Ein strammes Programm hatten die Piraten sich für ihren Landesparteitag 2013 vorgenommen. Ob das klappen würde? Nach dem Besuch des Oberbayern-Parteitages vor einem guten halben Jahr konnte man durchaus zweifeln. Damals verstrickten sich die Piraten in vielen Änderungsanträgen. Ganz anders dieses Mal: Die Piraten haben aus dem Chaos der Vergangenheit gelernt und arbeiteten sich zügig durch die Vielzahl der Anträge.
Von der Methodik der Piraten können sich die etablierten Parteien durchaus die eine oder andere Scheibe abschneiden. Der Antrag wird zur Entscheidung aufgerufen, der Antragsteller erläutert ihn. Da im Vorfeld via Internet schon über den einen oder anderen Antrag diskutiert wurde, kann die Basis um eine Meinungsbild nachfragen. Das heißt, dass die anwesenden Mitglieder per Stimmkarte darüber entscheiden können, ob ein Antrag überhaupt diskutiert werden soll. Ist dies nicht gewünscht oder erfolgreich absolviert, gibt es jeweils fünf Pro- und fünf Contra-Redner. In Unterhaching hatten die Piraten das auch räumlich getrennt.
Danach wird vom Versammlungsleiter gefragt, ob weiterer Diskussionsbedarf besteht. Oder aber die Basis kann am „Help-Desk” beantragen, dass die Rednerliste geschlossen wird. Dann wird per Stimmzettel abgestimmt.
Das Verfahren ist basisdemokratisch und zielführend. Und die Atmosphäre bei diesem Parteitag: professionell. Gut, über manche Begründung und manchen schrägen Vergleich mag man den Kopf schütteln, aber insgesamt haut das bei den Piraten mit der Basisdemokratie hin. Bis Sonntag um 17.18 Uhr wurden so 70 Anträge verabschiedet. Wie die @PP_Flaschenpost, redaktioneller Twitteraccount der Piraten, schreibt: „Absoluter Rekord”.
Stefan Körner, bayerischer Piratenchef, meinte in einem Gespräch: „ Wir sind schon viel professioneller geworden und werden es noch immer mehr werden.”
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Außer vielleicht: Etwas mehr Realitätssinn bei manchen Anträgen könnte nicht schaden, um schaffbare politische Ziele zu setzen.
Aber das ist vielleicht auch ein Markenzeichen der basisdemokratischen, auf dem Weg zur Professionalisierung befindlichen Piratenpartei.
Im ersten Teil dieses Jahresrückblicks beschäftigte ich mich mit Musik. Jazzweekend in Regensburg, Musik als pädagogisches Element in der Schule, Musik als das, was sie sein soll: Volkes Musik. Musik ist aber immer auch Ausdruck. Und Volksmusik, egal, ob an Stammtischen oder im Konzertsaal dargebracht, ist Volkes Musik. Volkes Musik soll auch Volksmusik bleiben.
Musik ist Wert. Musik ist wertvoll. Und kein Mensch kann ernsthaft fordern, dass Musik kostenlos sein soll. Insofern verstehe ich die GEMA, dass sie Abgaben fordert. Wenn diese Abgaben dann nur auch die Musikschaffenden erreichen würden. Dass 95 Prozent der Musikschaffenden sich mit fünf Prozent der Urheberabgaben zufrieden geben müssen, ist dank der Aufklärungsarbeit von Bruno Kramm (Piraten) und anderen kein Geheimnis mehr. Die Geschichte mit Crowdfunding soll mal unbeleuchtet bleiben.
Klar, die USB-Stick-Geschichte war der Knaller des Jahres. Die GEMA erhöht (für die ZPÜ) die Leerabgabe auf Speichermedien. Eine solche Geschichte zuerst zu haben, ist das Sahnehäubchen als Journalist und Blogger. Und wenn ich nicht bei Twitter aufmerksam mitläse, dann wäre diese Geschichte an mir vorbeigegangen. Ein bisserl Eigeninitiative, eigene Recherche und guter Willen langen, um ein Thema zu platzieren. Und dann dazu ein Multiplikator. In meinem Fall war das Thomas Stadler. Rechtsanwalt aus Freising, ein Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat und die ganze Computer-Branche im Blick hat. @RAStadler kann das alles.
Das Digitale und das Natürliche (!) treiben mich um. Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen das. Als ich am 1. August als Pressereferent der Katholischen Erziehergemeinschaft berufen wurde, war ich teilweise unbedarft. Das gebe ich gerne zu. Ich arbeite gerne mit Ursula Lay zusammen, mit vielen Lehrern, bin gerne auf Veranstaltungen, bekomme auch ordentliches Feedback. Nicht nur immer positiv, aber: Wir arbeiten dran. Und dann gibt es kleine Highlights wie das Interview mit Kurt Neudert. Er ist 50 Jahre bei der KEG, im (Un-)Ruhestand und immer noch aktiv. Zum Beispiel engagiert er sich im Wertebündnis Bayern.
Immer wieder beschäftigt mich auch das Mediensterben. Vor allem das der Holzmedien. Zeitungen sind wichtig. Aber Zeitungen werden verlieren. Also zumindest die aus Totholz. Mit Klaus Schrage habe ich mich unterhalten. Zum Tod der Nürnberger Abendzeitung. Hier können Sie vor allem nachhören. Ich gebe es zu: Ich habe auch keine Patentrezepte, die Print retten könnten, selbst, wenn ich das wollte. Die gnadenlose Revolution ist Bestandteil unseres journalistischen Lebens geworden. Die AZ, die Frankfurter Rundschau, die Financial Times Deutschland sind die ersten, die es in Deutschland so richtig böse erwischt hat. Dazu die Nachrichtenagentur dapd. 2013 wird sich dieser Trend fortsetzen. Manchem Kollegen der schreibenden Zunft, der immer noch glaubt, dass „Zeitung in der Schule” das Rettungsmittel ist, wünsche ich: Wach bitte auf. Egal, wie hart das gerade ist. Stell Dich neu auf. Überprüfe Deine Positionen.
… oder: Stefan Körner erklärt uns, warum das Internet kein rechtsfreier Raum ist und, dass es einen Shitstorm auch analog gab und gibt.
Der Presseclub München war mit einer Diskussionsrunde auf den Medientagen München zu Gast. Thema: „Die neue Macht des Internets”. Parallel dazu haben heute zwei bundesweit bekannte Piraten ihren Rückzug aus der Parteispitze bekanntgegeben. Die noch junge Partei ist in unruhigem Fahrwasser. Die Querelen und Streitereien, die man auch täglich via Twitter verfolgen kann, überdecken die Sachthemen der Piraten.
Dazu kommen Themenbereiche, die von anderen Parteien grundsätzlich anders bewertet werden. Damit meine ich unter anderem das Internet und den rechtsfreien Raum, der damit nicht verbunden sein darf.
In einem zweiten Take erklärt Stefan Körner, was es mit dem Shitstorm auf sich hat. Eigentlich gibt es den auch analog, in den klassischen Debatten – oder in den Leserbriefen der Heimatzeitung. Unterschied: Im Internet ist es etwas heftiger und nicht gefiltert.
Für den politischen Betrieb wäre es sinnvoll, wenn auch bei den Piraten Ruhe einkehrt. Selbstfindungsprozess hin oder her.
Mein Rat an (Partei-)Freund und Feind: Messt Politiker an ihren Aussagen.
Angenehm, wenn sie ruhig, aber bestimmt vorgetragen werden.
Ein Saal in Oberbayern. Scheinwerfer leuchten eine Bühne aus, eine Kamera ist an der Seite aufgestellt und soll das Geschehen auf der Bühne einfangen. Über die Tischreihen im Saal verteilt: Steckdosenleisten. Zwischen den Tischen sind die Kabel am Boden sauber mit Gewebeband befestigt. Keine Stolperfalle. Piraten-Parteitag in Peißenberg. Die Oberbayern wählen eine neue Führung.
Bei der Anmeldung im Vorraum registrieren sich ruhig und unaufgeregt die Teilnehmer für den Parteitag, im Saal nehmen sie Platz, diskutieren in Grüppchen, richten ihre Laptops und Tablets ein, versuchen, in das freie WLAN zu kommen, wenn sie nicht ein eigenes Mobile dabei haben, um im Netz zu sein. Man fragt einen Kollegen, wenn man nicht zurecht kommt, wie das mit diesem WLAN geht.
Eine Minute vor 11 Uhr geht es dann los. Der Versammlungsleiter ergreift das Wort. Überpünktlich. Soviel Disziplin haben doch sonst nur etablierte Parteien?
Allerdings wäre der Bezirksparteitag beinahe auch wieder zu Ende gewesen. Nur nach mehrfacher Nachfrage durch den Versammlungsleiter fanden sich zwei Protokollführer. Den Rest der Parteitags-Mannschaft zusammenzustellen, ging dagegen recht schnell über die Bühne. Innerhalb von 12 Minuten stand das Team.
Die Erklärung der Geschäftsordnung beginnt, nach sechs Minuten ist sie angenommen.
Einziger Punkt, der debattiert werden musste: Eine geheime Abstimmung. Das wird angenommen, ein Quorum von 5 Mitgliedern ist notwendig, um eine solche durchzukriegen.
Einen kleinen Formalmangel gilt es zu bemerken, wie mich mein Nachbar Victor Fuchs, erfahrener Parteitagsgänger aufklärt: Die fristgerechte Ladung zu protokollieren, sollte am Anfang eines Parteitages stehen.
Presse und Gäste werden uneingeschränkt zugelassen, einzige Einschränkung später: Bei den Wahlgängen darf nicht fotografiert werden.
Die Piraten haben aus dem letzten Bundesparteitag gelernt. Und ehrlich: Ist es wirklich so interessant, abzulichten, wie Mitglied XY einen Zettel in einen Kasten steckt?
129 stimmberechtige Mitglieder sind im Saal. Sie werden einen neuen Vorstand wählen. Der alte tritt nach 9 Monaten nur noch in Teilen an. Bevor es so weit ist, wird in basisdemokratischer Form über die Tagesordnung gestritten. Aber 38 Minuten nach Eröffung des Parteitages kann verkündet werden: Heureka, wir haben eine Tagesordnung.
Die bisherige Bezirksvorsitzende Emmanuelle Roser legt einen Tätigkeitsbericht ab. Kurzgefaßt: Zwei von sieben gewählten Vorstandsmitgliedern sind abhanden gekommen.
Aber seit letztem November wurden 8 Kreisverbände gegründet. Insgesamt gibt es nun 3050 Piraten in Oberbayern.
In zwei Bürgermeisterwahlen in Landsberg und Reichenhall schickten die Piraten Kandidaten.
Außerhalb von München wurde die Sichtbarkeit der Piraten deutlich verbessert.
Roser merkte an, dass die Piraten in Oberbayern nun flächendeckend vertreten seien, der Vorstand habe die fünftgrößte Gliederung in Deutschland. Sie wurde, so die scheidende Bezirkschefin, durch stürmische Zeiten gelenkt.
Danach folgte der Kassenbericht des Schatzmeisters Nikolaus Jaroslawsky.
Rund 63.000 Euro hat der Bezirksverband finanziell zur Verfügung.
In einer sauber gestalteten Tabelle listet der Schatzmeister die Posten auf, per Beamer auf der Leinwand abzulesen.
Auf eine Besonderheit ging er ein: Der Bezirk Oberbayern gab dem Landesverband Bremen ein Gründungs-Darlehen, dieses wurde letzte Woche zurückgezahlt.
Fazit: Der Bezirk ist nicht pleite, das Geld kann genutzt werden. Eine Vertreterin der Rechnungsprüfer merkte anschließend an, dass der Schatzmeister, der das Amt auch interim übernahm, mehrfach auf sie zugekommen sei und gebeten habe, über die Kasse zu schauen. Die Prüferin voll des Lobes: „Das ist mir noch in keinem anderen Verband passiert.”
Jaroslawsky wurde wie der Vorstand entlastet.
Dann stehen die Neuwahlen auf dem Programm.
Als Kandidaten für den Bezirksvorsitz kandidieren Franz Josef Bachhuber und Roland „ValiDOM” Jungnickel.
Der eine eher der bodenständige Niederbayer, „Typ Opfesaft”, ehedem in der SPD aktiv und danach CSU-Wähler. Der andere, Jungnickel, kommt aus Dresden, seine Aussagen sind eher plakativ, mit Schlagworten gespickt.
Ein großer Unterschied: Der Ältere hält eine freie Rede beim „Kandidatengrillen”, der andere liest ab. Bachhuber wirkt anfangs unsicher, holt aber deutlich auf, als die Fragen eher seine Themen treffen.
Das alleine reichte Bachhuber aber nicht: Jungnickel wurde im ersten Wahlgang zum Vorsitzenden der oberbayerischen Piraten gewählt (89 zu 59 Stimmen).
Ein klares Votum.
Ebenso wurde Nikolaus Jaroslawsky eindeutig als Schatzmeister gewählt.
Fotos vom Bezirksparteitag:
Was für eine Woche!
Am Montag habe ich in Heimarbeit zwei Artikel online gestellt. Der eine zur informare!, der andere lag schon etwas auf Halde. Karlheinz Rieger hatte ich im Rahmen meiner Social-Media-Interviews vor das Mikrofon gebeten. Manchmal brauchen gute Geschichten auch Zeit, um zu reifen. Oder anders gesagt: Mir fehlte der Dreh in die Geschichte. Kollegen kennen das. Gut, wenn eine Story dann zeitlos ist. Ich habe noch ein paar Sachen auf Lager.
Der Dienstag war der Horst-Tag. Der CSU-Vorsitzende lud zur Facebook-Party in die Münchner Diskotek P1.
Nach drei Stunden Schlaf machte ich mich auf nach Berlin. Mittwoch abend, 17 Uhr, würde ich dort mit Gunnar Sohn auf der Bühne sitzen und eine Art Late-Night-Show moderieren. War cool. Danach gingen Gunnar, Hannes Schleeh, Bernd Stahl und ich noch in die Ständige Vertretung. Bei Altkanzler-Platte (Currywurst!) und Kölsch diskutierten wir und gebaren die Idee eines Blogger-Camps. Mehr dazu gibt es demnächst bei Gunnar Sohn und mir in den Blogs. Diese Momente liebe ich sehr. In lockerer Runde eine Idee ausbrüten und dann weiterspinnen.
Nach gut 6 Stunden Schlaf war ich nochmal auf der informare, bearbeitete die Audioversion des Panels. Und merkte, dass ich viel zu müde für irgendwas bin. Dennoch habe ich gute Gespräche geführt. Mittags bin ich dann zum nächsten Termin gehetzt. Donnerstag mittag Kaffeetrinken mit Dagmar Wöhrl, CSU-MdB. Seit der fragwürdigen Publikation des SPIEGEL zu einer Auslandsreise der Bundestagsabgeordneten sind wir einander herzlich verbunden. Politisch sicher nicht immer kongruent, aber eben herzlich und respektvoll. Lustig auch, dass ich mehr Zeit bei Dagmar Wöhrl verbringen durfte als ein Botschafter, der nach mir vorsprach. Ich habe übrigens bei diesem Termin keine Fotos gemacht. Keine Audio-Aufzeichnung. Das war privat.
Nachmittags fuhr ich wieder heim. Den Freitag habe ich dann telefonierend und Wäsche waschend verbracht. Und zwei Angebote geschrieben.
Meine Erkältung ist leider immer noch nicht besser geworden. Dennoch will ich, wenn es geht, am Sonntag zur Wahlparty der Piraten nach München. Am Dienstag abend habe ich auf der Party bei Seehofer drei sehr sympathische Vertreter dieser Partei kennengelernt.
Und die nächste Woche?
Irgendwas mit Urheberrecht.
Glaube ich.
In diesem Internet ist eine heftige Diskussion entbrannt. Es geht um die sogenannten “Stillen Feiertage”. Dem Wesen nach sind das Tage, an denen keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden dürfen. Allenfalls solche, die der geistigen Erbauung dienen. Eine Tanzveranstaltung ist nun etwas, das sicher denen, die dran teilnehmen, der Erbauung dient. Inwiefern das geistig geprägt ist, lassen wir mal dahingestellt.
Wir haben in Deutschland eine nicht immer ganz scharfe Trennung von Kirche und Staat, insofern mag mancher fragen, wieso sich der Staat für den Schutz dieser Tage einsetzt.
Um es klar zu sagen: Ich finde es gut, dass der Staat diese Tage schützt. Wenngleich sich die Kirchenbesucherzahlen rückläufig entwickeln, manche Zeitgenossen an hohen kirchlichen Feiertagen eher der Modenschau wegen in die Kirche gehen denn des Anlasses wegen (Weihnachten!), so freue ich mich, dass die beiden christlichen Kirchen diesen Schutz geniessen. Als unsere (Groß-)Väter das Grundgesetz entwarfen und damit den Schutz dieser Tage zementierten, waren die Kirchen noch eine andere gesellschaftliche Größe. Das stelle ich nicht in Abrede. Es hat sich viel in Deutschland geändert. Der zehnte Bundespräsident dieses Landes hat festgestellt, dass der Islam in Deutschland angekommen ist und unumkehrbar dazu gehört. Wir haben die Juden in diesem Land, die parallel zu unserem Ostern ihr Pessach feiern.
Die Problematik geht also mehr in die Tiefe, als man auf den ersten Blick glauben mag.
Wenn ich eine Zahl in den letzten Tagen richtig im Kopf behalten habe, sind es gut 38 Prozent Menschen in Deutschland, die nicht einer der christlichen Konfessionen angehören. Im Umkehrschluss bedeutet das zunächst, dass gut 60 Prozent der Einwohner dieses Landes der evangelischen oder katholischen Kirche angehören. Das ist fast eine Zweidrittel-Mehrheit für eine der großen Kirchen. Gut, die meisten sind nicht mehr in der Kirche aktiv. Aber prinzipiell sind es immer noch die “Mehran” (die Mehreren, die Mehrheit), wie wir in Bayern sagen. Und irgendwie ist in unserem Staat geregelt, dass die “Mehran” bestimmen, wo es lang geht.
Das mag nicht immer zum Vorteil gereichen, zugegeben. Aber es ist wohl eine Konvention, die wir nicht vernachlässigen sollten. Sonst haben wir irgendwann wieder eine Diktatur, in der Wenige über das Schicksal Vieler entscheiden.
Legen wir diese Gedankenspiele mal auf den Staat um. Seit Jahren zeigt sich, dass immer weniger Bürger zur Wahl gehen. Obwohl sie als Mitglieder der Organisation Bundesrepublik Deutschland dazu berechtigt sind. Da die Wahlen sonntags stattfinden, ist im Prinzip gewährleistet, dass alle teilnehmen können. Wer es nicht kann und dennoch will, darf Briefwahl machen.
Das geht bei der Teilnahme an einer konfessionsgebundenen Veranstaltung nicht, da muss man schon persönlich hin.
Ich gönne jedem sein Tanzvergnügen. Wirklich. Meinetwegen auch an einem Stillen Feiertag.
Vor ein paar Tagen, als die Diskussion entbrannte, auf schrieb ich auf Twitter: ‘Liebe Piraten, lasst mir und vielen Glaubensbrüdern und -schwestern den Karfreitag, wir lassen dann Euch dann auch Euern Parteitag.’
Dazu stehe ich auch heute noch.
Alternativ: Wir schaffen den Karfreitag (e.a.) als (Stille) Feiertage per se ab, dann dürft Ihr tanzen. Dazu führen wir den Samstag als vollen Arbeitstag wieder ein, nicht nur für Verkäuferinnen und vergleichbare Berufsgruppen. Ich lasse sogar mit mir über die Abschaffung des Sonntags diskutieren. Ja. Generell.
Keine Feiertage für Niemanden. Keine Erholungsphasen, keine Besinnung. Für nichts und Niemanden. Die Ersten, die sich freuen, sind die Fahrlehrer. Die können gleich am Sonntag wieder anfangen, Fahrstunden zu geben. Soll doch jeder machen können, was er will. Dann haben alle Läden toujours auf, was wichtig ist, wenn Ihr morgens um drei feststellt, dass Euch die Club Mate ausgegangen ist.
Aber: Schon im Alten Testament steht, dass alles seine Zeit hat.
Das Innehalten bei uns Menschen hat eine lange Tradition. Es ist wichtig. Gleich, ob religiös oder psychologisch, gar anthroposophisch begründet. Jedwedes Lebewesen hat seine Erholungsphasen. Manche Tiere halten Winterschlaf. Wir Menschen haben in tradierten Schemen unsere Phasen der Erholung und des Innehaltens. Ich fasse das nun extra etwas weiter, weil ich glaube, dass manchem von Euch der große Zusammenhang etwas abhanden gekommen ist.
Ich glaube, dass das ein Punkt ist, den Ihr Piraten hinter Euren Mac- und Notebooks, Desktop-Rechnern und sonstigen Dateneingabegeräten etwas vergessen habt. Zu diesen Punkten des Innehaltens dienen auch immer wieder Sonn- und Feiertage. Und sie sind in unserer abendländischen Kultur von der Kirche geprägt und an ihr orientiert. Ich weiß aus eigerner (leidvoller) Erfahrung auch, dass diese ‘Zweiten Feiertage’ wie an Ostern, Pfingsten und Weihnachten nicht nur Langeweile, sondern auch Stress in der Familie hervorrufen. Finde ich auch nicht gut, ganz ehrlich. Das sind die Punkte, an denen ich mich freue, Single zu sein. Und ja: Ich möchte am Ostermontag oder am Zweiten Weihnachtsfeiertag dann lieber etwas anderes machen als in feiertagsseliger Regungslosigkeit zu verharren.
Alternativ zu einer generellen Abschaffung aller Sonn- und Feiertage für alle und der damit teilweise verbundenen Stille kann ich auch über eine Einführung von Feiertagen aller religiösen Gruppen mit Mitmachen für alle nachdenken.
Wir feiern dann keinen weltlichen Fasching mehr, sondern besaufen uns nur noch mit allen Juden an Purim. Wir halten Ramadan und tischen nach Sonnenuntergang allerlei Köstlichkeiten auf. Bitte. Kein Problem. Ich bin dabei. Sofort. Weil ich mich durchaus als aufgeschlossen und interessiert an anderen Kulturen halte.
Bei allem, was ich nun geschrieben habe: Wir sind eine abendländische Gesellschaft, die durch die Kirchen (vor allem die katholische) geprägt ist. So, wie andere Kulturen durch ihre Feiertage geprägt sind. Und ich habe auf die theologische Komponente dieser Stillen Feiertage nun verzichtet, weil ich zur theologischen Exegese nicht berufen bin. Und das auch gar nicht sein will.
Überlegt Euch ganz genau, was ihr abschaffen wollt.
Ehrlich gesagt, gerade diese katholischen Feiertage machen mir auch viel Arbeit und Mühe. Ich darf dann jedes Mal wieder mit “meinem” Kirchenchor, bei dem ich im Bass singe, vorher viel üben und habe viel zu tun an diesen Feiertagen. Aber ich mache das gern. Es sind nicht nur religiöse Gründe, ein Gutteil Therapie ist mit dabei.
Es ist mein Flausch, den ich brauche.
Und auch Piraten brauchen Flausch.
Rücksichtnahme ist eine wundervolle Eigenschaft.
Und die Freiheit endet immer da, wo … ach nee, das waren ja nicht die Piraten, sondern das war die olle Luxemburg.
Die Rant- und Wutrede von Sven Regener im Zündfunk bei Bayern2 hat Ende letzter Woche Wellen geschlagen. Eine sehr gute Antwort des “Urhebers” und Piraten Fritz Effenberger findet sich bei ‘Sven Regener, du erzählst Unsinn und ich erkläre Dir, warum‘.
Sven Regener ist kein Einzelfall. Dieses Internet haben viele der ‘etablierten’ Musiker noch nicht begriffen. Warum auch? Die GEMA als Wahrnehmerin und Verwalterin der Rechte weiß ja selber nichts mit dem Internet anzufangen, wie die kürzlich vorgestellten Bilanzzahlen deutlich zeigen. Und wenn die GEMA, an deren Tropf auch so Künstler wie Regener hängen, irgendwo kein Erlösmodell sieht, dann kann das ja nix sein. Das Netz ist böse, weil die ‘Netzgemeinde’ zu Raubzügen in die digitalen Weiten des Netzes aufbricht.
Klar ist, dass es diese Auswüchse mit dem Aufkommen von Kopiermöglichkeiten begünstigt hat und es diese Auswüchse auch immer geben wird. Der nächste Filehoster steht sicher schon in den Startlöchern. Wie immer, hat jedwedes Ding zwei Seiten, auch dieses Internet. Ich kann Diebstähle begehen, aber ich kann meine Schaffenskraft auch zum Wohle aller einsetzen – und: Ich kann damit Geld verdienen. Die richtigen Erlösmodelle gibt es in weiten Teilen noch nicht, jeder Autor ist seines eigenen Glückes Schmied und mancher wird mit diesem Internet kein Geld verdienen. Die Verlage versuchen unterdessen, mit dem Leistungsschutzrecht ihre Pfründe zu sichern. Ist das Internet deswegen böse, weil es mich nicht ernährt? Die Leistungsschutzrecht-Verfechter sagen uns das. Diese Position wird von den Regeners einfach unkritisch übernommen. Vielleicht ist aber die Polarisierung zwischen GEMA und den Regeners auf der einen Seite und den Piraten und Urhebern, die das Netz zu schätzen wissen und davon leben, ganz gut. Sie beschleunigt den Niedergang – aber den von Leistungsschutzrecht und Wahrnehmungsverträgen. Die Verwertungsgesellschaften und ihre Nutznießer können dem nur entgehen, wenn sie zu Internet-Verstehern werden und dieses Verständnis manch einem ihrer Musiker weitergeben.
Nicht nur Musiker und GEMA müssen lernen, das Internet zu verstehen, auch die Politik muss das. Das hat der gestrige Wahlabend gezeigt. Ziemlich hilflos wurde gegen das Netz, die Netzgemeinde, für den Klarnamen und so weiter gepoltert. Wer das macht, muss sich nicht wundern, wenn Wähler sich Alternativen suchen.
Aber zurück zu Regener und seinem Aufschrei: Ich habe im ‘The European’ einen sehr guten Artikel von Gunnar Sohn gelesen: Sven Regener und das Copyright. Meine Empfehlung!