der Papst Benedikt XVI.

______
¹ ‘Das ist der Heinzi, er kommt zwar aus dem nicht-bayerischen Teil Deutschlands, ist aber einer unserer fleißigsten Ministranten. (Ich bin in der Nähe von Aachen geboren und erst im Alter von 5 Jahren nach Unterwössen gekommen)

² Du pappst = Du klebst.

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In der Kategorie Kirche, Religion am 28.02.13 um 20:27 Uhr veröffentlicht.
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Natürlich gehört das Leiden auch zum Amt …

Heute (28.02.2013) passiert etwas, das nur ganz selten in der Kirchengeschichte passiert ist. Papst Benedikt XVI. legt sein Amt nieder. Als er am Rosenmontag diese Entscheidung bekannt gab, hielten das alle zunächst für einen Faschingsscherz. Oder, wie Generalvikar Michael Fuchs aus Regensburg, für einen Hackerangriff von Anonymous, der unbekannten Internet-Aktivisten-Gruppe.
Es stellte sich schnell heraus, dass der Papst tatsächlich verkündete, heute zurücktreten zu wollen. Die Welt horchte auf. Auch in Regensburg, einem der „Heimatbistümer” von Josef Ratzinger. Hier hat Papst Benedikt XVI. eine Wohnung, hier ist das Institut angesiedelt, das sich um die Herausgabe seiner Schriften kümmert. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass der Papst zwei Kenner seiner Theologie noch in wichtige Ämter berief: Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Glaubenskongregation und Rudolf Voderholzer als dessen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl in Regensburg. Mit dem Generalvikar des Bistums Regensburg, Prälat Michael Fuchs, habe ich mich am Sonntag unterhalten. Über den ersten Monat von Rudolf Voderholzer als Bischof von Regensburg, über das Erleben von Michael Fuchs bei der Rücktrittsankündigung des Papstes, das theologische Verständnis des Amtes und – auch über seine persönliche Planung.

Heute passiert also das „Ungeheuerliche”. Der Papst wird in seinen Sommersitz fliegen und ab 20 Uhr ist der Sitz des Bischofs von Rom vakant. Die Kardinäle werden einen neuen Nachfolger Petri bestimmen müssen.
Ich wünsche dem „Papa emeritus” einen guten Lebensabend und viel Kraft für seine gewählte Lebensaufgabe.
Danke, Papst Benedikt!

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In der Kategorie Kirche, Religion am 27.02.13 um 20:27 Uhr veröffentlicht.
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Papstwahl. Oder: Wie wird man Papst?

„Acceptasne electionem de te canonice factam in Summum Pontificem?”
„Nimmst du deine kanonische Wahl zum Papst an?”

Bevor diese Frage an den gewählten Papst durch den Dekan des Kardinalskollegiums gestellt wird und weißer Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, haben die wahlberechtigen Kardinäle der katholischen Kirche einige Hürden zu überwinden.
Nach dem Tod – oder wie im jetzigen Falle des Rücktritts von Benedikt XVI – tritt das Kardinalskollegium zusammen. Das geschieht frühestens 15 Tage nach dem Eintreten der Sedisvakanz (= es gibt keinen Papst mehr, der Stuhl (sedis) ist leer (vakanz) ).
Die wahlberechtigten Kardinäle begeben sich in die Klausur der Sixtinischen Kapelle. Sie dürfen nicht telefonieren, nicht Zeitung lesen, nicht Fernsehen gucken. Sie haben sich nur auf die Wahl eines neuen Oberhauptes der katholischen Kirche zu konzentrieren.
Wahlberechtigt sind alle Kardinäle bis zu 80 Jahren.
Die komplette Wahlverordnung mit dem gesamten Procedere kann man hier nachlesen.
Den Kardinälen obliegt die Pflicht, aus dem Kollegium einen Mitbruder zu wählen, der Papst werden soll. Und damit Oberhirte der katholischen Kirche.
Prinzipiell kann ja jeder (männliche) Katholik Papst werden. Der Einfachheit halber wird meist ein Mitglied des Kardinal-Kollegiums gewählt.
Wenn die Kardinäle sich geeinigt haben und der weiße Rauch aufgestiegen ist, dann tritt der Kardinal-Protodiakon auf die Loggia und spricht die Worte: „Annuntio vobis gaudium magnum, habemus Papam: Eminentissimum Reverendissimum Dominum (Vorname des zukünftigen Papstes) Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem (Nachname) qui sibi nomen (Papstname) imposuit” - Ich verkünde Euch eine große Freude. Wir haben einen Papst: Den Hochwürdigen Herrn _______, Kardinal der Heiligen katholischen Kirche, _Nachname_, der sich den Namen _Papstname_ gegeben hat.
Ja, und dann hat die katholische Kirche einen neuen Papst.

(mit Material der Deutschen Bischofskonferenz)

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In der Kategorie Kirche, Religion am 11.02.13 um 20:39 Uhr veröffentlicht.
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Danke, Papst Benedikt

Da habe ich mich getäuscht. Noch im letzten August glaubte ich, dass Benedikt XVI. eher im Amt sterben würde, als zurück zu treten.
So kann’s gehen. Aber ich habe Verständnis und Respekt für die Entscheidung. Der Papst hat das Amt in einer schweren Zeit übernommen, und im Grunde genommen lenkte er ja das Schifflein Petri schon zu Lebzeiten seines Vorgängers Johannes Paul. In fast 8 Jahren Pontifikat hat er vieles unternommen, um Menschen miteinander zu versöhnen. Nicht alles mag gelungen sein, nicht alles mag glücklich gewesen sein oder gar gut kommuniziert worden sein. Ich bin mir aber sicher, dass Benedikt Maßstäbe gesetzt hat und seinem Nachfolger große Schuhe hinterlassen wird. Sowohl in theologischer als auch menschlicher Hinsicht.

Mich hat vor allem der Dialog mit unseren älteren jüdischen Brüdern berührt. Und er hat mich bestärkt und angespornt, an meiner Stelle das Meine zu tun, um den Dialog mit Religionen und Kulturen zu intensivieren.

Darüber hinaus kann ich mich den Stellungnahmen verschiedenster Politiker nur anschließen: Diese Entscheidung verlangt Respekt.
Sie wird über das Pontifikat hinausreichen.

Ab dem heutigen Tag wird sich jeder Nachfolger Petri auf dem Heiligen Stuhl an dieser menschlich sehr verständlichen Entscheidung messen lassen müssen.

Benedikt hat sich und seine Person bedingungslos dem Amt und seinen Erfordernissen untergeordnet. Mit seinem Rücktritt hat Joseph Ratzinger wahre Größe vor Gott und den Menschen gezeigt. Die Kirche wird sich ändern, wird sich ändern müssen. Dieses Erbe wird noch schwer wirken. Ich sehe da durchaus eine Linie zur Forderung des Papstes, dass die Kirche sich „entweltlichen” muss. Es gehört spätestens seit heute dazu, nicht am Amt zu kleben. Nicht, dass ich das Leiden seines Vorgängers vermindert darstellen möchte. Kirche ist leidend, strahlend und triumphierend. Das war sie immer. Und wer je den Rosenkranz gebetet hat, kann das nachvollziehen.

Ab dem heutigen Tag ist Kirche auch sehr realistisch.
Dafür, lieber Papst Benedikt, herzlichen Dank.
Respekt für die Entscheidung – und einen langen, ruhigen Lebensabend.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat ein umfangreiches Dossier zum Rücktritt Benedikts XVI. zusammengestellt, in dem auch die Aspekte einer Sedisvakanz und der Papstwahl beleuchtet werden.

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In der Kategorie Kirche, Religion am um 13:58 Uhr veröffentlicht.
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Ein beeindruckendes Fenster

Johannes Paul II. in einer Breslauer Kirche als Fenster-Mosaik

An ruhigen Tagen wie diesem Sonntag durchstreife ich schon mal gerne meine alten Fotos. Heute blieb ich wieder mal an einem Bild hängen, das ich im April 2010 in Breslau machte. Die Polen sind für ihre Frömmigkeit bekannt und haben ihrem Papst Johannes Paul II. viele Denkmale gesetzt. Unter anderem dieses Fenster in einer Breslauer Kirche.

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In der Kategorie Kirche, Kultur am 06.05.12 um 17:35 Uhr veröffentlicht.
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Die Kirche zwitschert …

… und damit meine ich jetzt nicht die wunderschöne Polka ‘Dompfaff’ von Ernst Mosch und seinen Egerländer Musikanten, sondern das Engagement der katholischen Kirche in Social Media.

Kirche und Internet – auf den ersten Blick unvereinbar. Das Internet, schnell mit bösen Dingen wie Raubkopie, Pornografie und Datenmissbrauch in Verbindung gebracht, scheint nicht der Ort zu sein, in dem sich die Kirche aufhalten will. Und doch: Die Kirche ist im Bereich Social Media schon vertreten und will noch aktiver werden. Seit wenigen Wochen twittert sogar der Papst, unterstützt von seinen Mitarbeitern in der Kurie.

Eine Ebene weiter unten sieht das etwas anders aus: Der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, twittert selber, er hat auch die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Regensburg begleitet. Michael Fuchs hält seine Mitarbeiter sogar an, sich in Social Media zu engagieren. Wie das genau aussieht, das wird in der Folge ein weiterer Beitrag behandeln.

Bei der Bischofskonferenz sagte der Vorsitzende, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, im Anschluss an sein Statement, dass alle Fragen von uns Pressevertretern erlaubt seien. Ich habe etwas gezögert, ihm eine Frage zu Social Media zu stellen, er ist kein Digital Native. In seinem Statement sprach er ‘Cybermobbing’ als ‘Keibermobbing’ aus. Nicht schlimm, für das Internet und Social Media hat der Bischof ja auch seine Mitarbeiter. Übrigens: Die Kollegen der Presse haben etwas gelacht, aber ich glaube, auf Dauer wird Social Media für alle Medien(vertreter) ein unverzichtbarer Teil der Arbeit werden.

Hier ist der Link zu meiner Frage und der Antwort von Erzbischof Zollitsch und Matthias Kopp, Leiter der Pressestelle der Bischofskonferenz. (Danke an domradio, die mir freundlicherweise erlaubt haben, aus ihrem Stream zu zitieren.) Erzbischof Zollitsch hat übrigens einen Twitteraccount, ich fände es schön, wenn durch diesen Beitrag auch die Bischofskonferenz das Twittern anfangen würde.

Tweets von GV Michael Fuchs

Generalvikar Michael Fuchs ist da schon weiter. Wie das aussieht, habe ich mal in einem ScreenShot festgehalten: (Hinweis für Nicht-Twitterer: Die Beiträge von unten nach oben lesen!) Mit dem Leiter der Pressestelle des Bistums Regensburg, Clemens Neck, bin ich vor der Konferenz schon zusammengetroffen. Ich habe ihm mein Anliegen und meine Ansichten geschildert und habe regelrecht offene Türen eingerannt. Heute morgen hat sich ein Mitarbeiter der Pressestelle gleich telefonisch bei mir gemeldet und mir versprochen, dass ich für einen weiteren Beitrag Einblicke und Gesprächspartner vermittelt bekomme, wie sich die Kirchenleitung des Bistums Regensburg ihr Engagement in Social Media vorstellt. Ich bin selber schon ganz gespannt, was mich da an Erkenntnissen erwartet. Ich habe die Gelegenheit gehabt, im Anschluss an die Pressekonferenz mit Erzbischof Zollitsch auch den Oberhirten des Bistums Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, zu Social Media zu befragen. Er kann, so sagte er, sein iPad bedienen, mit dem iPhone umgehen, findet das Engagement seiner Pressestelle beachtlich, aber: Ihm ist ‘Face to Face und nicht nur Facebook’ lieber. Wer wissen will, welche Bischöfe und Äbte schon twittern, der kann dem Generalvikar des Bistum Regensburg folgen. Michael Fuchs berichtet regelmäßig in seinen Tweets von seinen Entdeckungen.

 

Zum Abschluss meines Blogs noch ein paar Screenshots von meiner ‘Berichterstattung’. Und dabei ein Dank an Kollege @Polodessit für das Lob, das er über Twitter aussprach. :)

Ich finde das Thema interessant und berichtenswert. Deswegen: To be continued.

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In der Kategorie Social Media am 02.03.12 um 15:25 Uhr veröffentlicht.
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