Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung soll der zweite Münchner Stammstreckentunnel rund 400 Millionen teurer werden als bislang bekannt. Begründung der Bahn: Höhere Planungskosten (*hust*) und die Verschiebung der Eröffnung von 2019 auf 2020.
Warum wundert mich das nicht?
Zeit für ein kleines Gstanzl:
Da zwoate Tunnel, der werd teurer /
warum wundert mi des ned? /
Weil überall, wo unser Bahn plant, /
as Goid recht schnell zu Ende geht.
Karlheinz Rieger twitterte wenig später:
In Stuttgart werd’s teuer, /
in Berlin scho erst recht. /
Drum wundert’s, dass Minga /
aa dabei sei da mecht.
Und oana geht no, meinte er kurze Zeit später: Voilá!
Die S-Bahn, die brauch ma /
des wiss’ma ja eh. /
Doch warum soi ma jetzt na /
in zwoa Tunnels steh’?
Das kann ich so nicht auf mir sitzen lassen. ;)
‘s is wurscht, ob alternativ /
ebbs billiga werden kannt /
mit Probebohrungen am Rathaus /
hat Ude gnua Goid vabrannt.
(Anmerkung: Ich sehe ein Gstanzl als politischen Beitrag – so, wie der Roider Jackl und andere diese gepflegt haben.)
An der Meldung über die Erhöhung der Leermedien-Abgabe auf USB-Sticks und Speicherkarten entzünden sich spannende Diskussionen. Die Meldung kam am Mittwoch über dieses Blog raus und wurde bei Twitter, Google+ und Facebook oft geteilt. Am Donnerstag stieg auch die Nachrichtenagentur dapd ein, leider haben sie mich als Quelle nicht benannt, aber das Thema ist auch heute noch top. Auch Breitband in Deutschlandradio Kultur berichtet.
Die Mehrheit der User schimpft und spottet über die ZPÜ / GEMA.
Ich bin derzeit in der Diskussion auf Google Plus. Und ich versuche zu sensibilisieren. Schimpfen, Bombendrohungen, Drohungen gegen Mitarbeiter der GEMA sind töricht und helfen uns allen nicht. Nicht den Nutzern, nicht der GEMA, der ZPÜ oder anderen Verwertungsgesellschaften.
Die rechtliche Grundlage einer Leerabgabe auf Speichermedien steht auf gesetzlichen Füßen. Über die Höhe, den Sinn oder die Pauschalisierung darf man streiten.
Ja, ich fordere sogar, dass drüber gestritten und debattiert wird. Nur so kommen wir zu einem Urheberrecht, das diesen Namen verdient und allen Beteiligten gerecht wird.
Die Kostenlos-Kultur im Netz ist sicher nicht so groß, wie sie von manchen dargestellt wird. iTunes, Amazon und andere Anbieter haben Plattformen, die zeigen, dass digitaler Handel möglich ist und ich gekaufte Titel auch nochmal als Privatkopie speichern kann. Meine eigenen Versuche mit Teilen von Inhalten zeigen: Auf legalem Weg (Bluetooth zu Bluetooth von iPod zu Mobile) geht es nicht. Ich glaube sogar, dass auf den meisten Abspielgeräten “legale” Inhalte zu finden sind.
Wenn ich mir was wünschen dürfte …
bringen Sie sich ein in die Diskussion, polemisieren und diffamieren Sie nicht.
Schauen Sie im Netz nach Möglichkeiten, wie ein anderes Urheberrecht möglich werden kann. Engagieren Sie sich. Es ist nicht ihr Schaden.
Eine Verwertungsgesellschaft ist sinnvoll, aber sie sollte gerecht sein.
Und ein Leistungsschutzrecht würde obsolet.
Die Geschäftsführerin des Informationskreises AufnahmeMedien hat sich gestern abend bei mir mit dem Hinweis per Mail gemeldet, dass sie am 23. Mai 2012 eine entsprechende Meldung auf der Website veröffentlicht habe. Hier der Link. Mir war bis zum Lesen dieser Mail weder die Existenz des Arbeitskreises noch eine Pressemeldung bekannt. Meine Recherchen ergaben am 23. Mai auch keine Existenz einer weiteren Meldung, die wohl vom BitKom rührte.
Mein Artikel beruht auf der Website eines Speichermedien-Vertreibers, eigenen Recherchen bei der GEMA und dem eigenständigen Aufspüren des entsprechenden PDF auf der Website der GEMA. Die Erhöhung von 1850% stammte übrigens auch nicht von mir, diese ist beim Retweet meiner Meldung dazugefügt worden.
-hrb
Wer kriegt eigentlich die Lizenzeinnahmen, die die GEMA bei den Clubbetreibern kassiert? Urheber, Texter und Autoren, klar. Bearbeiter, auch klar. Aber welche? Wer profitiert vom Geldsegen? Wer viele Plattenverkäufe und Airplays meldet und hat, verdient viel, hat viel Umsatz und dementsprechend höhere Lizenzeinnahmen.
In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung bedauert David Süß, Betreiber des Harry-Klein-Clubs in München,
Die im Tanzlokal generierten Einnahmen, die an die GEMA abgetreten werden müssen, kommen nicht denen zugute, deren Musik gespielt wird (zum Beispiel Techno), sondern denen, die allgemein viele Radio-Einsätze und Chartnotierungen haben. Grund ist die Erhebungsmethode der GEMA. Diese beauftragt Media Control. Das Musikmonitoring beschreibt die GEMA auf ihrer Website so:
„Die GEMA lizenziert mechanische Musikwiedergaben in Veranstaltungsräumen mit regelmäßigem Tanz nach dem Tarif M-U III 1c. Zu den insgesamt in Deutschland ca. 5.000 erfassten Tanzflächen zählen überwiegend Diskotheken, aber auch andere Tanzbetriebe mit unterschiedlichen Musikangeboten.
Aus dieser vielschichtigen Menge werden ca. 120 Tanzflächen statistisch so ermittelt, dass durch einstündiges Programm-Monitoring pro Woche und Tanzfläche das gesamte Spektrum der in einem Jahre wiedergegebenen Musiktitel repräsentativ abgebildet wird.“
Die Kriterien der GEMA: Quantität und Mainstream. Ein Blick in die Charts zeigt, dass Musikstile wie Techno kein Mainstream sind. Gespielt wird, was der Masse gefällt. Von Media Control wird für die GEMA erhoben, was Media Control als gespielt erhoben hat.
Abhilfe würde eine Playlist des DJs schaffen, in der er minutiös protokolliert, welche Tonträger er gespielt hat. Diese ist dann bei der GEMA einzureichen, die wiederum ihre Verteilschlüssel anwendet. Ob dieser Aufwand von einem DJ betrieben wird, ist fraglich. Der DiscJockey ist vornehmlich nicht zur statistischen Erhebung da und wird das auch nicht machen (können).
Klartext: Die Technojünger subventionieren Justin Bieber.
Eine umfangreiche Dokumentation, wer bei der GEMA viele Tantiemen erhält, findet sich bei Musiker Online.
Zur Höhe der Lizenzen, die ein Club-Betreiber ab 2013 zahlen muss, gibt es hier einen Artikel.
Ein Artikel zum Urteil des Landgerichts Hamburg in Sachen GEMA vs. YouTube finden Sie hier.
Bei den Diskotheken- und Club-Betreibern herrscht Unruhe: Es geht um die Lizenzabgaben, die Veranstalter von Clubs und Diskotheken an die GEMA zahlen müssen. Davon betroffen sind auch Schützenfeste, Bierzelte und das Galadiner mit musikalischer Komponente. Immer mehr Club-Betreiber rechnen nach und stellen fest: Ich zahle ab 2013 drauf. Aber für was oder wen eigentlich?
David Süß, Betreiber des Musik-Clubs Harry Klein in München, wird in der Süddeutschen Zeitung zitiert:
„Nach der Kalkulation zahle ich künftig mehr an die Gema, als ich überhaupt erwirtschaften kann.“
Warum fürchten die Clubbetreiber höhere Abgaben? Das liegt in der Berechnungsgrundlage, die geändert werden soll:
Bislang rechnet die GEMA mit 150 Personen auf 100 Quadratmeter. Künftig geht die Verwertungsgesellschaft von einer Zweidrittel-Belegung aus. Sprich: 100 Besucher auf 100 Quadratmetern. Auf den ersten Blick scheint das ein Entgegenkommen zu sein. Nur: Wie in diesem PDF-Fragebogen zu ersehen ist, rechnet die GEMA zum Beispiel die Schankfläche und den Platz von Disc- oder Lichtjockey nicht aus der Gesamtfläche heraus.
Dadurch würde sich die Fläche teils erheblich verringern, auf der zahlungspflichtige Besucher einer Tanzveranstaltung anzutreffen sind. Aber: Im Interesse einer Gleichbehandlung aller Betreiber, so eine GEMA-Sprecherin am Telefon, wird grundsätzlich (und gerichtlich anerkannt) jeweils von Wand zu Wand gemessen. Ausgenommen sind Bistros und Sanitärräume, die bei Hintergrundmusik anders tarifiert werden. Wirtschaftsräume, die nicht beschallt werden, fallen ebenfalls aus der Berechnung.
Als Faustformel gilt: Quadratmeter beschallte Fläche x Eintritt : 10 = Lizenzgebühr, die an die GEMA zu entrichten ist.
Die bisherigen Staffelungen entfallen, allerdings gibt es einen Nachlaß von 10 Prozent ab der 16. Veranstaltung im Monat und nochmals 20 Prozent, wenn man Verbandsmitglied beim VDMK oder der DEHOGA ist.
Einige Clubbetreiber sprechen davon, die Preise anzuheben. Wohlweislich werden das nicht die Eintrittsgelder sein, denn dann würde die Lizenzgebühr an die GEMA weiter steigen.
Also steht zu erwarten, dass Getränke und Speisen wegen der Musik teurer werden. Vielleicht sogar bei sinkenden Eintrittsgeldern.
Bleibt die Frage, an wen die generierten Lizenzeinnahmen gehen… Dazu mehr hier.
Und: Wie sieht das nochmal mit GEMA-freier Musik aus?
Bereits zum Thema veröffentlicht: Aus elf mach zwei – das neue Tarifkonzept der GEMA
Ein nettes Zitat aus der Süddeutschen Zeitung zur Twitter- und Blog-Begleitung des Nockherberg-Elends in diesem Jahr: