Die grüne Europaabgeordnete Eva Lichtenberger stieg in ihre Keynote mit der Bemerkung ein, dass ein Projekt wie Wikipedia es heute viel schwerer hätte, wen es starten würde. Lobbying, der Streit ums Urheberrecht, Versuche, die Gemeinfreiheit zu beschneiden, wären ein Hindernis für die freie Entwicklung. Viele Projekte, die einst als freie Software starteten, seien heute proprietär.
Einer der ersten Lobbyisten, der an Lichtenberger herangetreten sei, war Warner. Die Bitte, ihr etwas schriftliches zukommen lassen, ist bis heute nicht erfüllt worden.
Lichtenberger betonte, dass die Ablehnung von ACTA im Europa-Parlament nur möglich gewesen sei, weil die Zivilbevölkerung auf die Straße ging und protestierte. Die Informationen der Bürgerbewegung sei entscheidend gewesen, dass viele, die ACTA positiv gegenüber standen, das Umdenken begonnen hätten.
Aber die Gefahr von ACTA sei nicht gebannt, warnte Lichtenberger. Der Kampf ums Internet und die Freiheit sei nicht zu Ende, die Nachfolgevorhaben stehen zur Debatte.
Auch die Verträge und Gesetzesvorhaben von Ländern wie Kanada müssen dabei im Parlament beraten werden. Dank dem Vertrag von Lissabon könne das Parlament aber auch solche Vorhaben ablehnen.
Im Herbst wird das Parlament über die Reform der Urheberrechtsgesellschaften beraten. Ein großes Projekt, von dem auch Wikipedia berührt werden wird.
Ein Besipiel: Sie habe Kollegen, die das Verfassen eines Schriftstücks mit dem Erwerb eines Autos gleichsetzen. Aber genau diese Kollegen würden ihrerseits sich andererseits auch aus den Texten und Dokumenten der Wikipedia bedienen. Sagen will sie damit wohl, dass die Wertschätzung gegenüber Immaterialgütern wohl fehlt oder schwach ausgeprägt ist.
Oder deutlicher gesagt: Die Hardliner des Urheberrechts sind so frei, sich gerne bei Wikipedia und frei zugänglichen Dokumenten zu bedienen.
Mehrere deutsche Politiker sind dabei ja aufgefallen, dass sie es mit Quellenangaben nicht so genau nehmen.
Ein weiteres Problem sind die Werke, deren Verfasser unbekannt sind und die wegen möglicher Urheberrechtsansprüche nicht veröffentlicht werden. (Orphan Works) – Eine ambitionierte Regelung würde wiederum durch Verlage und Rechtelobbyisten verhindert.
Lichtenberg malte das Bild einer harten Auseinandersetzung um den Begriff des Eigentums.
Interessanter Tweet von Pavel Richter von Wikimedia Deutschland dazu:
Ein Hilferuf aus dem EU-Parlament von Eva Lichtenberger: Lasst uns nicht allein mit den Verwertungs-Lobbyisten #wikicon
— Pavel Richter (@pavel) September 1, 2012
Zum Schluß der Diskussion bat Eva Lichtenberger darum, dass die Wikipedianer und alle Interessierten Vorschläge machen, die die Abgeordneten berücksichtigen können.